Günter Weschke

Reise in die Vergangenheit

Reise in die Vergangenheit
 
Mein Name ist Phil Benson, ich bin Interpol  Agent, London.
 
Als notorischer Frühaufsteher  bin ich auch ein notorischer Kaffee Trinker, ohne diesen köstlichem Wachmacher geht gar nichts.
Zuhause also ein kleines Frühstück mit Kaffee, dann ab ins Büro und dort gleich die Kaffeemaschine  gefüttert, bald darauf ziehen wunderbare Düfte durch mein Büro.
Seltsamerweise erscheint dann auch immer mein Chef, Oberinspektor Tom Rowlings im Büro, um mit mir…nee, nicht den Dienstplan zu besprechen, sondern mit mir zusammen Kaffee zu trinken.
Danach sind wir beide dann gut drauf und Tom spricht einen Fall an, der bereits acht Jahre zurück liegt, der aber noch immer ungeklärt ist.
Ein bestialischer Mord an einem kleinen Mädchen, sie war gerade erst acht geworden, als sie vergewaltigt und brutal erschlagen wurde.
Wir sollten uns dieser Sache noch einmal annehmen und alles überprüfen, vielleicht finden wir einen Anhaltspunkt, denn der Mörder wurde bisher nicht gefasst.
Bevor er mein Büro verließ, legte er einen Aktenordner auf meinen Schreibtisch, :„Hier, ich habe sie gleich mit gebracht“!
Ich brauchte fast einen ganzen Tag, um mich mit der Geschichte vertraut zu machen.
Dann rief ich Doktor  Finch  an, er ist hier der Leichendoktor, eigentlich ein scheußlicher Job, aber er versieht ihn mit absoluter Gründlichkeit.
Ich sagte zu ihm: „ Sag mal, kann man an einer Leiche, nach acht Jahren, noch verwertbare Spuren finden“?
„ Ich muss diesen Mord aufklären und will dabei nichts unversucht lassen“!
Doktor Finch meinte ;“ Ja, man kann es versuchen, aber versprich dir nicht zu viel davon“!
Ich bat daraufhin um eine geheime Graböffnung mit Leichenschau, die Angehörigen wollten wir damit nicht konfrontieren.
Nachts um elf wurde das Grab geöffnet, der Inhalt in eine besondere Transportschachtel gelegt und in Doktor Finchs Labor gebracht.
Dort wartete bereits ein Assistent der sofort die Schachtel öffnete und zusammen mit Finch den Inhalt unter die Lupe nahm.
Schon nach kurzer Zeit fanden sie im Hals-Mundbereich einen kleinen Knopf mit einen  hervor gearbeiteten  Anker.
Alle anderen Untersuchungen erbrachten nichts.
Danach wurden die menschlichen Reste wieder verpackt und schnell zum Friedhof gebracht, wo dann nach einer Stunde nichts mehr auf die Graböffnung hindeutete.
Ich nahm mir noch einmal die Akte vor, doch ergaben sich keine Anhaltspunkte.
Am anderen Tag fahre ich noch einmal zu Doktor Finch.
Er hatte den Fall schon vor acht Jahren untersucht, jetzt sprachen wir über den kleinen Knopf.
„ Doc wie kommt es, dass bei der damaligen Untersuchung dieses wichtige Teil übersehen wurde“?
„Na ja, wir hatten damals die Vagina und den Schädel untersucht, der hatte die gewaltigen Schläge mit einen stumpfen Gegenstand nicht standhalten können, daran ist die Kleine letztendlich gestorben“!
Gefunden wurde sie übrigens in der Themse, dicht am Ufer ist sie hängen geblieben
„ Den Knopf unter ihrer Zunge haben wir damals leider übersehen“!
So kam es, dass wir den Fall noch einmal von vorn aufrollen mussten.
Ich ließ mir die Adresse der Familie des getöteten Mädchens heraus suchen und erfuhr, die Eltern haben sich zwei Jahre nach dem Mord an ihrer Tochter scheiden lassen.
Das Ehepaar hatte den gewaltsamen Tod ihrer Tochter nicht verkraftet, der Mann zog danach in eine andere Stadt, wo er noch heute lebt.
Die Frau nahm eine neue Arbeit auf, in einem Anwaltsbüro, wie wir erfahren haben, hat sie den Anwalt – Walter Harms-  vor drei Jahren geheiratet.
Also wo sollen wir anfangen?
Ich wollte noch einmal mit der Mutter des Mädchens reden, aber es sind bisher acht Jahre vergangen.
Die Anwaltskanzlei lag im Westen Londons, eine etwas vornehme Gegend.
Das einfach eingerichtete Büro wurde von einer atraktiven  Mitarbeiterin  etwas aufgewertet.
„Guten Tag, ich hätte gerne Miss Harms gesprochen, mein Name ist Phil Benson!“
Ja bitte, in welcher Angelegenheit?
„Also das möchte ich ihr gern selber sagen!“
„ So, ich bin Miss Harms, also?“
„Also es handelt sich um den Tod Ihrer Tochter vor acht Jahren, die Staatsanwaltschaft lässt den Fall noch einmal untersuchen, weil der Täter immer noch frei herum läuft!“
Sie war blass geworden, ihr Blick ging an mir vorbei.
„ Wie kann ich Ihnen dabei helfen!“
„ Wir haben eine kleine Spur gefunden, sehr klein, aber daran wollen wir erst einmal arbeiten!“
„ Was für eine Spur?“  Ihre Stimme zitterte bei der Frage.
„ Es ist ein kleiner Knopf mit einem Anker darauf, sehen Sie, hier ist er!“
Sie blickte lange auf den Knopf in meiner Hand, dann begann sie plötzlich hemmungslos  zu weinen.
„ Miss Harm, kann ich Ihnen helfen“?
Sie schüttelte nur den Kopf.
Blass und von Weinkrämpfen geschüttelt flüsterte sie :“ Walter war ein langjähriger Freund unserer Familie, er war reich, spielte Golf, war smart.
Er lud uns oft in sein Haus ein, in dem er allein wohnte.
Miss Harms stand plötzlich auf, öffnete ein kleines Schränkchen und brachte eine Flasche edlen Scotch zum Vorschein, dazu noch zwei Gläser, sie goss sie fast bis zum Rand voll,  schob mir eins davon rüber, nickte mir zu und kippte mit einem Schluck den Inhalt hinunter.
Ich tat es ihr nach, verdammt noch mal, tat das gut.
Sie sprach weiter, jetzt etwas ruhiger “ Mein Mann mochte Walter nicht, er bemerkte immer öfter, dass Walter meine Nähe suchte.
Eines Tages gab es einen riesen Krach und ich durfte Walter nicht mehr sehen“!
„Wir trafen uns aber immer wieder. Einmal hatte unsere Tochter uns gesehen,
gerade als wir ein Hotel verließen, ich war entsetzt“!
„Walter versuchte mich zu beruhigen, aber ich war wie von Sinnen.
Zwei Tage später wurde unsere Tochter ermordet“!
Ich fragte direkt: “War es Walter“?
Sie antwortete nicht, deutete aber auf ein Bild an der Wand.
Ich ging etwas näher und erblickte einen stattlichen Mann im blauem  Sacko, der auf einem Steg am Wasser stand, an den Ärmeln waren rechts drei kleine Knöpfe mit einem Anker zu erkennen, am linken Ärmel waren es aber nur zwei Knöpfe.
Wann wurde das Bild gemacht, fragte ich und Miss Harms antwortete: „Ich weiß es noch genau, er brauchte dieses Bild für einen Zeitungsbericht, der über ihn gemacht wurde, es hatte aber nichts mit dem Mord zu tun.
Ich fragte: Miss Harms, hatte Sie ihren Mann je in Verdacht“?
Sie schüttelte den Kopf…nein.
„Aber jetzt, wo Sie mir den Knopf zeigten wurde mir blitzartig klar, ja nur er kann es gewesen sein“!
„Miss Harms, wir haben den Knopf bei einer Untersuchung im Mund Ihrer Tochter gefunden, sie muss ihn –beim Kampf mit ihrem Mörder- in den Mund bekommen haben, wo er unter ihrer Zunge liegen geblieben ist“!
 
Bei seiner Verhaftung hat sich Walter Harms selbst erschossen.
Seine Frau lebt als gebrochener Mensch in einem Pflegeheim
 
Manchmal hasse ich meinen Beruf, manchmal bin ich auch stolz.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.08.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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