Michael Hübner

Generationenwechsel

Ein neuer Morgen brach an. Die Sonne kroch wie eine altersschwache Schnecke ihrem Zenit entgegen. Ihre wärmenden Strahlen überfluteten den fruchtbaren Boden Kaliforniens unter sich. Doch in einem kleinen Haus etwas außerhalb von den Strassen San Franciscos, hauste ein Mann dessen Herz nicht mal die glühend heißen Lavaströme der Hölle erwärmt hätte. Sein Name war Tim Walker und er war ein Serienkiller.

 

Er hatte schon viele Menschen eiskalt und ohne mit der Wimperzuzucken umgebracht. Als Handelsvertreter kam er viel rum und konnte so gut seinem schändlichen Treiben nachgehen. Aber Tim war nicht immer ein Killer gewesen! Früher einmal, in einer Zeit die so entfernt schien, hatte er eine Frau und eine Tochter gehabt. Das Schicksal nahm seinen Lauf als er eines Nachts einen Einbrecher auf frischer Tat in seinem Haus ertappte. Tim erschoss den Mann mit einem Schuss genau zwischen die Augen. Die Nächte danach konnte er nicht schlafen, weil ihn diese Tat erregte. Dieses Gefühl der Macht, ein menschliches Wesen ausgelöscht zu haben, wirkte wie eine Droge auf ihn. Von diesen Tag an war Tim süchtig nach dem Töten.

 

Er brachte voller Genuss mehrere Frauen um, ohne erwischt zu werden. Aber er wusste, über kurz oder lang würde seine Ehefrau etwas mitbekommen und ihn an die Polizei verraten. Er traf den Entschluss dass er seine kleine Familie aus dem Weg schaffen musste. Auf einer Segeltour tötete er seine Frau und seine Tochter mit gezielten Messerstichen in ihre Herzen. Ihre Leichen warf er in den Pazifik und verlies dann San Francisco um sich eine neue Identität aufzubauen. Das war vor zehn Jahren gewesen und es war das erste Mal, seitdem er seine Heimatstadt wieder einen Besuch abstattete. Seine Firma hatte ihn zu einer Messe geschickt, die hier in San Francisco veranstaltet wurde und so konnte er berufliches mit privaten verknüpfen. Heute Nacht würde er in seinem alten Revier Jagen und morgen seine Geschäftsreise beenden und nach Hause fahren.

 

Tim schäumte sich mit Rasierschaum ein, während er darüber nachdachte was er alles mit seinem Opfer machen würde, bevor er es tötete. Er folterte seine Gefangenen ganz gerne. Am liebsten peitschte er sie aus und ergötzte sich an ihre gequälten Schmerzensschreie. Als er das Rasiermesser ansetzte passte er nicht auf und schnitt sich in die Wange. Es war für ihn ungewöhnlich zur Abwechslung mal sein eigenes Blut zu sehen. Er tupfte sich mit einem weichen Handtuch den roten Lebenssaft ab und rasierte sich weiter. Als er fertig Rasiert und geduscht war, genoss er erstmal ein ausgedehntes Frühstück. Das aus Rührei, einem Brötchen mit Marmelade, Kaffee und einem Glas Blutorangensaft bestand.

 

Nach seinem Mahl hockte er sich wie immer vor dem Fernseher. Er schaltete durch die Sender, allerdings liefen außer Daily Soaps nichts besonderes in der Flimmerkiste. Also machte er den Fernseher wieder aus und arbeitete stattdessen seine Kundendatei durch. Wegen des Messebesuchs gestern, war viel Arbeit liegen geblieben, die er nachholen musste. Die Ordner brachen fast aus allen Nähten, so voll waren sie. Die Kunden waren durch seine charmante lockere Art die Verkaufsgespräche zu führen sehr angetan und unterschrieben bereitwillig die Kaufverträge. Passenderweise vertrat Tim eine Firma die Messer herstellte. Da er ausschließlich seine Opfer mit Messer tötete, konnte er dadurch seine Kunden hervorragend beraten. Er war auch sehr zufrieden mit ihnen, da sie sehr gut verarbeitet waren. Er brauchte beim Morden kaum Kraft einzusetzen. Die Messer flutschten fast wie von selbst in seine Opfer und verursachten tödliche Wunden. Durch die Arbeit verging die Zeit wie im Flug und bald wurde es dunkel. Die Nacht war sein natürlicher Deckmantel, unter dem er ungesehen seinem schändlichen Treiben nachgehen konnte. Um zehn Uhr bereitete er sich auf die Jagd vor!

 

Tim fuhr mit seinem Mercedes zum Straßenstrich von San Fransisco. Eine junge Prostituierte winkte ihm zu. Tim hielt an und lies das Fenster runter.

 

,,Für fünfzig Dollar zeig ich dir das Paradies, süßer!”, säuselte sie.

 

Tim stimmte dem Angebot zu, und die Frau stieg ein. Während er fuhr, linste er heimlich auf ihre langen wohlgeformten Beine. Ein viel zu kurzer Minirock lies ihn tief blicken und entblößte mehr als das er verhüllte. Ihre großen vollen Brüste, die aus dem Ausschnitt ihres grünen T-Shirt quollen, erinnerten Tim an frisch geschlüpfte Kücken, die die Welt erkunden wollten. Er bedauerte etwas dass er diese Schönheit töten musste. Doch als er bei sich zu Hause die Tür aufschloss, waren alle Hemmungen wie fortgeblasen und wurden von einer Mordlust ersetzt, die ihres gleichen suchte. Mit der Begründung, dass er sich noch etwas frisch machen müsse, verschwand er im Badezimmer. In Wirklichkeit bereitete er alles für seine schändliche Tat vor. Schnell steckte er sich ein Stofftuch, das getränkt in Chloroform war, in die Hosentasche. Dann legte er sich seine Folterwerkzeuge zurecht damit er später alles griffbereit hatte und nicht erst suchen musste. Schweiß lief ihm in strömen die Stirn herunter. Er wusch sich das Gesicht mit klaren Wasser im Waschbecken ab. Auch wenn er schon etliche Morde hinter sich hatte, war er vor diesem genauso nervös wie beim ersten Mal. Er verlies das Badezimmer wieder und ging ins Wohnzimmer. Die Prostituierte hatte sich bis auf ihr T-Shirt komplett entkleidet und hatte es sich auf der Couch bequem gemacht. Als sie Tim bemerkte, stand sie auf und trat lasziv auf ihn zu. Sie packte ihn am Kragen seines Hemdes und zog ihn zu sich, dann drückte sie ihre Lippen leidenschaftlich auf die seinen. Der folgende Kuss war lang und hemmungslos. Als die junge Frau sich von ihm löste, flüsterte sie in Tims Ohr:

 

,,Normalerweise mache ich es nie umsonst mit einem Kunden, aber bei dir mache ich eine Ausnahme. Du bist genau mein Typ! Ich will dich! Und zwar jetzt!”

 

Sie riss ihm sein Hemd auf und die Knöpfe flogen wie Konfetti durch die Luft. Als nächstes zog sie ihm die Hose aus und drängte ihn in sein Schlafzimmer. Tim fühlte sich wie ein Sexspielzeug. Völlig willenlos lies er alles über sich ergehen. Seine Bluttat rückte in den Hintergrund. Aber er würde, nachdem er sich mit ihr so richtig ausgetobt hatte, zuschlagen, das schwor er sich.

 

Die Frau warf ihn auf sein Bett und schmiss sich dann, wie ein ausgehungertes Tier auf seine Beute, auf ihn. Sie überschüttete ihn mit Liebesgesten nahezu und Tim genoss es sichtlich. Doch plötzlich hörte er ein metallisches Klacken. Er sah auf und bemerkte das die Prostituierte seine Hände ans Bett gefesselt hatte.

 

,,Hey, ich steh nicht auf Sado-Maso-Sex!”, beschwerte sich Tim.

 

Die junge Frau ballte die Faust und hieb dem Gefesselten mit Wucht in den Unterleib. Tim blieb die Luft vor Schmerz weg.

 

,,Das war nur eine kleine Kostprobe von dem was dir noch bevorsteht, du Drecksack!”, sprach die Prostituierte mit tief schwarzem Hass in der Stimme.

 

Tim keuchte: ,,Was soll das ganze? Was willst du von mir?”

 

Die Frau stand vom Bett auf und sah voller Verachtung auf den Massenmörder runter.

 

,,Ich will einen Menschen rächen den du umgebracht hast! Jemand der mir viel bedeutet hat. Meine Mutter und deine Ehefrau, lieber Vater!”

 

Tim blieb erneut die Luft weg.

 

,,Aber das… ist unmöglich, meine Tochter… ist tot!” , stammelte er ungläubig.

 

Tims Henkerin zog ihr T-Shirt aus und zeigte auf eine Narbe, neben ihrer linken Brust.

 

,,Als du mich töten wolltest, hast du mein Herz knapp verfehlt. Lebendig hast du mich ins Meer gestoßen, glücklicherweise hat mich ein Boot der Küstenwache gerettet, aber für meine Mutter konnten sie nichts mehr tun. Du hast sie getötet! Ich hab gewusst dass du irgendwann zurückkommen würdest, also hab ich mich hier auf die Lauer gelegt und auf dich gewartet. Auch wenn das Leben als Prostituierte oft hart war, haben sich diese Jahre der Erniedrigungen doch bezahlt gemacht. Heute ist der Tag, an dem ich meine Mutter rächen werde!”

 

Sie verlies ihn und kam ein paar Minuten später mit seinen Folterwerkzeugen wieder zurück.

 

,,Bereite dich auf eine lange Nacht vor. Ich hoffe du hast den Sonnenaufgang heute morgen genossen, denn es war dein Letzter!”

 

Auch wenn er vor Schmerzen sich die Seele aus dem Leib brüllte, verspürte Tim auch ein Gefühl von Stolz in sich aufbranden, weil er von seinem eigenen Fleisch und Blut gerichtet wurde. Ihr Blick verriet ihm, dass sie ihre Tat zutiefst genoss. Es war der gleiche Blick mit dem er immer seine Opfer ansah wenn er sie tötete. Er wusste sofort dass seine Tochter die gleiche Lust am töten in sich trug wie er und sie genau so süchtig danach werden würde. Sie würde sein Erbe weiterführen und den Tod in die Welt hinaus tragen wie er es getan hatte, da war er sich sicher.  

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.08.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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