Meinhard Pahlke

Die Abenteuer eines Seefahrers2 Vor Westafrika

Aus dem Leben eines Seefahrers 2
An der Kueste Westafrikas

 
Im Abenteuer erleben zu koennen gehoert persoenlicher Mut, viel Neugierde und das Quantchen Glueck um alles gefahrlos zu ueberstehen. Eines meiner groessten Abenteuer  erforderte ganz viel Glueck , denn fast haette ich es nicht ueberstanden
Wir harren fast die gesamte Ladung geloescht und fuhren dicht an der westafrikanischen Kueste entlang sodass wir das satte Gruen  des Regenwaldes sehen konnten waehrend Albatrosse in geringer Hoehe dem Schiff folgten. Sie schienen in der  Luft zu stehen  weil sie sich nur mit wenigen Fluegelkorrekturen mit Hilfe des Windes in der Luft hielten. Diese ruesigen Voegel erscheinen nach dem Ueberqueren des Aequators nach Sueden  und sie verschwinden wieder wenn das Schiff den Aequator un noerliche Breiten ueberfaehrt.
Die Sonne schien praechtig und nichts lies darauf schliessen, dass der naechste Hafen zi einem Albtraum fuer mich werden sollte.
Hafen war sowieso bereits masslos uebertrieben, denn als sich gegen Mittag eine grosse Bucht vor uns oeffnete war nichts von einer Pier erkennbar. Nach genauerem Hinsehen konnte man an der weitesten Stelle der Bucht eine Ansammlung von Huetten entdecken die wohl ein Dorf bildeten und als braune Tupfer wuschen der gruenen Wand von Urwaldriesen und dem hellen Strand standen. Auf dem Strand befand sich ein Landesteg an dem ein Mororboot lag welches sich uns in dem Moment naeherte als wir in einer Entfernung von ca. 1,5 Km die Anker warfen und leicht in der sanften Duenung der Lagune duempelten
Da ein Landgang fuer die Mannschaft nicht vorgesehen war, interessierte uns der Bretterbudenort nicht und es wurde lediglich diskutiert ob es sich lohnen wuerde ins blaue Wasser zu springen und eine Runde um den Dampfer zu schwimmen.
Besuch kam an Bord und nachdem das Mittagessen vorbei war trat der Chefsteward in meine Kombuese und bat mich zum Kapitaen zu kommen, denn der Koch ist der wichtigste Mann neben dem Kapitaen an Bord und nicht irgendein Besatzungsmitglied. Er ist ein gottaehnliches Wesen das fuer die gute Moral auf einem Schiff zustaendig ist weil es wochenlang ausser dem Essen keine Abwechslung auf See gibt. Er ist aber auch derjenige, der nach dem Kapitaen Neuigkeiten erfaehrt und  ist fuer Besucher zustaendig, da diese auch essen wollen.  Unsere Besucher wollten noch mehr, denn nachdem ich im Saloon mit der Begruessung fertig war sagte mir der Kapitaen, dass die Herren ein Anliegen haetten wofuer ich zustaendig war,, Sie hatten eine Liste zusammengestellt und baten dringend um Lebensmittel weil es im Dorf Versorgungsschwierigkeiten gab und die Leute nichts mehr zu essen hatten. Das war nichts Ungewoehnliches, doch muss auch klargestellt werden, dass die gleichen Saecke mit Reis, die wir am Morgen ausgeladen hatten, am Abend yum Verkauf im Bazar standen. Und nicht Selten luden wir neueste Luxuswagen fuer die herrschende Klasse aus waehrend das Volk hungerte.Doch hier ging es fuer ein Dorf ums Ueberleben welches fern der Hauptstadt im vergessenen Nichts lag.
Ich tat was ich konnte denn meine Besatzung war ja auch noch da und oft gehoert Glueck dazu in einem afrikanischen Hafen ausreichend Lebensmittel vom Schiffshaendler kaufen zu koennen. So hatte ich nach einer Stunde mehrere leere 50 Kg Saecke gefuellt die ich dem Besuch uebergab.
Ich staunte deshalb nicht schlecht, als nach dem Abendessen das Motorboot wieder da war und mir der Bootsfuehrer erklaerte, dass ich aus Dankbarkeit fuer die Saecke mit Essen an Land eingeladen war.
Ich hatte schon mehr gegeben um etwas zu erleben und nahm deshalb das Angebot mit Freuden an, weil ich damit der Einzigste war, der hier an Land gehen konnte.
Als wir am Steg anlegten wurde ich bereits von einem der Besucher empfangen der sich als Chef des Ortes vorstellt. Spaeter habe ich dann erfahren, dass er auch General Buergermeister und Hafenmeister in einer Person war. Erv  bewohnte das einzige Steinhaus und lud mich zunaechst auf einen Drink in einem Bretterverschlag ein was wohl das oertliche restaurant war. Da sassen wir dann auf einer Holzbank waehrend er mir das Dorf mit seinen Problemen erklaerte.
Im Anschluss daran machte er mich mit einer Dorfschoenheit bekannt und lud mich zur Uebernachtung in sein Haus ein.
So ging ich frohgelaunt am spaeten Abend zu seinem , was nicht zu uebersehen war und bekam ein Zimmer zugewiesen. Dann schlief ich traumlos und sorglos bis in den fruehen Morgen und machte erst einmal grosse Augen nachdem ich aufwachte und 12 Kinder vor meinem Bett stehen sah die mich alle neugierig musterten,
Aussen war es noch dunkel , aber dann erinnerte ich mich, dass ich selbst darum gebeten hatte mich frueh zu wecken weil ich gegen 6 Uhr an Bord zurueck sein wollte.
Nachdem ich mich am Brunnen gewaschen hatte bekam ich sogar eine tasse nescafe den ich selbst mitgebracht hatte und stellte bestuerzt fest, dass das ganze Haus nur aus 2 raeumen bestand wovon ich in einem geschlafen hatte sodass die gesamte Familie mit 12 Personen in dem zweiten Raum die Nacht verbracht hatten. Und waehrend ich noch damit beschaeftigt war zu ueberlegen wie ich mich zusaetzlich bei der familie bedanken konnte und den Kindern ein Geschenk zu machen fing es an fuerchterlich zu grollen.
Wer einmal ein heftiges Unwetter mit dem vollen Programm von Gewitter und Regen in den Tropen erlebt hat weiss, dass das nichts mit unseren Gewittern in Europa zu tuen hat. Der gesamte Himmel wird durch tausende von Blitzen zerrissen und der Donner schlaegt ein als ob man sich im Krueg inmitten eines Kanonenfeuers befindet. Und dann fallen Wassermassen vom Himmel, kein Regen, sondern so ungeheuer viel Wasser, dass innerhalb von Sekunden ganze landstriche verwuestet werden.
Ich stand ploetzlich wie versteinert an der Tuere und beobachtete das Inferno der Natur und begann mir Sorgen zu machen. Meine Sorge stieg noch als der Sturm kam denn das bedeutete Seegang und wir lagen weit draussen in der Bucht wie auf einem anderen Stern. Ich muss da durch , ging es mir durch den Kopf, denn ich mache zwar tolle Dinger, aber vernachlaessige dabei so gut es geht nie meine Arbeit, und um 7.00 Uhr war Fruehstueck.
: Bei dem Wetter koennen Sie jetzt nicht zurueck aufs Schiff : meinte der General hinter mir, aber ich schuettelte nur den Kopf weil ich wusste, dass ich gehen wuerde.
Auch die Frau versuchte mich zurueck zu halten und wies zum Himmel wo es jetzt ununterbrochen knallte und leuchtete und der Sturm heftiger wurde.
Und dann rannte ich los und erreichte den Anlegesteg an dem das Motorboot wie irre in der Lagune herumsprang. Daneben befand sich ein Verschlag in dem ich den Bootsfuehrer erkannte der sich zusammengekauert musterte. : Wir fahren jetzt da rueber : wies ich auf die tobenden See bis mir in dem Moment erst auffiel, dass ich den dampfer durch das Unwetter garnicht sehen konnte, Er war hinter einer Regenwand verschwunden sodass ich nur die Richtung ahnen konnte, Ich wusste, dass der Junge mich fuer verrueckt halten musste denn er hatte nicht nur Angst, sondern versuchte mir klarzumachen, dass das Boot in die Brueche gehen koennte Als ich merkte, dass er auf keinen Fall sein Leben aufs Spiel setzen wollte nur damit ich puenkluch zum Fruehstueck an Bord war, begann ich meine Taschen zu leeren und gab ihm die letzten Dollars, ein Feuerzeug, meine Zigaretten und mein Hemd. Es waren Gueter, die fuer ihn einen erheblichen Wert hatten und ich versprach ihm noch mehr  wenn er wieder zum Schiff kam, denn wir mussten ja noch unsere Restladung los werden und das funktionierte nur, indem das Motorboot ein Ponton hinter sich zog worauf wir die Ladung mit unseren eigenen Ladebaeumen hieften.
Der Junge sah noch einmal besorgt ueber die Bucht, vielleicht in der Hoffnung, dass das Wetter besser geworden war, aber es sah ehen schlimmer aus dennoch schienen die Geschenke Wirkung zu zeigen, denn er gab mir zu  verstehen, dass ich versuchen sollte in das Boot zu kommen nachdem er die leine so weit anzog, dass es nicht gleich an dem Anlegesteg krachte und wir hinueberspringen konnten. Kaum drinnen gab er Gas und versuchte seine ganze Kunst aufzuwenden um das Mororboot sicher im Wasser zu halten. Wir sprangen wie wild durch die Wellen und dankte Gott, dass der junge das anscheinend nicht zum ersten mal m,achte.
Und dann ragte schemenhaft die hohe Bordwand meines Schiffes aus dem Regenschleier auf .Das Schiff rollte schwer im Wasser und es schien keinen Unterschied zu machen ob es sich auf hoher See oder hier in der Lagune befand. Es war, als ob ein geisterschiff ohne Mannschaft mit dem Orkan kaempfte. Die Bordwand hob sich und legte sich auf die Seite wobei die Strickleiter , die an der reling angebracht war und bis zur Wasserkante reichte fuer einige Meter frei weg vom der Bordwand hin und herschwang. Diese leiter musste ich aber irgendwie zu packen bekommen um an Bord zu kommen.
Gleichzeitig sprangen wir mit unserem kleinen Boot hoch und runter, legten uns auf die Seite und mussten soviel Abstand von der Bordwand halten um nicht dagegen geschleudert zu werden. Alle Angst in mir war in diesem Moment weg. Ich wusste, dass ich nur einen einzigen versuch hatte die Leiter zu bekommen ihne zwischen Boot und Bordwand zu kommen und zerquetscht zu werden oder an der Bordwand zu zerknallen. Ersaufen aber wuerde ich in jedem Fall . Ich gab meinem fahrer ein Zeichen, dass ich mich bereit zum Sprung machen wuerde und er sollte in  dem moment auf die Bordwand zuhalten wenn der dampfer sich hinueberlegte und die Strickleiter frei gab und sie in der Luft pendelte. Ich vergass alles um mich herum, versuchte so gut es ging einen festen Halt zu bekommen und starrte auf die leiter die jetzt in der Luft pendelte. Ich starrte nur auf diese leiter und sprang als ich sicher war, dass ich sie zu fassen bekomme. Unter mir brodelte das Wasser und ueber mir erhob sich 10 Meter hoch die Bordwand als ich eine Sprosse zu packen bekam. Ich hatte mich mit allen meinen Sinnen auf diesen Sprung konzentriert, aber war doch erschrocken mit welcher Wucht ich kurz darauf gegen die Bordwand geschleudert wurde als die Leiter zurueckpendelte. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen wie sich das Boot rasch von entfernte und im Gischt verschwand. Dann machte ich mich an den Aufstieg wobei ich fast nur meine Arme benutzte um moeglichst schnell die Distanz von der Wasserflaeche zur reling zu schaffen. Als ich oben ankam und mich mit dem Oberkoerper einfach ueber die Reling zog, blieb ich erst einmal wie benommen liegen . Als ich mich aufrichtete sah ich vor mir einen Matrosen auftauchen der Wache schob und fuerchterlich erschrak weil er glaubte, der Klabautermann stehe ihm gegenueber wie ich klatschnass und schwer atmend scheinbar aus der See kommend vor ihm stand. Und das konnte nicht sein.
Gegen Mittag verschwand das Unwetter so schnell wie es gekommen war und ich freute mich, als ich den Jungen froehlich von seinem Motorboot winken sah. Auch er hatte die Aktion Gott sei dank gut ueberstanden.
In der Nacht lichteten wir die Anker, neuen Abenteuern entgegen.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.09.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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