Richard von Lenzano

Geboren um zu sterben

 

Geboren um zu sterben

 
 
 
 
 
Wir Menschen werden geboren – um zu sterben.
Normalerweise sagt und das keiner, aber, es ist ein Tatsache, die mitunter sehr traurig sein kann. Nämlich dann, wenn man vorzeitig das Leben verlassen muss – ob man schon will oder nicht!
 
Zwischen Leben und Sterben liegen teilweise viele Dekaden, ja, manche Menschen schaffen es sogar, ein Jahrhundert und etwas mehr zu erlangen. Es ist dann schon als Gnade anzusehen, wenn diese Personen einigermaßen rüstig und gesund dieses Alter erreichen.
 
Bewusst steuern können wir unseren Alterungsprozess nicht – wir können ihn beeinflussen zumPositiven wie zum Negativen. Wissenschaftler sind der Meinung, dass unsere vererbten Gene zum längeren Verweilen beitragen können, aber, die Forschungen auf diesem Gebiet sind vielseitig und noch lange nicht abgeschlossen.
 
Nach der Geburt, wenn wir klein und wonnig in der Wiege liegen, und, uns außer essen und schlafen nicht interessiert, sind unsere Gedanken in Richtung „Älterwerden“ noch nicht vorhanden bzw. bewusst.
 
In der Kindergartenzeit wird unser ganzes „Sein“ vom Spielen eingenommen, die Lehr- und Lerneffekte daraus bekommen wir nicht mit, ebenso die rasante und nicht aufhörende Verknüpfung von Neuronen in unserem Gehirn.
 
Während unsere Schulzeit geht dieser „Prozess“ verstärkt weiter und wir sind in der Lage, selbst Entscheidungen zu treffen oder herbeizuführen, wir lernen „Gut“ und „Böse“ und unser Lebensweg wird hier auch wesentlich geprägt.
Der Unterrichtsstoff in der Schule ist vielfältig und im Fach „Biologie“ lernen wir, wie ein Mensch entsteht und wie dieses Leben eines Tages enden wird.
 
Über den Tod, der jeden von uns eines Tages erreichen wird, wird nicht allzu gerne gesprochen, da er mit negativen Ansichten verbunden ist und ja – theoretisch – noch in weiter Ferne liegt. Also wird dieses Thema in den Schulen auch nur kurz gestreift und - man kehrt danach zum normalen „Schulalltag“ zurück.
Und dies, obwohl uns der Tod – auch in der Schule – fast täglich unterrichtsmäßig begleitet.
Wie lernen über Kriege, die Millionen Menschenleben hinweg gerafft haben; über Dürreperioden in Afrika, denen Tausende von Menschen zum Opfer fallen; über Überschwemmungen in Ostasien, bei denen Tausende von Menschen jämmerlich ertrinken; über Morde in der zivilisierten Welt; über Erdbeben in der Türkei und anderswo; über Reaktorhavarien in Tschernobyl und Fukushima; über den Tsunami im Indischen Ozean und vieles mehr.
 
Außerhalb der Schule lernen wir, dass sich auch unser Umfeld verändert, es werden Kinder und Erwachsene  durch Unfälle, Krankheiten, Nachlässigkeiten, Unvorsichtigkeiten aus dem Leben gerissen.
 
Somit ist doch festzustellen, dass uns der Tod über unser gesamtes Leben begleitet – trotzdem aber ist es schwer, dass wir uns nicht mit ihm auseinandersetzen bzw. über ihn zu reden.
Dabei ist es doch naheliegend sich dieses Themas öfters anzunehmen, denn in allen Familien gibt es Opa und Oma bzw. mit viel Glück auch noch Urgroßmutter und Urgroßvater.
Wenn diese eines Tages das zeitliche segnen, sind wir alle – Kinder und Erwachsenen damit konfrontiert.
Aber, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Tatsache, dass Oma oder Opa nicht mehr ist - kurz erläutert wird, und, das war es dann.
 
Wir setzen uns nicht weiter mit dem Sterben und dem Tod auseinander.
 
Obwohl hier eine gute Möglichkeit wäre, in einen Diskurs einzutreten – verweigern wir uns.
Vermutlich deshalb – weil wir das Thema verdrängen, weil uns der Tod unangenehm ist.
 
Betrachtet werden sollte auch die riesige Spanne zwischen unserem „Erscheinen“ und „Verlassen“.  Sie ist nicht immer angenehm oder rosig, der Weg vom Anfang zum Ende ist stellenweise mit „Dornen“ ja riesigen „Dornenhecken“ versehen.
 
Wir finden hier Krankheiten; persönliches Versagen oder Debakel; Unfallgefahr und Pech.  All das soll überstanden werden, und, manch einer hat keine Chance, dies alles zu überstehen.
Auch soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Menschen ihrem Leben selbst ein Ende setzen, also den Freitod suchen, weil sie persönliche Probleme haben.
Hier darf ich einfügen, dass es für mich selbst keinen „Selbstmord“ gibt, da Mord nach dem Strafgesetzbuch (§ 211 StGB) Merkmale hat, die nicht auf einen Menschen  - der den Freitod gewählt hat – angewendet werden können.
 
Man kann erkennen, dass das Thema „Geboren um zu sterben“ reichhaltig Diskussionsstoff bietet und ich bin der Meinung, wir sollten davon einfach mehr Gebrauch machen.
Wie alle würden uns dadurch den Umgang mit dem Tod wesentlich leichter und einfacher machen, denn sterben müssen wir eines Tages alle und – es trifft jeden – egal, ob arm oder reich.
 
 
 
Richard von Lenzano
© 10/2012
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.10.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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