Manfred Bieschke-Behm

Reise in eine bis zum Horizont durch unbewohnte Gegend

verlaufende Straße

 
Meine Sehnsucht ist unendlich und so unüberschaubar, wie die lange asphaltierte Straße, deren Anfang ich nicht kenne und auch nicht das Ende. Wo fing die Straße an, wo nahm sie ihren Anfang und weshalb? Wer hat sie erdacht, geplant, gebaut. Wo sind die Menschen, die Teile ihres Lebens hingaben, damit ich diese Straße nutzen kann?
Meine anfängliche Gelassenheit schwindet. Je endloser mir die Straße vorkommt desto wirrer werden meine Gedanken. Das Bedürfnis, die Straße zu nutzen schwindet von Kilometer zu Kilometer und wandelt sich in eine Sehnsucht nach dem Ende. Ich ertappe mich beim krampfhaften suchen nach Orientierungsmerkmalen. Es ist sinnlos, denn es gibt keine Anhaltspunkte. Keine Haltepunkte, nichts was in Erinnerung bleiben wird. Einsamkeit macht sich in mir breit. Gut, dass es noch die Neugierde gibt die sich zum mein Motor des Weitermachens entwickelt.
Ich will die Straße bis zum Horizont erkunden. Ich will wissen, ob am Horizont alles zu Ende ist: Die Neugierde, meine Sehnsucht und die Einsamkeit. Meine Neugierde schafft es noch mich davon abzuhalten eine Angst zu entwickeln. Noch!
Ich merke, wie sich ein Rückkehrwunsch in mein Bewusstsein drängt. Aber will ich wirklich umkehren? Wie viel Straße noch vor mir liegt, weiß ich nicht. Ich weiß nur, wie viel Straße hinter mir liegt, obwohl mein Zeitgefühl für die Vergangenheit schwindet. Zeit für die Zukunft plane ich nicht ein. Wozu auch? Ich habe niemanden an meiner Seite, der mir sagen kann, dass es noch zwei, drei, fünf oder zwölf Stunden dauern kann, bis das ich mein Ziel erreicht habe. Ich bin unabhängig und wäre es gerne nicht.
Gedankenverloren und gleichzeitig gedankenbewusst setze ich meine Reise fort. Meine Reise ist nicht ziellos aber geahnt grenzenlos. Woran werde ich merken, dass ich den Horizont erreicht habe? Ist dahinter nichts mehr oder wird sich ein neuer Horizont auftun und somit meine Reise nie enden?
Ich habe mir vorgenommen am Horizont den Rückblick zu wagen. Warum? Was bringt mir der Rückblick? Erkenntnis? Gibt ein Rückblick einen Sinn? Viel wichtiger ist doch die Frage, bringt mir der Blick nach vorne etwas. Allein dieser Gedanke lässt mich in meinem Tun nicht hoffnungslos sein. Ich hoffe, am Ende der Straße als Entschädigung für Strapazen und negative Gedankenschleifen das Paradies zu erreichen. Im nach hinein bin ich einverstanden, dass der Weg dorthin Gänsehaut bereitet hat. Auch das die Strecke durch ungewohnte Gegend mich unsicher gemacht hat. All das bin ich bereit ertragen zu haben, wenn, ja wenn ich das gewünschte Ziel erreiche. Ganz fest glaube ich daran irgendwann am Wunschort anzukommen, was dazu führen wird, das ich all das Unangenehme vergessen werde. Ich freue mich auf die Erfüllung meines Traumes. Die Suche nach dem Ziel wird ein Ende haben. Ich werde vielleicht allein sein, aber nicht einsam. Ich habe mich, meine Gedanken und Gefühlte. Zum Schluss werde ich sagen, dass sich die Reise in eine bis zum Horizont durch unbewohnte Gegend verlaufende Straße gelohnt hat.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.10.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Wörterworte von Iris Bittner



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