Florian Klima

A3- Willkomm in der Dimension in der Zeit keine Bedeutung hat

..Ein altes Sprichwort sagt:
„Wenn du es eilig hast, gehe langsam“ …
 
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…ein grelles Licht, ein ungeheures Blitzlichtgewitter, lies ihn erschaudern, so hell, dass Harold seine Augen,
für kurze Zeit, schließen musste und er sich auf einmal fühlte, als sei er aus seiner eigenen Realität rausgerissen,
ja regelrecht raus katapultiert worden.
Wo war er hier gelandet? Grad saß er doch noch im Auto?
Gerade eben, hatte er doch noch in seinem Auto gesessen! Oder nicht?...

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- Im Warteraum des Ministeriums für Zeitverwaltung -
Der miefig, stickige Geruch und die abgestandene Luft, die die tristen Wände des Wartezimmers abstrahlten,
waren nicht zu ignorieren. Ein simples, rechteckiges Zimmer mit zwei Türen, dem Eingang ins Wartezimmer
und die Tür zum Amtszimmer, die mit dunkelbraunem Leder bezogen war und an eine Anwaltskanzlei erinnerte.
Mehr hatte sich die Bauordnung da nicht einfallen lassen, wollte sie anscheinend auch nicht.
Über den beiden Türen, hingen Uhren, die zwar ein synchrones Ticken von sich gaben, deren Zeiger sich aber
keinen Millimeter bewegen wollten, nicht mal die Sekundenzeiger. Und er, stand einfach da, urplötzlich, mitten im Raum,
doch die Leute registrierten seine Anwesenheit nicht merklich. Manche blickten auf, sahen quer durch den Raum,
als Harold ein leichter Schock durchfuhr, dann schauten sie wieder in die Zeitschrift, die sie in Händen hielten oder
vertiefen sich wieder in schlechte Romane, die Sie sich mitgebracht hatten, um sich die Wartezeit zu verkürzen,
als Harold sich wunderte, wo zum Teufel er hier gelandet war.

Der Beamte des Ministeriums, der in ein graues Hemd mit einer dunkelgrauen Krawatte und
einer schwarzen Bügelfaltenhose gekleidet war, betätigte den einst roten, doch farblos gewordenen Knopf,
der alten, kaputten Sprechanlage, den sein Finger schon an die zigtausend Mal, runter gedrückt hatte,
um Kontakt zum Wartezimmer aufzunehmen.
Der Lautsprecher an der Wand, in dem tristen Wartezimmer, kreischte kurz auf, die wartenden Leute blickten,
mit nichts sagenden Gesichtern umher und einige, tief in Harolds Augen.
„Kreisch!!!“
„Der Nächste, bitte! Nummer 0010.54-3-1“ tönte es krachend, aus der alten, schon angeschlagenen Sprechanlage.
Der Lautsprecher kreischte, so wie immer, für den Bruchteil einer Sekunde laut auf, wenn der Beamte ihn betätigte
oder den Finger, wieder vom Knopf nahm. Der Mann, der direkt unter dem Lautsprecher saß,
hielt sich mit den Fingern die Ohren zu „Verdammt, immer dieses grausame Kreischen!
Ich halt das nicht mehr aus!“ nörgelte er, sichtlich genervt. Da ertönte dieses ungeliebte, nervtötende Geräusch, erneut,
wie aufs Stichwort „Und nicht fluchen“ meinte der Beamte, freundlich doch bestimmt, am andern Ende der Leitung.
Der Lautsprecher kreischte kurz auf und verstummte.
Eine Frau, etwa 32, blickte auf einen kleinen grünlich gefärbten Zettel in ihrer Hand, stand auf,
öffnete die Tür zum Amtszimmer, trat ein und schloss sie hinter sich.

„Entschuldigen sie bitte, aber wie lange warten sie schon?“ fragte Harold in die Runde,
doch irgendwie wollte ihm keiner Antwort geben.
Das Ticken der Uhren, glitt statisch durch den Raum und bekam mit einem Mal, ein sehr seltsames Nachhallen,
als würde Wasser in ein gefülltes Waschbecken tropfen. Ein Mann blickte Harold an und zuckte,
resignierend langsam mit den Schultern und hob dabei die Hände leicht an, bis Harold die krächzende Stimme,
einer alten Dame hinter sich vernah, „Tja, wissen sie junger Mann“ meinte sie „so ganz genau,
kann ihnen das hier keiner sagen, denk ich.“ und widmete sich wieder ihrer Häkelarbeit.
„Tja nun, trotzdem vielen Dank“ entgegnete Harold freundlich und lächelte, die alte Dame blinzelte ihm zu
„Tja, wissen sie, junger Mann, ich tu was ich kann und manchmal dauert es auch gar nicht so lang“
erklärte sie, ebenfalls lächelnd, „also, keine Ursache“ und sie häkelte weiter.
„Keine Ursache? Ursache. Was für ein seltsames Wort, das doch ist! Uhrsache“ dachte Harold wortspielerisch bei sich.
„HAHA“ platze es plötzlich aus ihm heraus, da er kurz die Beherrschung verlor.
Die Leute sahen ihn alle etwas fragend an, doch kümmerten sich dann gleich wieder um ihre Angelegenheiten.
Da ging die Tür zum Amtszimmer wieder auf und die Frau, die diese Tür vor gefühlten 5 Sekunden hinter sich geschlossen hatte,
kam auch schon wieder raus, nur schien sie um 10 Jahre gealtert zu sein.
„Warnung!!! Echt seltsam, also so richtig seltsam!!!“ meldete Harolds zerebraler Kortex, seinem Verstand,
doch ein „Na das ging aber schnell?“ flutschte ihm, die Verblüffung deutlich ins Gesicht geschrieben, da unbeabsichtigt, über die Lippen.
„Wie bitte? Ich denk, ich hör nicht Recht.“ erwiderte die Frau empört
„Solang wie der mich da drin ausgefragt hat? Da hätt ich auch gut meine Biographie schreiben können“
sie ging flott zum Ausgang „und ein oder zwei Doktorarbeiten über Quantenmechanik wären sich
vermutlich auch noch ausgegangen!“ sagte sie noch laut, als sie aus der Tür trat und diese, hinter ihr zu fiel.
Der Lautsprecher kreischte wieder auf, der Beamte meldete sich „Kreisch!!!“
„Der Nächste bitte, Nummer 0010.54-3-2“.
Der Lautsprecher kreischte auf „Kreisch!!!“
Der Mann unter dem Lautsprecher „OH Verdammt, immer dieses grausame unerträgliche Geräusch,
jedes verdammte Mal, wenn der da drin, auf diesen scheiß Knopf drück oder ihn los lässt! Ich halt´s nicht mehr aus!“
„Kreisch!!!“
„Und Nicht fluchen!“
„Kreisch!!!“
„Na hey!“ pöbelte ein anderer, etwas dicklicher Mann „Was soll denn das?
Nicht vordrängen, wir waren alle vor ihnen hier, also hinten anstellen!“ Harold blickte den Mann an,
dann auf den kleinen grünlich gefärbten Zettel in seiner Hand, der wie aus dem Nichts da war und
auf dem die so ebenausgerufenen Nummer stand, 0010.54-3-2. „Es tut mir ja leid“ meinte Harold,
mit hochgezogen Schultern „aber meine Nummer wurde aufgerufen und es scheint als sein ich der
Nächste“ so schritt er zur Tür.
„Sie Glücklicher!“ sagte eine wartende Dame, mit tristem, traurigem Ausdruck im Gesicht.

-
- In Büro des Beamten -
Die schwere, lederbezogene Tür fiel hinter ihm, mit lautem Rumpeln ins Schloss, als er ins Amtszimmer trat.
„Morgen. Name?“ schallte ihm die nasale Stimme des Beamten, prompt entgegen.
Etwas überrumpelt, erwiderte er mit einem schüchternen Räuspern, „Harold Bing.“
Der Beamte griff rasch zu einer alten Schachuhr, die vor ihm, auf seinem Tisch stand und drückte
den rechten Knopf an der Oberseite, schnappte sich einen Stift und schrieb dann eilig Harolds Namen,
etwas unleserlich, in die erste Zeile eines Formulars, als das typische Ticken der Uhr, zackig durch den Raum strich.

„Ehm, entschuldigen sie bitte, aber was ist das?“ wollt Harold wissen.
„Ein Formular. Aber das sehen sie doch! Nehmen sie bitte Platz, das kann jetzt ein Weilchen dauern, Mister Bing.
Lustiger Name übrigens, woher stammen sie, wenn ich fragen darf?“ lächelte der Beamte und setzte den Kugelschreiber
in der nächsten Zeile, des Zeitverschleißformulars an.
„Ja danke, das hör ich öfter, meine Frau ist übrigens, eine geborene Pong“ versuchte Harold die Situation etwas aufzulockern.
"Bing, Pong! Sie verstehen?“ meinte Harold und gestikulierte wiegend mit der Hand, als er immer unsicherer wurde.
Der Beamte jedoch, blickte auf und prompt wich das Lächeln aus seinem Gesicht,
„Soll das witzig sein?“ fragte er, mit ernster Mine. Harold wusste nicht genau was er antworten sollte,
zwinkerte kurz und räusperte sich erneut, „Das sollte nur ein kleiner Scherz sein, bitte entschuldigen sie.“
„Haha“ brach der Beamte in Gelächter aus, „Voll auf den Leim gegangen“ machte er sich, über Harold lustig,
um im selben Atemzug nachzufragen „also, wo sagten sie, kommen sie her?“
„Das hab ich doch noch gar nicht erwähnt“ meinte Harold.
„Was glauben sie, warum ich danach gefragt hab?“ sagte der Beamte, mit hochgezogenen Augenbraun
und tippte sich mit dem Zeigefinger auf die Nasenspitze „Also, woher?“
„Iowa, eigentlich“ gab Harold Auskunft. „Ach, und uneigentlich?“ fragte der Beamte stichelnd nach.
„Na ja, mittlerweile wohne ich in New York, aber was mich viel mehr interessieren würde, ist,
wo ich hier gelandet bin und wie komm ich, verflucht noch mal, hier her?“ stellt Harold sogleich die Gegenfrage.
„Ohhoho, nicht fluchen! Und, so genau kann ich ihnen das auch nicht beantworten“ der Beamte drückte den linken Knopf der Schachuhr,
„wissen sie, ihr Fall ist sehr, ehm“ der Beamte räusperte sich kurz, „ehm, sehr komplex!
Sie können froh sein, sie sind ein Sonderfall, drum konnten sie auch gleich als nächster drangenommen werden.“
„Aha, Sonderfall?“ fragte Harold verwundert.
„Jaja, ein Sonderfall, ganz genau, machen wir doch erst mal die Befragung fertig, vielleicht klärt sich ja dann einiges von selbst.“
„Okay“ willigte Harold ein.
Der Beamte drückte den rechten Knopf der Uhr wieder runter und begann seine Fragen zu stellen,
„Gut, dann kann´s ja los gehen.“ als Harold, dem Beamten noch mal ins Wort fiel.
„Sagen sie, die Dame vor mir, hat die nur einen Stempel bekommen oder warum hat das bei ihr nur 5 Sekunden gedauert?“
überfiel Harold, den Beamten recht plötzlich.
„Ich versteh wohl nicht ganz, was sie meinen, Mr. Bing?“ der Beamte blickte, Harold bestimmend in die Augen.
„Na sie hat die Tür hinter sich zu gemacht und stand dann, keine 5 Sekunden später wieder hinter mir?“
sagte er, als Unverständnis, groß und breit in seinem Gesicht geschrieben stand.
„Ich weiß wirklich nicht worauf sie hinaus wollen, Mister Bing!“ der Beamte blickte Harold an und wären seine Augen,
Dolche gewesen, er hätte Harolds Seele gemeuchelt, so fühlte Harold sich zu mindest.
„Ach schon gut!“ sagte er verunsichert, doch lächelnd „ich muss ja nicht alles wissen, nicht wahr!“
„Ganz Recht, das muss niemand!“ Doch irgendwas im Blick des Beamten, war ihm nicht ganz geheuer,
Harold konnte nicht genau sagen was es war, aber diese Augen waren irgendwie sehr unheimlich.
„Nun Gut, legen wir los.“ mit diesen Worten, fuhr der Beamte schließlich fort, mit seiner Befragung und
die alte Schachuhr, stoppte die Zeit.

Und da ging es auch schon los.
Geburtsort, Wohnort, Name der Mutter und des Vaters,
Geschwister, Schulbildung, Haustiere, Hobbies,
der erlernter Beruf, derzeitiger Wohnort, die derzeitige Arbeit und so weiter.
Der Beamte füllte emsig, jede Zeile des Formulars aus, für jeden Zettel, den er bei Seite,
auf den Eingangsstapel legte, erschien wie von Geisterhand, eine neue Seite auf der ledernen Schreibunterlage des Beamten.
Unaufhörlich, zog es sich schließlich hin und er wurde ständig mit einer Frage nach der Andern gepiesackt.
Bis…
„Sagen sie mal, welchen Sinn hat ihre Befragung eigentlich?
Die Fragen scheinen immer Unsinniger und Durchgeknallter zur werden, je länger das hier dauert!“
„Machen wird die Befragung doch erst mal fertig, vielleicht sehen sie dann was für einen Zweck sie hat“
sagte der Beamte bestimmend, „Wir waren bei, ehm, Sommerlager“
„Ja, und da haben wir im Sommerlager alles Mögliche gemacht. Aber warum ist das wichtig?“
„Ach nur so, für die Vollständigkeit der Unterlagen. Bürokratie eben.“ meinte der Beamte salopp,
„Was genau für Freizeitaktivitäten?“
„Tja, mal nachdenken. Fußball, Volleyball, Schwimmen, Tischtennis und solche Sachen eben.
Was man so in einem Sommercamp, mit 50 anderen Kids macht!“ Harold war schon leicht entnervt.
„Und spielen sie gerne Tischtennis“ fragte der Beamte.
„Ja. Nein. Vielleicht, ach, was weiß ich? Warum ist das wichtig?“ erkundigte Harold sich erneut.
„Nur der Vollständigkeit der Unterlagen wegen!“ meinte der Beamte, kurz und sachlich und wollte weiter schreiben,
setzte den Kugelschreiber in der nächsten Zeile des Formulars an und blickte Harold wieder an, „also?“
„Was, also? Hören sie, ich weiß doch noch nicht mal weswegen ich überhaupt hier bin,
geschweige denn wie ich hier her komme! Wird mir irgendwas vorgeworfen? Hab ich denn was verbrochen?“
„Genau das wollen wir ja gerade raus finden, also kooperieren sie einfach und beantworten mir meine Fragen.“
meinte der Beamte mit Nachdruck.
„Ja, ist ja gut“ sagte Harold schließlich „doch was ist hier eigentlich los?“
Der Beamte drückte den linken Knopf der Schachuhr abermals runter
„Sehen sie, es hat ein Ereignis statt gefunden.“ „Hää, was denn bitte für ein Ereignis?“ fragte Harold ahnungslos.
„Ein Ereignis, bei dem alle Uhren, weltweit, stehen geblieben sind.
Die meisten Leute beschreiben es als ein helles Licht oder gar ein Blitzen. Und das sind jetzt die Auswirkungen.“
erklärte der Beamte. „Was, das sie mir Löcher in den Bauch fragen?“ entgegnete Harold.
„Ja“ lachte der Beamte „Mehr oder weniger, im Grunde könnte man´s als „abhanden gekommenes Zeitgefühl“ bezeichnen.
Manche meinten, das mache keinen Unterschied, da die Zeit ja eigentlich nicht existiert,
aber das ist so nicht ganz richtig. Also müssen wir auch ihre bisherige Existenz, bis ins Kleinste,
akribisch nachvollziehen, um den Punkt bis zu ihrer letzten Erinnerung zu rekonstruieren.
Doch wir dürfen keine Zeit verschwenden, also lassen sie uns weiter machen.“ Der Beamte betätigte den rechten Knopf der Schachuhr.
„Nein. Ich meine irgendwann reicht´s! Das ist doch alles nicht ihr ernst oder?
Ich bin doch hier bei einer versteckten Kamera oder so einem Schwachsinn“ Harold war kurz davor, aus der Haut zufahren.

„Bitte, Mister Bing“ sagte der Beamte schließlich, „beantworten sie einfach meine Fragen.
Sehen sie. Je eher sie mir die Fragen beantworten, desto eher ist das hier vorbei! Uns läuft doch die Zeit davon!“
er verwies auf die tickende Uhr. Da sprang Harold auf, drückte den linken Knopf der Schachuhr.
„Ach ja?“ fragte Harold nach, „Aber wie kann uns die Zeit davon laufen, wenn sie eigentlich gar nicht existent ist, frag ich sie!?!“
Harolds Stirn war tief in Falten gelegt. „Tja“ sagte der Beamte,
„das ist eine berechtigte Frage, doch ich kann sie ihnen nicht beantworten, so leid es mir tut.
Sehen sie, ich bin nur ein kleiner ausführender Beamte, der nicht zu hinterfragen hat was er tut, sondern, es einfach tut!“
„ACH JA? UND WÄRE DAS???“ Harold war mehr als erregt und eine dicke, pulsierende Ader zeichnete sich auf seiner Stirn ab.
„Na, sie fragen, ob sie gern Tischtennis spielen?“ sagte der Beamte breit grinsend, gerade heraus.
„AHH! Wieso sollte das von BELANG SEIN???“ nun war Harold einem Tobsuchtsanfall nahe.
„Das ist kein Spaß Mister Bing, wenn sie so weiter machen, muss ich sie wegen offenkundiger Zeitverschwendung angeklagt“
entgegnete der Beamte, eiskalt.
„Sie? Mich anklagen? Weswegen?“ wollte Harold erzürnt wissen
„Wenn überhaupt, verschwenden sie hier doch Zeit, mit belanglosen Fragen, über ein Ferienlager,
in dem ich vor fast 25 Jahren, 3 Wochen verbracht hab?
Und dann erzählen sie mir noch was von einem Ereignis und kaputten Uhren.“
„Aber, sie haben doch danach gefragt!“ meinte der Beamte.
„Das halt ich ja im Kopf nicht aus! Ich dreh hier gleich noch durch!“ Harold hob die Hände zum Kopf und schüttelte diesen.
„Ich versteh nicht, was Sie wollen? Ich mach hier nur meine Arbeit.“ sagte der Beamte, um seine Ehre etwas zu verteidigen.
„Gut, Ich würde gerne ihren Vorgesetzten sprechen“ meinte Harold.
„Tut mir leid, das ist nicht möglich!“
„Warum?“
„Der hat keine Zeit!“
„Sie wollen mich wohl verschaukeln, oder?“
„Nein, Mister Bing, tut mir leid“
„Dann ist das hier, ja absolute Zeitverschwendung!“
„Sie haben es erfasst, Mister Bing. Darum gibt es die Bürokratie und das Ministerium ja.
Aber sie könnten zur „Unterabteilung für Zeitverschwendung und Zeitdiebstahl“ gehen und beantragen,
das ihnen die verlorene Zeit, wieder gut geschrieben wird.“ sagt der Beamte und füllte das Zeitverschleißformular fertig aus.
„Gut dann werd ich da mein Glück versuchen!“ sagte Harold selbstbewusst.
„Hehe“ lachte der Beamte, „nehmen sie´s mir nicht übel, aber da können sie, genau so gut,
gleich hier bleiben, die Befragung über sich ergehen lassen und dann ihre Aussage unterschreiben!“
„Und, warum?“
„Na für die Vollständigkeit der Unterlagen, selbstverständlich!“
„Hm“ seufzte Harold schwer vor sich hin „Ich bekomm gleich noch ein Hirnaneurysma. Nein, ich meinte warum das keinen Sinn hätte?“
„Ach so! Na weil, seit wir in die „Phase des Zeitverlusts“ eingetreten sind,
diese Abteilung, eh chronisch, überlastet ist. Ich sagte doch, mein Vorgesetzter hat keine Zeit!“
„Egal! Ich versuch´s wenigstens. Schlimmer als hier zu warten, kann´s kaum werden!“
„Wie sie wollen, ich kann sie hier ja nicht festhalten. Wenn sie gehen wollen bitte, da ist die Tür.
Ich bekäme dann noch eine Unterschrift von ihnen!“ meinte der Beamte,
„Ist ja nicht so, das sie der einzige Fall waren, mit dem ich betraut worden bin.
Die Schildkrötenplage macht mich noch verrückt!“
„Schildkrötenplage?“ fragte Harold, neugierig nach und versuchte abzulenken, weil er es haste,
unübersichtliche Dokumente „gezwungenermaßen“ zu unterzeichnen.
„Ach nichts weiter, frei laufende Schildkröten, eben, als hätte der Zaun im Zoo, in ihrem Gehege,
ein Loch und die Viecher büchsen einfach aus, hehe“ witzelte der Beamte,
„aber, die Unterschrift, bitte!!!“ meinte der Beamte plötzlich mit Nachdruck.

„Ich werde hier nicht das Geringste unterschreiben!“ sagte Harold empört.
„Gut, wie sie wollen Mister Bing“ meinte der Beamte und vermerkte die Aussage so wie sie aufgenommen wurde.
„Wo ist diese Unterabteilung? Würden sie mir das noch verraten?“
„Tut mir leid, Mister Bing. 1. wäre ich nicht dazu befugt und 2. kann ich es ihnen gar nicht sagen weil ich,
nicht weiß wo diese Unterabteilung ist. Ich war selbst noch nie dort und auch noch nie drauf angewiesen.
Ich weis nur, Sie soll bei einer Bibliothek sein!“
Wütend verließ Harold das Amtszimmer, die Tür fiel zu und natürlich hätte der Beamte,
Harold sagen können wo diese Unterabteilung war oder den Umstand das es diese Unterabteilung gar nicht existierte.
Er wollte es ihm nur aus purer Gehässigkeit nicht sagen, und eine Abteilung für Zeitverschwendung und Zeitdiebstahl, gab es gar nicht.
Das war nur der Code, für die Wachen an der Grenze zur Sperrzone.
Dass sie automatisch bescheit wussten und die betreffende Person, auf keinen Fall in die Sperrzone ließen.
Denn die eigentliche Abteilung für Zeitlosigkeit, lag in der Sperrzone, in die nur befugte Beamten des Ministeriums zutritt hatten,
da sie dort hin, den General of Destiny, den alten Zausel, ins Exil geschickt hatten,
das weit hinter der ewigen Schlucht lag und nur mit dem Sold von zwei Münzen überquert werden konnte.
Endlich wieder im Wartezimmer! Die Zeit im Amtszimmer hatte sich so dahin gezogen, dass er die Frau verstand,
die vor ihm den Beamten, aufgesucht hatte, mit einem Schlag, war es ihm klar, als Harold ein
“Na das ging aber schnell?“ entgegen schallte.
„Schnauze!“ erwiderte er, mehr als zornig und rannte zur Ausgangstür hinaus.

-
..und es war ihm, als würde er durch einen Traum wandeln.
Harold kam aus der Tür des Ministeriums und konnte es nicht fassen, er stand mitten in New York,
doch glich die Stadt einem ehemaligen Kriegsschauplatz. Aufgerissene Straßen, zerstörte Häuser,
verwüstete Geschäftslokale und alles, Erschien ihm so Unwirklich und doch so Real.
Leute die umher streiften, völlig geistesabwesend, als wären sie auf schweren Psychopharmaka.
Er konnte es sich nicht erklären, doch wenigstens hatte er ein Ziel vor Augen, er musste diese verdammte Unterabteilung
für Zeitverschwendung und Zeitdiebstahl finden und machte sich auf den Weg, obwohl er nicht genau wusste,
wo nach er eigentlich Suchen oder wo er hingehen sollte. Da rasten drei Schildkröten vorbei, eine von links nach rechts,
rechts nach links und die dritte zischte, von hinten, durch seine Beine, in die Ferne.
Ganz leise vernahm er nur die Warnung der Kröten, „Dummkopf“, „du übersiehst“, „das Wesentliche“
hallte es ganz leise nach, doch Harold konnte sie nicht genau verstehen, die Unkenrufe, die sich bewahrheiten sollten.
Er drehte sich noch mal um, damit er sich das Gebäude einprägen konnte und ja nicht mehr hierher zurückkam.
Da fiel ihm ein Schild auf, das nur mehr an einer Schraube, an der Fassade des Gebäudes, hing,
„Ministerium für Zeitverwaltung, Abteilungsleiter – Luis C. Fire“, was für ein komischer Name,
dachte Harold noch bei sich und ging dann, seines Weges.

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-Wege zur Erkenntnis-
Nach einiger Zeit, wurde er selbst schon etwas apathisch, so wie die Anderen, die hier rumstreiften,
war er doch noch etwas mitgenommen von diesem fragwürdigen Verhör und dann noch, dieses triste Bild der Stadt.
Es war ihm, als wären seine Beine, jeweils 50 Kilo schwer und die Mühsal, des Weitergehens, einfach zu unerträglich.
Er blieb stehen und schloss seine Augen. Als Harold die Lider, wieder öffnete, konnte er nicht anders, als mehr als verdutzt blinzeln.
Wieder. Eine dieser Schildkröten? Mitten in Manhatten? Die noch dazu, mit einem für Schildkröten sehr untypischen,
Affenzahn, an ihm vorbei rannte, als gäbe es kein Morgen. „Was für eine Absurdität geht hier wohl vor“
dachte Harold und als er das an ihm vorbei flitzende Reptil sah, wusste er, das der Beamte,
eine „Schildkrötenplage“ erwähnt hatte, konnte sich aber nur schleierhaft daran erinnern.
Doch als die Panzerkröte direkt vor ihm war, schein etwas, wie mit Kreide auf ihren Panzer geschrieben,
„Du gehst den falschen Weg!!!“ als diese wie in Zeitlupe, langsam an ihm vorüber glitt, dann flitzte sie plötzlich weiter und
war weg, wie die der Wind. Ungläubig, rieb Harold sich die Augen, er konnte einfach nicht fassen
was aus dieser schönen Stadt geworden war, als wäre er nach Jahren aus einem Koma erwacht und
hätte die Welt dann, halb Zerstört vorgefunden und dann noch diese Schildkröten! Überall?
„Reiß dich zusammen, Harold“ sagte er sich „Nicht verrückt werden“ als er die Straße runter blickte
und zwei Polizisten sah. Flotten Fußes, ging er auf die, in schwarze S.W.A.T. -Uniform gekleideten,
bewaffneten Beamte zu, doch als ihm eine weiter Schildkröte direkt vor die Füße lief,
meinte Diese nur „Die werden dir nicht weiter helfen!“
„Warum meinst du? Wollte Harold stutzig wissen, „das sind doch Polizisten!“
„He!“ Lachte die Schildkröte abfällig „na wenn du meinst.“ Er wunderte sich nur noch über sich selbst,
„Jetzt diskutier ich hier schon mit ´ner Schildkröte? Wie grotesk!?!“ und ging weiter.
Die Wachen waren vor einer Schranke postier, dahinter verlief ein 5 Meter hoher Zaun,
der in eine eben so hohe Mauer überging und noch dazu mit Stacheldraht gesichert war, am Zaun hing ein Schild
„Sperrzone! Betreten Verboten!!!“
„Entschuldigen sie bitte“ fragte er schon aus der Ferne „aber vielleicht können sie mir helfen!“ doch die Beiden reagierten nicht.
Harold kam immer näher zum Posten der Wachen, die Beiden blickten einander kurz an und der Eine nickte.
Der Andere nahm seine Waffe, in Anschlag, während der Erste laut
„Sir, sie nähern sich unbefugt einem Sicherheitsbereich! Wenn sie sich bitte entfernen würden!
Sonst sind wir gezwungen, dass Feuer zu eröffnen!!!“ brüllte.
Erschrocken blieb Harold auf der Stelle stehen, eingeschüchtert von den Waffen und der Gewaltandrohung.
„Ja, Sir, ist ja gut, nicht gleich Schießen, ich hätte doch nur eine Frage.
Ich heiße Harold Bing und ich suche die, ehm, die Unterabteilung für Zeitverschwendung und Zeitdiebstahl?“
Die Wache antwortete kurz
„Ja eh, tut mir leid, keine Ahnung wovon sie reden, Sir! Da kann ich ihnen nicht helfen! Und jetzt weiter gehen!“
„Wissen sie dann vielleicht, ob hier wo eine Bibliothek in der Nähe ist?“
„Nein Sir! Weiter gehen!!!“ befahl der Wachposten, schon recht zornig, als die 2. Wache das Gewehr, provokativ durchlud.
„Ja, ist ja gut! Ihnen auch noch einen schönen Tag!“ sagte Harold, zermürbt von dieser ganzen verkorksten Situation,
in der er steckte und ging wieder weiter, in die Triestes der zerstörten Stadt.

-
Nach einiger Zeit kam es ihm schon so vor, als würde er bereits eine Ewigkeit gehen.
Seine Füße schmerzten, doch Hunger oder Durst verspürte er nicht. Er wollte sich nur einen kleinen Moment aus ruhen,
nur einen Augenblick hinsetzten, dass würde jetzt gut tun.
Da hörte er hinter sich Plötzlich ein „Platz da!!!“ und eine von diesen Hochgeschwindigkeits- Schildkröten,
überholte ihn. Im vorbei zischen sagte Die nur „nicht stehen bleiben, immer weiter gehen“.
Die Schildkröte rannte weiter „hier, vielleicht kannst du die, als Pfand gebrauchen“ hallte es nach und
als sie in der Ferne verschwand und nur noch das Klingen einer zu Boden fallenden Münze zu hören.
Harold lief hin, doch je mehr er sich anstrengte, desto schwerer wurden seine Glieder.
Als er bei der Münze angekommen war, musste er erst mal ein Sekündchen verschnaufen,
stützte die Hände auf die Knie und atmete durch. Ein Sonnenstrahl fiel vom Himmel herab,
wurde von der Münze reflektiert und blendete Harold fürchterlich, so das er beim ersten Mal,
als er nach ihr greifen wollte, mit der Hand ins Leere fuhr.
„Kommst du wohl her!“ Harold nahm die Münze an sich, rieb sie, zwischen den Fingern sauber und betrachtete sie.
Aber mit Münzen kannte er sich nicht aus, also steckte er sie ein und ging weiter.
„Nicht stehen bleiben, immer weiter gehen. Diese blöden Schildkröten. Was wissen die schon!“
nörgelte er rum und ging immer langsamer, immer kleinere Schritte.
„Verdammten Turbokröten“ dachte er „die haben leicht reden, wenn sie so durch die Gegend flitzen“
ging ihm durch den Kopf, so das er es im ersten Moment gar nicht bemerkte,
wie die Welt um ihn herum, begonnen hatte, an ihm vorbei zu fliegen.
Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, je langsamer er ging und je mehr Zeit er sich für seinen Weg nahm,
desto schneller kam er vorwärts.

-
-Kontrollgang-
Der Beamte kam zur Grenze an der Sperrzone und erkundigt sich, ob Mister Bing schon hier gewesen sei.
„Ja Sir der war schon hier!“ erwiderte die Wache prompt und salutierte,
„wir haben ihn aber gleich abgewimmelt.“ Sagte der Eine.
„Ja, ja, Soldaten, rührt euch, habt ihr ihm irgendwas verraten?“ wollte der Beamte gleich energisch wissen.
„Nein Sir! So wie sie befohlen haben, Sir!“ meinte der Eine.
Der Zweite ergänzte seinen Kollegen mit „Der wird Ziellos in der Stadt umherstreifen und mit der Zeit vergessen,
wer er eigentlich ist, Sir!“ und nahm wieder Haltung an.
Also sollte er noch mal hier vorbei kommen, schicken sie ihn sofort zu mir, er darf den General of Destiny
auf keinen Fall finden!!! Alles klar?“ sagte Luis C. Fire, mit Nachdruck.
„Ja, Sir“ antworten seine beiden Wachen sofort und Lue verschwand.

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- Der Pfad in die Zeitlosigkeit-
Unterdessen war Harold immer noch, unterwegs, auf der Suche, nach „einem Ort, wo,
wo man viele bedruckte Seiten Papier, auf bewarte?“ Ach, wenn ihm doch nur einfallen würde, wie man diesen Ort nennt,
aber er konnte sich bei besten Willen, nicht mehr dran erinnern. So Vieles, schien er zu vergessen,
aber seinen Namen wusste er noch, „Barold Hing? Nein das konnte irgendwie nicht Richtig sein.
„Oder, erinnere ich mich auf einmal doch nicht mehr?“ Es war ihm, in diesem Moment,
aber auch irgendwie egal, denn als er den nachdenklich gesenkten Kopf hob, stand er vor einem großen Gebäude,
das unversehrt zu sein schien, mit prunkvoller Zierde und einem großem Eingangstor.

-
Lange, hallten seine Schritte in der großen Bibliothekshalle nach, als er zwischen den Säulen
des Eingangsbereiches hindurch ging. Er erblickte deinen Empfangsschalter und dahinter
einen schrulligen Bibliothekar, der unablässig, ein Buch nach dem Anderen abstempelte.
„Hallo, entschuldigen sie bitte, wissen sie etwas von einer Abteilung für Zeitverschwendung und Zeitdiebstahl?“
fragte Harold sogleich, mit gedämpfter Stimme, doch der Bibliothekar reagierte nicht. „Hallo, Sir, könnten sie mir helfen, bitte?“
„Tut mir Leid, Sir. Aber alle Bücher über Uhrenreparatur, sind ausgeliehen“
sagte der Bibliothekar so gleich mit monotoner Stimme und stempelte weiter apathisch, seine Bücher ab.
„Das interessiert mich nicht die Bohne, ich würde gern wissen wo die Abteilung für..“,
da fiel der Bibliothekar, Harold ins Wort
„Tut mir Leid, Sir. Aber ich sagte doch bereits, alle Bücher über Uhrenreparatur, sind ausgeliehen“ und stempelte weiter.
„Sagen sie mal, ist denn jeder, der hier herumrennt, ein minderbemittelter Sonderschüler? Oder wie?“ fragte Harold rhetorisch.
„Tut mir Leid, Sir. Aber alle Bücher über Uhrenreparatur, sind ausgeliehen“ sagte der Bibliothekar erneut.
„Also doch! Gut dann werd ich mich einfach umsehen.“ meinte Harold, wendete sich vom Empfangspult ab und
wollte weiter in die Bibliothek gehen, als der Bibliothekar noch mal anfing
„Tut mir Leid, Sir, aber…“ „ja ja“ unterbrach Harold ihn „ich hab schon verstanden, alle Bücher über Uhrenreparatur,
sind ausgeliehen, ich weiß!“ und so ging er weiter in die Bibliothek.

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Harold suchte zwischen den Regalen, die voll gestopft waren mit Büchern, die teils Kreuz und Quer lagen,
oder so voll gestopft, dass das eine oder andere Buch, von seinem Regalbrett, wieder zu Boden gefallen war.
Er ging weiter, zwischen Hunderten und Aberhunderten von Regalen, so viele, er vermochte sie nicht zu zählen und
jede der Reihen wirkte, als würde sie in die Unendlichkeit führen.
„Brrr-Knurr“ Harold hielt sich den Bauch, langsam aber sicher, wurde ihm etwas Flau im Magen und
er verspürte so etwas, wie, etwas wie, na, wie hieß es doch gleich? Hunger! Das war´s.
„Aber jetzt etwas zu essen bekommen, wo her?“ fragte er sich und
ging weiter durch die Bibliothek. Nach einigen Augenblicken, so schien es zumindest,
kam Harold zu einer Wendeltreppe, die auf die über ihm gelegene Galerie führte.
„Geh mal rauf, vielleicht kannst du dir, ehm, dir, ehm? Ahhh, das gibt’s doch nicht!“
Harold verlor jetzt immer öfter die Konzentration und das trieb ihn langsam zur Weißglut, oder schnell!
Das konnte er nicht mehr wirklich beurteilen und eben das, machte ihm so zuschaffen.
Doch als er sich wieder etwas beruhigte und sein Blick kurz darauf wieder auf die Wendeltreppe fiel,
rannte er wie von der Tarantel gebissen, die Treppe rauf,
„Überblick verschaffen!!! Genau, das war es!!!“ und als er auf der Galerie angekommen war, wurde er etwas klarer im Kopf.
Und dann sah er ihn, ein Essens- Automat mit Sandwichs, gekühlten Getränken, etwas Obst und einige Süßigkeiten.
Er ging hin, stecke die rechte Hand in die Tasche seiner Hose, nahm die Münze raus,
die er zuvor von der Schildkröte bekommen hatte und setzt sie am Münzschlitz des Automaten an, als plötzlich eine Stimme ertönt,

„Nicht doch! Was machen sie denn da???“
„Na, ich wollt mir ein Thunfisch- Sandwich kaufen.“ meinte Harold, etwas erschrocken.
„Aber doch nicht mit dieser Münze!!!“ meinte der hagere Mann, der zwischen einigen Regalen hervorgekommen war.
„Und warum nicht?“ meinte Harold bestimmt „Ich hab Hunger!“ stolz auf sich,
das ihm das Wort überhaupt wieder eingefallen war, „Hunger“.
„Weil das doch die Krötenprägung ist! Los stecken sie sie wieder ein.“
Und Harold steckte die Münze wieder in den Hosensack.
„Hallo mein Herr, wie ich heiße kann ich ihnen nicht sagen.“ meinte der Mann.
„Und warum nicht“ wollte Harold stutzig wissen.
„Na weil er mir leider entfallen ist. Aber ich denk sie verstehen was ich meine, Oder?“
der Mann kam näher, betrachtete Harold und ihm wurde etwas unheimlich zu mute,
als ihm der hagere Mann, immer tiefer in die Augen blickte.

„Oh ja“ sagte er, als er fast direkt vor Harolds Nase klebte,
„Sie wissen ganz genau wo von ich rede!“
„Ja, ich glaub schon?“ sagte Harold nachdenklich, fast schon fragend.

„Na ja, kann ja mal passieren oder?“ sagte der Mann, als er sich wieder etwas von Harold entfernte,
die Schultern hoch zog und die rechte Hand dabei hob, „aber ist ja auch egal, sie können mich Numismatiker nennen“
meinte der Hagere und reichte Harold die rechte Hand. „Numismatiker?“ fragte Harold, unwissend.
„Ja, oder Münzsammler, wenn sie so wollen.“ Harold ergriff die Hand des Numismatikers und stellte sich vor
„Hey, ich bin Barold Hing“ und lächelte.
„Und da sind sie ganz sicher, ja? Ich hab ja schon eine Menge, unsinnige Namen gehört, aber das?“
meinte der Numismatiker im Scherz.
„Also wenn ich’s mir recht überlege, dann könnte es doch eher, Harold Bing heißen.“ sagte Harold verlegen.
„Na sehen sie, das macht doch schon viel mehr Sinn“ entgegnete der hager anmutende Numismatiker.
„Ja ich denke auch, das kommt hin!“ meinte Harold erleichtert „und ich suche die Unterabteilung für...“
Der Numismatiker unterbrach ihn „für Zeitverschwendung und Zeitdiebstahl?“ fragte er Harold,
als er seine runden Brillen aus der Tasche nahm und auf seinen Nasenrücken setzte.
„Ja, genau! Wo her wissen sie das?“ meinte Harold verblüfft.
„Hehe“ kicherte der Numismatiker „weil ich auch schon mal auf der Suche, nach dieser verdammten Abteilung war,
nur der Witz an der Sache ist, diese Abteilung gibt es gar nicht.“

„Was???“ fragte Harold, aber irgendwie wunderte er sich nicht mehr darüber, was ihm hier alles widerfahren war.
„Er hat sie verarscht“ sagte der Numismatiker „genau wie mich und all die Andern, die hier, ziellos umherstreifen.“
„Sie sind schon länger hier, was?“ meinte Harold fragend.
„Ich vermute ja, aber so genau kann ich das nicht sagen.“
„Und ihre Name? Interessiert sie denn gar nicht, wie sie heißen?“ fragte Harold neugierig.
„Tja, ich gab mir einfach einen neuen Namen und so ist´s mir Einerlei.“ erwiderte der Numismatiker gelassen.
„Aber sie, sie haben ihren Namen verloren, ist das nicht so als würde man seine ganze Identität verlieren?“ wollte Harold wissen.
„Identität, mein Freund, ist nur ein Wort. Es beschreit nur die Summe, unserer Erlebnisse und Erfahrungen, grob gesprochen.
Es würde mich auch nicht zu einem anderen machen, hätte ich jetzt einen Namen, oder?“ fragte der Numismatiker altklug.
„Von dieser Seite hab ich das noch nie betrachte, interessanter Denkansatz“ entgegnete Harold.
„Kommen sie Harold. Ich will ihnen was zeigen.“ Der Numismatiker ging voraus.

Er führte Harold durch einige Bücherregale hindurch, bog ein, zwei Mal falsch ab, ging dann den Weg wieder zurück und
sie fanden schlussendlich doch den richtigen Weg, zu der Sammlung, des Numismatiker.
„Sehen sie sich das an, eine fast komplette Sammlung historische Münzen! Einzigartige Fehlprägungen und Sondereditionen!
Sind sie nicht eine Pracht?“ sagte der Numismatiker, mit Stolz geschwellter Brust.
„Ja sehr schön, aber da oben scheint ihnen noch Eine zufehlen!“ sagte Harold, mit leicht fragendem Unterton.
„Ja“ meinte der Numismatiker wehmütig „Das haben sie sehr gut bemerkt, drum bin ich froh, das ich sie gefunden hab!“
„Ach ja? Also ich versteh bis jetzt nur Bahnhof!“ sagte Harold verwundert und konnte sich
keinen Reim auf die ganze Geschichte machen.
„Sehen sie Harold“ begann der Numismatiker zu erläutern
„ich hab einige überzählig Münzen, da drüben in der Schachtel, die nicht mehr in die Sammlung passen.
Aber ich könnt ihnen einige dieser Münzen geben, die etwa gleichviel Wert wären, wie ihre Eine. Ich würde sie ihnen tauschen.“
„Und was hätte ich davon?“ fragte Harold.
„Wer weiß, vielleicht helfen ihnen 3 oder 4 mehr, als nur die Eine, die sie schon haben?
Und sie können sich sicher denken, dass ich, in einer vollständigen Sammlung,
keine überzähligen Exemplare gebrauchen kann. Doch wer weiß, vielleicht können sie sie, auf ihren Weg brauchen?
Ich kann hier nie mehr weg, doch ich hab mir geschworen, denen zu helfen, die es noch schaffen könnten.“ meinte der Numismatiker.
„Und Warum? Warum wollen sie mir helfen?“ wollt Harold ungläubig wissen.
„Weil ich niemand diese ewigen Qualen des Vergessens auferlegen will.
Schlimm ist, nicht zu wissen. Doch tausendmal schlimmer noch, ist, zu vergessen, was man bereits wusste!!!
Ich gebe ihnen nun die Chance, dem zu entfliehen.“

„Zu entfliehen? Okay, aber was ist an mir oder dieser Münze so besonderes?“
„Das kann ich ihnen leider auch nicht so genau sagen, ich weiß nur das zur Zeit, was nicht mit rechten Dingen zu geht!“
sagte der Numismatiker als er noch einige Lampen aufdrehte und Harold einen Platz, in der Leseecke anbot.
„Und was hat es mit der Sperre auf sich, wissen sie da etwas darüber?“
Harold nahm in einem alten Lesesessel platz, der Numismatiker setzte sich in einen Sessel gegenüber.
„Tja das, ist das Ödland. Alles was hinter der Sperre oder dieser Mauer liegt, eine ewige Einöde, tot, doch voll, Seelenverzehrender Zombies.“
„Und was ist mit der Münze? Denken sie, sie könnten sich damit freikaufen oder wie?“ fragte Harold.
„Nein, das denk ich nicht. Ich hab nur das Gefühl, als müsste ich einfach diese Sammlung vervollständigen,
wer weiß was es mir bringt. Vielleicht ist es nur eine Beschäftigung, vielleicht ist es mehr, wer kann das schon sagen?
Also was meinen sie, würden sie tauschen?“ wollte der Numismatiker, schon etwas gierig auf die Münze, wissen.
„Von mir aus. Hier ist sie“ Harold griff in die Tasche seiner Hose und holte die Münze raus.
Der Numismatiker sprang auf und holte weiße Handschuhe, eine kleine Lade, die mit rotem Samt ausgekleidet war und
die Schachtel mit den überzähligen Münzen. Er reicht Harold die Schachtle mit den Münzen und sagte

„Hier, nehmen sie sich so viele, sie brauchen können, ich hab keine Verwendung mehr dafür“ als er sich die weißen Handschuhe überstreifte.
Harold gab seine Münze dem Numismatiker, der sie sofort in die kleine Lade legte
„Oh, sie ist wunderschön!“ meinte er noch, als er einen Moment lang inne hielt, um die Münze mit großen Augen zu betrachten,
bevor er recht eifrig begann, sie zu säubern. „Ich muss sie noch sauber machen, bevor ich sie in die Sammlung einsetzten kann“
sagte er, Harold unterdessen, nahm sich 7 Münzen aus der Schachtel, die der Numismatiker ihm gegeben hatte
und steckte sie in seine Hosentasche. „Und was könnt ich jetzt wegen dieser Abteilung
für Zeitverschwendung und Zeitdiebstahl tun? Ich muss da hin!“ meinte Harold mit Nachdruck.
„Tja, 1. suchen sie die Abteilung für Zeitlosigkeit, und 2. weiß ich nur, das es ein weiter Weg sein soll.
Sie soll hinter der Sperrzone liegen und ich hab keine Ahnung, wie man da hinkommt.
Vielleicht immer an der Mauer entlang?“ Erklärte der Numismatiker und putze die Münze weiter.
„Nun, dann werd ich mir mal ein Sandwich kaufen. Jetzt hab ich ja genug Kleingeld, also viel dank.“ meinte Harold freundlich lächelnd.
„Dann wünsch ich, guten Hunger!“ meinte der Numismatiker, der sich immer mehr in das Reinigen
der Münze vertiefte und nicht wirklich bemerkte, dass Harold bereits weg war.

-
„Wo war das? Ach ja, da links und wieder vor auf die Galerie!“ ging ihm durch den Kopf als er den Rückweg suchte.
Am Automaten angekommen, nahm er, eine der Münzen aus der Tasche und setzte sie am Münzeinwurf an, die Münze rollte rein,
es klackerte einpaar mal und „Zack“ fiel die Münze in den Auffangbehälter des Automaten.
Harold drückte sich ein Thunfisch-Sandwich raus, dann kaufte sich noch einen Saft.
Als er sich noch einen Schokoriegel kaufen wollte, klackerte zwar das Geld zwar in der Maschine,
nur wollte sich dann nichts mehr rühren. Harold schlug mehrmals mit der Hand gegen den Automat, aber es tat sich nichts.
Dann nahm er eine weitere Münze, doch als er sie einwerfen wollte,
begann die Münze zu leuchten und veränderte sich die Münze anscheinend. Sie hatte wieder die Prägung der Schildkröte.
Schnell nahm er die restlichen 3 Münzen aus der Tasche, aber diese hatten ebenfalls die gleiche Prägung.
Da sprang die Front des Essensautomaten auf, doch anstatt, das er sich hätte bedienen können,
war es als wäre die Front, wie eine Tür, die in einen weiß erleuchteten Gang führte.
„Hallo?“ fragte er verdutz, in den leeren Gang und seine Frage hallte wieder zu ihm zurück.
Neugierig, setzte er einen Fuß vor den andern, als er den Gang erkundete, doch mit einem Mal,
wurde das Licht immer heller und heller.

-
Plötzlich, fand er sich, Mitten auf der Straße, vor der Bibliothek, wieder.
Er wusste das, er irgendwie hinter die Sperrzone gelangen musste, doch hatte er nicht den geringsten Schimmer,
wie er das bewerkstelligen sollte. Er wusste nur dass er, wenn er an der Sperre entlang ging,
vielleicht eine Möglichkeit finden würde, um über die Mauer zu kommen.
So ging er schon geraume Zeit neben der riesigen Mauer lang und immer weiter.
Als er zu einem Stück der Mauer kam, das schon etwas zerbröckelt war, blickte er kurzer Hand,
durch ein Loch in der Mauer, um seine Neugier einwenig zu befriedigen, doch als er sah was sich hinter dieser Mauer abspielte,
wurde er fast starr vor Schreck.

Er erblickte eine tiefe Schlucht, hinter der, das Ödland lag und in dem sich viel wilde Kreaturen tummelten,
die so wirkten als wären sie einst auch mal Menschen gewesen, doch sich durch ihren Aufenthalt
in dieser seltsamen Welt zu einer Art Zombie verwandelt hatten. Furchterregende Biester, die
durch das Ödland jagten und sich in der ewigen Verdammnis befanden, dämonisch und wild.

„Wie soll ich da bloß durch kommen, bevor ich diese Sperrzone durchquert hab, haben sie mich zerfleischt“
dachte Harold bei sich und merkte nicht, dass sich eine Schildkröte, regelrecht von hinten an ihn heran pirschte.
„Na, willst du über die Mauer hüpfen, Kleiner?“ fragte diese, mit einem Unterton in der Stimme,
der dieses Vorhaben einwenig ins lächerliche ziehen sollte.
OH Mann!!! Hast du mich vielleicht erschreckt, du blödes Vieh! Sag mal, geht´s noch?“
Harold hätte sich beinahe selbst besudelt, so unerwartet kam diese Frage, aus dem Nichts, genau wie die Schildkröte.

„Geht´s noch, Hihi“ kicherte, die zu Schabernack aufgelegte Schildkröte.
„Was gibt´s denn da zu kichern?“ meinte Harold, mit in die Hose gerutschtem Herz,
„Findest du das etwa Lustig? Ich muss da durch!“ sagte er entschlossen.
„Tja, na dann viel Glück dabei“ sagte die Schildkröte, „aber das wird dir so nicht gelingen.“
Harold wusste nicht genau was er von diesem Reptil halten sollte, obwohl ihm ihre Artgenossen,
stets geholfen hatten „Ach so und hättest du dann vielleicht einen Tipp für mich, oder willst du dich nur über mich lustig machen?“
„Nein, nein. Nur, den direkten Weg zu gehen, wird dich nicht weiterbringen.
Versuch nicht gegen sie anzukommen. Das ist nicht möglich. Es gibt einen einfacheren Weg. Folge mir.“
meinte die Kröte und machte sich gemütlich auf den Weg. Harold hingegen, verkniff sich jedes Widerwort und folgte der Schildkröte.
Die Mauer, an der er, schon einige Zeit unterwegs war, immer der Schildkröte hinterher, ging sehr abrupt,
in ein altes verfallenes Bahnhofsgebäude über.
Am Haupteingang angekommen, schien es, als würde sich das gepanzerte Reptil,
wortlos doch Kopf nickend, zu verabschieden.
Dann zischte sie in die Ferne und lies Harold wie angewurzelt stehen.

-
Ein leistes Quietschen strich durch den Raum, das von den alten etwas rostigen Türscharnieren her kam,
als Harold die Tür der Wartehalle öffnete und eintrat. Er sah sich um, doch niemand war da und als die Tür,
der Wartehalle wieder zugefallen war und das Quietschen verstummte, herrschte eine Totenstille.
„Hallo, ist der irgendwer?“ fragte Harold in die Stille des Raums
„Irgendwer, der mir vielleicht sagen kann, ob hier überhaupt noch Züge fahren?“ doch nichts rührte sich,
kein Mucks war zuhören, so ging Harold weiter, durch die Wartehalle und in Richtung Bahnsteig.
Die Tür war derart staubig, dass man die Aufschrift kaum lesen konnte, Harold erkannte nur das Wort „Semit yloh“,
in verblassten und komplett verdrehten Buchstaben.
„Ach, was soll´s? Ich muss ja nicht alles wissen, was HIER VORGEHT!“
dachte er sich und ging die Tür zum Bahnsteig, hinaus.
An dem alten Automat, auf dem ewig verlassenen Bahnhof „ins Nichts“, wie Harold dachte,
baumelte ein Schild mit der Aufschrift „Kaputt“, doch er wollte einen Versuch wagen und
steckte eine Münze in den Einwurf. Es klackerte in der Maschine „Klack Klack“ und die Münze,
fiel durch den Mechanismus des Automaten. Als der Automat sie dann wieder ausspuckte, nahm Harold die Münze
aus dem Retourgeldschacht und sah sie sich kurz an.
Der Automat hatte sie, auf der einen Seite, verkratzt.
Dann steckte er sie wieder ein und beschloss zu warten.
Die Schildkröte hatte ihn schließlich hergeführt und was sollte man auf einem Bahnhof
auch anderes machen, als auf einen Zug zu warten.
Harold drehte sich vom Automaten weg und beschloss am Bahnsteig, umher zuschlendern.
Einen Schritt nach dem andern, tat er, „Ja, etwas rumspazieren, das entspannt.“
Da fiel sein Blick wieder auf die Tür und jetzt machte die Aufschrift, auch gleich etwas mehr Sinn.
„Holy Times“ aber was es damit auf sich hatte blieb ihm vorerst noch ein Rätsel.
„Hallo Sir, wissen sie wann der nächste Zug kommt?“ fragte plötzlich eine raue Stimme,
die einem etwas älteren doch robusten Mann gehörte, der gerade hinter einer Ecke des Bahnhofsgebäudes hervor kam und sich,
nach seiner Frage, räusperte.

Gekleidet war er in eine verschlissene Latzhosen mit Karomuster und darunter einem Flanellhemd,
an dem kein einziger Knopf mehr dran war, er hatte einen braunen Hut auf dem Kopf und
sein Bündel über die Schulter gelegt, wie ein Vagabund.
Als Harold diese Frage hörte, blickte er noch mal auf die Tür und dann zurück zum Vagabunden
„Also so wie ich das verstanden hab, kommt der nur alle heiligen Zeiten!“ antwortete er.
„So so“ meinte der Vagabund als er mit dem Finger im Mund rumstocherte
„nur alle heiligen Zeiten? Interessant! Und sonst? Was machen sie sonst so? Hier!“
und sich dann, gegen die Wand lehnte, ganz in der Nähe des Automaten.
„Nur die Zeit totschlagen!“ antwortete Harold, ohne darüber nach zudenken,
was er da eigentlich gerade von sich gab.

„HA! Ach ja? Na dann viel Glück!!!“ meinte der Vagabund nur kichernd.
„Hää, wie soll ich denn das verstehen?“ wollte Harold, etwas verwirrt wissen.
„Na, wie wollen sie den was totschlagen, das gar nicht existiert? Das müssten sie mir mal erklären!“
entgegnete der Vagabund voll Schadenfreude und senkte den Kopf so, dass das Gesicht wieder
hinter der rissigen Hutkrempe verschwand, als ein Windhauch eine Strohball vorbei trieb.
Der Vagabund begann die klassische Duellszenenmelodie zu pfeifen und Harold fühlte sich auf einmal,
wie in einem Western. „Was war das?“ fragte Harold erschrocken.
„Na ich hab gepfiffen.“ antwortete der Vagabund mit ruhiger Stimme.
„Wollen sie eine Runde pfeifen? Wäre doch eine nette Abwechslung, meinen sie nicht?“ fragte er dann so gleich.
„Warum nicht?“ meinte Harold und begrüßte, die willkommene Abwechslung.
Der Vagabund begann und pfiff leise, drauf los. Harold erkannte es nicht gleich, es dauerte etwas,
doch dann dämmerte es ihm und er stimmte mit ein, er über nahm die 1. Stimme, der Vagabund,
die 2. und hin und wieder, eine improvisierte Überstimme.
Als sie fertig waren, meinte Harold, „Ich kenn dieses Melodie, das war doch
„Spiel mir das Leid vom Tod“ stimmt´s? beendete er den Satz, als ihm etwas Bang wurde.
„Ja, ganz haben Recht“ lächelte der Vagabund um Harold zu beruhigen, doch das half nicht und
schon drängte sich ihr die nächste Frage auf. „Kommen sie mich jetzt holen?“
wollte er mit einem leichten zittern in der Stimme, wissen.
„Sie holen kommen?“ der Vagabund nahm Harold ins Visier, blickte ihm tief im die Augen lachte laut und meinte dann
„Nein. Ist mir nur spontan eingefallen, ich fand, es wäre irgendwie passend. Sie nicht?
Außerdem kommt vorher doch noch der Zug? Denk ich.“
als ein Ungetüm von Lokomotive, dampfend und schnaubend, langsamer wurde und in den Bahnhof einfuhr.
„Sehen sie, war doch ein netter Zeitvertreib.“

-
„Fahrkarte!“ bellte ihm der Schaffner roh entgegen, als Harold einsteigen wollte.
„Ich hab keine.“ meinte er nur kurz.
„Kaufen sie bitte Eine am Automaten.“ wurde er sofort aufgefordert.
„Der ist Kaputt. Ich hab´s ja probiert, aber die Münzen sind einfach durchgefallen.“
„Mein Herr, der Zug muss weiter!“ mahnte der Schaffner.
Harold ging noch mal zum Fahrkartenautomaten und stecke wieder eine der Münzen, in den Münzeinwurf,
die, so wie zu vor, durch den Mechanismus rasselte, ehe sie in der Münzschale für´s Retourgeld landete
„Sehen sie!“ sagte er bockig zum Schaffner. Doch als er sich wieder umdrehen und zum Zug gehen wollte,
da packte der Vagabund Harold, auf einmal am Ärmel und hielt ihn fest. „Wollen sie denn nicht mit fahren“
fragte er den Vagabund etwas erschrocken.
Der entgegnete nur „Ich nehm den Nächsten, und vergiss nicht, Kleiner.
Wer die Zeit nicht zu haben braucht, hat die Chance, früher am Ziel zu sein!!!“ dann lies er Harold wieder los.
„Interessant“ murmelte Harold nachdenklich,
„Hier nehmen sie die.“ er reichte die zwei zerkratzen Münzen, dem Vagabund,
die der Automat beschädigt hatte „vielleicht können sie sie brauchen.“ Harold ging ganz ruhig,
zum Zug zurück und war im Nu da, obwohl der Bahnsteig ewig lang wirkte.

„Sie brauchen eine Fahrkarte, Sir!“ schallte es ihm gleich noch mal entgegen, als er angekommen war.
„Sie haben´s doch gesehen, der Automat, spielt nicht mit.“
„Sir, wir haben doch keine Zeit!“ meinte der Schaffner schon beinahe flehend.
Da erwiderte Harold, spitzfindig „Die hat keiner von uns, denn, wenn er sie hätte, würde sie einem,
einfach nur durch die Finger rinnen. Man kann Zeit höchstens messen, doch niemals besitzen!“
Der Schaffner kuckte im ersten Moment etwas sehr erstaunt über diese Antwort
„Das ist eine bemerkenswerte Erkenntnis, Sir.“ entgegnete er ihn, eine Sekunde darauf.
Kurz herrschte eisiges schweigen und der Schaffner musterte Harold, ganz genau
„Hmm“ murrte er finster, „Hätten sie es denn passend?“ fragte er dann.
„Ich hätte 2 Münzen.“ erwiderte Harold kurz, denn der Zug hatte ja keine Zeit.

„Dann geben sie sie mir. Ich denke, das geht schon in Ordnung.“ sagte der Schaffner, auf einmal,
sehr freundlich und bat Harold in den Zug.
Harold, konnte sich hin setzten, wo er wollte, keine Menschenseele war an Bord des Zug,
drum setzte er sich auch gleich am ersten Platz, ans Fenster hin.
Die Lok schnaubte, dampfte und die Räder drehten auf dem Gleis durch, das Signal pfiff laut auf und
der Zug setzte sich rumpelnd in Bewegung.
Eine Zeit lang, rumpelte er noch so dahin, über Schienen, die auf sandigem Grund verlegt waren,
doch dann kam der Zug zum Abgrund, zur Kante der ewigen Schlucht.
Der Zug fuhr weiter und glitt mit einem Mal geräuschlos dahin, schwebend in der Luft,
um nach einem kurzen Sinkflug, am Rand des Ödlands zulanden und weiter dahin sauste.
Der Zug schnellte auf einen Tunnel zu, raste dann hinein und hielt immer auf eine grelles weißes Licht zu…

-
-In der Abteilung für Zeitlosigkeit-
Wieder ein Wartezimmer, wieder mit Uhren, doch dieses Mal machten sie kein Geräusch,
so das sie Harold erst gar nicht auffielen, doch sie schienen zu funktionieren.
Das Wartezimmer selbst, war Leer, wie ausgestorben, doch mit einem Fenster.
Das Fenster war winzig klein und blickte raus, in einen winzigkleinen Garten, voller Blumenpracht.
„Hallo?“ fragte Harold schüchtern, als er plötzlich, aus einem Raum weiter, eine Stimme vernahm.
„Sie glauben, sie können es kontrollieren, doch sie können´s nicht!“
Verwundert ging er weiter auf das Amtszimmer zu, drückte mit den Fingern die Tür auf und fragte erneut „Hallo?
Ist da jemand, der mir vielleicht weiterhelfen kann?“ als Harold, ihn sah.
Nur ein einziger, vereinsamter, alter Beamter, mit wuscheligem, weißem Bart und wallendem weißem Haar,
der etwas dadaistisch wirkte und als er Harold erblickte und Harold meinte
„Hallo, ist das hier die Abteilung für Zeitverschwendung und Zeitdiebstahl? Ehm die Abteilung für Zeitlosigkeit?“
nur begann um Harold herum zu tanzen und dazu ein komisches Lied anzustimmen,
„Zeit ist Kontrolle und Kontrolle ist Zeit, wer sich dessen Bewusst, ist davor gefeit.“
doch genaue Antwortete bekam er keine von dem Beamten.
Und als er, in der Nähe der Tür kam, stolpert der alte Tollpatsch über Harolds Bein und purzelt zur Tür hinaus,
ins Wartezimmer. Er blieb kurz am Boden sitzen und schüttelte den Kopf und als Harold ihm zu Hilfe geeilt kam,
„Haben sie sich was getan?“ fragte er, voll Sorge, als er dem Alten wieder auf die Beine helfen wollte.
„Oh, es geht schon, Jungchen!“ er stand ohne Harolds Hilfe wieder auf, warf eine Blick aus dem Fenster und
sagte „komm Kleiner, lass uns in den Garten gehen.“

-
Der Alte spazierte mit Harold im Garten umher und wurde zu nehmend ruhiger.
„Können sie mir sagen warum hier überall Schildkröten rum rennen?“ wollte Harold wissen.
„Tja HAHA“ meinte der alte Zausel amüsiert, „Schildkröten wissen eben wie man sich für etwas Zeit nimmt.“
„Ich versteh nur Bahnhof!“ Harold verstand nur Bahnhof.
„Wie kann man denn das nicht verstehen?“ meinte der wuschelbärtige Mann
„Na, Ganz einfach, für die Dinge, für die sonst nie Zeit war,
oder die vorhandene Zeit zu knapp geworden ist. Schildkröten, ha, die haben´s einfach raus, was!“
da musste der Alte sehr laut lachen. Sein Bauch wackelte, auf und ab,
als er sich nach hinten lehnte um das Lachen in den Himmel zu heben.
„Ah, das ist besser, ich hasse den Einfluss dieses Amtszimmers, aber wenn ich hier draußen bin,
bekommt er´s meist recht schnell mit. Also hör gut zu, dir bleibt nicht mehr viel Zeit
Wir müssen uns beeilen, er ist bald da, denn ich spüre schon, wie sein Zorn wächst.
Er weiß, dass er nicht mehr gewinnen kann. Er wird dich prüfen oder versuchen dich auszutricksen.
Egal was kommt, sei auf der Hut und sag einfach nur Nein. Tust dir damit selbst einen Gefallen, Kleiner“
„Und warum helfen sie mir?“ wollte Harold wissen.
„Wenn er nicht nach den Regeln spielt, brauch ich das ja wohl auch nicht zutun.
Und er hat dich unrechtmäßig genommen, aber das ist kompliziert. Ich kann dir nur einpaar Tipps geben, der Rest liegt an dir selbst.“

Der „alte Zausel“ erzählte von der Illusion der Zeit, die der Mensch erfunden hat,
um andere Menschen zu beeinflussen und zu kontrollieren.
Die Illusion von Kontrolle, Persönlichem Eigentum, oder die Angst vor dem Tot.

„Das ist mir alles etwas zu Hoch, ich versteh kein Wort?“ meinte Harold.
„Ja wie kann man denn das nicht kapieren?
Vergangenes ist weder greifbar noch veränderbar.
Zukunft ist weder kontrollierbar noch vorhersehbar.
Das Einzige was zählt, ist das Hier und jetzt, dies ist die Essenz des wahren „Seins“.
Weißt du Kleiner, nur wenige Menschen, die ihr Leben authentisch gelebt haben und
die auch authentisch gestorben sind, sind wirklich gesegnet, denn sie wissen, dass das Leben ewig währt und
der Tod die Eigentliche Fiktion ist.“ Für einen Augenblick, verharrte der Alte, nahm eine Münze aus seiner Tasche und betrachtete sie.
Harold sah die Münze und erkannte das es sich um eine der Münzen handelte, die er dem Vagabund überlassen hatte,
an der verkratzten Seite, dann begann der weißhaarige Zausel wieder zu sprechen
„du musst verstehen, Kleiner, der Tod ist die eine Seite der Münze und die Geburt ist die andere Seite, derselben Münze.“
Dann legte er sie auf den Daumen und den Zeigefinger der rechten Hand und flippte sie in die Luft.
Die Münze schien sich ewig durch die Luft zudrehen und gab das typische Klingen von sich, als der General of Destiny wieder weiter sprach.
Und mit jedem Wort, das der General aussprach, schien der Raum immer mehr an Sphäre zu gewinnen,
mehr Weite, mehr Tiefe, ja immer gigantischere Ausmaße, als die Münze, immer noch in der Luft rotierte.

-
Doch auf einmal, verstummte die Münze, als sie von einer Hand,
aus der Luft geschnappt wurde
„Das ist ja dann wohl meine!“
Und dann, stand er auch schon da, wie aus dem Nichts,
der Beamte „Luis C. Fire.“
„Hey Dad!“ doch seine Stimme klang nicht mehr so nasal, so nervig, wie im Amtszimmer.
Sie hatte einen sehr zornigen Unterton, aus dem fast blanker Hass sprach.
„Hallo Lue“ meinte der G.O.D. ruhig und gefasst,
„Lang nicht mehr gesehen! Wieder auf der Suche nach einem neuen Opfer?“ und kicherte.
„Ach, halt´s Maul, verrückter alter Spinner“ sagte Lue C. Fire erbost.
„Ihn, wirst du jedenfalls nicht bekommen, das ist dir doch wohl Klar, oder?“
und wieder kicherte der alte Zausel.
„Ja, ja“ fauchte Lue C. Fire zornig „Dann verschwinde doch einfach und lass ihn selbst entscheiden.
War ja schließlich dein Idee, das mit dem freien Willen und so.“
Harold war geschockt, von dem rauen Ton, der nun an den Tag gelegt wurde, das Lue offensichtlich,
des Generals Sohn war und er wusste nicht genau was er sagen sollte,
„die die wirklich gesegnet sind, wissen, dass das Leben ewig währt und der Tod, die eigentliche Fiktion ist“
tönte es in Harolds Kopf, als der G.O.D. noch tief in Harolds Augen starrte, ohne es auszusprechen.
Da verstand Harold was er meinte und der G.O.D. verschwand.

-
Eine Augenblick herrschte ruhe, dann begann der Beamte zu sprechen.
„Wissen sie, Mister Bing“ sagte der Beamte „der alte Zausel, hat es als einer der Ersten herausgefunden.“
„Was herausgefunden?“ wollte Harold spöttisch wissen.
Tja Mister Bing“ sagte der Beamte „Herausgefunden das Zeit, an sich oder unsere Vorstellung davon,
was sie repräsentiert, nur eine bloße Illusion ist und diesen Gedanken und andere, wollte er verbreiten.
Doch das konnten wir ihm nicht gestatten, obwohl er hier der Chef ist. Sonst hätten die Menschen, ja die Freiheit,
alles zu tun und zu lassen, was sie wollen und das können wir doch nicht so einfach akzeptieren, oder?“
„Warum nicht? Wäre dann doch eine viel lebenswertere Welt!“ wand Harold ein.
„Ja, aber doch alles andere als Lukrativ, oder meinen sie nicht? Diese Welt lebt nun mal vom Kapitalismus!“
Lue C. Fire öffnete die Hand und betrachtete die Münze, ohne dass Harold es sehen konnte.
„Ja, aber das könnte man ändern.“ widersprach Harold entschieden.
„Vielleicht, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Wollen sie denn gar nicht wissen, wie sie gefallen ist?“
bemühte sich  Lue, Harold zu verführen.
„Ich bin an Spielchen nicht interessiert!“ sagte Harold gefasst.
„Sie wollten ja nicht unterschreiben.“ meinte Lue C. Fire salopp
„Aber das auch egal, es tut mir leid Mister Bing, aber ich hab wie scheint bei diesem Spiel immer Pech!
Ebenso Pech für sie. Es ist nicht persönlich gemeint, doch für jeden von uns kommt einmal der Punkt,
an dem die Zeit abgelaufen ist“ sagte der Beamte als er eine Waffe zog und sie auf Harold richtete.

„Ja und sie dann wieder von neuem beginnt“ meinte Harold befreit, als er sich umdrehte und die Augen schloss.
Lue C. Fire blickte noch mal auf die glatte Seite der Münze, in seiner Hand, dann vernahm Harold nur noch einen lauten Knall
und kurz darauf erstrahlte ein gleißendes Licht…

-
---„wieder ein erschütternder Verkehrsunfall! Ein LKW durchbrach die Mittelleitplanke und krachte frontal in einen PKW.
Der Fahre des PKW war auf der Stelle tot.“---

-
-etwas später, im Central Memorial Hospital-
„Lass ihn uns nach deinem verstorbenen Bruder benennen.
Was meinst du, Schatz?“
„Harold? Ja, warum eigentlich nicht!“
-
                               …ein Kind wird geboren…


Diese Geschichte ist meinem großen Bruder gewidmet, der mir Zeit meines Lebens immer ein großer Rückhalt war!
!!!DANKE!!!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.11.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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