Florian Klima

A5- Neo Noble Cuisin


 
„Haben sie es satt, immer nur Alpha- und Betacubes zu essen?
Kaufen sie noch heute einen der neuen Narungsmittelgeneratoren.
Der N.M.G.-200. Die neue Serie ist Leistungsfähiger und enthält ein
vielfältigeres Angebot an Speisen, die sie zubereiten lassen können.
Bestellen sie noch Heute und sie bekommen die ersten 4 Wochenrationen „Mush“ gratis dazu“
„Der N.M.G.-200, Der moderne Weg der Ernährung, Gesund, Nahrhaft und Sicher“
-

Das war das Letzte, das er mit bekam, bevor sich das Sicherheitsschott schloss,
als er in der Früh die Wohnkuppel der Delanis verließ.
Die Werbeeinblendung für die neuen Nahrungsmittelgeneratoren.
-
Marcus Delani war in eile, im Begriff zu spät zur Schule zu kommen.
Er mühte sich trotz der geringen Schwerkraft, in dem viel zu großen,
silbrig glänzenden Atmosphärenanzug ab, der einmal seinem Bruder gehört hatte.
Die Ärmel, zusammen gerafft und nach oben geschoben, die immer wieder runter rutschten,
bei jedem Schritt, denn er tat, ebenso wie die Beine des Anzugs,
die allerdings von den „Moonboots“, etwa in Schienbeinhöhe, abgefangen wurden.

Er war schon spät dran, schlappte hastig über den vergitterten Weg, unter dem sich der rote Sand,
leicht im Wind bewegte und über den eine venusianische Bengal-Ratte vorüber huschte,
zur Landeplattform des Schulshuttles, aber er war gerade noch rechtzeitig und Ernie,
der Pilot des Schulshuttles, wartete noch auf ihn.
„Grade noch Rechtzeitig, junger Mann“, sagte Ernie mürrisch, als er die Shuttleluke,
hinter Marcus schloss und die Triebwerke aufheulen lies,
das Shuttle schwirrte flugs davon, Richtung Schulbezirk.

Es war schon 8:35 und die letzte Strahlungskontrolle vor dem Unterricht,
würde in 10 Minuten beginnen, wenn man die verpasste, konnte man nicht mehr in die Schule
und musste hoffen für den nächsten Tag, eine gute Entschuldigung parat zu haben.
Gott sei Dank hatte Ernie gewartet, denn die Strahlungswellen die über
den Planeten hinwegfegten, wurden unter Tags, bei den Sonnenstrahlen, viel stärker.
Klar, Zuhause wäre er zwar auch sicher vor dem kosmischen Partikelbeschuss
und der starken Sonneneinstrahlung, doch er wollte, ohne guten Grund, nicht einfach den Unterricht verpassen.
-

Die gigantische Sonne, dieses Systems, strahlte bereits am Firmament
und war im Begriff den Tag zu beginnen.
Das Kazzmirath Sternen-System, hier hatte es die Menschheit also nach
den ersten Ressourcenknappheiten und dem Aufbruch ins Weltall her verschlagen.
Eine unwirkliche Welt, fast zu gefährlich, als Lebensraum für Menschen,
aber die Menschen machten es sich schon wohnlich, durch ihren Einfallsreichtum
und ihr Geschick als Techniker, so weit haben sie es gestern in Geschichte
durch genommen, Entstehung der Arten und die Entwicklung des Homo sapiens.
-

Das Shuttle senkte sich und setzte zur Landung in die Kuppel vor der Schule an,
die stählernen, glänzenden Landekufen wurden ausgefahren, die Booster abgeschaltet
und es setzte auf dem Landedeck 3 der Grundschule auf,
um die Kinder zum Unterricht zu bringen.
Die Kuppel glitt fast geräuschlos zu und versiegelte das Landedeck einem metallischen Knirschen.
„Druckausgleich, Bitte Warten, stabile Atmosphäre wird hergestellt“,
schallte eine Frauenstimme über Lautsprecher, durch die Landezone.
Die Kinder verließen das Shuttle, gingen den Zugangskorridor
zur Strahlungs- und Dekontaminationsschleuse hinunter und
in die Schleusenkammer, auf dessen andern Seite das Schulgebäude war,
die Kids witzelten über „Intercom“ und lachten.
Das Sicherheitsschott schloss sich und ein rotes Licht ging an,
Dekontaminationsdampf schoss aus den Düsen an Wänden und Decke,
säuberte die Anzüge der Grundschüler, scannte die atmosphärische Zusammensetzung
auf Strahlung und Fremdpartikel und ein grünes Licht ging an,
das zweite Schleusentor ging auf.
Nun nahmen die Kinder ihre Helme ab und zogen die Druckanzüge aus,
die jedes der Kinder in seinem Spinnt verstaute,
sie begaben sich in ihre Klassenzimmer und der Schultag konnte beginnen.
-

„Guten Morgen Klasse“ sagt die Lehrerin, mit kräftiger Stimme,
als sie das Klassenzimmer betrat.
„Guten Morgen, Miss Allstren“ entgegnete ihr die Grundschulklasse.
Miss Allstren, die Lehrerin rief das Computer – Klassenverzeichnis auf,
während sie ihre Ledertasche neben einem kleinen weißen Pullt abstellte,
eine kleine Luke klappte an der Decke auf und eine Projektorkamera wurde ausgefahren.

„Guten Morgen, Miss Allstren“ sagte eine Computerstimme,
die Kamera schwenkte „Guten morgen, auch euch, liebe Kinder“.
„Morgen D.A.V.E.“ erwiderte Miss Allstren, etwas eifersüchtig auf die Maschine.
Wenn das so weiter geht mit den KI´s, werden Lehrer wie ich,
bald völlig überflüssig sein, dachte sie bei sich.

„Guten Mooorgen, Daaave.“ Entgegneten die Kinder lauthals,
sie liebten ihren Computer, ihren zuverlässigen Dave, eigentlich ja,
D.A.V.E., Daten- Analyse und Verarbeitungssystem der Firma ElectronX.
„Welches Datum haben wir heute, Kinder?“ fragte sie in die aufmerksame Runde
von neugierigen Kinderaugen, die auf sie gerichtet waren, so wie jeden Tag.
„Mittwoch, den 13. 10. im Sternenjahr 2649, Miss Allstren!“ antworteten die Schüler alle gleichzeitig.
Die Lehrerin bedankte sich, drehte sich zum Telescreen an der Wand um und begann,
„Computer, Datum notieren, 13. 10. 2649. Heutiger Unterrichtsstoff,
die Ernährung der Menschheit während der ersten Ressourcenknappheit!“
Der Computer notierte das Datum, führte das Tagesthema als Kopfzeile an
und verkleinerte die eingeblendeten Zahlen und Buchstaben, in der obersten Zeile des Bildschirms.

„So, meine Kleinen, Anwesenheitskontrolle, holt eure ID-Chips raus“
sagte Miss Allstren mit sanfter Stimme, der D.A.V.E reagierte auf ihre Stimme und die Liste,
mit den Schülernamen der Klasse, wurde auf dem großen Schirm hinter ihr, eingeblendet.
Die Kinder holten alle einen kleinen silbernen Streifen, aus ihren Taschen und Rucksäcken hervor,
der an einen Kugelkette fixiert war.
Auf dem Plättchen Metall war ein Barkode eingeprägt, Name, Geburtsdatum, genetischer Fingerabdruck.
Miss Allstren hatte nur einen kleinen Metallstift in der Hand, mit dem sie locker über die,
ihr entgegen gestreckten Chipkarten strich und der Computer sie registrierte,
einen nach dem andern und die Liste verschwand wieder.
 
Als sie fertig war ging sie zum kleinen, weißen Pullt vor,
steckte dem Scannerstift in die Halterung und begann den Unterricht mit den Worten!
„Was hab ihr heute Morgen alle gefrühstückt?“
Die Klasse voll Grundschüler, war etwas verdutzt, denn sie wussten nicht,
was die Lehrerin mit ihrer Frage bezweckte?
Sie blickten einander Schulter zuckend an.

„also Kinder, was habt ihr heute gefrühstückt?“
wollte Miss Allstren abermals wissen und schaute mit fragendem Blick in die Runde.
Einige der Kinder hoben die Hand,
wollten der freundlichen Klassenlehrerin berichten was sie gespeist hatten.
„Jimmy!“ sagte die junge Lehrerin und gab dem Burschen ein Zeichen.
„Ich hab heute einen Betacube und einen replizierten Orangensaft gehabt,
Miss Allstren“ brabbelte der Junge aufgeregt.
„Und du Lisa“ erteilte die Lehrerin der nächsten Schülerin das Wort.
„Meine Mom hat mir Pfannkuchen und einen Kakao generiert“
entgegnete das kleine Mädchen „der Kakao war besonders lecker“ fügte sie hinzu.
„Mmh, Pfannkuchen“ schwelgte Miss Allstren in der Vorstellung.
„So und könnt ihr euch vorstellen, das die Menschen lange Zeit nur
Proteinkapseln, Tangsticks, oder Alga-Mehl zu essen hatten?“ fragte sie die Kinder.
„Ja meine Großmutter hat mir schon davon erzählt“ platze ein Kind heraus.
„Wie haben die Menschen das nur durch gehalten“ wollte eins der Kinder wissen.
„Wisst ihr“ begann Miss Allstren „als ich ein kleines Mädchen war,
waren die erste Kolonie der Siedler, auf diesen Planeten zwar schon in der Fertigstellung.

Die Kuppelgärten und Zuchtbetriebe waren aber erst im entstehen und
so mussten die Menschen lange Zeit, viele Entbehrungen auf sich nehmen,
von der Reise durchs All, bis hin zur Kolonie und der ersten Ernten, die eingebracht werden konnten.
Sie waren angewiesen auf die Möglichkeiten die ihnen zur Verfügung standen,
alles andere musste erst wachsen. Sie hatten nur die Iso-Küche und Proteinabletten.
Oder Tangsticks, Alga-Mehl und gefriegetrocknete Alfalasproßen.
Das wird noch ausführlicher im Video beschrieben.
Erst die Radionbestrahlung machte es möglich, die Energie der Sonne voll zu nutzten und
das Essen, 1. wachsen zulassen und 2. nach dem Wachstumsvorgang zu dekontaminieren.
Aber das werden wir im Lehrfilm auch noch genauer sehen.

Da es durch unzureichende Sicherheitskontrollen, zu Kontaminationsfällen kam,
meinte die Regierung es wäre Zeit, die Technik der Nahrungsmittelgeneratoren zu nutzen.
Denn die Atomarküche, war sicherer, als das gezüchtete Gemüse oder das Vieh.
Es war nicht mal mehr Aufwand, die Zucht ohne Radionbestrahlung und
Weiterverarbeitung in den Fabriken, Endprodukt des Verfahrens waren,
wie ihr wisst Alpha- und Betacubes.
Die Rohstoffe werden in ihre Grundbestandteile zerlegt, mit Radionstrahlung beschossen,
so gesäubert und zu den Würfeln weiter verpresst, wie ihr wisst, bis sie in euren Bäuchen landen.
Die Weiterentwicklung der Generatoren half mit, das Nahrungsangebot zu vervielfältigen und
so konnten sie fortan, nicht nur die Würfel generieren, sondern auch alte Gerichte,
so wie sie vor dem Aufbruch ins All üblich waren.
Aber das seht ihr gleich, also passt gut auf und macht euch auch einpaar Notizen“
Miss Allstren wendete sich dem Telescreen zu,
„Computer, bitte Lehrfilm 5.21, die Geschichte der Ernährung.“
Der Computerscreen ratterte das Archiv durch und hielt bei dem Anfangsbild des Lehrvideos.
„Computer, Licht dämpfen und Film 5.21 abfahren“ gab die Lehrerin dem Computer die Anweisung.
 
Es wurde finster im Schulzimmer, das Standbild des Lehrfilms wurde vergrößert und
auf Vollbild geschalten. Die Infokonsolen der Kinder klappten sich aus und aktivierten
die drahtlose Übertragungseinheit, für eine Kopie, die Notizen konnten sie sich,
über Touchscreen, einfach dazu schreiben.
 
Jetzt übernahm der Computer den Unterricht.
Das Lehrvideo fing an, über Lautsprecher, die in die Wand versenkt waren,
kam der Ton, zu erst eine Eröffnungsmusik, die von alten Orchesteraufnahmen stammten,
Ludvik van Beethovens, Allegro ma non Troppo # 6, erster Satz.
Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande, oder auch Frühlingserwachen,
wie es im Volksmund gern genannt wurde.
Auf das Stück, folgte die Stimme des Erzählers.

„Die Geschichte der menschlichen Ernährung.
Vom Vormensch bis zum N.M.G.“
In grauer Vorzeit, in der der Mensch noch umherstreifte und Jäger und Sammler war,
verzehrte er seine Beute roh und ungegart.
Nach vielen Jahrhunderten der evolutionären Entwicklung,
lernte der Mensch den Umgang mit dem Feuer und erkannte, dass die Nahrung
durch den Garprozess, viel bekömmlicher wurde.
Lange Zeit kochten die Menschen ihre Nahrung über Feuer, bis in der modernen Zeit,
die Elektrizität entdeckt wurde, und die damit verbundenen technologischen Weiterentwicklungen.
Vom Gasherd abgelöst, war die Feuerstelle nicht mehr effizient genug, bis der Elektroherd erfunden wurde.
Es folgte der Mikrowellenherd, der durch ein Magnetron, Mikrowellen erzeugte,
wo durch die Wassermoleküle der Nahrung in Schwingung versetzt wurden und sie so erhitzten.
Eine weitere Art mit Magnetfeldern zu kochen war der Induktionsherd.
Die magnetischen Schwingungen der Herdplatte, reagierten mit dem Topf,
der wenn er drauf gestellt wurde, durch das Magnetfeld binnen Sekunden brennheiß wurde.
Der Vorteil dieser Kochplatten war, dass sie nur den Topf erhitzte,
die Kochplatte selber wurde nur maximal 55 Grad heiß.
 
„Computer, Film Pause! Wisst ihr, Kinder“ warf die Lehrerin kurz ein,
„die Leute haben sich oft an der, noch vom kochen heißen Platte verbrannt.
Das war beim Induktionsherd nicht möglich. Notiert euch das.“
Die Schüler nahmen alle ihre Stifte und verzeichneten das am Touchscreen.
„Film weiter abfahren“
 
Das Bild auf dem übergroßen Schirm, flimmerte weiter.
„Doch die Nahrungsmittel wurden, für das Übermaß an Menschen zuwenig,
da die Erde schon maßlos Überbevölkert war.
Die Erste Ressourcenknappheit, das war im Jahr 2075.
Volksaufstände und Bürgerkriege waren die Folge.“
Aufzeichnungen vom ersten und 2. Weltkrieg liefen und endeten mit den Dokumentationen
über die anhaltenden, urbanen Unruhen Anfang des 21. Jahrhunderts,
die fast bis zu Ende dieses Jahrhunderts andauerten.
 
„Dave, Film bitte anhalten“ rief ein kleines Mädchen
„Miss Allstern, ist dass Krieg! So wie sie zu erst sagten?“
„Ja Jenny, leider. Die Menschen waren sehr grausam und haben lang gebraucht,
um zu begreifen, das Gewalt keine Lösung ist“
„Wie barbarisch!“ sagte Jenny, sie schüttelte den Kopf,
ihre Zöpfe wackelten hin und her.
„Ja zum Glück ist es heut anders! Können wir weiter machen?“ fragte Miss Allstren nachsichtig.
„Ja“ erwiederte Jenny der Lehrerin, „Dave mach bitte weiter“
Abermals lief der Film wieder weiter.
„Durch neue wissenschaftliche Ansätze entwickelten sich,
wichtige neue Technologien für die Raumfahrt, was auch die Molekular Küche mit einbezog,
da sie die mögliche Versorgung mit Nahrung im All erleichterte.
Zu erst verwendete man die Molekular Küche nur zu Showzwecken, für Nobelrestaurants,
doch wurden grundlegende Aspekte davon adaptiert, zur Isolationsnahrung,
Essen in Tablettenform, Tangsticks, Alga-Mehl und gefriegetrocknete Alfalasproßen.
Grundprodukte die mit Wasser vermengt, wieder nahrhaften Brei ergaben.
Man konnte es erhitzen oder auch kalt essen.
 
Es folgte der Aufbruch ins All.
Einige Generationen lang, war die Menschrasse gezwungen, im All zu Hausen,
in Raumstationen und in Schiffen der Capilarris-Klasse, auf der Suche nach dem neuen gelobten Land.
Das waren Raumschiffe der Klassifizierung, Langstrecke/Pioniere.
Bis sie das Kazzmirathsystem entdeckten, das war das Schiff „Roka-Maru“.
Es folgte die Ansiedelung im Kazzmirath Sterensektor.
Die Planeten mit meist stickstoffhaltiger Atmosphäre, doch Schwerkraft und Licht waren vorhanden.
Die Wohnkuppeln und Kuppelgärten wurden errichtet.
Doch durch die Strahlung der Sonne, wurden die Nahrungsmittel verstrahlt und
somit giftig für die Menschen.
Die zweite Ressourcenknappheit, 2530.
 
Die Radion-Bestrahlungs Küche entwickelte sich schnell weiter und
das Dekontaminationsverfahren zur Nahrungssäuberung entstand.
Das gezüchtet Gemüse und das geschlachtete Vieh wurden bis auf Molekülgröße zerlegt
und mit Radionstrahlung beschossen.
Es kam immer wieder zu Kontaminationsfällen und die Regierung wollte
eine effektive und sichere Alternative.
Die Entwicklung der Nahrungsmittelgeneratoren, lief neben bei und machte fortschritte.
Bis die so genannte Atomarküche, die Radionbestrahlung ablöste,
Essen wächst nicht mehr nur, es wird buchstäblich „gebaut“.
Zu Beginn konnte man mit einem der alten N.M.G.-20, nur Alpha- und
Betacubes generieren, durch zufuhr vom Grundmaterial, „Mush“ genannt.
Doch die neuen Entwicklungen auf dem Sektor der N.M.G.s, wie der N.M.G.-100,
waren in der Lage auch Säfte und Milch zugenerieren, bis zum heutigen Tag,
da die neusten Serien schon so gut wie alles replizieren können, was wir uns zu essen wünschen.
Und das, Gesund und Sicher.
 
Der Film endet mit dem Bild - Informationsfilm der Firma ElectronX. -
„Der ElectronX, N.M.G-200, der moderne Weg der Ernährung!
Gesund, Nahrhaft und Sicher!“
Im Klassenzimmer wurde es wieder hell.
 
„So Kinder, das war es für Heute, mit dem Unterricht“ sagte die Lehrerin,
abschließend zu den Kindern, „falls ihr noch irgendwelche Fragen habt, könnt ihr gern zu mir zukommen.
Doch so gut wie alle fragen die sie hatten, hatte D.A.V.E. schon beantwortet.
Bis auf eine, die von Marcus Delani, über die D.A.V.E. keine Informationen zu haben schien.
 
 
„Miss Allstren, ich hab das Gerücht gehört das, das „Mush“ eigentlich nur aus..“
Marcus musste schlucken, vor Abscheu „..aus Abfall gemacht sein soll?“ fragte Marcus,
die Sorge deutlich ins Gesicht geschrieben, als die andern Kinder das Zimmer bereits verlassen hatten.
 
Entsetzt blickte die Lehrerin den Jungen an, „Sag mal, Marc, meinst du das ernst,
was du eben gesagt hast. Wie kommst du nur auf solch eine absurde Annahme“
wollte die Lehrerin von ihrem Schützling wissen.
Marcus war unsicher. Jetzt, da er gehört hatte, dass seine Lehrerin der selben Meinung war,
wie seine Mutter, die voller Stolz auf ihren neuen „N.M.G.-200“ war,
war er nicht mehr sicher, ob sie seine Worte überhaupt ernst nehmen würde.
„Nun ja“ sagte Markus schließlich, „ich hab gehört wie ein Freund von Papa,
mit ihm darüber gesprochen hat. Er sagte das „Mush“, nun ja, das es nur eine Brühe aus Abfall.“
„Und wer ist dieser Freund deines Vaters?“ erkundigte sich die Lehrerin.
„Ein Arbeiter aus der Fabrik, sein Name ist Mister Friendly, Edgar Friendly.“ erklärte Marcus Delani.
„Ich kann dich beruhigen, Marc, das ist alles völliger Quatsch.
Der Präsident hätte nie die Unbedenklichkeitserklärung ausgestellt,
wenn dem wirklich der Fall wäre.“ begann die Lehrerin ihrer Erläuterung.
„Außerdem, Ich hab die Gärten selber gesehen!“ sagte die Lehrerin noch
als sie ihre Tasche packte und unter den linken Arm einklemmte,
„Lass dir von dem Geschwafel eines dahergelaufenen Fabrikarbeiter,
der vermutlich noch ein Radikaler ist, keine Angst einjagen, mein Kleiner“,
mit den Worten, verlies sie das Klassenzimmer.
 
Marcus packte seine Sachen zusammen, ging zu seinem Spinnt und
schlüpfte in seinen Atomsphärenanzug, was etwas länger dauerte als in der Früh,
da seinen Mutter ihm ja nicht helfen konnte.
Am Nachhauseweg dachte Marcus über die Geschehnisse der letzten Tage nach,
das was sie gelernt hatten und was er gehört hat.
Da fiel Marcus das Gespräch zwischen Mr. Friendly und seinem Vater wieder ein,
das er belauscht hatte, als er am Vorabend noch mal aus dem Bett kroch, um aufs Klo zu gehen.

Marcus stand beim Stiegenaufgang, hörte wie sein Vater und Mister Friendly mit einander sprachen.

Mister Delani, „Vorgetäuscht? Bist du dir da sicher Ed?“ fragte er unsicher.
„Ja, Mann, und zwar Alles, die Gärten, die Zuchtbetriebe für das Vieh.
Ich hab erst vorgestern geholfen, das „Mush“, diese scheiß Pampe, in der Fabrik herzustellen,
das ist Nichts als Abfall, Abfall und…“

„Marcus! rief sein Vater plötzlich, der ihn auf der Treppe stehen sah.
„Mach das du endlich ins Bett kommst“ schnaubte ihn sein Vater an.

Im rauf gehen, hörte Marc nur noch ein bisschen was, von dem Gespräch, aber er verstand nicht alles.

„Das ist ja Widerlich“ meinte Mister Delani.

„Ja, nicht wahr, da esse ich ehrlich gesagt lieber eine Bengal-Ratte, die schmecken zwar etwas seltsam,
aber laut den neusten Tests, der Untergrundlabors, können sie das Gift der Strahlung auf zellularer Ebene neutralisieren.
Das wäre auch die Basis für einen neuen Strahlenschutzimpfstoff.
Wäre ein neuer Weg, um die verstrahlten Lebensmittel ohne Radionbestrahlung
wieder genießbar zu machen.

„Tja, das wäre natürlich eine Lösung“ sagte Marcus Vater.

„Ja, nur ist die NMG-Lobby schon zu stark, alle reißen sich förmlich,
um dieses neue Scheißding, den „N.M.G.-200, selbst ihr habt schon Einen“,
Edgar nahm einen Schluck aus seiner Wasserflasche,
„ungewiss, ob wir sie jemals überzeugen können“.

Jetzt war Marcus total verwirrt.

Er wusste nicht mehr, was er noch glauben sollte. Obwohl er den letzten Teil,
von dem was Mister Friendly sagte, dem Sinn nach, nicht ganz verstand,
wusste er doch dass etwas mit dem Essen nicht stimmte.
Seine Lehrerin hatte gesagt, sie hätte die Gärten gesehen.
Doch laut Mister Friendly, wäre das was sie gesehen hat, ja nur ein Trugbild,
nicht echt, alles nur Show um die breite Masse zu beruhigen. Nachdenklich, ging er zur Shuttlerampe 3 zurück.

Beim Nachhauseflug, dachte er noch mal in Ruhe über alles nach, im Überflug,
über die Zuchtstationen für Gemüse, da hinter lagen die Zuchtstationen für die Nutztiere,
und dann kamen die Verpackungs- und Verteileranlagen.
Dann überflog der Shuttle die Mushfabriken die sich über eine sehr große Fläche erstreckten.
Alles wirkte ganz ruhig, friedlich und ganz normal.
 
..zur selben Zeit in einer der Zuchtstationen…
 
Über ein Förderband wurden, das in den Kuppeln gezüchtete und geerntete Gemüse und
das Obst, in das innere der Anlage transportiert.
Die Container mit dem frischen Obst und Gemüse, passieren einige Schleusen,
Dekontaminationssperren und wurden dann in die Produktionshalle gebracht.
Dort angekommen, wurde das Gemüse in einen riesengroßen Kessel gekippt und gründlich durch gewaschen.
Das Wasser wird abgepumpt und ein übergroßes Messer senkte sich in den Kessel ab,
begann sich wie wild im Kreis zu drehen und das Gemüse klein zu häckseln,
zu einem Gemüsebrei der bestrahlt und weiter verarbeitet wird, zu Alphawürfen.
Mit dem Schlachtfleisch war es in etwa gleich, das entbeinte Fleisch wurde ebenso
in einen Hackkessel gegeben, und zu dem Grundbrei zerkleinert, bestrahlt und verpresst, zu Betawürfeln.
..zur ebenfalls selben Zeit in einer der Mush-Fabriken…
 
Das Gemüse wurde geliefert, genau so wie das Fleisch vom Zuchtvieh.
Das Gemüse wurde gewaschen, zerkleinert und in einen Tank verfrachtet, für die Gehrung aufbereitet.
Das Vieh wurde durch die Schlachtetage getrieben, betäubt und ausgeblutet,
das Blut wurde aufgefangen und dem Tank mit dem Gemüse zugeführt.
Das blutleere Fleisch wurde, so wie es zerhackt war, dann ebenso in den Tank gegeben.
Der Tank wurde von einem großen Kran in ein Untergestell mit Rollen gehievt,
und in die nächste Produktionshalle gefahren.
Im Obergeschoss wurde noch ein kleiner Container heran gekarrt.
Die Containerklappe öffnete sich und der Inhalt wurde ebenso in den Kessel gekippt, zur Aufbereitung.
 
Edgar stand da, zündete sich eine Zigarette an und sah eine menschliche Hand in der Brühe „Mush“ versinken.
„Wie barbarisch!“ dachte er bei sich.
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.11.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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