Söhne im Hotel Mama weisen ganz bestimmte Merkmale auf: sie sind charmant, vielseitig, temperamentvoll, anspruchsvoll, bequem,witzig und auch immer wieder für Ueberraschungen gut. Deshalb fällt es den Mamas ja auch so schwer, sich von ihnen zu trennen. Nicht vergebens werden sie im italienischen Sprachgebrauch zärtlich mit „Mammonis“ bezeichnet.
Mamas können sich ja mal vorsichtig erkundigen, was denn ein Wirtshausschild mit der Aufschrift „Hotel MAMA“ kosten würde. Auch die Zusatzbezeichnung „Backpackers“ sollte
nicht fehlen. Söhne kommen selten allein! „
Hochbetrieb im Hotel MAMA herrscht vor allem dann, wenn so ein irregeleiteter Bulle vom Verkehrssicherheitsdienst die Frechheit hat, von einem dieser Söhne zu verlangen, dass er auf der Stelle die Autoschilder abschraubt. Und dies nur wegen einer nichtigen Geschwindigkeitsübertretung. Dann kommt erst mal der Hilferuf per Handy :“MAMA!“
Mit einer dürftigen Standortbeschreibung versehen fährt Mama los, um ihren Sprössling aus der ach so misslichen Lage zu befreien. Nicht inbegriffen in der Beschreibung ist die Tatsache, dass da auch noch zwei Freunde mit von der Partie sind. Die beiden Zerknirschtheit mimenden Begleiter brauchten doch auch noch ein Nachtquartier – im Hotel MAMA.
In den nächsten Tagen ist Hotel MAMA ausgebucht. Freunde kommen vorbei, um ihr Beileid über die völlig ungerechtfertigte Polizeiaktion auszudrücken. Aus Solidarität bleiben sie dann auch noch zum Nachtessen. Und irgendwann ist es dann zu spät, um noch nachhause zu gehen. Gut gibt es Hotel MAMA.
Mama überlegt sich die Anschaffung eines grösseren Kühlschranks. Solche Gedanken drängen sich auf, wenn Mama mitten in der Nacht in der Küche auf einen unbekannten Jüngling trifft, der vorwurfsvoll fragt, ob denn die Milch alle sei.
Bevor Mama sich auf grössere Hotelinvestitionen einlässt, sollte sie sich fragen, ob sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank hat. Hat sie nicht! Nach dieser Erkenntnis ist blitzschnelles Handeln angesagt: Internet nach Einzimmerwohnung durchforsten- frei ab sofort! Mietvertrag aushandeln und dem Mammoni zur Unterschrift vorlegen. Die Mieterkaution hinterlegen (sieht man hinterher nie wieder).
Weiteres Vorgehen:
Nach zwei Wochen vorsichtig einen Besuch in der Wohnung abstatten und mit der niederschmetternden Erkenntnis fertig werden, dass der Mammoni sein Leben sehr wohl alleine meistern kann.
Dezember 2012
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.12.2012.
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