Christine Wolny

DER SILBERNE ENGEL

 


 



 

Gertraud hatte in ihrer Küche ein Wandregal. Darauf standen mehrere hübsche Dinge, die sich im Laufe der Jahre ansammelten. Meistens waren es Geschenke, so auch der Silberengel.
Ihre Schwiegertochter hatte ihn ihr zu Weihnachten geschenkt. Es war ein sehr dekorativer Engel, mein Glitzerengel, wie Gertraud ihn nannte.
Mehrere Jahre stand er schon da. Ab und zu wurde er abgestaubt, und dann kam er wieder auf seinen gewohnten Platz.
In der Weihnachtszeit gesellten sich noch ein paar Engel dazu, denn Gertraud liebte Engel.
Das wussten ihre Freundinnen, und so wurden es mit den Jahren immer mehr. Die Sammlung bestand aus den unterschiedlichsten Engeln, kleine, große, dicke, dünne, blonde und aus ganz verschiedenen Materialien.
Der silberne Engel war der schönste unter ihnen, weil er glitzerte.

Kurz vor Weihnachten klingelte es an der Tür. Gertraud öffnete das Fenster und sah einen jungen Mann, der von einem Bein auf das andere hüpfte. Er bat Gertraud, ihre Toilette zu benutzen.
Warum nicht? Sie merkte, dass er es eilig hatte, öffnete schnell die Tür, und der junge Mann folgte ihr mit großen Schritten. Gertraud zeigte mit der Hand in die Richtung, und schon war er verschwunden.

Es dauerte eine Weile.
Gertraud nahm inzwischen Platz im Wohnzimmer. Schließlich wollte sie nicht an der Toilettentüre stehen bleiben.
„Wie lang denn noch?“ dachte sie. Dann fiel ihr der Schmuck ein, den sie in einem Behälter im Bad platziert hatte. Es war viel Modeschmuck darin, aber auch ein paar echte Ketten, die Gertraud immer abwechselnd trug.
Nun wurde Gertraud unruhig. Sie ging Richtung Bad, und da sah sie den jungen Mann, der vor dem Regal in der Küche stand und den silbernen Engel bewunderte.
Er kam aus dem Staunen gar nicht heraus, sprach von einer Silberelfe, die ihm vielleicht bei der Suche nach einem Job helfen könnte.
Gertraud überlegte nicht lange. Sie holte den Engel vom Regal, reichte ihn dem jungen Mann, der ganz ungläubig drein schaute und nicht wusste, wie ihm geschah.

„Er soll ihnen Glück bringen,“ und ich wünsche ihnen ein schönes Weihnachtsfest.
Der Mann öffnete seinen Anorak, verbarg seinen Glücksbringer und sagte im Hinausgehen: „Damit die Elfe nicht friert.“
Dann verschwand er mit leuchtenden Augen, die Gertraud nur von ihren kleinen Kindern am Weihnachtstag kannte.

© C.W. 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.12.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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In meinen Gedichten, schreibe ich mir meine eigene Realität, meine Träume auch wenn sie oft surreal, meistens abstakt wirken. Schreiben bedingt auch meine Sprache, meine Denkmechanismen mein Gefühl für das Jetzt der Zeit.

Ich vernehme mich selbst, ich höre tief in mich rein, bin bei mir, hier und jetzt. Die Sprache ist dabei meine Helfershelferin und Komplizin, wenn es darum geht, mir die Wirklichkeit vom Leib zu halten. Wenn ich mein erzähltes Ich beschreibe, beeinflusse, beschneide, möchte ich begreifen, wissen, welche Ursachen Einflüsse bestimmte Dinge und Menschen auf mein Inneres auf meine Handlung nehmen, wie sie sich integrieren bzw. verworfen werden um mich dennoch im Gleichgewicht halten können.

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