Karl Albert Turk

Auf´n sauerländer Weihnachtsmarkt

 


 (Eine Comedy-Kurzgeschichte von Charly Turk)


Hömma! Weisse wat!? War ja getz mitte Frau ja auf´n Weihnachtsmarkt. Sacht se morgens am Frühstück: „Duuhhuuu? Anne Kiache is´ widda Weihnachtsmaakt. Gehste dahin mit mir?“ –

Ich sach:“Sicher, Schätzeken. Können da ma´ ruhig am späten Nammittach drüber gehn. Gucken en bisken unn machen uns es dann zu Hause bei nem Fläschken Möselken gemühtlich, wonnich!?“ –

Nach diesem morgentlichen unn schier endlosen Dialog bin ich ersma raus unn hab dieses weisse Zeugs vom Hof unn vom Bürgersteig geschüppt. Dann war Mittach unn der kack Schneepfluch hat mir –rubbeldiekatz- au noch den ganzen nassen Sulzschnee widda auffen Bürgersteig geschmissen.

Näää, wat hat sich dat Aaschloch Böllmann von gegenübba einen wech gegrinst. Ich hätt ihm am liebsten den ganzen Schnee selba auf seinen Bürgersteich geschippt. Gottlob kam der Fluch vonne anderen Seite widda zurück unn –zuppdich- hatte der die gleiche Kacke am dampfen. Da kann schon ma sonn innerlicher Reichparteitach in Gange kommen, woll!?

Nu´…irgendwann war´s nammitach unn 4 Uhr unn mein Olle stand geschniegelt und gestriegelt innen Türrahmen. Natürlich innen rot/weis karierten Kittel, passend zu Weihnachten unn dazu rote Plastikgummistiefel, damit auch ja alles zusammen passen tut.

Hömma! Da hatte sich die Gemeinde ja wirklich Mühe gemacht…Rund umme Kiache lauter Buden…unn jede zweite mit Glühwein, Eierpunsch, Schnaps, Bier und Grog. Anne ersten Bude gabs „Kunsthandwerk“. All so Engel-Gedönse , Holzfiguren unn Krippendingens.

Fing mein Frau an..hob son Krippendingens, ´s wa ne Josephfigua, hoch unn sülzte:“ Kumma! Is dat hier nich wat Feines? Könn mer auffen Wohnzimmerschrank stellen…nää..wat is dat weihnachtlich!“-

Ich sach:“Da is doch übbahaupt kein Platz meer. Da hucken doch schonn ne Batt´rie Engelkes über den Regalabsatz. Dahinter hasse alles mit Weihnachtskerzen unn Fichtenreiser vollgemüllt, wo´s Lametta unn Kugeln rausquellen tut…unn da willze noch sowat hinstellen?? Hasse se noch alle??“ -

Nää…da habich widda wat gesacht… Ich hätte ja kein Sinn für Weihnachten…unn son bisken schön machen wollte sie´s ja auch…unn sonnen Joseph vonne Krippe würde doch sooo schöööönn dabei passen…! …nä,also…wat soll ich sagen..hab den Joseph gekauft…war ja nua 8 cm groß unn aus Plastik….3,50 Euro …. Wat solltz!?

„Häääiii!“; schallt es auch schon vonne Bude neben an;“Kumm ma her ihr Beiden, lekka Glühweinchen schlürfen! Is doch so kalt..Nehmt ma en Humpen, wonnich!?“ –
Oh´näää!...dat war der Kall-Hainz…unsa Schützenoberst. Drückt der mir ne glühend heiße Tasse inne Hand und gröhlt:“Frohe Weihnachten, Ex-Schützenkönich! Lass uns ruhig en Happen nehmen getz.. Horrido! unn Hinaaaiiiiin…Onkel Otto!“ –

Also tranken wir zusammen zwei, drei Glühweinchen unn gingen zum nexten Stand… Hier gabs waame Wollklamotten, selbstgestrickt von Ingelore. Pudelmützen mit Rentieren drauf, Pullover mit Sauerländer Kaktus-Motiv (* unn Sternkes.
Fing mein Olle widda an: “Ohhhh…kumma diiieesssää Soooocken… Da sinn kleine Bääärkes drauf…Näää wie süüüüüß…unn die hammse sogaa in Deiner Grööße.. is dat nich schöööönnn!?“ –

Ich sach:“ Willze damit sagen, ich soll daaammmit rumlaufen tun?? Hömma!? In 10 Tagen is Weihnachten Historiä unn dann liegen diese schwulen Socken imma noch bei mir inne Sockenschublade rum. Für wie pervers hälze mich? Näää! Von mir aus, kauf se doch für Dich.. Ich zieh sowat nich an. Wenn ich wat brauch, kauf ich dat im „CIC“, also den Laden mit der einen Ollen da…der Veronika Ackerstrauch. Da kosten 10 Socken vierfuffzig unn gut is..!“-

Ging dat Geplärre widda los…:“Hier dat, dat is wat anständiges…Dat iss echte Handaabeit…Diese Socken halten nich nur ewich, sonnern auch wenigstens waam…unn im übrigen sind die Dinger da vom „CIC“ alle von ausgebeuteten indischen Blagen geklöppelt worden. Die vegitieren da in große Hallen unn aabeiten da Tach unn Nacht fürn Esslöffel Reis. Dat hammse getz in Fernseh gezeicht. Ne ganze Halle voller fast verschmachtender Blagen die kaum noch ne Nähnadel halten können..Schrecklich sowat…Dat tuste unterstützen?? Du bissen Kindaschänder, weisse dat? Man sollte Dich anzeigen tun, woll!?“

Hömma! Ich hab gleich 10 Paar gekauft. Mit Bäärkes, ohne Bäärkes, mit Elch, ohne Elch… Gottlob gabs anne nexten Bude schön waamen sauerlänner Weihnachtsmaakt-Grog. Bei sauerlänner Weihnachtsmaakt-Grog heißt et: „Wasser kann, Rum muß!“…unn so waren dat quasi pro Tässken gut zweidrittel guten 80%igen waamen Heu-Rum drinne. Mein Frau gönnte sich derweil einen Lumumba…nuja…vonne Mischung her war da kein Unterschied zum sauerlänner Weihnachtsmaakt-Grog.

Ich sach zu se: „Ker, dat gäht abba inne Blutbahn, wonnich!? Abba man muss sich ja auma wat jutes jönne, woll!?“ – „Da sachste wat, -Jutes jönne!- kannze mich imma mit bei haben!“, sachte se schon leicht angesäuselt..
Anne nexten Bude gabs Kekse, Stollen unn Zuckerkram. Ich sach zu mein Frau:“Wir ham beide Zucka genuch, dat is also nix für uns!“ – „Abba für´e Enkelchens, wonnich!? Lass mich 2-3 Beutelchens mitnehmen, dann brauch ich die nich selba backen.“ -

„Jau!“, sach ich; “für´e Enkelchens! Hömma! Dat Zuckergedöns gibbt der Zahnarzt seiner Familie, damitter am Wochende wat zu bohrn hat- odda? Früher ham mer zu Weihnachten keine Plätzkes gesehn..da gabs ma ne Appelsiiene odda en Appel odda, wenns hoch kam, no 3-4 Mandarinen unn dann war Feierabend. Dann konnze noch Haselnüsse knacken, wennde noch Schmacht auf sowat hattest…Da hatten mer alle noch Zähne im Hals! Da bisse glücklich unn gesund mit vollständigem eigenen Gebiss mit fünfenneunzig inne Kiste gehüppt. Heute fahn die Zahnärzte mitten Mercedes umme Häuser unn unsereins kann sich nua en Picanto unterm Aasch leisten...weil mer den Mercedes im Maul spaziern faahn tun müssen, wonnich!?“-

Kerokiste….wat soll ich sagen…ging widda dat Gesurke los:“Imma musse wat dagegen sagen. Son bisken Lebensfreude soll man doch auch schenken düafen, woll! Wenn ich nua anne runden Kulleräugelkes von unsa 2 Enkelchens denke, wennze de Kekse kriegen. Hasse denn übbahaupt kein Herz? Wat bisse für en kaltherzigen Sack! …bla bla blubber blubber…!“-

Wat soll ich sagen, schlorrten wir also noch 2 Beutel Kekse mit zum nexten Stand. „Ho Ho Ho!“, warf mir freundlich Nachbar Böllmann rübba;“Kommt ma her, geliebte Nachbaarn, hier hammse lecka Eierpunsch mit Sahne…sauerlänner Spezialmischung..! Nehmt ma ruhig einen davon, macht schön waam!“

Waam? – Hömma! Dat war uns schon von den geistreichen Genüssen vorher geworden. Abba, nun gut. Is Weihnachtsmaakt unn man will vor´e Gemeinde ja nich wie pingellich tun. War reichlich lecka dat Zeugs…Hatte auch den sauerlänner Standart von mindestens 25Vol.%.

„Hinein damit!“, sach ich noch. Weiter sind wir dann nicht mehr gekommen. Soweit ich mich noch erinnern kann, hammer mit Böllmanns noch alle schön „Stille Nacht, heilige Nacht“ gegröhlt, dann war der Eierpunsch alle unn wir mussten auf Korn mit ner Cocktailkirsche drinne umsatteln. Dann hammer mitten Kirchenchor zusammen „Kling Glöckchen“ angestimmt. Dann hammer im Rudel anne Kirchenmauer gepisst (Ausser Böllmann, der hat gekotzt). Dann hammer uns alle auffe Schnauze gehaun, weil der blöde Böllmann glaubte, meine Frau annen Aasch packen zu dürfen. Ja … unn dann?? Dann sind wir alle nach Hause gegangen…nur muss mir dabei irgend ein Vollpfosten noch auffe Finger gelatscht sein…sie schillerte am nexten morgen in einem schön weihnachtlichen rot-grün.. Nuja …..Ein frohes Fest allen, wonnich!?


CC-12/2012-Charly Turk-CC BY-NC 3.0

Die Geschichte “
Auf´n sauerländer Weihnachtsmark” unterliegt der Creativ-Commons-Lizenz: CC BY-NC 3.0 und darf zu privaten und nicht kommerziellen Zwecke verwendet werden. Näheres zu dieser Lizenz bitte ich unter dem angegebenen Lizenzschlüssel zu googlen…

(* Sauerlänner Katus = Ilex

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.12.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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