Luise

Weihnachtsgeschichte Adele & Eva


Weihnachtsgeschichte  
Der Schnee auf den bedeckten
Tannen funkelte im Schein des Mondes, der über den sternenklaren Himmel wachte.
Fast zwei Meter hoch, bäumten sich die Schneeberge am Rande des dunklen
Waldweges. Adele kämpfte sich durch die Nacht.
Die 2 jährige Kriegsgefangenschaft
hatte Ihre Spuren hinterlassen.  Aus dem
fröhlichen, jungen Mädchen war eine verschlossene, ruhige Frau  geprügelt worden. Das Strahlen in Ihren
großen, braunen Augen war erloschen, der Glanz in Ihren Augen durch matte Leere
 ersetzt. Ein tiefer Ausdruck von Traurigkeit,
der Ihre Gestalt überschattete, ließ  nur
erahnen, welche Qualen sie in den letzten Monaten ertragen musste.
Sie konnte nicht zurückkehren
oder pausieren. Sie wusste, würde Sie nicht weiter laufen, würde sie diese
Nacht nicht überleben. Mit Ihrem geschwächten Geist und Körper, bedeutete ein
Verweilen, der sichere Kältetod. Eine Rückkehr an den Ort des Grauens, vor dem
sie vor Tagen geflüchtet war, hieß ohne Zweifel, Tod durch Kopfschuss. Die
Klänge der Kalaschnikow, die Schreie der Verurteilten, das Wimmern der
Geschändeten und Ihr misshandelter Körper treibten Sie weiter durch die dunkle
Nacht.
Den dicken Fellmantel fest um
Ihren mageren Körper geschnürt, stapfte Sie kraftlos aber voller Hoffnung
Richtung Sergijewskoj. Würde Sie das kleine
russische Dorf südlich von Moskau erreichen, wäre sie in Sicherheit. Wenn Michail
 diesmal die Wahrheit sagte, hatte Ihr
Vater den vereinbarten Zufluchtsort bereits erreicht. Adeles Gedanken kreisten
um das Wiedersehen.
Sie sah sich in einer Holzhütte
am Rande des Dorfes, erhellt und warm vom Feuer, das aus dem Ofen loderte. Sie
spürte die kräftigen Oberarme, den Herzschlag und die schützende Umarmung Ihres
geliebten Vaters, der sie herzlich und unter Tränen willkommen hieß. Auf dem
Ofen brodelte eine warme Suppe, es würde die erste warme Mahlzeit nach Monaten
sein. Sie würden an einem Holztisch sitzen und während sie genüsslich die Suppe
schlürften, würden Sie Ihre Rückkehr in die Heimat planen.
Vielleicht dürfte sie sich mit warmen
Wasser und einem Lumpen waschen. Sie würde sich auf eine Pritsche legen und mit einem glücklichen Lächeln in einen
tiefen Schlaf fallen, mit dem Wissen, dass dieser Weihnachtsabend Ihr das Leben
zurückgeschenkt hat.
Ob es die Uschanka war, die Sie
im Eifer Ihrer Rebellion einem sowjetischen Offizier geklaut hatte. Die Ihren Ihre
Ohren vor der klirrenden Kälte schütze, aber Sie auch schlecht hören lies.
Oder ob es das Träumen von einer
besseren Zukunft war, konnte Adele nicht mehr deuten. Dafür ging alles zu
schnell – jede Möglichkeit der Flucht oder des Versteckens war zu spät.
Gebrüll, Schreie, Schüsse und
eine gewaltige Erscheinung die sie zu Boden ries.  Ihre Schläfen pochten, sie spürte den
stechenden Schmerz, der durch den Aufprall auf den eisigen Schnee durch Ihren
Körper zuckte.
Für einige Sekunden lag Sie regungslos
da. Adele wurde von einer Angst erfüllt, die Sie erstarren lies und Ihr den
Atem nahm.
Auf Ihrer Stirn spürte Sie kaltes
Metall. Sie öffnete Ihre  Augen. Ein
großer Mann in Uniform grinste Sie hämisch an. Wie viele es waren wusste Sie
nicht. Sie sah nur diesen Einen.
Den Lauf seines Gewehres auf Ihre
Stirn gerichtet. Voller Siegesfreude über seine Jagdbeute herrschend über Ihr
stehend, weißte er Ihr ohne Worte auf, welche Angst Menschen nur einmal erleben.

Es war die Todesangst.
 
„Mammaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa“....“Mammmmmmmaaaaaaaa“
. Eva zuckte zusammen. Das Klopfen an die Schlafzimmertür,  rieß Sie aus einer Reise in eine andere Welt,
in die Bücher fähig sind einen mitzunehmen ohne das eigene Zuhause zu verlassen.

Hastig stand Sie von Ihrem Bett
auf und legte den Beststelleroman auf die Nachttischkommode.
Irgendwie war Sie froh fast schon
dankbar, dass Ihr Jüngster sie aus den Qualen des Leidens erlöste.
Eva zupfte Ihr schwarzes
Wollkleid zu recht, warf einen Blick in den Spiegel und strich mit Ihrer Hand durch
Ihr frischgewaschenen Haar.
Ein kurzer Blick auf Ihre
Armbanduhr, die Sie von Ihrem Mann zum zehnten Hochzeitstag geschenkt bekommen
hatte, ließ Sie erneut erschrecken. Kurz vor Sieben, Sie musste sich beeilen!
Die Gäste trafen jeden Moment ein
und die Weihnachtsgans würde nicht von selbst aus dem Ofen flattern.  Jonas klopfte an die Schlafzimmertür. „Mama,
schläfst du? Opa Franz ist schon da, er will wissen ob du dieses Jahr endlich
mal seinen Lieblingscognac besorgt hast? Mamaaaaaaaaaaaaaaa!“.
Eva öffnete die Tür und blickte
in die aufgeregten Kinderaugen Ihres 6 jährigen Sohnes. Er hüpfte von einem
Bein auf das andere und sah sie vorwurfsvoll an. „Mama es ist Weihnachten,
warum trödelst du so?“  „ Tut mir leid
Jonas, ich habe die Zeit vergessen“ erwiderte Eva sanft. „ Lass uns zu den
Anderen gehen. Dein Opa soll erst mal etwas Essen, bevor er sich über seinen begehrten
Cognac her macht.“
Eva nahm Ihren geliebten Sohn an
die Hand, drückte diese kaum merkbar, etwas fester als gewohnt.
Im Türrahmen des Wohnzimmers hielt
sie einen Moment inne. Das Bild, das sich Ihr bot, war wahrhaft ein Schönes.
Ihre zwei Töchter, Marie und Amelie
saßen mit Ihren  schicken Kleidchen
erwartungsvoll an dem festlich gedeckten Esstisch. Ihr Vater Franz, stand mit
Ihrem geliebten Mann vor dem leuchtenden Weihnachtsbaum. Beide hielten ein
gefülltes Weinglas in der Hand und waren in Ihrem Gespräch über den schneereichen
Winter vertieft.  Im Kamin knisterte das
Feuer, die Flammen loderten und der Raum war von einer wolligen Wärme erfüllt.  Aus dem Radio tönte Weihnachtsmusik, draußen
schneite es und aus der Küche hörte man das das eifrige werkeln Ihrer Mutter
Lise.
Eva atmete diesen vollkommenen
Moment tief ein. Mit einer Klarheit, spürte Sie ein tiefes Gefühl, dass viele
Menschen viel zu selten bewusst wahrnehmen. Das Gefühl von Glückseligkeit.
In diesem Moment, blickte Ihr
Vater auf, kam auf Sie zu, breitete seine Arme aus, lächelte herzlich und
umarmte sie.
Eva spürte seinen Herzschlag, seine
kräftigen Oberarme und fühlte sich sicher und geborgen. Ihr Vater drückte sie
sanft von sich und lächelte: „ Evalein, Du weinst ja. Ist alles in Ordnung?“
fragte er besorgt.
Eva lächelte und flüsterte ihm
leise zu:
 „Ja, Papa. Es geht mir gut! Dieser
Weihnachtsabend ist ein Geschenk, ein Geschenk Namens Leben und dafür bin ich
dankbar.“
* **
„Frohe
Weihnachten, viel Glückseligkeit und Bewusstsein für das wahre Glück in Deinem
behüteten Leben!“
Deine
Luise
 
 
 
 
 
 
©
Shortys
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.12.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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