Iris Klinge

Multikulti Wohnungstausch

 
Die beste und billigste Methode, ferne Länder kennen zu lernen, ist der Wohnungstausch.
Die Amerikaner haben diese einfache und erfolgreiche Formel erfunden und wenden sie weltweit an.
 
Es gibt dort mehrere Organisationen, die es ermöglichen, seine eigene Wohnung oder Haus  weltweit zum Tausch anzubieten. Ich meldete mich in den neunziger Jahren in einem Forum an, das sich „home-exchange“ nennt, und  schon nach kurzer Zeit trafen die ersten Angebote bei mir ein. Ich hatte das Glück, ein Ferienapartment  auf den Kanarischen Inseln zu besitzen, wohin viele Mitglieder von „home-exchange“ einmal reisen wollten, und so brauchte ich nur zu warten, bis mir eines der vielen Angebote gefiel, und nahm dann  mit den Interessenten  Verbindung auf.
 
Leute, die in Großstädten leben, haben da schon mehr Schwierigkeiten, einen entsprechenden Tauschpartner zu finden, denn dort ist das Angebot an Häusern und Wohnungen enorm groß. Dagegen war mein Ferienapartment in Puerto de la Cruz, Teneriffa, eines der relativ  wenigen Objekte auf den Kanaren im Angebot.
 
So kam es, dass ich insgesamt elf Mal meine Ferienwohnung  mit Partnern aus der ganzen Welt tauschte. Ich war fünf Mal in Canada (in Quebec im Osten und British Kolumbien an der Westküste), zweimal in USA, zweimal in Europa, einmal in Neu Seeland und  Australien. Mit Hilfe meines Sohnes, der Pilot ist, wurden diese Reisen und Flüge extrem preiswert. Gleichzeitig lebte ich unter Einheimischen und lernte diese Länder nicht als Tourist von außen  sondern von innen kennen. In kürzester Zeit fühlte ich mich dort heimisch, denn es wurden mir stets auch deren Freunde vorgestellt, und ich hatte immer das Gefühl, in die Gesellschaft integriert zu sein.
 
Meistens erfolgte der Tausch gleichzeitig, doch drei Mal war ich auch zuerst eingeladen und konnte bei den Tauschpartnern wohnen, bevor sie dann in mein Apartment nach Teneriffa flogen. Es entstanden Freundschaften, die bis heute anhalten.
 
Besonders beeindruckt war ich von meinem Aufenthalt in Australien bei einem reizenden Ehepaar in Brisbane, das mich herzlichst bei sich aufnahm, mir viel von diesem herrlichen Land zeigte und es mir möglich machte, eine Woche lang an der sogenannten Goldküste im Osten von Australien an einem großen Bridgeturnier teilzunehmen. Der Leiter des Turniers hieß Klinger, und alle glaubten, ich sei mit ihm verwandt, denn im Englischen wird mein Name genauso ausgesprochen wie seiner….
 
Ebenso einfach war es, in Auckland, Neu Seeland, mit Hilfe des netten Ehepaars, das mich dort erwartete, die beiden Inseln zu erkunden. Oft war auch ein Auto- Tausch inbegriffen und  auf diese Weise noch bequemer, eine fremde Umgebung zu erobern.  -  Natürlich ist es von großem Nutzen, die Landessprache zu sprechen, was mir nie Probleme bereitet hat.
 
Da der Tausch meistens mit einem Ehepaar erfolgte und ich als Single reiste, durfte ich mehrmals eine  Freundin mitbringen, was natürlich noch schöner war als im fremden Land allein anzukommen.
Mit meiner besten Freundin war ich in Paris und auf einer einsam gelegenen Pferdefarm in Umbrien  unterwegs. Es waren jeweils vier traumhaft schöne Wochen, die wir dort mietfrei verbrachten.  Lediglich das Essen musste gekauft werden. Mit den Italienern war die Verständigung etwas schwieriger, doch mit einem Kauderwelsch aus französich, spanisch und portugiesisch gelang uns das ganz gut.
 
Normalerweise sind vier Wochen für ein so weit entferntes Land und eine so lange Anreise wie nach Australien oder an die Westküste Canadas das Mindestmaß an Zeit für den Wohnungstausch. Oft habe ich dann noch weitere zwei Monate angehängt und mir eine andere Privatunterkunft gesucht, bevor ich wieder zurück in die eigenen vier Wände flog.
Es hat nie Probleme mit den Tauschpartnern gegeben. Jeder hat die Sachen des anderen respektiert und pfleglich behandelt. Selbstverständlich ist die Voraussetzung für einen gelungenen Aufenthalt in einer fremden Wohnung eine weltoffene Einstellung und Vertrauen. Mit Amerikanern, Europäern und Australiern hatte ich nie Probleme. Mit Südamerikanern wäre ich vorsichtiger, doch meistens kommen diese Menschen aus der Oberschicht und sind entsprechend gebildet, so dass auch da wenig Gefahr besteht, bei der Heimkehr seine Wohnung in einem desolaten Zustand vorzufinden. Außerdem werden „schwarze Schafe“ umgehend der Organisation gemeldet und stehen dann auf dem Index.
In Asien ist der Wohnungstausch weniger bekannt und üblich. – Dort wohnte  ich immer nur bei Freunden , die in den entsprechenden Ländern für einige Zeit lebten und mich zu sich einluden.
 
In Victoria  (Vancouver Island)  war ich insgesamt vier Mal zum Wohnungstausch. Die Insel ist im Sommer traumhaft schön, und im Norden kann man noch auf wilde Tiere wie Bären und Wölfe stoßen sowie seltene Raubvögel, Seeadler u.a., beobachten.  - Durch das Bridgespielen hatte ich überall sofort Kontakt zu den Einheimischen, die mir gern ihre Heimat zeigten.
 
Ein weiteres Highlight war mein Aufenthalt in Santa Fee, New Mexico, und in Sun City, Arizona, in der Nähe von Phönix.  Beide Male wurde mir ein Auto zur Verfügung gestellt, und ich blieb noch eine Weile länger, indem ich mir nach Ende der vier Wochen eine Privatunterkunft  suchte.  – So war es möglich, mehrmals die in der Nähe von Santa Fee lebende  Heilerin Chris Griscom  zu besuchen und an ihren Seminaren teilzunehmen. Sie wurde vor allem bekannt, als Shirley MacLaine bei ihr in Behandlung war. Chris, eine kleine, zierliche Frau, hat insgesamt sieben Kinder zur Welt gebracht, das letzte durch eine Geburt im Meer, worüber sie auch ein Buch mit vielen Fotos veröffentlicht hat.
 
Ich kann nur jedem, der die Welt kennenlernen möchte, empfehlen, diese Möglichkeit des Wohnungstauschs in Anspruch zu nehmen. Für mich waren jene Jahre eine große Bereicherung, und mit den Freunden, die ich dadurch gewonnen habe, stehe ich noch immer in Verbindung. Einige haben mich schon hier in Uruguay besucht….

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.12.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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