Christine Wolny

OMA WIRD GESCHMINKT


 



Fiona, meine kleine Enkelin, wollte ihr Weihnachtsgeschenk, einen Schminkkoffer, vorführen und natürlich auch ausprobieren. Oma erschien ihr als ein lohnendes Objekt.
Ja, Oma konnte etwas Farbe gebrauchen. Sie musste sich auf das Bett setzen und ganz still halten, während Fiona mit einem Lippenstift herum hantierte. „Oma, du musst die Lippen anspannen und ganz still halten.
Ich nehme rosa,
das passt gut. So, und jetzt musst du sie aufeinander pressen.“ Dabei machte sie mir jede Bewegung vor. Danach kam knallroter Lipgloss darauf.
Jetzt war die Kleine mit Omas Lippen zufrieden.
Oma musste nun zwischen zwanzig Farben Lidschatten wählen.
Der Pinsel war nicht greifpaar, aber Fiona wusste sich zu helfen.
Mit ihrem Zeigefinger, den sie leicht mit Spucke anfeuchtete, rühre sie in der blauen Farbe herum. Oma musste die Augen schließen, und schon war das erste Auge blau. Dann kam wieder der Zeigefinger in die Farbe,
nein, vorher etwas Spucke darauf, und das zweite Auge war am Leuchten.
Die Augenbrauen bekamen schöne dicke Balken. So nannte sie Fiona.
„Oma, jetzt mache ich dir noch deine Fingernägel bunt.“ Doch daraus wurde nichts, denn Oma hatte etwas Lack auf ihren Nägeln, der erst entfernt werden musste.
Und Lackentferner fehlte in dem Schminkkoffer.
„Oma, probier es mal mit Seife und fest reiben.“ Doch Oma ließ es, denn sie wusste, dass damit der alte Lack nicht verschwindet.
Schließlich hat Oma auch etwas Erfahrung.
„Die Nägel machst du mir das nächste Mal, wenn der Lack ab ist“, sagte Oma und Fiona war damit zufrieden.
Sie klappte ihren Schminkkoffer zu und strahlte über das ganze Gesicht. „Oma, du sieht richtig gut aus.“

Oma öffnete ihr Geldtäschchen, holte einen Euro heraus und die Augen der Kleinen strahlten noch heller.
Sie vergaß ganz in den Spiegel zu sehen, denn
ihr fiel ein, dass sie gleich noch in die Apotheke fahren musste, bevor diese schloss.
Schnell in den Mantel, und nichts wie fort.
Vor der Tür traf sie die Nachbarn, die ihr ein gutes Jahr wünschten und besonders freundlich lächelnd ihre Hand drückten.
Dabei schauten sie sie ganz verwundert an.
Oma kam es vor, als ob sie grinsten.
Doch sie dachte sich nichts dabei. Auch die Bedienung in der Apotheke war viel freundlicher als sonst.
„Ich habe scheinbar heute einen guten Tag“, dachte Oma, die Leute mögen mich.

Zuhause wusch sie sich kurz die Hände und warf einen Blick in den Spiegel. Da riss sie vor Schreck den Mund auf. Die schwarzen Balken über den Augen waren sicher der Auslöser, dass die Leute so freundlich waren.
Scheinbar dachten sie an einen Clown, als sie Oma sahen. Und Oma verstand…...

© C.W. 


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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.01.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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