Margit Farwig

Der Rosenmann

 

Der Rosenmann

 

Endlich geht der Sommer zuende, es ist viel zu heiß, ich mag keine heißen
Tage, keine heißen Stunden und überhaupt, wohl temperiert muss mein Tag,
müssen meine Stunden sein, soll ich sie empfinden, mich daran reiben, ihnen
den Stempel eines für mich erfolgreichen Tages aufdrücken, mit Nachdruck.

Ich hasse den Druck, die Stresseinheiten, die sich über Nervenbahnen
verbreiten, sobald Hitzesträhnen die Stirn herunter rinnen. Das Tröpfeln von
Schweißperlen, von ekligen Schweißperlen salzigen Gehaltes, die das Salz aus
meinem Körper schwemmen, als wenn ich genug davon hätte. Nachfüllen wie beim
Salztöpfchen ist angesagt, trinken, Mineralquellen leer schlürfen, damit
meine Zellen nicht zusammenklappen oder ihnen die Luft ausgeht, was
schlimmer ist, nicht austrocknen. Ich stelle mir eine große Handvoll Rosinen
vor, die sich eklatant in meinem Gehirn einnistet, es ist mein Gehirn, nur
weil ich nicht genug Flüssigkeit zu mir nehme. Auch hier ist das Salz das
Salz in der Suppe meiner Eingeweide, meiner Zellen, meiner Muskeln und was
weiß ich, sonst wäre ich ein halber Mensch. Fazit, neu einschütten und von
vorne läuft der Film über den Kreislauf meines kleines Menschenlebens.

 
Zuviel Kraft geht verloren, mein Ich hängt wie in den Säulen der Akropolis,
wenn ich es genau überlege. Zuviel Widerstände legten sich mir in den Weg,
ich will wieder frei sein, frei atmen, frei denken, frei handeln. Ist das
zuviel verlangt? Ich, ein Mensch, dessen Würde unverletzlich sein soll. Bin
ich weniger Wert als andere meines Geschlechts, meines Jahrgangs, meiner
Denkungsart. Habe ich nicht immer versucht, einen geraden Weg einzuschlagen?
Gewiss, es gab mir selbst gelegte Stolpersteine, die andere sich nie auf
ihre Lebensbahn gelegt hätten. Bin ich die anderen, bin ich der oder der
oder wer?


Eine große Last wurde mir die ewige Liebhaberei von Damen, es waren meistens
Damen. Darauf wenigstens legte ich Wert. Andere wären nie infrage gekommen.
Von weitem schon sah ich den lieblichen Gestalten an, woher sie kamen und
wohin sie eventuell gehen wollten. Ich sage es frei heraus. Sie wollten mit
mir gehen. Immer und immer wieder habe ich das geglaubt. Von Frau zu Frau
und wieder von vorn. Das Drama hat bis heute kein Ende genommen. Daher
versuche ich jetzt, Ordnung in mein Leben zu bringen. Das Wirbeln mit diesen
unzufriedenen, fordernden, nie den Hals voll kriegenden, Entschuldigung,
dass ich so ausfällig werde, sogenannten Dämchen steht mir bis zu meinem
Hals. Basta! Ich will ein neues Leben.

Und doch waren sie das Lieblichste, was ich mir auf dieser Erde vorstellen
konnte. Und ich sage noch einmal, es war an sich die schönste Zeit meines
Lebens. Ich versuche, davon zu erzählen, ich mag meinen Namen nicht nennen,
ich schäme mich, ich erzähle so, als wenn es eine andere, vollkommen fremde
Person gewesen wäre:


"Tief in seinem Herzen ruhen Legenden von Helden auf duftenden
Rosenblättern, gebettet auf süßen Träumen, erwartend den Dornenstoß mitten
ins Innerste. Sie rufen die Namen der Angebeten in den Tag und in die Nacht.
Im Frühlied der Amsel wachsen ihnen Flügel gesponnen aus Liebe und Sehnsucht
nach Erfüllung ihrer Träume. Sie wechseln nie ihren Standort aus Furcht, die
Angebetete könnte sie nicht finden in neuer Position, da sie sich nach dem
Klang orientiert, die geortete plötzliche Leere ein Entschwinden
signalisieren würde.
Sie werden nicht müde, verspüren weder Hunger noch Durst, vergraben ihre
lustvollen Gebeine in der Aura klangvoller Blütenträume, nach denen sie
greifen, wenn ihnen vor Augen dunkel wird. Dann lassen sie wachsbleiche
Kolombinen, rosarote, dunkelrote, teegelbe und ich weiß nicht, in wie vielen
Farben, nach den Sonnengesängen der Winde aufsteigen, dass ihnen ein helles
Licht der Liebe scheinen möge.
Sie greifen nach jedem Halm, der ihnen auch nur andeutungsweise verspricht,
die Angebetete wird ihr Augenmerk auf sie richten und sie erhören.
In Wirklichkeit wird sie nicht ein einziges Mal auch nur den Kopf bewegen,
geschweige denn ihr Herz hüpfen lassen und schon gar nicht für diesen
abgewiesenen Liebhaber, Liebhaber, der er gern sein wollte, wenn, ja wenn
nicht ein Missklang ihrer gemeinsamen Melodie sich eingeschlichen hätte.
Missklänge gestalten sich auch hinfort nicht zu wundersamen Klängen gebacken
aus Liebe und Leidenschaft. Ein falscher Takt legt das erwartungsvolle
Gefühlssystem auf der Stelle in aller Stille lahm. Nicht ein Rhythmus
funktioniert ohne Metronom, etwas anstrengend für gefühlvolle Stunden. Diese
Beziehung ist auf ewig gescheitert.

Die Rose in der Hand, mit einem Lächeln auf den Lippen und in ihren Augen,
eine letzte großzügige Geste an den Enttäuschten, entschwindet sie wie sie
gekommen ist.
Gerade dieses Lächeln erweist sich als Fehlstellung der Weichen in das Land
der Liebe. Verheißung, Verheißung für die Zukunft, sie kommt wieder, eines
Tages zu unverhoffter Stunde. Tag und Stunde ist nicht von ihrem Gesicht
abzulesen, liegt ganz allein in ihrer Hand. Ich muss nur angemessen warten.

Das Heer der Verflossenen wächst heran zu unendlichen weiten, duftenden
Feldern mit erstarrten Leibern und Gelüsten. Unter ihrer Haut brodeln
Vulkane und in ihren Seelen steigen Geysire heißer Tränen gen Himmel, immer
in der Hoffung, ein Spritzer wird die erwartete Geliebte auf ihrem Weg zu
ihm treffen, Ansporn sein, den Gang zu beschleunigen, denn ausgebreitete
Arme warten auf sie.

Auch er, der Rosenmann gehört zu dieser Gattung. Er pflegt hingebungsvoll
seine Rosen, die wachsbleichen, rosaroten, dunkelroten, teegelben und ich
weiß nicht in wie vielen Farben. Jede Knospe lächelt ihm zu: Warte, warte,
sie wird kommen.
Er spricht mit ihnen. Besonders die erste Begegnung, die dunkelrote Rose
ganz vorn am Eingang des Rosenwunders, hat ihn zu wahren Romanen hinreißen
lassen. Mit ihr verbindet ihn die Liebe zu einer einzigartigen Frau. Ihr
schwarzes Haar übertrifft die Dunkelheit der Nacht gepaart mit dem Blau des
Enzians. Noch heute überfällt ihn ein Liebesstrahl, wenn er nur daran denkt.
Ein Zittern durchfährt seinen Körper und sein Teint gleicht dem Rot dieser
Rose. Es nimmt ihm den Atem, er wankt stets, sucht nach Halt und es endet
mit dem Fallen auf das Sofa, auf dessen Plüsch er mit Irène gesunken ist,
wenn ihn die Liebe übermannte.
Irène heißt die geliebte Rose, Irène verkörpert seine Vorstellung von
Frauen, die er auch in Zukunft lieben will.
Sie wird wiederkommen. Sie bleibt verschwunden.


Er müsste nicht aus Fleisch sein, sollte er nicht neue Abenteuer bewältigen.
Sie suchten ihn heim, sie verlangten seine Präsenz ganzkörperlich. Ja, er
ließ sich fallen, ließ es geschehen.
Eine hinreißende Versuchung in Gestalt einer langstängeligen Rose mit dem
Namen Annabelle fiel mitten in sein verdorrtes Gemütsleben. Er hatte Mühe,
nicht tatsächlich eine Rose in ihr zu sehen. Die Begriffe purzelten
durcheinander, so verliebt war er dieses Mal. Natürlich war sie langbeinig
und die Rose, die er ihr zum Gedenken pflanzte langstängelig. So
durcheinander bewegten sich seine Gedanken, dass er Irène einfach hinter der
nächsten Anhöhe versinken ließ.


Jetzt ließ er sich von Annabelle entzücken. Sie war eine Sünde wert.
Annabelle zierte sich ein wenig. Einerseits gefiel ihr das Balzen,
andererseits fühlte sie sich seltsam enthoben von dieser Welt. So etwas war
ihr noch nie passiert. Um es genau zu sagen, sie fühlte sich zu ihm
hingezogen und im nächsten Moment nicht mehr, eher abgestoßen. Auf welcher
Welle sollte sie reiten? Sie beschloss, sich gehen zu lassen, den Reiz des
Neuen zu genießen.


Der Rosenmann schwelgte, er, der lange nichts gefühlt von gleichgestimmten
Seelen, vom Wiegen im Sommerwind. Die Liebe perlte wieder.
Ihre langen hellen Haare wogten im gleichen Takt des Windes wenn sie über
Wiesen wanderten, Berge erklommen oder am Bach den Forellen zusahen. Hand in
Hand zogen sie auf der Straße der Verliebten ins Reich der Sinne.


Eines Tages warf sie den Kopf nach hinten, tippte sich an die Stirn und
wusste plötzlich, was sie so deutlich bereits am Anfang verspürt hatte. Es
war nicht die erwünschte Liebe, das Quäntchen Erfüllung fehlte. Nie fühlte
sie sich angekommen, sie wartete noch immer auf etwas besonderes. Er konnte
ihr die ewige Liebe nicht geben. Je schneller sie diese Liebe beenden würde,
um so rascher könnte sie ihn vergessen. Sie schaffte den Absprung glänzend.

Geknickt, ein welkendes Rosenblatt, ein fallendes Blatt, er war alles
gleichzeitig. Nun perlten Tränen über seine Wangen wie Morgentau von den
Blättern. Eingesponnen wie in Spinnenfängen von Seidenfäden umgarnt, suchte
er einen Ausweg. Ihm blieb nichts anderes übrig, als eine Rose zu pflanzen,
das Allheilmittel, welches ihm zur notwendigen Gewohnheit wurde. Gelb und
langstielig, eine herbsüße Erinnerung, das sichtbare Zeichen einer
Wiederkehr der Geliebten.

Sie weiß es noch nicht, aber sie kann ihn bestimmt nicht vergessen. Es muss
ein Wiedersehen geben. Denn die Rose schaut der Liebe ins Antlitz, die Rose
schenkt der Liebe Tau statt Tränen, die Rose liebt den Tau auf Blüten der
Liebe, im Antlitz der Rose lebt die Liebe und aus diesem Grund schaut
Annabelle eines Tages nach ihm, sie trägt das Antlitz einer Rose, eine
Verpflichtung an die Liebe, an seine Liebe.

Noch ehe ein Jahr vergangen, stand eine neue Liebe wie hingegossen vor ihm.
Nicht seinetwegen, nein. Sie war an ihn gestolpert, fast hingefallen, wenn
er sie nicht aufgefangen hätte. Und doch fand sich schlagartig eine
Gelegenheit, neue Liebesfäden zu spinnen. Geistesgegenwärtig bot er ihr
seinen Arm und in der ersten Überraschung griff sie danach und hielt sich
fest. Dabei musste auch zu ihr en Funke übergesprungen sein, weil sie
verwirrt zu ihm aufsah und in seinem Gesicht ein charmantes Lächeln
entdeckte. Er beherrschte die Technik der ersten Sekunden und die der danach
kommenden Stunden und Tage auch, vergaß aber zum wiederholten Male, sich
gerade in solchen Momenten auf vergangene Rückschläge zu besinnen. Um es
grob zu sagen, er verschenkte sich derartig gleich zu Beginn der Beziehung
und besaß nichts mehr für eine fundierte, dauerhafte und glückliche
Verbindung. Schließlich sollen sich findende Paare nicht immer wieder
verlieren. Vorkommen kann es und wird es auch in der Zukunft, aber immer
wieder? Jeder Mensch lernt aus Fehlern, nur dieser verliebte Gockel rannte
schlichtweg ins nächste Dilemma.

Er holte mächtig aus, packte die Gelegenheit beim Schopf und die Dame war
vorerst auch nicht mehr zu retten. Sie himmelte ihn sowie seine Darbietungen
an. Als sie dann noch ihren Namen nannte, es ist ja so üblich, sich
gleichzeitig in den Vornamen zu verlieben, als wenn es keine schöneren Namen
auf der ganzen Welt geben könnte, fühlte er sich wie vom Blitz getroffen.
Sie hieß sage und schreibe GLORIA. Gibt es einen himmlischeren Rosennamen
als diesen? Nein!

Gloria war bestimmt für seinen Rosengarten. Noch ging ihm die ganze Tragik
nicht auf. Eifrig suchte er nach Begegnungen mit ihr. Sie wich ihm nicht
aus, im Gegenteil, sie liebte seinen Gang, wie er ihr entgegen lief, wie er
sie in die Arme nahm und sie zärtlich küsste. Der Rosenmann glaubte, seinem
Glück entgegen zu laufen. Eine Weile standen alle Anzeichen auf Sieg.
Endlich ein Sieg in der Liebe, wie lange hatte er darauf gehofft.

 Mit Vehemenz verstärkte er seine Bemühungen, suchte in seinen
Liebeserinnerungen, was er bisher an Liebesleistungen auf dem Kasten hatte.
Eine Menge, er quoll über, er schäumte über, übernahm sich wie gehabt und
weinte schließlich über sich selbst. Wie konnte er so einfältig sein und die
kostbare Blume Gloria überstrapazieren. Gloria lebte gediegen, liebte
gediegen, aber so gediegen wiederum nicht, dass sie den Wust an
Liebesbeteuerungen seitens des Rosenmannes auch nur noch eine Stunde länger
ertragen wollte. Sie packte ihre ganze Liebe und Habseligkeiten ein, rannte
zur Tür und verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Mit Entsetzen folgten ihr seine Augen, seine Füße, sein Selbstmitleid. Bis
zur Tür schaffte er den schweren Gang, dann brach er zusammen.
Nach zwei Tagen schlug er die Augen auf, räumte sich weg, schritt kraftlos
in seinen Garten, fasste nach der zartrosa Rosenzüchtung und reihte sie
zärtlich und hilflos ins Beet der Verflossenen. Gloria...

Dann dachte er tief nach und fand wiederum das Feld der Helden auf duftenden
Rosenblättern, gebettet auf süßen Träumen, den Dornenstoß mitten ins
Innerste erwartend. Sofort fiel er ein in den Chor der Rufenden, obwohl
Gloria nicht einmal eine Rose in der Hand hielt, ihre Augen nicht lächelten
und auch auf ihren Lippen nichts an Versprechungen zu erkennen war.
Er erstarrte zu seiner eigenen Legende."

Ich habe mein Leben erzählt, habe es ausgeschüttet wie vor einem Freund oder
Seelsorger, .
Jetzt gilt es, mein Schicksal zu wenden, eine Drehung zu vollziehen. Ich
werde kreiseln, schwimmen, fliegen...und der Herbst wird mir eine Stütze
sein, eine dargereichte Hand.

Glasklar liegt vor mir eine Landschaft, die Tannenspitzen eingehüllt in
weiße Nebel, das beruhigt mich, alles Störende, Strömende fallt von mir ab.
Ja, ich spüre das Weiche am Tag und in der Nacht. Weiße Nebel sollen mein
Herz besetzen, es umfangen, einhüllen in nebelweiche Watte. Kein Stoß soll
mich verletzen, kein Hieb mich zerfetzen...ich fange an zu dichten. Sollte
diese Wende auch meinen Geist beflügeln, es wäre nicht auszudenken. Ein so
verletzter Mensch wie ich es bin, meiner Würde fast beraubt, greift nach
Worten, windet sich darin, das kann nur heroisch enden, so oder so.
Ich lasse die Nebelschleier nun ziehen:

Über Wiesen, Heckenraine
ziehen Elfen, leise tanzend
ihren Reigen,
um die Leiber winden sie
Nebelschleier fein gesponnen

Herbstzeitlose
wispernd bitten
bindet uns um eure Stirn
wenn ihr euch im Kreise dreht
dass der Atem uns vergeht

Elfenhände binden
einen Blumenkranz
schwingen lautlos vor dem Wald
über Wiesen, Heckenraine
Nebelschleier fein gesponnen


Der Nebel fällt
Bühne zwischen Tau und Tag
die Tinne schnell zur Lyra greift
rührt die Saiten sacht
ein letzter Tanz Furore macht
bis auf den letzten Platz besetzt
auf Felsenstein, im Gras, im Nest
Elfen wispern leis' Applaus
Die Weiden schlafen ihren Nebel aus
Es wird geklatscht, man geht nach Haus

Überschlagen will ich mich förmlich, neue Gedanken auf weißes Papier zu
bringen. Ich schwebe durch die Lüfte, sauge Inspiration durch die
Nasenflügel, atme sie aufs Papier, halte mich nur noch an Gewässern auf,
seien es Teiche, Seen, Weiher. Es muss glänzen, leuchten nach Wasser, locken
wie Wasser, auf dem die Nebel geisterhaft empor steigen, zu Fantasien
aufblühen, die nichts zu wünschen übrig lassen, mich tragen.

Am Teich

Buschwindröschen
sind in Frühling gezogen
ungelogen
ich habe sie geseh'n
sie waren so schön
habe eine mitgenommen
den anderen versprochen
ich werde wiederkommen
dreimal lauf ich um den Teich
die Knie, sie werden so weich
eine Meise und ich, wir singen im Team
morgen vielleicht schon die Veilchen blüh'n
ich hebe den Kopf
und kann es kaum glauben
der Reiher vom Sommer
mit zwei Turteltauben
gleich links auf dem Rasen
was glitzert denn da
im Hochzeitskleid, es ist ein Star
Enten kommen gelaufen, geschwommen
ohne Brot bin ich heute gekommen
pardon, ich kann selber wieder beißen
wir müssen teilen, soll das heißen
Freund Reiher sitzt wie angenagelt
ich geh' schon, eh es dir die Suppe verhagelt

Ich werde neckisch, ich dichte mich durch Teichränder, Seehänge und
Weihertiefen, lasse kein Blättchen, kein Blümchen, keinen Vogel aus.
Besonders den Reiher schließe ich in mein Herz, kann mich nicht satt sehen
an diesem Riesenvogel.

Am Weiher

Am Weiher ging ich spazieren
und bemerkte, ganz sonderbar
dass ich nicht alleine war
auf hohen Stelzen schritt er daher
und wunderte sich genau so sehr

Reiher und Mensch
auf der gleichen Welle
während die Fische
zum Panieren sich tummeln
ich auf der Bank zunächst
um dann erneut zu bummeln

bittet der Reiher zu Tische
ein Sortiment lebender Fische
die Mahlzeit fällt recht üppig aus
ganze Schwärme ziehen von ,Haus zu Haus'
sie streifen mit ihrem Schuppenkleid
die Diagonale und die Zeit

wenn man so viel Weitblick erhält
wir schwimmen fast um die ganze Welt
was kann gar noch schöner sein - und
landen alle in seinem Schlund



Schwalben

Schwalben fallen wie vom Himmel
segeln, flattern übern Teich
ihr Federkleid die Hälfte Schimmel
die andere an Schwarz so reich
die Nacht sich hier mit Weiß gestählt
für ewig gelten sie vermählt

sie fangen Fliegen aus der Luft
die tänzelnd auf des Wassers Duft
sich wiegen in der kühlen Brise
dann wieder auf der grünen Wiese
die Schwalben greifen sie im Flug
ein Fliegenleben - nur noch Trug

Unter Weiden

Es sind all jene
die sich glückshungrig
in die geweihten Arme
von Mutter Natur werfen
ihr Manna auflesen
und trunken aus den
Nebeln steigen
mondumrandet, licht
federleicht
auf Nebelfetzen ein Segel spannend
heim irren
süchtig wartend
auf einen neuen Ruf

Ich bin so glücklich, ich bin so selig, ich habe meine Berufung gefunden.
Alle Damen, die ich einmal geliebt habe werden zu Elfen, die auf meiner Nase
tanzen, Pirouetten auf meinen Schultern drehen und mir nicht mehr gefährlich
werden.
Spät in der Nacht stehe ich am Fenster, entdecke den Mond, ich muss ihm ein
paar Zeilen schreiben:

Mondgemälde

Zwischen Kiefern eingebettet
lugt verträumt der Mond ins All
kleine Wölkchen angezettelt
tanzen auf zum Himmelsball
kupferrote Streifen und Intarsien
ziehen lautlos Hand in Hand
streifen vollmondsüchtig
unverhohlen sein Gewand
fein gesponnen nebeldunstig
zielt im Goldorange flüchtig
still zum Bilde einst Rembrandt
stimmungsvoll gesetzt auf Seelen
hält hier göttliches Vermählen
wandern in ein mondlich Land
zwischen Fingern rinnt das Sehnen
wie am Meere sonst der Sand

 

Ihm ist nicht zu helfen, er hat diese Damen wie Rosen unter der Erde vergraben. Ein Einsehen ist gleich Null. Er kann nun darüber nachdenken, warum er sich derart gerächt hat.

 

© Margit Farwig

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Der Beitrag wurde von Margit Farwig auf e-Stories.de eingesendet.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.01.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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