Iris Klinge

Hunde-Asyl

Das Problem der streunenden Hunde hier in Uruguay hat sich verschärft, seitdem bei uns auf dem Land große Container in den Straßen aufgestellt wurden, die keine Möglichkeit mehr für Hunde bieten, sich etwas zu fressen zu organisieren.
 
Vorher hing der Müll in Plastikbeuteln an Haken an den Bäumen vor den jeweiligen Häusern und wurde dann  meist nachts abgeholt  - wenn nicht vorher schon einige große Hunde es geschafft hatten , die Tüten  herunter zu reißen und zu öffnen, damit sich die ganze Meute über den Inhalt her machen konnte.
 
Bei dem vielen Fleisch Verzehr der Uruguayer, die jeden Abend ein großes Stück auf den Außengrill  werfen, liegt ständig ein Geruch von verbranntem Fleisch in der Luft. Und vieles landet anschließend in den Müllbeuteln zur Freude der ausgehungerten Tiere.
 
Diese kostenlose Fütterung der Hunde hat nun ein Ende gefunden, die Straße ist nicht mehr so mit Müll verdreckt, doch die armen Tiere, die z.T. einfach von ihren Besitzern im Stich gelassen werden, wenn nach den Ferien am Meer die Heimfahrt in die Stadt bevorsteht, wissen nicht, wie sie überleben sollen.
 
Auf diese Weise haben wir heute eine junge Hündin zwangsadoptiert, die völlig ausgehungert vor unserer Haustür um Einlass bettelte. Wir hoffen, dass im nahe gelegen Supermarkt jemand durch einen Zettel am schwarzen Brett ausfindig gemacht werden kann, dem das schöne Tier gehört, oder dass es einen neuen Besitzer findet, wenn wir Uruguay verlassen.
 
Erschütternd ist nicht nur das Schicksal der Tiere, auch die Menschen, vor allem Kinder, verschwinden und werden öffentlich gesucht. – Überall auf unserer letzten Reise durch Argentinien und Brasilien sahen wir große Plakate mit Fotos von Personen, die vermisst wurden. Überschrift: „Wer kennt diese Personen?  Wer kann etwas über ihren Aufenthaltsort sagen?“ Die Texte unter den Fotos der Kinder haben mich besonders berührt.  Sind sie weggelaufen, um den menschenunwürdigen Zuständen zu entfliehen, oder wurden sie einfach mitgenommen, ausgebeutet?
 
Wie wenig die Menschen in Südamerika geschützt sind, wurde wieder deutlich durch den verheerenden Brand in einer brasilianischen Diskothek, dem 234 junge Leute zum Opfer fielen. Es stellte sich heraus, dass ein Großteil der Nachtlokale keinerlei Sicherheitsvorschriften erfüllten. Einige wurden daraufhin sofort geschlossen.
 
Auch meldeten die Nachrichten, dass nur etwa 11 % der Städte in Brasilien eine Feuerwehr haben. – Wenn etwas passiert, kann es lange dauern, bis Hilfe organisiert ist.
 
Noch mehr als in Europa muss hier jeder für sich selbst sorgen, denn vom Staat ist nicht allzu viel zu erwarten. So habe ich den amerikanischen und europäischen Touristen, die sich jetzt in Montevideo den beginnenden Karneval anschauen wollen, geraten,  sich besser nicht unter die Masse Mensch zu mischen, da mit Sicherheit wieder Taschendiebe und andere Kleinkriminelle unterwegs sind.

Sicherer ist es, aus der Ferne  - am Fernseher  - die Umzüge und Spektakel zu verfolgen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.02.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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