Christina Dittwald

Unsere Liebesgeschichte



Es war der 29.Juni 1965, ich war 15 . Der Tag war Peter und Paul, was wichtig ist, denn da hatten wir schulfrei. Sonst wäre ich an dem Nachmittag nicht in unser Freibad gegangen, das Grugabad.

Ich war mit meiner Freundin Evelyn verabredet und hatte meinen 11-jähigen Bruder im Schlepptau. Unangenehm für eine 15-jährige, wenn man auf seinen kleinen Bruder aufpassen muss. Mein Vater sagte, er würde uns drei Stunden später mit dem Auto abholen.

Mit Evelyn war ich gern zusammen. Sie kannte Jungs. Und außerdem war ihr Vater Vertreter für irgendein Küchenzeugs und hatte immer Proben von Maggi zu Hause, von denen auch ich profitierte. Gaaanz süße kleine Maggifläschchen !

Wir schlenderten die Wege entlang, zur großen Wiese, um dort unsere Decke auszubreiten. Zwei Jungs lagen da, Evelyn kannte den einen.
Ich sah nur den anderen, der dort auf dem Bauch lag und eine Orange schälte. Dunkelbraune Haare, Pilzkopf. Er schaute hoch und ich blickte in seine
wunderschönen braunen Augen mit dem dichten Wimpernkranz. Ich war 15, und ich wusste: der ist es. In dem Moment spielte sich so ein Feuerwerk von Gedanken  in meinem Kopf und - besonders - in meinem Bauch ab, ich war rettungslos verliebt - in einem Augenblick.
Diddy - so hieß er - hatte natürlich nicht die leiseste Ahnung, warum das verrückte Huhn sich ihm gegenüber setzte und um ein Stück Orange bat.

Mein lästiger Bruder ging ins Schwimmbecken und ich drohte ihm, ihn ganz schrecklich zu vermöbeln, falls er es wagen sollte, a) zu ertrinken und b) abzuhauen.Wir sprachen über die Schule - ich ging auf die Maria-Wächtler und er auf das Jungengymnasium direkt daneben, das Helmholtz Gymnasium.
Wieso war er mir nicht vorher begegnet ? Vielleicht hatte er schon mal eine Vollbremsung machen müssen, als ich ihm vor sein Fahrrad rannte ?
Evelyn nahm mich beiseite und flüsterte mir zu : was ist mit dir los, du benimmst dich wie eine Verrückte ! ... War mir egal.
Ich schaute auf die Uhr und wusste, ich musste etwas unternehmen, damit er meine Adresse und meinen Nachnamen erfuhr. Ich ließ elegant meine Badetasche hinfallen, mein Schülerausweis fiel geschickt vor seine Nase. Der Freund hob ihn auf und las ihn vor, nicht ohne über das blöde Foto gelästert zu haben.

Diddy sagte, dass er in ein paar Tagen in den Schulferien nach London fahren würde, per Anhalter. Aha, zu den Beatles also. Wir sprachen über die Schule, es war heiß. Diddy hatte sich einen fürchterlichen Sonnenbrand auf dem Rücken geholt.
Die Zeit war um, ich musste mit meinem Bruder zum Ausgang zum dort wartenden Vater. Damals tat man das, was die Eltern sagten - auch wenn ich mich nicht trennen wollte.
Ich kletterte mit Bruder in Papas Auto - und die Welt hatte sich verändert. Abends schrieb ich in mein Tagebuch : Von nun an Diddy.

Ich bekam eine Ansichtskarte aus London. Mein Schatz, mein Kleinod.

Und wir sahen uns wieder. Lustigerweise war der Freund aus dem Schwimmbad an mir interessierrt, den ich gar nicht beachtet hatte. Der sagte: lass uns doch mal anrufen ! Im November gaben Diddy und ich uns den ersten Kuss.

Wir feiern in Kürze unseren 42. Hochzeitstag ! Wir haben zwei Söhne und einen Enkel. Wir wohnen immer noch in Essen.
Und wenn ich Diddy ansehe, dann sehe ich immer noch den 18-jährigen Jungen mit den strahlenden Augen aus dem Grugabad.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.02.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Buch von Christina Dittwald:

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Die Geschichte von Ella und Paul von Christina Dittwald



Der Schutzengel Paul verliebt sich in Ella, seine junge Schutzbefohlene. Schwierig, schwierig, denn verliebte Schutzengel verlieren ihren Status. Ella hat Schutz bitter nötig... und so müssen die beiden sich etwas einfallen lassen. Eine große Rolle spielt dabei ein Liebesschloss mit den Namen der beiden an einer Brücke über einen großen Fluss. Die reale Welt mischt sich mit Fantasy und Traumsequenzen.

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