Klaus Albers

Die andere Seite der Regenbogenwiese

Ein kleines Kaninchen kam zur Regenbogenwiese. Es war glücklich,
denn es wußte ganz genau wo es war: hier war es wieder jung und gesund,
es war warm, überall gab es Futter und Wasser im
Überfluß. Doch das beste war, das irgendwann sein geliebtes Frauchen
zur Wiese kommen würde um mit ihm zusammen über die Regenbogenbrücke zu
gehen. Die Zeit bis dahin würde sicher wie im Fluge
vergehen - so schön wie es hier war. Also sprang es über die Wiese
und freute sich an den anderen Tieren, die alle genau so glücklich wie
das kleine Kaninchen waren.

Aber dann bemerkte es, das auf der anderen Seite der
Regenbogenwiese noch mehr Tiere waren. Auch sie waren jung und gesund
...... aber irgend etwas war anders. Sie wirkten nicht so
fröhlich wie die anderen, sondern eher schwermütig.

Das kleine Kaninchen bemerkte das es beobachtet wurde.
Ein großer, weißer Hund schaute es nachdenklich an.

"Weisst du warum die Tiere auf der anderen Seite so traurig wirken ?"
fragte das neugierige Kaninchen den Hund.

"Aber sicher doch. Das sind die Tiere die keinen Freund
haben, der sie irgendwann einmal hier abholt. Sie sind gestorben ohne
jemals die Liebe eines Menschen kennen zu lernen. Im
Gegenteil: fast alle haben nur schlechte Erfahrungen mit den
Zweibeinern gemacht"


"Aber das ist ungerecht !! So etwas darf es hier doch
nicht geben. Dürfen sie dann auch niemals auf die andere Seite des
Regenbogens ?"
erwiederte das aufgebrachte
Kaninchen.

"Sieh dort hin ....... und beobachte was nun passiert"

Ein alter weißbärtiger Mann kam langsam den Weg hoch, der
zur Regenbogenwiese führt. Unter den Tieren auf der Regenbogenwiese
kam Unruhe auf. Viele erkannten den Mann und stürmten auf ihn
zu -  Hunde, Katzen, Meerschweinchen und auch ein kleiner grüner
Wellensittich.

"Oh, das sind aber viele" rief das Kaninchen.

"ja" entgegnete der Hund. "Er hat in
seiner Lebenszeit viele Freunde gehabt und geliebt. Vor allen in den
letzten Jahren hat er sich um alte, kranke und um Tiere die
niemand haben will gekümmert. Auch wenn er ganz genau wußte das er
nicht alle retten kann."


"Das ist wirklich schön ...... aber was hat das mit den traurigen Tieren auf
der anderen Seite der Wiese zu tun"


"Sei doch nicht so ungeduldig, kleiner Hasenmann" lachte der Hund.
"Warte ab wie es weiter geht......"

Der alte Mann begrüßte und herzte alle seine Freunde, die er
so lange nicht gesehen hatte. Doch dann passierte etwas unerwartetes.
Er ging nicht mit ihnen auf die Regenbogenbrücke zu,
sondern auf die traurigen Tiere auf der anderen Seite der
Regenbogenwiese. Diese schauten zu ihm auf - und blickten in ein
lachendes und glückliches Gesicht.

"Siehst du mein kleines Kaninchen - jetzt lernen auch
sie die Liebe eines Menschen kennen. Immer wenn ein Mensch wie dieser
hier an den Fuß des Regenbogens kommt um seine Freunde
abzuholen, dann darf er auch all die Tiere die niemals geliebt
wurden mit hinüber nehmen"


Gerührt schaute das kleine Kaninchen den letzten Tieren zu,
die ihre Pfoten auf die Brücke setzen und langsam in der Ferne
verschwanden.

Die andere Seite der Regenbogenwiese war leer.
Der alte Mann hatte nicht ein einziges der ungeliebten Tiere dort zurück gelassen.

Die Kurzgeschichte ist für Erwachsene und Jugendliche gedacht, die sich mit der ursprünglichen Geschichte der Regenbogenbrücke aueinander gesetzt haben und sich nun die Frage stellen was mit den Tieren passiert, die kein Frauchen oder Herrchen haben auf das sie warten können. Sie bietet eine tröstliche Lösung, besonders für aktive Tierschützer die ja häufig mit der Tatsache konfrontiert werden das nicht alle Tiere gerettet werden können.Klaus Albers, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.02.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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