Margit Farwig

Der Regenbogen

 


 

Als sich die Nacht senkte, hielt sie ihre Augen geschlossen, folgte den Seifenblasen in eine schillernde Zukunft. Seifenblasen, die in der Vergangenheit Stück für Stück geplatzt waren.

Sie lernte, nur noch dem Regenbogen zu vertrauen. Da wusste sie Bescheid, ihn konnte man nicht anfassen, besitzen. Das hatte sie in den Kinderjahren begreifen gelernt.

Zeigte sich am Himmel ein Regenbogen, war sie losgerannt, um ihn einzufangen. Sobald sie näher kam, rollte er seine bunten Streifen von beiden Seiten auf und verschwand, wie vom Himmel verschluckt.

In keinem Lexikon, in keinem Buch der Rekorde ist jemals vom Erhaschen auch nur eines Zipfels eines Regenbogens berichtet worden.

Er besuchte sie nie in ihren Träumen, gaukelte ihr nie ein schönes Leben in Saus oder gar Braus vor. Im Gegenteil.

Ihm vertraute sie Geheimnisse an, Wünsche, die nicht in Erfüllung gegangen sind, über die sie heimliche Tränen vergossen, Bemühungen, die sich kaum lohnten, Versprechungen, die nicht gehalten wurden.

Sie schickte alle Sorgen mit einem Stoßseufzer hinauf zum Regenbogen und wenn er sich verflüchtigte, verschwanden auch ihre Sorgen.

Manchmal probierte sie diesen Trick noch als erwachsene Frau aus...

 

© Margit Farwig
 Anm.: Aus: "Gezeiten ritzen Haut"

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