Emily Paschke

Gestrandet

(Beckah)
 

 
Ich hörte ein Krachen, dann Schreie. Meine Füße rutschen zur Seite und ich fiel zu Boden, dabei schlug ich mir den Kopf auf. Ich fasste mit meiner Hand an meinen Kopf und merkte, dass ich blutete. Mit meiner anderen Hand stützte ich mich auf und versuchte, mich wieder aufzurichten. Plötzlich wurde mir schwindelig und ich krachte wider auf den Schiffsboden. Ich spürte wie langsam aber sicher das Wasser stieg und mein Körper nass wurde. Das Schreien von den Passagieren wurde auf einmal immer leiser und mir wurde schwarz vor Augen.
 

 
Ich wollte meine Augen öffnen, doch sie taten so weh. Mein Kopf brummte und ich hörte ein Piepen in meinem Ohr. Also lag ich da ohne irgendeine Hilfe. Der Schmerz, der durch mein Rücken zog, war unerträglich. Krampfhaft biss ich mir auf die Lippe, um nicht wie eine Wilde los zu schreien. Meine Wunden taten so weh, als wenn eine Rasierklinge meine Nerven durchschnitt. Plötzlich spürte ich, dass jemand in meiner Nähe war und hauchte so leise, dass es schon fast kein Flüstern mehr war: „ Wer ist da?“ Eine hohe Männerstimme erwiderte darauf: „Oh mein Gott, du lebst ja!“ Er klang besorgt.
 
Auf einmal erinnerte ich mich an alles, dass ich auf einem Schiff mit meinen Eltern in
 
den Urlaub fahren wollte...
 
Dann noch, dass ich Schreie hörte und umgekippt bin. „Wo sind wir?“, fragte ich
 
hastig und wollte aufspringen. Nur war das nicht grade leicht, mir wurde schwindelig und ich schwankte. Ich war kurz davor wieder umzukippen, aber ich spürte, wie eine starke Hand, die mein Arm umschlang, mich hielt. Er antwortete: „Ich hab keine Ahnung. Entweder auf irgendeiner Insel oder auf einem Stück Land, das wie eine Insel aussieht!“
 
Ich bekam mein Gleichgewicht wieder und guckte mich um, meine Wunde am Kopf tat immer noch weh, aber es war auszuhalten. Ich erschrak. Nicht nur, dass überall Wald war, sondern auch, dass um die Insel herum nichts als Wasser war. Der Junge sah nicht schlecht aus, kurze braune Haare, blaue Augen und er war sehr schlank. Er sah mich an, als hätte er ein Gespenst gesehen. „Was glotzt du so?“ zickte ich ihn an. „Du... du siehst schrecklich aus!“ „Oh tut mir leid, dass ich mich nicht aufgestylt hab wie ein Model!“ blitzte ich ihn an. „Nein“, antwortete er unsicher, „das mein ich nicht, du hast überall Schrammen und bist Blutverschmiert!“ Ich sah an mir runter und erstarrte. Meine Klamotten waren mal schwarz, jetzt sind sie teilweise rot und mein Gesicht... ich fasste nur einmal leicht meine Wange an und mein Finger war rot. Jetzt hatte ich auch verstanden, warum mein Rücken und mein Kopf so weh taten. Ich wollte meinen Fuß vor den anderen setzten, aber ich wurde von dem Jungen zurückgezogen: „Wo willst du hin?“ „Ich will vielleicht irgendwas suchen, was uns hier Retten kann!“ trotzte ich ihn an. Er merkte, dass ich nicht grade gut drauf war und ließ mich gehen.
 
Ich ließ mir nicht anmerken, dass ich Angst hatte, weil er mich noch sehen konnte. Als ich so tief in den Wald reinging, dass ich nur Bäume sah, brach ich zusammen und fing an zu weinen. Alles war weg. Meine Eltern waren irgendwo da draußen auf dem Meer, wenn sie überhaupt überlebt hatten. Mein Körper war von Narben und Wunden übersät und ich konnte kaum atmen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir gewünscht, tot zu sein, das alles nicht miterleben zu müssen. Und da war dann auch noch dieser Junge, der sehr neugierig zu sein schien und Neugier konnte ich gar nicht ab.
 
Es war wie ein Bilderablauf in meinem Kopf. Alles drehte sich und ich konnte nicht mehr klar sehen. Plötzlich hörte ich ein Rascheln und zuckte zusammen. Meine Hände fingen an zu zittern und ich versuchte mich hinter einem Baum zu verstecken.
 
Doch da hörte ich eine Stimme die schrie: „ Hallo? Bist du hier?“ Ich fühlte mich erleichtert, wischte schnell die Tränen weg, die über mein Gesicht liefen und gab zurück: „ Ja ich bin hier!“ Ich versuchte der Stimme entgegen zu gehen und ich fand ihn auch. „Was machst du denn hier?“ ,fragte ich. „Die Frage ist, was machst du hier?“ entgegnete er mir. Ich verdrehte die Augen: „Habe ich dir doch schon gesagt. Ich gucke nach etwas, was uns hier raus holt!“ Er seufzte: „ Okay. Wie heißt du eigentlich?“ „Ich wüsste nicht, was dich das angeht!“, antwortete ich ihm. Jetzt war er es, der seine Augen verdrehte: „Wenn wir uns gegenseitig helfen wollen, und glaub mir, das müssen wir, dann sollten wir die Namen voneinander kennen! Ich heiße Jesse!“ Ich musste ihm wohl meinen Namen verraten, also tat ich es: „Ich bin Beckah!“ Er drehte mir den Rücken zu. „Was machst du?“ „Ich muss mal!“ Er drehte sich um und lächelte mich an. Ich versuchte das Lachen zu verdrücken, doch ich konnte nicht. Also lachte ich laut los. Er sah mir in die Augen und seine Mundwinkel
 
wurden nach oben gezogen. Es sah so aus, als ob er mich mögen würde, also blick ich wieder ernst. „Könntest du dich vielleicht umdrehen?“ ,fragte er unsicher. „Ach so, ja natürlich!“ Ich drehte mich um und ging fort. Da hörte ich Jesse wie er schrie: „ Hey, warte, du sollst doch nicht gehen!“ Ich ignorierte ihn und lief schneller. Es fühlte sich an, als ob meine Beine sich von alleine tragen würde. Der Schmerz, der vor kurzen noch in meinem Rücken zog, war wie weggeblasen.
 
Langsam dämmerte es und ich suchte ein Platz wo ich schlafen könnte. An Jesse dachte ich schon gar nicht mehr. Er war nur ein einfacher Junge und ich wollte nichts mit ihm zu tun haben. Oder?
 

 
Der erste Gedanke, der mir kam, als ich wieder aufwachte war: „ Zum Glück hat mich kein wildes Tier gefressen!“ Ich sah mich um. Es war also alles doch kein Traum. Als ich kapierte, dass ich nicht mehr nach hause kommen würde, dass ich meine Eltern nie wieder sehen würde kamen mir wieder die Tränen. Alles, was passiert war, lief in meinem Kopf wie ein Video ab. Es war einfach schrecklich. Ich rollte mich und erschrak. Neben mir lag Jesse. Wie hatte er mich gefunden? Kann diese Nervensäge mich nicht einfach in Ruhe lassen? Ich stand langsam auf und versuchte so leise wie möglich abzuhauen. „Wohin gehst du?“ Mist. Ich drehte mich um: „Irgendwohin, wo du nicht bist!“ Er sah enttäuscht aus, aber mir war das egal und ich ging einfach.
 
Nach einiger Zeit fand ich eine kleine Lichtung. Sie sah aus, als ob da schon mal jemand gewesen wäre. Dort war ein Holzbalken, der aussah als ob er extra zu einer Bank geschnitzt worden wäre. Vielleicht hatte hier schon mal jemand gewohnt? Aber um das herauszufinden müsste ich irgendetwas, was darauf hindeutete, finden. Und um etwas zu finden, müsste ich erst mal suchen. Also ging ich los. Suchte in jeder Ecke, hinter jedem Baum und in jedem Loch, aber ich fand nichts. Das war also doch alles nur Zufall. Die Hoffnung hier herauszukommen, die in mir für kurze Zeit herrschte, war weg. Sie wurde einfach von Minute zu Minute schwächer und schließlich gab es keine mehr. Ich setzte mich auf den bankähnlichen Holzbalken und seufzte.
 
Nach einiger Zeit sah ich wie Jesse angerannt kam. Da er gestern sehr anhänglich und nicht abzuschütteln war, gab ich auf, ihn abzuhängen. „Hey, woher weißt du, dass ich hier bin?“ „Ich bin einfach den Fußspuren gefolgt, die du im Schlamm hinterlassen hast!“ sagte er als ob es selbstverständlich wäre. „Ah!“ Er musterte mich von oben bis unten. „Kannst du nicht wo anders hingucken?“ Da sah er mir ins Gesicht: „Du bist wunderschön!“ Mein Gesicht verzog sich zu einem Fragezeichen: „ Gestern meintest du noch, ich sehe schrecklich aus!“ Seine Augenbrauen erhoben sich: „Du weißt doch wie ich das gemeint habe!“ Ich nickte. Es herrschte lange Zeit Stille, bis ich sie unterbrach: „Ich gehe kurz gucken, ob hier was Essbares ist! Keine Angst, ich bleibe in der Nähe und finde schon wieder zurück!“ Er lächelte: „ Gut!“
 

 

 

 
(Jesse)
 
Sie war gar nicht so schlecht. Kurze braune Haare und schlank. Es stimmte, was ich zu ihr gesagt hatte. Sie war echt wunderschön. Nur leider war sie sehr zickig. Ich hoffte, sie würde sich noch ändern.
 
Plötzlich hörte ich Schreie. Ich rannte los. Es konnte ja nur Beckah sein, da nur sie hier auf der Insel war, Oder? Ich folgte der Stimme und kam ein paar Minuten später bei Beckah an. Sie hing an einem Baum. Ich musste mir das Lachen echt verkneifen. Ein dünnes Seil war an ihrem Fuß befestigt und sie baumelte Kopfüber herunter. „Ähhm... könntest du mich vielleicht hier runter holen?“
 
Jetzt musste ich lachen: „Ja klar. Warte, ich hole nur schnell irgendwas Scharfes!“ Als sie mein Lachen hörte, fing sie auch an. Beckah schien wohl doch nicht so verklemmt zu sein.
 
Ich ging los und suchte nach einem spitzen Stein oder ähnliches. In einem kleinem Loch fand ich dann einen Ast. Er war scharf wie ein Messer geschnitzt. Hier hatte bestimmt schon mal jemand gewohnt. Na ja, wenn man das überhaupt wohnen nennen kann. Ich zog mein Blick von der Lichtung weg und ging zurück zu Beckah. Sie hing immer noch da am Baum. Da fiel mir ein, dass ich gar nicht wusste, wie sie da hoch gekommen war und fragte sie: „ Wie ist das eigentlich passiert?“ Sie sah mich kritisch an. „Ich weiß nicht ob ich dir das sagen soll. Du lachst mich nur aus!“
 
„Ach komm schon. Ich lach dich schon nicht aus!“
 
„Versprochen?“
 
„Ja, versprochen!“
 
Sie fing an: „Ich bin ja weggegangen, um Essen zu suchen und wie du siehst, hängen hier Kokosnüsse! Also wollte ich auf den Baum klettern! Dabei habe ich nicht gesehen, dass auf dem Boden eine Schlinge lag und ich bin hineingetreten rein. In kurzer Zeit hat sie mich dann auf den Baum gezogen!“
 
„Es scheint wirklich so, als ob hier mal Menschen gelebt haben! Ich meine das sieht aus wie eine richtige Falle!“, flüsterte ich so leise, dass sie es nicht hörte. Während ich das flüsterte, schnitt ich mit dem Holzstück, das ich gefunden hatte, das Seil durch. Als sie runter fiel, fing ich sie mit meinen Armen auf. Diesmal war sie es, die mir in die Augen sah. Sie schüttelte den Kopf und bat mich sie runter zu lassen.
 
Wir gingen wieder auf die Lichtung. Es war das gleiche Bild wie davor. Beckah und ich auf der Bank.
 
„Jetzt haben wir immer noch nichts zu essen! Mein Magen knurrt schon richtig!“, bemerkte sie. „Ja. Das ist echt doof!“ Wir beiden seufzten gleichzeitig wie aus einem Mund. „Weißt du was?“, beendete sie die lange Stille. Ich sah sie an: „ Nein, was denn?“
 
„Das hört sich vielleicht affig an, aber ich glaube hier hat schon mal jemand gelebt oder dass hier jemand lebt!“
 
Ich war erleichtert, dass sie auch so dachte wie ich und entgegnete: „Genau das selbe habe ich auch gedacht! Ich wollte es dir nicht sagen, weil ich dachte, du hältst das für verrückt!“ „Na dann ist es ja gut, dass ich das ausgesprochen habe!“ Ich nickte nur. Dann sah ich mich um. Einmal ganz gründlich, dabei stand ich auch auf. In der Gegend musste doch irgendjemand sein. Die Falle, die Bank, das Messer, das alles deutete darauf hin, dass hier jemand sein müsste. Meine Füße trugen mich in ein kleines Loch. Es sah aus, als ob das extra für irgendwas gegraben wurde. Überall lagen brauchbare Sachen rum. Zum Beispiel eine handgemachte Schale oder ein Tuch aus Seealgen und Blättern. Und dann noch die Sachen, die wir schon gefunden hatten. „Es wäre echt cool wenn hier auch noch Essen herumliegen würde!“
 
Beckah kam auf mich zu: „Wieso? Was hast du denn noch alles gefunden?“ Ich zeigte ihr die Schale und das Tuch, die ich in der Hand hatte. „Wow! Such weiter!“, spaßte sie und drehte sich kurz darauf um. Ich fragte mich, was sie dort machte und fragte: „Was wird das, wenn es fertig ist?“
 
„Ich versuche aus dieser ungemütlichen Bank ein gemütliches Bett zu machen!“
 
„Und wie?“, wunderte ich mich.
 
„Mit Moos. Wenn ich fertig bin, kannst du es ja mal ausprobieren! Ich brauch noch so um die fünf Minuten!“
 
Als es abends war und wir uns hingelegt hatten, redeten und lachten wir noch lange, obwohl uns überhaupt nicht zu lachen zu Mute war. Als ich ihre Eltern erwähnte, wurde ihr Gesichtsausdruck ernst und sie drehte sich mit dem Rücken zu mir. „Hab ich was Falsches gesagt?“ wollte ich wissen. „Ne, ne alles in bester Ordnung!“
 
mein Blick ruhte auf ihr und ich zuckte mit den Schultern: „Okay. Gute Nacht!“
 
Beckah nickte nur unauffällig.
 

 

 

 

 
(Beckah)
 
Als Jesse mich auf meine Eltern ansprach, hat es mir den Rest gegeben. Auch wenn meine Mutter und mein Vater mich überhaupt nicht unterstützen und mir das Gefühl geben, nicht wichtig zu sein, vermisse ich sie. Nach und nach ist mir alles wieder eingefallen, was auf dem Schiff passiert war.
 
Ich hatte mich mit meiner Mutter darüber gestritten, dass ich mit in den Urlaub musste und nicht auf die Party von meiner besten Freundin gehen konnte. Der Streit eskalierte und sie hatte mich geschlagen. Ich hielt mir meine Wange mit der linken Hand und sah sie erschrocken an.
 
„Oh mein Gott... tut mir Leid, das wollte ich nicht!“ Ihre kristallblauen Augen sahen mich erschrocken an. Doch ich hatte kein Mitleid. Ich lief so schnell wie noch nie auf mein Zimmer, aber mitten im Lauf rutschten meine Beine zur Seite und das Schiff ging unter. Mir war nicht klar, warum das Wasserfahrzeug einfach zu Bruch gegangen war.
 
Ich hatte meine Eltern verloren und das grade an dem Tag, als ich mich so sehr wie noch nie mit meiner Mutter gestritten hatte.
 
Ich wollte nicht noch länger darüber nachdenken und beschloss einzuschlafen, was nicht grade leicht war, weil das “Bett“ ziemlich unbequem war und ich dringend auf Toilette musste, aber wenn ich auf Toilette gehen würde, würde Jesse aufwachen und darauf hatte ich überhaupt keine Lust. Also versuchte ich es wegzudrücken. Plötzlich merkte ich wie meine Augen einfach zu vielen und ich dachte daran, wie spät es eigentlich war. Immerhin hatten wir außer unseren Klamotten und den Gegenständen, die Jesse hier gefunden hatte, nichts. Dann schlief ich mit der Hoffnung, dass wir heil nach Hause kommen, ein.
 

 
Das Knacken von Stöckern weckte mich. Ich sah mich um. Weit und breit kein Jesse! Ich musste daran denken, dass hier wahrscheinlich jemand lebte. Vielleicht war er wieder gekommen und hatte gesehen, dass zwei Menschen in seinem Land liegt und hat Jesse entführt wurde. Aber warum hatte er mich dann nicht auch mitgenommen? Unmöglich. Meine Gedanken spielten mir Streiche. Wo war dann aber Jesse? Kaum hatte ich mich das gefragt, hörte ich hinter mir : „Beckah, du bist ja schon wach!“ Ich atmete erleichtert auf: „Man, du hast mir echt einen Schrecken eingejagt!“ Er sah mich verwundert an: „ Warum? Weil ich einfach weg war?“
 
„Ja!“, sagte ich leicht aggressiv.
 
Er musste grinsen: „Du machst dir also Sorgen um mich?“ Ich nickte schnell und ging genervt in den Wald, da ich auf Toilette musste. Ich blickte mich noch schnell um und sah, dass er mir nachguckte. Es war mir echt ein Rätsel, wie ein so hübscher und netter Junge so nervig sein konnte. Ich fühlte mich wie ein Kleinkind, das von einem Babysitter beobachtet und kontrolliert wurde. Aber ich musste echt zugeben, ich mochte ihn. Im Wald angekommen suchte ich mir einen Platz, wo niemand mich sehen konnte. Na ja, was heißt niemand, eigentlich konnte ja nur Jesse mich sehen, wenn er vorbei kommen würde. Auf einmal hörte ich ein Krachen. Mir lief ein Schauer den Rücken runter. Ich war alleine und konnte mich nicht wehren. Was wäre, wenn es hier Kannibalen geben würde. Nein! Meine Fantasie ging mit mir durch. Ich machte mir einfach zu viele Sorgen. Da hörte ich das Krachen nochmal. Es hörte sich an, als wenn ein Fahrzeug irgendwo gegen prallen würde. Meine Angst wurde immer größer, denn das Geräusch kam immer näher und näher. Ich bewegte meinen Körper in Richtung Lichtung. Schon von weiten hörte ich wie Jesse aufgebracht schrie: „Beckah? Alles in Ordnung? Wo bist du?“ Ich wollte antworten, aber ich bekam kein Wort raus. Es war alles wie in einem Alptraum. Meine Sprache gehorchte mir nicht und es kam nur ein Krächzen raus. Mt meinen Füßen blieb ich an Wurzeln hängen und ich fiel öfter hin. Mein Vater hatte Recht. Wenn man in Panik oder Stress ist, soll man nicht hektisch werden, dann würde alles schief gehen. Als ich kurz auf dem Boden sah, stieß ich mit jemanden zusammen. Meine Hände fingen an zu zittern und ich hatte Schweißperlen auf der Stirn. Vor mir stand ein etwas älterer Mann. Er hatte eine Brille und einen Hut auf. Seine Klamotten waren ungewöhnlich sauber für jemanden, der auf einer Insel hauste. „Wer bist du?“ Seine Stimme war freundlich und besorgt zu gleich. Langsam wurde meine Angst immer weniger. „Eh,... also ich bin B...Beckah!“, stotterte ich. Der Mann sah mich verwundert an. „Seit wann bist du hie! r? Lebst du hier? Du hast ja Wunden!“ Er bombardierte mich nur so mit Fragen und ich beschloss zuerst auf die Frage, ob ich hier lebe, zu antworten: „Nein ich lebe hier nicht! Zumindest hatte ich das eigentlich nicht vor! Ich bin seit zwei Tagen hier, weil wir.... Oh nein, wo ist Jesse?“
 
„Wer ist Jesse?“
 
„Ein Freund. Er ist mit mir hier gestrandet! Wir haben ein Schiffsunglück erlitten! Wo ist er?“ Darauf erwiderte er: „Ich weiß es nicht, ich hab ihn nicht gesehen!“
 
Daraufhin lief ich schon wieder los, auch wenn ich ihn nervig fand, war er dennoch mein Freund. Er hat mich beschützt und hatte mir auch das Leben gerettet. Ich wollte ihn nicht verlieren. Plötzlich stolperte ich und fiel zu Boden. Vor mir lag Jesse. Mein Herz blieb stehen. Da lag er bewusstlos, vielleicht sogar leblos. Ich spürte wie eine Träne mir über die Wange lief. „Nein!“, ich schrie so laut, dass es mir im nach hinein noch in den Ohren lag. Ich kletterte zu ihm rüber. Seine Augen waren verschlossen. Das konnte doch nicht wahr sein. Kaum wurden wir Freunde, musste ich ihn wieder verlieren. Ich hatte einen Erste Hilfe-Kurs belegt, deshalb wusste ich, was ich in so einer Lage machen sollte. Aber ich war wie gelähmt und konnte mich nicht bewegen. Er war wahrscheinlich gestolpert, als er mich gesucht hatte und dann ist er bewusstlos geworden. Also war ich schuld.
 
Ich horchte ob er noch atmete und mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich seinen Atem an meinem Ohr spürte. Dann legte ich ihn in die stabile Seitenlage und wartete.
 
Als der ältere Mann ankam und sah, wie Jesse auf dem Boden lag, beschleunigte er seine Schritte.
 
„Wie heißen Sie eigentlich? Und was machen Sie hier?“, fragte ich mit verheulter Stimme. „Ich heiße Peter und ich bin Wissenschaftler! Die Insel hier wollten wir eigentlich untersuchen, aber ich glaube zuerst bringen wir dich und deinen Freund nach Hause!“ Ich warf ihm einen dankbaren Blick zu und wandte mich wieder an Jesse. „Ich trage ihn auf das Schiff okay?! Du kommst am besten mit!“ Ich nickte. Auf einmal kam mir ein Gedankenblitz. Das Schiff hat das Krachen verursacht. Wie konnte ich nur so dumm sein und glauben das hier Kannibalen leben?!
 

 

 
Auf Dem Schiff wurden wir erst einmal mit Essen und Trinken versorgt. Jesse war wieder zu Bewusst sein gekommen und ich hatte ihm die ganze Geschichte von vorne bis hinten erzählt. Die Schiffsmänner hatten unsere Eltern angerufen. Meine sind verstorben, aber Jesses lebten noch, da sie nicht auf dem Schiff waren. Ich musste mir die Tränen verdrücken. Meine Oma war ja auch noch da. Sie liebte mich wenigstens.
 
Ich hoffte, ich würde Jesse jemals wieder sehen. Er war mir tierisch ans Herz gewachsen. Aber erstmal war ich froh, dass wir da weg waren und wir in Sicherheit waren. Ab jetzt würde alles gut werden.
 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.03.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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