Annette Messerschmidt

Ausgehfein

Ich stand im Bad vor dem großen Spiegel und begutachtete das Ergebnis. Ein bißchen Lippgloss noch, und dann war es vollbracht. Ich war ganz zufrieden mit dem Ergebnis des Make-ups. Ein leichtes Tages-Make-up hatte ich aufgelegt. Das musste reichen. Ein weiterer Blick in den Spiegel zeigte mir, dass auch die Frisur annehmbar war. Nun suchte ich zu meinem Outfit noch einen passenden Gürtel heraus. Nein, der schwarzee war zu breit. Der braune passte farblich nicht. Als ich verschiedene Gürtel probiert hatte, entschied ich, dass keiner mir zum Outfit gefiel. Es lagen nun mittlerweile 20 verschiedene Gürtel auf dem Bett des Schlafzimmers. Die konnte ich gleich noch wegräumen. Jetzt war keine Zeit dazu. So verwarf ich den Gedanken mit dem Gürtel wieder und suchte stattdessen unter den Schals und Halstüchern nach einem passenden Teil, das als I-Tüpfelchen der Garderobe den letzten Schliff verpassen würde. Nachdem ich nun 10 Tücher umgebunden und wieder verworfen hatte, entschloss ich mich, doch kein Tuch umzubinden. Zwar besitze ich eine ansehnliche Menge an Tüchern, aber zu meinem Outfit schien keines so recht zu passen. Die einen waren zu groß, die anderen zu bunt. Andere passten vom Stil und Material her nicht. Somit verwarf ich den Gedanken wieder, mit dem Halstuch das Outfit zu vervollständigen. Zu den Gürteln lagen nun auch noch 10 Halstücher auf dem Bett. Aber zum Wegräumen fehlte mir gerade die Zeit. Das konnte ich später noch tun. Vielleicht wäre eine Brosche oder anderer passender Schmuck die Lösung. So ging ich zu meinem Schmuckschrank, in dem sich eine enorme Menge an Modeschmuck in verschiedenen Ausführungen befindet, und probierte verschiedene Broschen aus. Schließlich verwarf ich den Gedanken wieder, weil zu dem T-Shirt keine meiner Broschen zu passen schien. Irgendwie gefiel es mir nicht so recht. Dann legte ich mir nacheinander verschiedene Ketten um. Auch hier war ich mit dem Ergebnis nicht so recht zufrieden. Zwar besitze ich eine Menge an Ketten, Armbändern und anderem Schmuck, aber zu meinem Outfit schien keines wirklich perfekt zu passen. Ich probierte nacheinander noch verschiedene Armbänder, Armreifen, Ketten, Ohrringe aus, aber nichts gefiel mir wirklich gut zu dem Outfit. Ich legte den als nicht passend eingestuften Schmuck zunächst mal auf das Nachtschränkchen. Wegräumen konnte ich es später noch. Jetzt hatte ich dazu keine Zeit. Schließlich entschloss ich mich, dass es ohne Schmuck gehen sollte. Ich trug eine Jeans und ein T-Shirt. Beide Teile waren sehr schlicht und schrien geradezu nach einem Farbklecks, der das Ganze zu einem harmonischen Gesamtbild vervollkommnen würde. Nun hatte ich beschlossen, eine besondere Jacke als Highlight einzusetzen. So probierte ich verschiedene Blazer und andere Jacken in verschiedenen Varianten aus. Ich besitze viele unterschiedliche Jacken in verschiedenen Längen und Materialien. Aber heute gefiel mir keine so recht zu meinem Outfit. Ich hatte inzwischen 10 verschiedene Jacken unterschiedlicher Art auf mein Bett geworfen. Aber keine gefiel mir so recht. Ich ließ die Jacken zunächst mal auf dem Bett liegen. Wegräumen konnte ich sie später noch. Jetzt fehlte mir die Zeit dazu. Schließlich verwarf ich den Gedanken wieder, eine Jacke überzuziehen. Irgendwie passte keine wirklich gut zum Outfit. Schließlich überlegte ich, dass ich mit entsprechendem Schuhwerk mein Outfit vervollständigen könnte. Ich probierte zunächst Schuhe in verschiedenen Farben und Ausführungen an. Hohe und flache Absätze probierte ich nacheinander aus. Ich zog Ballerinas, Sandalen, Turnschuhe und verschiedenes anderes Schuhwerk an. Aber zum Outfit schien kein einziger Schuh zu passen, weder farblich, noch vom Stil her. Als ich alle Schuhe als nicht passend eingestuft hatte, entschied ich mich schließlich für ein paar schlichte Freizeitschlappen, die ich gelegentlich zu Hause und auf der Terrasse trage. Die als nicht passend eingestuften Schuhe lagen nun im Flur auf dem Boden. Wegräumen konnte ich sie später noch. Jetzt fehlte mir die Zeit. Ich schaute noch einmal in den Spiegel und überzeugte mich von dem Gesamteindruck. Sollte ich das Shirt in der Hose tragen oder über der Hose? Ich probierte aus, was besser passte. Schließlich entschloss ich mich, das Shirt über der Hose zu tragen. Mein Outfit bestand aus einer schlichten Jeans, einem dunklen, einfarbigen T-Shirt und der Freizeit-Schuhe, für die ich mich eben entschieden hatte. Ich trug keinen Schmuck, keinen Gürtel und kein Tuch, der dem ganzen eine gute Gesamtoptik gegeben hätte. Mit dem leichten Tages-Make-up und der einfachen Frisur sah ich nun einigermaßen ansehnlich aus, jedoch war die Kleidung nichts besonders. Aber ich entschloss mich, es dabei zu belassen. Ein letzter Blick in den Spiegel sagte mir, dass es einigermaßen aussah, aber mich nicht gerade vom Hocker warf. Aber so musste es gehen. Schließlich ging ich ja nicht zu einer Modenschau. Plötzlich kam mein Mann auf mich zu, musterte mich und fragte, was ich denn noch vorhätte. Schließlich hätte ich jetzt schon so viel Zeit mit dem Aus- und Anziehen von Kleidungsstücken verbracht, dass er davon ausging, ich wollte noch irgendwo hingehen. Ich schaute ihn entgeistert an und sagte: „Ich will doch nicht mehr weg. Es ist doch schon recht spät. Ich bringe nur eben den Müll raus zum Mülleimer.“ Er schaute mich irritiert an und fragte sich, ob ich den Verstand verloren hätte. „So viel Aufwand für den Müll?“ fragte er entgeistert. Nun muss man wissen, dass unsere Mülleimer an einer meistens ruhigen Straße stehen. Aber an manchen Tagen ist das Verkehrsaufkommen größer als an anderen. Man weiß nur im Vorfeld nicht, wann das genau der Fall sein wird. Ich sagte nun meinem Mann, dass man immer und überall damit rechnen müsste, Leute zu treffen. Vor allem dann, wenn man es gerade nicht wollte. „Ich war schließlich letzte Woche mit einem alten Jogging-Anzug, der schon bessere Tage gesehen hatte, mit ungekämmten Haaren, ungeschminkt und völlig ausgelatschten Schuhen vor der Tür, um mal schnell den Müll rauszubringen. Ich war davon ausgegangen, dass es nur eine Minute dauern würde. Da sind mir so viele Leute begegnet, die alle das Gespräch mit mir gesucht haben. Ich sah aus wie der letzte Penner, aber jeder, der vorbeikam, wollte unbedingt ein paar Worte mit mir wechseln. Ich habe mich gefühlt wie ein Landstreicher. Außerdem habe ich dabei Leute getroffen, die ich schon ewig nicht gesehen hatte. Die glauben nun bestimmt, ich sehe immer so verwahrlost aus wie an dem Tag. Das soll mir nie wieder passieren. Deshalb achte ich gerade bei den kurzen Wegen nun immer besonders auf mein Aussehen.“ Auch wenn der Weg zum Mülleimer einem harmlos vorkommen mag: Man ist hier nicht vor Überraschungen sicher. Ich ging nun schließlich los, schnappte mir die Mülltüten und ging zum Mülleimer. Als ich dort ankam, begegnete mir die Nachbarin. Sie freute sich, mich zu sehen und fragte, ob sie mal eben von uns aus telefonieren dürfte. Sie hätte sich versehentlich ausgesperrt und musste nun den Schlüsseldienst anrufen, um wieder in die Wohnung zu gelangen. Sie war sehr froh, mich hier getroffen zu haben, weil sie ohne Handy und ohne Jacke nur mal kurz vor die Türe gegangen war, um nachzusehen, ob die abonnierte Zeitung schon da wäre. Da sei die Haustüre plötzlich zugefallen, und nun hatte sie sich ausgesperrt. Wir gingen nun zusammen in unsere Wohnung, damit sie von dort anrufen konnte. Als sie hereinkam, sah sie die Unordnung im Flur. Die Schlafzimmertüre stand weit offen, und man konnte ein völlig mit Jacken und Tüchern übersätes Bett erkennen. Auf dem Nachtschränkchen lag eine Unmenge an Schmuckstücken, die ebenfalls dort nicht hergehörten. War das vielleicht peinlich! Die Nachbarin fragte, ob ich vorhätte, in Urlaub zu fahren, weil sie sich über die Unordnung wunderte. Ich sagte: „Nein, ich habe nur mal eben geprüft, welche Kleidung ich noch ausrangieren möchte. Da bin ich nicht mehr weiter gekommen, weil ich noch den Müll wegbringen wollte.“ Die Nachbarin sagte nichts mehr, aber man sah ihr an, dass sie sich doch sehr wunderte. Das wird mir eine Lehre sein. Ich werde in Zukunft nie mehr das Haus verlassen, ohne vorher Ordnung zu machen. Man weiß ja nie, wer plötzlich vor der Türe steht!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.03.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Die Autorin, geboren 1960, wohnt im Dreiländereck Nordrhein-Westfalen/Hessen/Rheinland-Pfalz. Erst spät hat sie ihr Talent zum Dichten entdeckt und ihre Gedanken und Erfahrungen zusammengetragen. So entstand eine Gedichtsammlung, an der die Autorin gerne andere Menschen teilhaben lassen möchte, und daher wurde der vorliegende Band zusammengestellt.

Das Leben ist zu kurz, um es mit Nichtigkeiten zu vergeuden oder um sich über die Schlechtigkeit der Welt allzu viele Gedanken zu machen. Wichtig ist, dass man sich selbst nicht vergiften lässt und so lebt, dass man jederzeit in den Spiegel schauen kann.

In diesem Sinn denkt die Autorin über Natur, Naturereignisse und ihre Lebenserfahrungen nach. Dem Leser wünscht sie eine positive Lebens-einstellung, viele gute Gedanken und Freude an der Lektüre.

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