Martina Hoffelner

Der Abschied

Der Abschied
Mein Zimmer ist sauber aufgeräumt, nichts am Boden, die Couch ist frei von allem was mal dort gelegen ist. Mein Tisch ist sauber, die Farben liegen in einem Behälter, das Bett ist gemacht.
Ich nehme den Schlüssel und schließe mein Zimmer ab, ab jetzt kann es jemand anderer beziehen, es soll mir egal sein.
Ich ziehe die Stiefel an, dann verlasse ich die WG, werfe nicht mal einen Blick zurück, warum sollte ich auch? Dort wurde mir ja auch nicht geholfen, ganz im Gegenteil. Ich wurd erst recht alleine gelassen.
Ich steige bei der Bussation in den Bus und fahre bis nach Stadlhof, wo der Friedhof liegt, ich steige aus und spaziere die lange Straße entlang. Die Sonne scheint, es ist warm, doch ich fühle und sehe und höre nichts, alles ist mir vergangen, bald aber hab ich mein Ziel erreicht.
Die Kirche und der Friedhof liegen etwas abseits der Siedlung, auch der Kindergarten ist gleich dabei, aber ich gehe an der Landstraße entlang bis ich zum Friedhofstor gelange. Ich öffne es und trete ein, es ist als würde ich in mein richtiges zu Hause kommen, hier fühl ich mich sofort wohl. Hier höre ich die Stille, fühl ich die Wärme.
Ich wandere an den Gräbern vorbei bis ich zu einem wunderschöen Marmorstein komme wo der Name, das Geburts und Sterbedatum meines Großvaters eingraviert ist. Ich mache eine Kniebeuge, das Kreuzzeichen wie ich es gelernt habe.
Ich knie mich nieder, ich sehe das Grab an. In der Erde sind wunderschöne Blumen, zwei wunderschöne Kerzen brennen. Ich lege zuerst eine Hand auf die Erde, dann berühre ich den dunklen Marmorstein, der ein Teil des Grabes bedeckt. „Ja, da bist du. Ich bin auch bald dort“ denke ich mir und seh das Grab an.
Ich lasse alles, was in den letzten Tagen passiert ist an mir vorrüberziehen, und weiß das es nichts mehr gibt was mich davon abhalten könnte. Die Menschen, die mich mit Worten verletzt haben, die werden mich nicht mehr sehen. Die Menschen dich sich wenig bis gar nicht um mich gekümmert haben sehen mich auch nicht mehr. Den ich weiß wenn ich erst mal bei Opa bin, dann fangen sie erst zu denken an. Und genau das will ich.
Ich setze mich an das Grab, ich hole eine Flasche hervor dich ich davor aufgefühlt habe, es ist zwar ein Saft, aber gemischt mit Gift. Ich seh die Flasche an, es ist nur noch ein Schritt zu machen. Öffnen, trinken, dann hinlegen und warten.
Ich drehe die Flasche auf, ich sehe das Grab gegenüber von mir und überlege kurz wie es bei mir aussehen könnte. Wieviele blumen? Oder überhaupt wer würde sich um mein Grab kümmern? Wahrscheinlich keiner.
Ich habe die Flasche geöffnet, ich schüttel sie leicht und werfe einen Blick hinein, es geht ganz schnell, wirst sehen. Ein oder zwei Schluck, es wirkt gleich. Ich setzte die Flasche an, ich nehme gleich einen großen Schluck. Dann lege ich mich auf Opas Grab, auf den Rücken.
Ich spüre wie mein Körper zu zittern anfängt, mein Herz schlägt plötzlich unrythmisch, doch ich habe keine Angst mehr vor dem was passiert. Es wird mir plötzlich kalt, die Sicht verschwimmt langsam vor meinen Augen, sie werden schwer. „Chiao! Lebt wohl….jetzt habt ihr das auch geschafft was viele andere Menschen bei sensiblen Menschen geschafft haben. Freitod“ Dann wird es schwarz vor meinen Augen,  ich spüre wie ich aus meinem Körper steige und in helles blendedes Licht tauche.
Plötzlich stehe ich auf einer unendlich weiten und breiten Wiese, umgeben von vielen durchsichtigen Körpern, der Himmel ist strahlend blau. Hellblau, die Sonne scheint.
Und aus der ganzen Menge an durchsichtigen Körpern schält sich ein Mann mit einem Tier, beide gehen auf mich zu. Es ist mein Großvater und dessen Hund, die ich beide sehr geliebt habe und es mich sehr getroffen hat als beide gestorben waren.
„Wilkommen daheim“ sagt er und nimmt mich in die Arme, jetzt erst kann ich das tun was ich nie wirklich getan habe. Ich weine bitterlichst, vor Trauer weil ich meine ganzen Menschen nicht mehr sehe, vor Freude das ich endlich von den vielen seelischen Qualen erlöst bin. 

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