Christine Wolny

DER OSTERHASE MIT NAMEN HORST

 
 

Es ist schon viele Jahre her, aber da es vor Ostern passierte, kommt es mir auch immer um diese Zeit in den Sinn.
Ich war damals noch berufstätig, und übereifrig wie ich nun mal war, ging ich schon vor Arbeitsbeginn in das Gebäude, um Arbeiten vom Vortag zu erledigen.
Der Flur war nur notdürftig beleuchtet, und dadurch übersah ich eine Stufe, weil ich auf die Belege in meiner Hand schaute und nicht auf den Boden.
„Knacks“, machte es plötzlich, und ich saß am Boden. O je. Dort blieb ich erst mal eine Weile sitzen und sortierte, was ich noch alles bewegen konnte.
Ich spürte einen stechenden Schmerz am rechten Knöchel und konnte alleine gar nicht aufstehen.
Eine Kollegin, die auch etwas früher kam, half mir dabei. Sie fuhr mich zum Arzt, der einen Bänderanriss feststellte und mir Krücken verordnete.


Doch nun zu meinen Osterinnerungen freudiger Art.

Ein älterer Herr, den ich schon zehn Jahre kannte, wollte mich vor Ostern am Wochenende kurz besuchen. Er wohnte 200 km von mir entfernt und ich freute mich schon darauf, ihn zu sehen. Nun musste ich absagen.
Wie schade!
Ich schilderte ihm am Telefon meine Lage, doch seine Reaktion überraschte mich.

Er wollte, wenn er es irgendwie einrichten kann, nach mir sehen.
Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass er absagen würde, denn wer kümmert sich schon um einen anderen Menschen, der auf Hilfe angewiesen ist?
Zu oft im Leben hatte ich die Feststellung gemacht, dass man nur gefragt ist, wenn man gut drauf ist. Aber jetzt? Es tat mir im Inneren gut, zu wissen, dass er eventuell kommen würde. Doch ich ließ die Entscheidung bei ihm. Er wollte erst noch einmal die Lage peilen, wie viel Familienbesuche zu Ostern geplant waren.

So hatte er die Möglichkeit, sich noch alles in Ruhe am Abend zu überlegen, und er hätte mir dann nächsten Tag unter irgendeinem Vorwand absagen können. Doch er rief vormittags an, ob ich gerne Maultaschen essen würde. Er ginge jetzt einkaufen.
Das fand ich ganz lieb. So hatten wir ein Mittagessen.
Also erfuhr ich im Laufe des Tages, dass er Freitag und Samstag hier bleiben wolle, dann kämen die Familienverpflichtungen dran. Ich freute mich darüber, und es gab mir etwas Aufschwung.

Horst schenkte mir ein wunderschönes Osterkörbchen.

Wir erlebten zwei schöne Tage. Er nahm mich in seinem Auto zu einer Spazierfahrt mit, half mir, mit meinen Krücken ein paar Schritte zu gehen.
Wir lachten und alberten herum, und ich denke gern an Horst, den OSTERHASEN, wie ich ihn liebevoll nannte, zurück.

© C.W. 

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