Patrick Rabe

Der Bandname

 
Neulich traf ich mich mit meinem Freund Philipp zwecks Bandgründung. Wir hatten ein paar Elektropunk-Tracks zusammengeschraubt, mit denen wir groß durchstarten wollten. Wir gingen zusammen in Philipps muffig riechenden Keller, um schon mal das richtige Bandraumfeeling zu haben und palaverten über die anstehenden Schritte zur Verwirklichung unseres Traumes. Das Wichtigste, das war uns Beiden klar, war der Bandname. Die Mädels mussten ihn kreischen, die Jungs ihn cool im Mund führen können.
 
Philipp zeigte mir einen Zeitungsartikel über eine Band namens ‚Im oder am Körper‘. „Das ist `n Bandname, an dem wir uns orientieren sollten. Sowas ist heute gefragt. Nicht mehr ‚Nirvana‘ oder ‚Sex Pistols‘!“, rief er euphorisch und hielt mir die Zeitung unter die Nase. „Du meinst also“, entgegnete ich, „Wir sollten uns einen Namen geben, der möglichst schräg, umständlich und abgefahren ist? Na gut, wie wär’s dann zum Bleistift mit ‚Ich bin der Geilste von der Welt und kann pfeifen wie Ilse Werner‘?“ Philipp lachte kurz auf: „Wie kommst du denn auf sowas!? Aber nein, das ist zu nett und außerdem kennt heute kein Mensch mehr Ilse Werner! Es müsste etwas sein, was zum Beispiel irgendwas aggressives mit was zartem mischt.“ „Du meinst also sowas wie ‚Gänseblümchenmassaker‘? Das ham aber schon Guns’n Roses gemacht! Wie wär’s mit was ganz Krassem, Abstoßenden, womit keiner rechnet?“ Philipp überlegte kurz, dann spuckte er aus: „ ‚Popelfotzenarschgeweih‘!“ „Das findest du abstoßend?“, fragte ich skeptisch, „Da finde ich son‘ Namen wie ‚Hoobastank‘ ja schon kränker!“ „Äh, Hoobastank ist gut!“, ließ sich Philipp vernehmen, „Wir könnten es abwandeln in… zum Beispiel in ‚Omagestank‘!“ Ich prustete los: „Omagestank? Das kannst du nicht machen, das diskriminiert ja alle Frauen über 60!“ „Na und?“, knurrte Philipp, „Glaubst du etwa, die gehören zu unserer Zielgruppe? Außerdem: Wenn du wie ich in einem Altenheim arbeiten würdest, wüsstest du, was ich meine! Und, überdies ist politisch unkorrekt immer gut!“
 
„Mh…“, überlegte ich, „vielleicht sollten wir uns überhaupt einen politischen Namen geben. ‚Kim Yong’s Unsinn‘ vielleicht!“ „Nee“, rief Philipp, „Die katholische Kirche muss rein, Kirchenkritik zieht immer.“ „Dann vielleicht ‚Radieschen rächen Ratzinger?‘“ „Ne!“, rief Philipp, „Schon wieder zu nett. Du musst das Problem bei den Hörnern packen. ‚Bananen bumsen Benedikt‘. Da ist dann alles gesagt!“ „Der neue Papst heißt aber Franziskus!“, gab ich zu bedenken, „Franzi’s Kuss!“ „Klingt wie’n Langneseeis“, lehnte Philipp ab, „Wie ‚Flutschfinger‘!“ „Dir ist aber auch nichts recht!“, grummelte ich beleidigt, „Dann nennen wir uns von mir aus doch ‚Fickende Heringe!‘“ Philipp sah mich groß an. „Fickende Heringe? Das ist es, Mann! Das ist lakonisch, cool und frech!“ „Meinst du wirklich?“, fragte ich. „Ja, sicher, lass machen!“, rief Philipp begeistert. Ich schüttelte den Kopf. Philipp war unberechenbar. Dieser letzte Name kam mir weder besser noch schlechter vor als die übrigen, aber wenn Phil meinte…
 
So stellten wir dann eine Woche später als ‚Fickende Heringe‘ auf youtube ein Elektropunk-Geschredder rein namens ‚Pferdefleischwurst schmeckt gut (aber nur medium)‘ , das sich bald großer Beliebtheit erfreute. Erst Wochen später ging mir auf, dass ich mit meiner Idee knapp daneben gelegen hatte. So war uns ein witziges Wortspiel durch die Lappen gegangen: ‚Vögelnde Fische‘…
 
Patrick Rabe, So, 19. Mai, 2013, 10.40 Uhr, Hamburg Langenhorn.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.05.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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