Sie wusste, dass sie sich noch als attraktiv bezeichnen konnte, dass die Männer, sie durchaus noch mit begehrlichen Blicken betrachteten, aber natürlich war ihr auch klar, dass sie nicht mehr die Jüngste war, ihre biologische Uhr längst laut zu ticken begonnen hatte, dass ihre erste Blüte lange vorbei war.
Am Hof eines Verwandten verbrachte sie die Wintermonate als Magd und benützte die Winterzeit um im Ort den einen oder anderen Ball zu besuchen, in der Hoffnung auf diese Art jemanden kennen zu lernen, mit dem sie ihr Leben gemeinsam hätte verbringen mögen, der sie zur Frau genommen, der sie geheiratet hätte. Aber auch dieses Jahr hatte sie vergebens gehofft.
Wenn, bald nachdem sich im Frühjahr die hohen Schneewechten auf den Bergen langsam aufgelöst hatten, als kleine Rinnsale, die sich später in kleine und größere Bäche verwandelten und dann ihren Weg ins Tal angetreten hatten, der Mai ins Land gezogen war, hatten die Bauern die Kühe und Kälber für den Almauftrieb zusammen getrieben. Da hatte sie dann ihre Wanderung mit einem voll gepackten Riesenrucksack angetreten, hinauf in ihre Hütte in der sie die Sommermonate verbringen würde, die sie höchstens ein, zwei Male während des Sommers verlassen würde, um sich mit dem Nötigsten einzudecken.
Ihre Aufgabe war es, die Tier zu hüten und die Milch zu Käse zu verarbeiteten. Das war ein einsames Leben, das nur selten unterbrochen wurde, wenn sich hie und da ein paar Wanderer dorthin verirrten, deren Bewirtung ihr ein kärgliches Zusatzeinkommen sicherte.
Maria hielt nicht viel von der alpenländischen Liebe in der idyllischen Einsamkeit und sie glaubte nicht, dass einmal einer kommen, dem sie sich ihrer Einsamkeit wegen hingeben, und der sie dann von da oben wegholen würde. Sie war fest entschlossen den Fehler nicht zu wiederholen, den ihre Großmutter und ihre Mutter begangen hatten, die dann mit einem ledigen Kind dagestanden waren und sich dann so recht und schlecht durchs Leben schlagen hatten müssen. Denn schon ihre Großmutter und ihre Mutter hatten die Sommerzeit in der Bergeinsamkeit verbracht, hatten dort als Sennerinnen gearbeitet und hatten sich dann, mehr aus Einsamkeit, aus Verlangen, als aus Liebe, irgendeinem Hallodri hingegeben, der sie dann mit einem Kind hat sitzen lassen. Sie wollte auf keinen Fall, diese Tradition fortzusetzen, und stellte sich ihre Zukunft anders vor.
Sie träumte davon, einen von da unten im Tal zu finden, ein gestandenes Mannsbild, der was darstellte, der etwas war und der ihr allein schon wegen seiner Stellung im Tal, zu Ansehen verhelfen würde. Schon als sie die Schule besucht hatte, hatte sie sich vorgenommen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, und ihr Ziel war es gewesen, mit einem netten Mann eine Familie zu gründen, im Dorf ein Haus zu bauen, und dort als ehrsame Frau ein komfortables Leben führen zu können.
Einmal im Jahr, immer dann, wenn man im Dorf den Kirchtag feierte, verließ sie ihre Hütte, um unten im Tal mit den anderen im Ort dieses Fest zu feiern und ein wenig Frohsinn zu erleben. Jetzt, Anfang Juli war es wieder ein Mal soweit und deshalb hatte sie das schönste Dirndl angelegt, war den steilen, schmalen Weg hinunter ins Tal gegangen und hatte gehofft, sich zu amüsieren und vielleicht am Fest jemanden zu treffen, jemanden kennen zulernen.
Sie hatte ihn sofort erkannte, als sie ihn in dem Trubel des Festes gesehen hatte und war auf ihn zugekommen, denn sie kannte ihn von der Schule, hatte immer schon ein Auge auf ihn geworfen und hatte von ihm geträumt. Schon damals hatte sich abgezeichnet, dass aus ihm etwas werden würde und er hatte es tatsächlich zu etwas gebracht im Dorf. Er hatte ein Gewerbe erlernt, einen kleinen, aber gut gehenden Betrieb errichtet und sein Wort als Gemeinderat hatte Gewicht im Ort. Einige Jahre hatten sie gemeinsam den Unterricht besucht, aber er erinnerte sich kaum mehr an sie. Gelegentlich hatte er bei den Festen, mit ihr getanzt und sie hatten Erinnerungen ausgetauscht, wenn sie von ihrer Hütte heruntergekommen war, aber mehr war nie gewesen zwischen ihnen.
Als sie jetzt gleich auf ihn zugestürzt kam, war ihm das ein wenig peinlich, aber er hatte sich gefügt, denn er hatte nichts Besseres vor für den Tag und als Gesellschaft war sie ihm gleich lieb wie irgendeine andere. So kam es, dass sie den ganzen Tag miteinander verbrachten, und als sie sich, es war knapp vor Mitternacht, voneinander verabschiedeten, hatte sie ihm das Versprechen abgerungen, sie während des Sommers auf ihrer Hütte zu besuchen und er hatte zugesagt, ohne rechte Überzeugung.
Im Grunde hatte Sepp gar nicht daran gedacht, sie zu besuchen. Sie war zwar immer noch eine attraktive Frau aber sie war nicht die Frau, auf die er schon immer gewartet hatte und für ein kleines Abenteuer gleich mehr als drei Stunden den Berg hinaufzuwandern, lohnte nicht, wo er das doch im Tal leichter haben konnte. Nein, er glaubte nicht, dass er sie besuchen würde.
Maria kam an diesem Tag erst gegen Morgen auf ihre Hütte zurück. Obwohl ihr Sepp keinen Anlass dazu gegeben hatte, glaubte sie dennoch aus seiner Haltung mehr als Sympathie heraus gelesen zu haben, und sie hoffte, dass er das Versprechen, das sie ihm abgenötigt hatte, einhalten würde, aber die Tage vergingen und Sepp ließ sich nicht blicken.
Im Oktober war Almabtrieb. Die Kühe waren festlich geschmückt, denn alles war gut verlaufen diesen Sommer, sie konnte allen Besitzern ihre Tiere gesund übergeben und das war ein Anlass für das ganze Dorf, diesen Tag festlich zu begehen. Sie hoffte bei dieser Gelegenheit auf Sepp zu treffen, denn sie glaubte, dass auch er sie liebte, sie einfach lieben musste, obwohl er ihr nie einen Anlass dafür gegeben hatte.
Tatsächlich war er ihr wieder über den Weg gelaufen. Aber statt ihr entgegen zu kommen, schien er ihr ausweichen zu wollen, als sie ihn entdeckt hatte, aber sie wollte das nicht bemerken, hatte ihn so lange verfolgt, lief dann auf ihn zu, umarmte ihn und schleifte ihn förmlich in ein Lokal. Dort hatten sie bald ein Paar Gläschen getrunken, waren schon leicht angeheitert und sie hatte alle ihre Vorsätze über Bord geworfen und auch all ihre Grundsätze, selbst das was sie an ihrer Mutter und Großmutter gesehen hatte, war vergessen und sie bot sich ihm förmlich an und war bereit ihm alles zu geben. Sie wollte eine Entscheidung herbeiführen, wollte nicht mehr alleine durchs Leben gehen. Sie wusste, dass sie nicht mehr viel Zeit hatte, wollte sie die Einsamkeit, unter der sie immer mehr zu leiden begann, beenden und sie war sich sicher, dass Sepp sie nicht sitzen lassen würde, wie das die Männer getan hatten, mit denen ihre Großmutter und ihre Mutter zu tun gehabt hatten.
Es war dann nicht das große, schöne Erlebnis, das sie sich erhofft, das sie sich immer gewünscht hatte, denn Sepp nahm sie in einer finsteren Ecke und sie war viel zu betrunken um es genießen, um sich später daran erinnern zu können und als alles vorbei war schämte sie sich.
In den Wochen danach, hoffte sie, dass Sepp sie nicht vergessen hatte, dass er sich bei ihr melden, sie besuchen werde. und die begonnene Beziehung fortsetzen würde, aber sie hoffte vergebens. Denn für Sepp war es nicht mehr gewesen, als eine „b’soffene G’schicht“
Als dann der Oktober vorüber war, die Tage kürzer zu werden begannen, in die Regenfälle sich die ersten Schneefälle mischten, wurde Maria klar, dass sie schwanger war. Sie machte sich keine Illusionen mehr darüber, dass sie von Sepp etwas zu erwarten hatte, denn als sie ihm klar machte, dass sie ein Kind erwartete, meinte er nur, „Aber von mir nicht“.
Ihre Verwandten am Hof fragten nur, als sie ihnen klar machte, dass sie ein Kind erwartete,: „und von wem?“ und als sie sagte, dass sie von Sepp schwanger wäre, meinten sie nur „Ah, von dem Hallodri! dann werd’ ma uns für’s nächste Jahr um eine andere Sennerin umschauen müssen, aber wenn das Kind groß genug sein wird, dann gehst wieder Du auf die Alm, denn Du bist eine gute Sennerin. Bis dahin bleib’st im Haus und packst fest mit an!“
Maria war es nicht besser ergangen, als ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Sie blieb Magd am Hof ihrer Verwandten, aber immer noch hoffte sie, dass eines Tages einer kommen werde, der sie und ihr Kind bei sich aufnehmen werde und sie so doch noch zu einer Familie kommen werde.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.05.2013.
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Gwyrn und Axtkämpfer Saxran auf erotischer Wanderung zwischen den Welten - Erotischer Fantasy-Roman
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Ich hätte nie im Traum daran gedacht, dass ein Besuch auf einer Faschingsparty solche Konsequenzen haben könnte. Eingeplant hatte ich eine Menge Spaß, gern auch frivoler Art. Meine Freundin schleppte mich häufig auf Veranstaltungen, wo auch in der Horizontalen die Post abging. Doch was bei diesem Fasching passierte, war jenseits des Erklärbaren. Irgendein als Magier verkleideter Partybesucher beschwor lustigerweise germanische Götter. Und dann stand ER plötzlich vor mir, ein Typ mit Axt, er wirkte ziemlich desorientiert und nannte sich Saxran. UND er war attraktiv. Ich schnappte ihn mir also. Nicht nur die Axt war recht groß an ihm. Hätte ich allerdings damals schon geahnt, was das noch für Konsequenzen haben würde… Saxran war absolut nicht von dieser Welt, und seine Welt sollte ich bald kennenlernen. Sie war geprägt von Unterwerfung, Schmerz, Lust und jeder Menge Abenteuer.
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