Vanessa Janik

Dir rollende Prinzessin

Es war einmal in einem fernen Land, eine Prinzessin von atemberaubender Schönheit. Sie war so schön, dass es allen Männern weit und breit die Sprache verschlug, sobald man nur von ihr sprach. Allerdings wusste sie auch von dieser Gottesgabe und behandelte daher alle Menschen um sie herum wie Vieh. Niemand war gut genug für sie und niemand durfte sich auch nur anmaßen sich mit ihr und ihrer Schönheit zu vergleichen.
Viele Jünglinge freiten und stritten sich um die Gunst der schönen Königstochter, doch so viele Prinzen, Edelmänner und hochwohlgeborene Burschen ihr Vater ihr auch vor stellen lies, sie antwortete jedes mal gleich hochmütig:

Ich bin zu schön, es tut mir leid, ihr könnt wieder gehen, ihr habt umsonst gefreit!“

Ihr Vater, ein weiser und gutmütiger König, blickte voller Gram auf seiner Tochter Eitelkeit, denn er wünschte sich nichts sehnlicher, als sein Königreich an einen männlichen Erbe abgeben zu können, wenn für ihn seine Zeit gekommen schien. Doch da sich herumsprach, dass die Königstochter keinen Jüngling für gut genug hielt um mit ihm Hochzeit zu feiern, traute sich bald niemand mehr um die Hand der bezaubernden aber hochnäsigen Prinzessin anzuhalten. Darum überlegte nun ihr Vater 5 Tage und 5 Nächte, wie er der wunderschönen Prinzessin ihre Arroganz austreiben könne. Als sich dann die fünfte Nacht dem Ende neigte durchfuhr ihn sogleich eine Idee. Er schickte einen Boten aus um die Prinzessin zu ihm bringen zu lassen. Sobald dies ausgeführt war sprach er zu ihr:

„Oh schöne Tochter mein, gehe in den Wald hinein
Bring mir eine Blume wild, soll schön sein wie dein Spiegelbild!
Und schaffst du es nicht zu rechter Zeit, so will ich dir nehmen dein schönstes Kleid!“

Alsbald machte sich die Königstochter nun auf den Weg ihrem Vater diesen Gefallen zu tun, denn schöne Kleider waren Bestandteil ihrer Schönheit und für sie daher wichtiger als alles andere auf der Welt. Doch so sehr sie sich auch anstrengte, keines der Blumen auf der Wiese des Waldes erschien ihr auch nur annähernd so schön wie ihr eigenes Spiegelbild. Da sie nun aber Angst hatte ihr Vater nehme ihr schönstes Kleid fort, pflückte sie einfach die Blume die ihr am nächsten stand und eilte nach Haus. Jedoch durchschaute der König ihre List und sprach sogleich erneut:


„Oh schöne Tochter mein, gehe in den Wald hinein
Bring mir eine Blume wild, soll schön sein wie dein Spiegelbild!
Und schaffst du es nicht zu rechter Zeit, so will ich dir nehmen dein schönstes Kleid!“

Doch auch beim zweiten Mal pflückte die Prinzessin einfach ein Blümchen von der Wiese ab aus Angst ihr Vater würde sie bestrafen. Aber auch diesmal wusste er um die Lüge seiner Tochter und er sprach ein drittes Mal zu ihr:

„Oh schöne Tochter mein, gehe in den Wald hinein
Bring mir eine Blume wild, soll schön sein wie dein Spiegelbild!
Und schaffst du es nicht zu rechter Zeit, so will ich dir nehmen dein schönstes Kleid!“


Die Prinzessin merkte, dass ihr Vater sie wieder durchschauen würde, wenn sie ein weiteres Mal versuchte ihn hinters Licht zu führen. Also beschloss sie nun ein wenig aufmerksamer zu suchen und entdeckte auch bald etwas was ihr vorher entgangen war. Einen schönen alten Brunnen. Er glänzte in allen Regenbogenfarben und faszinierte die junge Königstochter so sehr, dass sie ihren Vater und seine ihr gestellte Aufgabe sogleich vergaß. Sie sah nur noch den wunderschön glänzenden Brunnen. Völlig von ihm verzaubert ging sie zu ihm und blickte hinein in der Hoffnung dort eine noch eindrucksvollere Farbenpracht zu Gesicht zu bekommen. Wie sie sich so in den Brunnen beugte, verlor sie alsbald ihr Gleichgewicht und fiel Kopf über hinein.
Als sie nach langem Fallen doch endlich den Boden des ausgetrockneten Brunnens erreichte, stellte die Prinzessin fest, dass sie zwar keine Schmerzen spürte, aber auch nicht in der Lage war ihre Beine zu bewegen. Sie blickte sich um und entdeckte, dass der Brunnen ein Zauberland beherbergte. Denn sie sah Wald und Feld um sich herum in den herrlichsten Farben leuchten. In völliger Verzweiflung über ihre Situation machte sie sich kriechend auf den Weg Hilfe zu suchen.
Nach einer Weile wurde die Prinzessin jedoch sehr müde und beschloss von daher eine Rast zu machen. Sie sah erst jetzt, dass ihr Kleid bei dem Sturz gerissen und schmutzig war. So legte sie sich an einen nahe gelegenen Baum und fing bitterlich an zu weinen. Alsbald kullerten große Tränen ihre schönen Wangen hinunter. Neben dem Baum wuchs jedoch ein Pilz, der das Weinen bemerkte und sich durch dieses sehr gestört fühlte. Er öffnete seine Pilzaugen und sah die Verzweiflung in den Augen der schönen Königstochter und er sprach zu ihr:

Oh Prinzessin schöne Maid, dein Weg war wohl sehr weit?
So sagt was ist denn nur gescheh´n, dass ich euch nun kann weinen seh´n?

Die junge Frau klagte sodann dem Pilz ihr Leid und fragte, ob er ihr nicht helfen könne. Dieser überlegte kurz und antwortete ihr:


Oh schöne Prinzessin es tut mir sehr leid, zerrissen ist auch noch dein Kleid.
Doch bin ich auch ein Zauberpilz, kann ich dir nicht helfen wie du willst. Zaubern kann ich dir nur ganz fromm, einen Stuhl mit dem du kannst rollen zum Zaubergnom. Mit dessen Hilfe findest du schnell zurück, doch bis dahin musst du rollen ein weites Stück.


Die Prinzessin, froh über die Hilfe des Pilzes, setzte sich in den rollenden Stuhl den er ihr gezaubert hatte und machte sich auf den Weg den Gnom zu finden der ihr den Weg zurück nach Haus weisen konnte. Zwischendurch begegneten ihr allerhand Gestalten, Wesen und Figuren die ihrer Hilfe bedurften und das erste Mal in ihrem Leben vergaß die Prinzessin ihre Schönheit, die auch durch den Rollstuhl nicht geschmäht worden war und half einem jeden der sie um ihre Hilfe bat. Mal war es ein Zwerglein dessen Bein sich in einer Baumwurzel verfangen hatte und mal eine Fee die nicht mehr fliegen konnte. Die Königstochter merkte, dass sie in ihrem Leben bisher gemein gewesen war zu jenen Menschen die es nur gut mit ihr gemeint hatten und das sie zwar schön von Außen, aber doch hässlich in ihrem Innern war.. Sie dachte an ihren Vater und wieder erfüllte sie eine tiefe Traurigkeit bei dem Gedanken ihn vielleicht niemals mehr wieder sehen zu können. Da fielen der Prinzessin die Worte des Zauberpilzes wieder ein und sie machte sich weiter daran, den Gnom zu finden der ihr den Weg nach Hause weisen konnte. Es machte ihr auch nichts mehr aus, dass ihr Kleid schmutzig und kaputt war, denn sie wusste nun das die wahre Freude im Leben nicht darin bestand schön auszusehen und schöne Kleider zu tragen, sondern darin für andere da zu sein und ihnen in ihrer Not beizustehen. Sie hatte gelernt, dass es zwar schön ist ein Leben zu führen in dem man viel erleben kann, es aber viel wertvoller ist dieses auch mit anderen zu teilen. Just in diesem Moment tauchte vor ihr das Schloss auf von dem der Pilz gesprochen hatte. In diesem Schloss lebte der Gnom der ihr helfen konnte.
Ängstlich doch auch voller Entschlossenheit befuhr nun die Prinzessin die große Halle des Schlosses. Sie blickte sich suchend um und sah dennoch nichts weiter als kahle Wände die ihr Leben ausgehaucht zu schienen haben. Doch aus heiterem Himmel tauchte plötzlich ein Thron vor der jungen Königstochter auf in dem ein hässlicher Gnom saß. Die Prinzessin blickte der Gestalt vor ihr in die Augen und erkannte darin einen gutmütigen jedoch blinden Herrscher. Voller Liebe und Mitleid mit dem Armen Gnom trat sie vor und sprach:

Oh hässlicher Gnom, ich bitte dich, bring mich nach Haus zu meinem Tisch!
Und willst du erhören mir meine Bitt, wenn du es denn willst so nehm´ ich dich mit. Da der hässliche Gnom sehr einsam war stimmte er der Bitte der Prinzessin zu und half ihr aus dem Zauberbrunnen heraus. Zusammen machten sie sich auf den Weg zum Schloss ihres Vaters, denn die Prinzessin wollte ihr Versprechen gegenüber dem Gnom halten, der ihr geholfen hatte als sie in größter Not war und das nicht weil sie so schön war, denn das konnte er ja nicht sehen, sondern einfach weil sie ihn drum gebeten hatte.
Als sie den Vater sah, war sie hoch erfreut und vergaß für einen Moment den Gnom. Ihr Vater jedoch erblickte den Blinden Helfer und fragte die Tochter was es damit auf sich hatte.
Noch einmal schaute die Prinzessin dem Zaubergnom in die Blinden Augen und sprach zu ihrem Vater:

Oh lieber Vater mein, ein Blümlein sollte`s sein.
Doch gefunden hab ich zu rechter Zeit, dies Männlein hier das mich befreit.
So bitt ich dich Vater dann, gib ihn mir zu meinem Mann.


Der Vater, froh darüber seine Tochter geläutert zu sehen, stimmte ihrer Frage zu und beauftragte sogleich einen Boten mit den Hochzeitsvorbereitungen. Die Schöne Prinzessin rollte zu ihrem Zukünftigen Gemahl und küsste ihn dankbar für alles voller Liebe. In diesem Moment stieg Rauch auf um den Gnom und vor der schönen Prinzessin stand nun ein wunderschöner Prinz. Auch konnte die Königstochter ihre Beine wieder bewegen. Der Prinz erzählte nun von dem Fluch der ihn in den Brunnen gebannt hatte. Einst, so sagte er, war er ein ebenso hochnäsiger wie egoistischer Prinz gewesen, der alle heiratsfähigen Töchter ablehnte, weil er sich für zu gut hielt. Auch er viel in den verzauberten Brunnen und wachte als hässlicher Gnom wieder auf. Der Pilz,der auch der Prinzessin geholfen hatte, erklärte dem verzweifelten Prinz nun, er müsse so lange ein hässlicher Gnom bleiben, bis er eine Maid fände, die ihn nicht wegen seines Aussehens heiraten wolle, sondern sich wegen seiner selbst in ihn verliebte.
Da die Prinzessin genau das getan hatte war sein, wie auch ihr, Fluch gebrochen und sie waren wieder sie selbst.

Einige Wochen später wurde Hochzeit gehalten und beide vergaßen nie, dass es nicht wichtig war wie schön man aussah, sondern wie schön man sich benahm. So zogen die Jahre ins Land und das Königspaar war in aller Munde, doch nicht wegen ihrem Aussehen , sondern wegen ihrer guten und gerechten Taten.
Und wenn sie nicht gestorben sind so leben beide noch immer glücklich und zufrieden und herrschen gut und gerecht über ihr Königreich....Ende

Und die Moral von der Geschicht, Schönheit allein besagt oft nichts. So sei lieber gerecht und gut dazu, so bekommst du Freude im Leben und Liebe im Nu..........


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.05.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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