Andreas Rüdig

Neukirchen-Vluyn

 

Neukirchen-Vluyn ist eine Kleinstadt am linken Niederrhein. Sie gehört formal zum Kreis Wesel.

Im 9. Jahrhundert gab es die erste urkundliche Erwähnung von Vluyn. Ab 900 wurden weite Landschaftsgebiete westlich von Moers bereits mit „Fliunnia“ und „In den Flunen“ bezeichnet. Neukirchen wird hingegen erst 1230 das erste Mal erwähnt.

Das Siedlungsgebiet Vluyn wurde am 29. April 1297 erstmals erwähnt. 1560 wurde die Grafschaft Moers, der Neukirchen und Vluyn angehörten, von Graf Adolf von Neuenahr und Moers zum evangelischen Land erklärt.

Von 1594 bis 1702 standen die beiden Orte unter oranischer Herrschaft.

Nach dem Tod des letzten oranischen Landesherrn Wilhelm III. kam die Grafschaft 1702 in preußischen Besitz. In dieser Zeit wurde die Grafschaft zum Fürstentum erhoben. Nach den guten Jahren unter den Oraniern kam die preußische Herrschaft der Bevölkerung gegenüber jedoch fast einer Besatzung gleich. Plünderungen in den ersten Besatzungsjahren waren an der Tagesordnung. Selbst die Religionsausübung und die Befugnisse der Gemeindeverwaltungen wurden stark eingeschränkt.

Mit der Besetzung des linken Niederrheinufers durch die französischen Revolutionsarmeen im Jahre 1794 nahm die erste preußische Herrschaft ihr Ende. In den besetzten Gebieten kamen die gesellschaftspolitischen Errungenschaften der französischen Revolution zur Geltung.

Es folgte im Jahre 1815 eine Wiedereingliederung von Neukirchen und Vluyn in die preußische Rheinprovinz. 1981 überschritt Neukirchen-Vluyn die 25.000-Einwohner-Marke und erhielt die Stadtrechte.

An dieser Stelle sei auch auf die wirtschaftliche Situation vor Ort eingegangen.

Bereits 1854 wurden durch Bohrungen von Franz Haniel abbaufähige Kohleflöze am linken Niederrhein nachgewiesen. Zunächst war deren Nutzung durch die geologischen Verhältnisse stark behindert. Erst mit der Einführung des Gefrierverfahrens für den Schachtbau konnten die Probleme behoben werden. Es folgte deshalb in den 1870er Jahren die Gründung diverser Bergwerksunternehmungen.

Die Reduzierung der Kohleförderung in Deutschland führte schließlich im Jahre 2001 zur Schließung der Zeche Niederberg und zum Abriss des Großteils der oberirdischen Zechengebäude. Die Kohleförderung unter dem Stadtgebiet wurde durch das Bergwerk West vom benachbarten Kamp-Lintfort noch bis zum 21. Dezember 2012 weiter betrieben.

„Mit der Erschließung des ehemaligen Betriebsgeländes des Bergwerks Niederberg wird ein neues Gewerbegebiet geschaffen. Hier sollen sich neue Gewerbetreibende ansiedeln. Und des Weiteren werden auf dem Gelände Flächen für den Einzelhandel, die Gastronomie und für Freizeit- und Kultureinrichtungen geschaffen,“ ist in der Sekundärliteratur, hier der Internet-Enzyklopädie Wikipedia, zu lesen.

Soweit zur Theorie. Ein Besuch vor Ort zeigt aber, daß Neukirchen-Vluyn unter touristischen Gesichtspunkten ein unentdecktes Land ist. Kein Museum, kein Schloß, keine Kirche, kein anderes Ausflugsziel lockt den Besucher in diese (unbedeutende?) Stadt am linken Niederrhein.

Dies wird bei einem Besuch in dem Stadtteil Neukirchen schnell deutlich. Dort könnte die evangelische Kirche ein Ziel sein. Mit ein bißchen gutem Willen könnte man die umliegende Fußgängerzone als ein örtliches Zentrum betrachten. Post, Sparkasse und Gemeindeverwaltung liegen in erreichbarer Nähe. Große Einzelhandelsketten sind zumindest hier nicht sichtbar vertreten; soweit man es als Außenstehender beurteilen kann, scheint die Grundversorgung aber sichergestellt zu sein.

Ein historischer Stadtrundgang soll den Besucher hier auf interessante Örtlichkeiten hinweisen. Gut bürgerlich wirkt das Umfeld. Wer keinen besonderen Grund hat, nach Neukirchen-Vluyn zu kommen, wird sich diese gepflegte Langeweile sicherlich nicht freiwillig antun.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.05.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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