Elke Lüder

Befreiungsschläge

VOR JAHREN - Der erste Anfall

(Inzwischen lange getrennt lebend und geschieden habe ich Abstand - gewinne wieder an Lebensmut) 
 

Wieder einmal war mein Kleiner zu Besuch. Ich weiß gar nicht mehr was wir vorhatten , vielleicht wollte er sich nur Sachen holen, die noch bei uns waren. Martin und ich waren in unseren Zimmern. Der Große hatte telefoniert und ich chattete mit einem Bekannten aus Wuppertal der mir oft mit Telefonaten am Abend Mut machte.

Der Kleine lief von Zimmer zu Zimmer, versuchte wohl sich einen Eindruck zu verschaffen. Er redete mit seinem Bruder, plauderte mit mir.

Ging ins Wohnzimmer, in die Küche.

 

Plötzlich hörte ich wie er rief „Wo ist das Telefon?“ Da ich es nicht hatte reagierte ich nicht auf sein rufen. Wieder rief er, diesmal lauter! Ich antwortete ihm das Martin das Telefon haben muss.

 

Irgendwie machte sich Aufregung breit, ich hörte wie Matthias durch die Wohnung rannte und nach dem Telefon suchte.

 

Plötzlich stand er in meinem Zimmer und brüllte mich an „Wo ist das Telefon, wir müssen telefonieren, „er“ ist zusammengebrochen und hat einen Anfall.“

 

Was für mich wie endlose Zeit gewirkt hatte, geschah innerhalb weniger Minuten.

 

Noch einmal schrie mein Sohn „Mutti, er schlägt sich das Gesicht auf.“

 

Zu meiner Schande muss ich gestehen das ich mich mehr als langsam in Bewegung setzte.

Egal, mir war es so egal was mit ihm geschah.

 

Angewidert wegen des Alkoholgeruchs in seinem Zimmer ging ich nur langsam dorthin. Mein Sohn telefonierte noch mit der Feuerwehr.

 

Ich ging zu „ihm“. Er schlug wieder und wieder mit dem Kopf auf den Boden. Er krampfte. Er hatte Schaum vor dem Mund, blutigen Schaum.

Ich hatte einmal einen Menschen mit einem Epileptischen Anfall erlebt und ähnlich lief sein Anfall ab. Wir versuchten ihn festzuhalten, drehten ihn herum. Handelten wir richtig?

Mit einem Mal war alles vorbei. Mit unserer Hilfe konnte er aufstehen und sich auf seine Couch setzen. Wir sahen jetzt, er hatte sich einen Zahn ausgeschlagen.

 

Voller entsetzen sagte ich zu meinen Söhnen, das wir ihn in mein Zimmer bringen sollten.

Ich schämte mich für den Zustand seines Zimmers.

Er“ brabbelte immer wieder etwas. Erst verstanden wir nichts, doch dann wurde sein brabbeln lauter und deutlicher.

Ich muss den Vogel fangen, der kann nicht umherfliegen. Hol mal eine Leiter, ich will den Vogel fangen. Bubi komm, komm Bubi, komm!“

 

Der Vogel, der Vogel!“

 

Wir schauten uns an! Unser Vogel war tot, seit einigen Wochen.

 

Wir schafften es, ihn in mein Zimmer zu bringen, dort legten wir ihn aufs Bett und er faselte immer weiter vom Vogel.

 

Endlich!

 

Die Sanitäter waren da! Sie schauten ihn sich an, Herzschlag, Blutdruck und sagten dann zu mir „Typisch kalter Entzug! Scheint ja alles wieder in Ordnung zu sein!“

 

In meinem Kopf hämmerte es. Kalter Entzug, alles in Ordnung! Alles in Ordnung, kalter Entzug! Entzug, Entzug! Entzug! Kalter Entzug!

Was bitte ist ein kalter Entzug?

 

Damals wusste ich es nicht und ich fragte auch nicht die Sanitäter!

 

 

Diese wollten wieder gehen. Sekunden und schon wieder erwischte mich die Panik.

Ich sagte: „WIE? Bleibt er jetzt hier?“

Es kam ein: „Ja, er ist auf kalten Entzug.“

Oh, nein! Ich möchte das sie ihn mitnehmen!“

Wieso sollten wir?“ „Er hatte einen Anfall!?“

Ja und? Der ist vorbei!“

 

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, ich will das sie ihn mitnehmen, er ist noch immer verwirrt, was wenn er mit dem Hund geht und den nächsten Anfall bekommt? Niemand findet ihn dann auf dem Feld!

Die Sanitäter sahen sich an: „gut, wir bringen ihn nach Hedwigshöhe!“

 

Sie nahmen ihn mit. Aus diesem ersten Anfall wurde seine erste Entgiftung.

 

Ich schaute im Internet was Kalter Entzug bedeutet! Das erste Mal das ich mich informierte.

Konfrontation mit meinem größten Feind. Dem Alkohol! Mit der Sucht meines Mannes! 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.06.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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