Wolf-Alexander Melhorn

PILANDER

 

Der Text wird kapitelweise immer wieder mal  fortgeschrieben. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es war die Stunde des Tages, in der sich die Ereignisse um die Notwendigkeiten ranken. Wo gewogen und befunden wird, Hoffnungen keimen und wieder zu Nichts zerfallen. Die Zeit, in der sich Leben wieder mal sortiert. Ganz ohne feste Ordnung, doch mit dem Ziel, dem Morgen ein Morgen zu haben. Für jeden daher eine andre Zeit! An Orten, die gewohnt und trotzdem plötzlich Neues bergen. Damit Gewachsenes sich zu Vergangenheit verfestigt und vorher abwirft, was es nicht mehr braucht!1111
 
Zu solcher Stunde, irgendwo und irgendwann, war er geboren worden! Ohne je gezeugt zu sein! Sein Name war Pilander.
 
Pilander war keiner, den andere mochten. Glaubte er jedenfalls! Und es ist immer richtig, was einer von sich glaubt. Auch wenn es falsch ist. 
 
Pilander wußte, dass es wichtig ist, was einer zu sich selber meint! Hält mancher doch sehr viel von sich und mag auch wirklich wichtig sein, selbst wenn dabei gerne übergeht, dass andere ganz anders von ihm reden. 
 
Dabei ist eben das egal! Ist solches Urteil doch schon brüchig, wenn es einer fällt! Sonst hätte es Bestand! 
 
Also kommt es gar nicht darauf an, was einer wann gerade von sich denkt oder was glaubt zu sein. Denn Morgen kann das anders sein. Geschichte!Und Pilander, dieser Ungezeugte, wusste das von dieser Welt, in der er lebte. 
 
In Wahrheit ward Pilander auch gezeugt , kannte aber seinen Schöpfer nicht und hatte ohnehin genug zu tun, einfach nur zu sein. Da kümmert so was einen nicht, ob einen Fremde mögen. Ganz einfach war sein Denken: Die waren! Er war! Von wem er kam, das wusste er, war für ihn so unwichtig, wie für viele andre Leben um ihn auch. Auch wenn sie sich mit Vielem schmücken - was Pilander niemals tat - bleiben es doch, was sie ohne Schmuck geworden sind. 
 
Als er das mal begriffen hatte, dass Schmuck und Farbe bestenfalls den Augenblick verändern, ihn aber selten lange überleben, wurde es ihm leichter, einer nur zu sein von vielen, die keiner mehr beachtet, als sie das selber taten. Doch dadurch eine Freiheit hatten, die anderere für die Beachtung opfern. Obwohl sich fremderBlick meist nur den Fehler sucht, der das Gewöhnliche auch fürderhin zum Maßstab macht und somit selten gelten lässt, war mehr ist als gewöhnlich!
 
Pilander hielt sich für gewöhnlich! Ihm nämlich war ein Mehr nicht wichtig! Er hatte insgeheim gehofft, dass irgendwann die Zeit ihn mit sich nehme. An einen Ort, der Schutz ihm werde, Zukunft bot. Kein leichtes Unterfangen!
 
Bis er begriff - aus Zufall wohl - es war der Raum der einen Stunde, in der sich so sein Leben maß und Dinge wog, die für ihn wichtig. Er war dann dort, wo er sich selber mochte. Tief in sich drin! 
 
Und damit war er nicht mehr einsam, wie viele andere um ihn, die nur noch nicht begriffen hatten, es gilt auch, nach sich selbst zu suchen! Die glauben, es komme auf die andern an und daher alles taten zu gefallen. Wie Wegwerfware nach Gebrauch!
 
Pilander war da anders! Kein leichtes Los! Doch machte ihn das glücklich. Weil er so seinen Selbstwert kannte. Und darauf kommt es an, im Leben! Für einen, der Pilander hieß und war! Und dadurch in sich glücklich war! 
 
 
 
 
 
 
 
Pilander 1:

Pilander war nicht wirklich schwierig. Denn warum sollte er? Als er noch wirklich jung war, war er jedoch jemand aufgefallen. Wie das so manchmal geht. 
 
Der hatte sich durch ihn bedroht gefühlt und - selbst ängtlicher Natur, sonst hätte er so niemals reagiert! - Macht an ihm geübt, indem er ihn mit Spott bedachte, weil er ganz einfach anders war. Das tuen manche, denn ihre Dummheit fühlt sich dadurch besser und im Gelächer Dritter plötzlich anerkannt und aufgehoben!
 
Wen immer es dann trifft, der muss nicht Vieles dazu beigetragen haben. Nur anders sein, mal etwas mehrfach falsch gemacht zu haben, das Dritten danach Anlass bot, sich über sie zu stellen.
 
Pilandere war für die so einer! Weil er so aussah, wie er war! Zumindest mal für jenen, der ihn fürchtete und deshalb seinen Spott als Waffe auf ihn richtete. 
 
Gehässig und gemein, warf ihn des Feiglings Tun nun zum Bespötteln andern vor die Füße! Und die, in ihrer Sorge, sie könnten vielleicht selbst mal Opfer werden, trampelten ihn auch gehorsam nieder. Fand sich doch keiner, der es wagte, so was zu beenden. Dabei gehört nicht immer wirklich Mut dazu. Oft nur Charakter!
 
So stießen sie Pilander nieder. Berät doch diese Angst, selbst mal das Opfer werden, manchen falsch. Macht sich gefügig, die so denken und daher alles mit sich machen lassen, wenn einer sich zum Führer macht.
 
Das war die Zeit in seinem Leben, an die Pilander ungern dachte. Er hatte schließlich nichts getan und jener war in Wahrheit nur zu feige, seine Größe selber zu erlangen. In solchen Fällen steigt die Dummheit dann oft frech auf fremde Schultern, damit die sie ihn Höhen heben, in die er selber niemals steigen könnte. 
 
Das sind Erfolge, die den Täter aber selbst oft ängstlich machen, weil er doch irgendwann die Schwäche des Podests begreift, auf dem sich nun sein Leben baut. Und Rücksichtlosigkeit soll jenen dann die Fundamente stärken, auf denen sie Erfolge gründen!
 
Doch um der Wahrheit zu genügen: Pilander hätte selber höher steigen können! Keine Frage! Doch maß er sich Erfolge meist am wahren Wert und nicht am Auftritt, den sich einer wagte und taugte damit nur bedingt für solche Leitern.
 
Pilander hätte also selber höher steigen können, doch wo die Luft doch dünner wird und es auch Hilfen braucht zum Überleben, bedarf so mancher eines Bügels, der den Sturz verhindert - und eher selten ist es dann die Kraft, die einen Sturz verhindert, in diesem Bauwerk der Zerbrechlichkeiten! Vielmehr stützt manchen ein Geflecht aus Angst und Neid, die sich zum Hass verpaaren, wenn einer wagt, die Brüchigkeit des Baues aufzuzeigen, den solches Denken sich erstellt. Abschreckung ist gefragt und nicht die Wahrheit!
 
Und diesem fiel so auch Pilander mal zum Opfer! Nicht wirklich lange. Doch auch die kurze Dauer ließ ihn hernach die Dinge anders sehen! Und Schrecken hatte ihn ergriffen, obwohl er selbst im Grunde unverletzt geblieben. Doch konnte er nun nachvollziehen, wie es den andern ging, die nicht sein Glück gehabt und die erst später wieder freigegeben wurden von den Jägern, die sich zu so solchem Handeln trieben. Er sah sie liegen, die Verlierer, auf jenem Weg nach oben, der anderen so richtig schien! Wieso er damals noch davon gekommen, hatte er, Pilander, nie begriffen und dies aus Angst in Wahrheit auch nie hinterfragt. 
 
Wie das so ist, wenn einer in den Dreck geschleudert wird. Steht der dann nochmals auf, wird er vielleicht zunächst betreten um sich sehen und sich womöglich für die Ungeschicklichtkeit zu fallen auch entschuldigen. Gerade wenn sie ihn so sichtbar fällte! Der steht dann auf, befreit die Kleidung rasch vom Staub, damit das Missgeschick ja keiner sehe und tut zumeist, als sei auch nichts geschehen. 
 
Leben ist, das wußte auch Pilander, manchmal schmerzhaft rau und Sieger nur, wer all das halbwegs überstand. In dieser Welt, die nur noch Sieger kennt und solche, die sie dafür hält! Denn jene, die sich Sieger küren, kennen an Verlierern schon genug! Sie brauchen ihre Sieger, weil sie noch nie begriffen haben, dass sie es letztlich selber sind, die später dieses Denkmal tragen. So drängt sich mancher vor, der in Wahrheit wenig mehr zu bieten hat, als seinen Ehrheiz und die Angst, dass ihn sein Denkmal später nicht erschlage!
 
Pilander hatte nie darüber nachgedacht. Wie andere das gleichfalls niemals tun! Ihm reichte seine Angst, die er schon in sich selber hatte. Warum da andere verstehen lernen? Wie das so ist in einem Leben, das nur noch an sich selber glaubt und daher lieber denkt, Erlebtes sei das Schlimmste, was ihm noch geschehen könne - und so aus allem letztlich falsche Schlüsse zieht! Denn Bäche können zur Bedrohung werden, wenn sie auf ein Mal Wasser führen, von dessen Kräften vorher keiner etwas etwas ahnte. Da ist der feste Pfad ganz plötzlich weggerissen und eine Zukunft baut sich jählings neu! Angst will da selten wissen, wie so was denn geschehen konnte! Pilander war so einer, der nur selten dachte, über solche Dinge und daher auch meist sicher war, das sie so nie geschehen werden.
 
Das war ihm allerdings nicht vorzuwerfen! Das Schickal bürdet in der Tat zumeist nur Lasten einem auf, die er tragen kann. Denn jedes Leben meint es letztlich mit sich gut und prüft daher nur selten mal die Grenzen, in denen einer sich bewegt!
 
Insofern ist es selten Last, was viele schultern und damit kein Beweis von Kraft. Und doch wird mancher sich so stärker fühlen, als er ist! Bis er dann fällt, weil ihn der Hochmut stolpern lässt und ihm die Kniee kurz versagen. Da wird ein Stolpern dann vielleicht zum Reifeakt einem Leben! Ein Glück für den, den so was der Vernunft dann wieder näher bringt. Doch selten nur ist das vergönnt!
 
Pilander war so einer, der nur wenig dachte, über solche Dinge und daher auch so sicher war, dass diese nie geschehen würden! Jedenfalls nicht so! Das aber war ihm wiederum nicht vorzuwerfen. Zumal nicht selen gilt: Wer Einblick hat in seine Stärke, dem wird sie meistens rasch geraubt, wenn sie sich zu erkennen gibt! Ist solches doch Gefahr für manche, die sich mit Zeichen einer Macht beschmücken, die sich oft selbst - durch sich und Ihresgleichen - früher mal verliehen hatte. So was verträgt dann selten Zweifel. Nie Kritik!
 
Pilander hatte das gelernt, ohne jemals zu durchschauen, was bei all dem so geschah. Er wußte nur, er war gefallen, als die Menge ihre Ängste wieder mal an jemand reiben wollte und diesmal eben er im Wege stand, als sie ihn überrannte. 
 
Doch instinktiv hob er den Kopf, als sie ihn damals niederrissen - und wurde deshalb nur gesehen! Denn er war eben einer, der sich zeigte, selbst dann, als ihn das Schicksal niederwalzte. Er war und blieb selbst da Pilander!
 
Und einer aus der Menge - wie das so manchmal ist! - griff sich nur deshalb dieses Leben, das da getreten vor ihm lag! Er riß es helfend mit sich fort, aus diesem Sumpf der Angst und blindem Unverständnis. Nur eine kurze Strecke zwar, doch lang genug, am Ende lebend abgelegt zu werden. 
 
Pilander war sehr durcheinander. Er wusste, was geschehen, aber nicht, warum! Was ihn im Grunde auch nicht kümmerte. Ihm war viel wichtiger, sich wieder hochzustemmen und auch den Schmutz von seiner Kleindung abzumachen. So gründlich, dass keiner, der nicht wusste, noch vermuten konnte, Pilander sei inzwischen was geschehen. Für ihn Bedingung, sich wieder in den Strom zu reihen.
 
Pilander hatte damals folglich nichts verstanden! Er wußte nur, so ist wohl Leben und er, Pilander, hatte eben Glück gehabt. Ein Wissen, das auch ihm genügte. Wie den meisten! Und Pilander war nun mal wie die!




Pilander 2: 
 
Pilander war einer, der von Frauen nichts verstand, Nur, m dass sie anders waren, hatte er erfahren dürfen. Schon in jungen Jahren. Weil sie Gefühle zeigen, wo für ihn noch keine waren und er als schlichter Kerl daher noch an Berechnung dachte.
 
Und lag nicht selten damit nicht so falsch. Ist doch nicht alles, was sich fühlt, deshalb auch wirklich von Bedeutung. Entlarvt sich manches Mal nicht selten selbst. Wennj die Partnernin erlaubt. Das wusste er, Pilander, selbst und galt ja irgendwie wohl auch für ihn. Denn warum sollen Frauen immer besser sein? 
 
Doch Frauen können so was, wie Pilander wusste. Weil sie das üben. Schon in jungen Jahren. Während er noch an ganz andres dachte. Sie aber werden manches Mal sogar so aufgezogen. Von Mütttern, die ihr Wohl im Auge haben. Das des jungen Mädchens! 
 
Nicht immer leicht für eine, der auf Wettkampf so trainiert. Denn mancher geht ihr Reichtum an Gefühlen dadurch auch verloren.
 
So einfach dachte jedenfalls Pilander, der von Frauen nichts verstand und den sie deshalb mancherorts belachten, wenn er dann trotzdem Vorteil daraus zog. 
 
Im schlimmsten Fall dafür geprüpgelt wurde. Nicht mit dem Stock! Mitnichten! Das ist nur selten noch der Brauch, obwohl sich auch die Frauenseele so erleichert, wie er wusste. Nur bricht sich so Gewalt dann ihre Bahn gewöhnlich hinter der Fassade.
 
Nein! Frauen schlagen zu mit Worten. Weil das dann keine Fleck die was beweisen würden und Häme.bringen könnten, ob des pluimpen Tun. Denn, gut gesetzt, erreichen sie das Ziel viel leichter: Den weichen Kern von einer Seele! Schmerzend, doch selten als Gemeinmheit zu beweisen. Denn Worte stieben schneller auseinander, als sie zuvor zusammenkamen! 
 
So wusste auch Pilander, dass Schein sich ungern selbst beschmutzt. 
Auch wenn der Unflat, der geworfen, oftmals flink auch wieder abgewischt, könnten dennoch Flecke bleiben. Die wiederum die Ehrbarkeit beschämen. 
 
So was jedoch verletzt die Regeln! Nicht, dass da keiner töten wollte, doch ein Dolchstoß muss gesellschaftlich geduldet sein! Denn sonst besudelt er die Ehre!
 
Da ist es eleganter, das Wort für sowas zu missbrauchen, das die Verachtung noch als Zusatz schärft! Das steigert manchmal noch die Anerkennung. 
 
Denn die Gesellschaft überwacht sich ständig selbst! Verlangt sich Anstand, wenn sie sich bekriegt. Getötet wird! Gar keine Frage. Doch ehrbar, heißt es, dabei bleiben!
 
Das ist, wie Liebe aus Berechnung machen! Erst das stillt manchem den Bedarf an Sicherheit, Kontrolle. Für machen wichtig, in seiner Angst, vor einem Morgen, das er sich heute nicht beherrschen kann. Denn einfach nur vertrauen, hat ihn die Kindheit nie gelehrt! Wie auch, wenn alles scheinbar sich berechnet? 
 
Und wer so Waffen dann nicht hat, dem bleibt, wie auch Pilander, selten wirklich eine Wahl. Darum verstand Pilander auch die Frauen nicht. 
 
Doch litt er nicht darunter. Ihm reichte, dass er wusste: Den Tropfen fängt man erst, wenn er im Fallen. Nicht, während er noch Form gewinnt, denn dann ist noch die Zeit des Wartens.






 
 
 
 
Pilander 3 
 
Pilander war einer, der wußte, wieviel Pflichten es befördert, wenn Kinder einen Haushalt mehren. Er hatte keine, weil sich das so nicht ergeben hatte, denn gewöhnlich müssen zwei zusammenpassen und solche Paßgenauigigkeit sah er für sich bisher noch nicht.
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Aber Wisssen hatte er. Für ihn auf jeden Fall genug. Für Meinung, die er auch begründen könnte. 
 
Die musste ja nicht richtig sein. Ist doch nur selten wichtig, was einer wirklich von sich gibt! Entscheidender, dass einer eine Meinung hat. Das zeichnet viele doch schon aus. Es sei dann das Problem des Gegenüber, sich ein Ergebnis selbst zurecht zu legen. 
 
Nicht immer ist das schön. Doch praktisch. Vor allem ehrlich, wie Pilander glaubte. Selbst dabei werden Fehler meist verziehen, so lange nur die Form gewahrt. Das nennt sich dann Erfahrung,was einem davon bleibt. Mag die auch noch so übel sein.
 
Was gegen Kinder sprach, war jedenfalls ganz offensichtlich. Vorrangig der Verzicht, den abgefordert. Und der sich schnell verbündet mit der Frage des Wozu, wenn sich ein Leben seine Wege sprengt, nach Freiheit ruft und Selbstbestimmung. Für seine Zukunft, die doch wieder in den Gleisen fährt, die sie doch verlassen wähnte?
 
Mit Kindern wird die Fahrt ins Blaue einer Zukunft also nochmals abgekürzt. Nein, sagt da häufig der Verstandund mancher, wie Pilander stellt sich solche Grundsatzfragen. 
 
Der Weiblichkeit hingegen ist die Antwort eingeboren und drängt sich auch entschlossen vor, je mehr die Fruchtbarkeit verschwindet. Früher mal, da löste sich die Frage meist im Kindbett selbst. Bis damals war zwar das Vergnügen mit Gefahr verbunden, doch schützte eben auch Angst vor Tritt in das Leere. 
 
Der Schutz ist nun entfallen dank Chemie. Sie bannte mögliche Gefahren und seither drängt sich leichter zur Verpaarung, was vormals noch der Lust geschuldet. Für viele die Befreiung, die einstens in der Ängste Ketten lag. Dabei ist Angst nicht selten eine Wahl,die wiederum der Klugheit viel verdankt. Doch kann das eben nur begreifen, der so was auch empfinden kann. 
 
 
 
 
 
 
 
Pilander 4 
 
Die Liebe, meinten viele Frauen, werde sie schon zähmen und setzen daher willig auf Erfolg. Ein Scheitern wird genauso ausgeblendet, wie der Verschleiß des Tuns und dessen Spuren. Befreit doch solche Meinung erst ein selbstbewusses Tun. 
 
So dachte früher auch Pilander. 
 
Bis die Natur ihn anderes belehrte. Inzwischen wusste er nun mehr und glaubte sich der Wahrheit damit näher. Was trügerisch ihn sicher machte, auch wenn der Hochmut ihn noch mied. Der manchen andern tanzen läßt. Mit nackten Füßen, Auf Brettern, die voll Splitter sind. 
 
Liebe, jedenfalls, ein großes Wort und dennoch schwammig als Begriff, der sichals Inhalt aber oftmals vorschnell in Getümmel stürzt. Das mag durchaus erhöhen , wie die Leidenschaft. Nicht selten sogar Falten glättet, die einst das Leiden und die Leidenschaft sich gruben. Doch ist all das vergessen, wenn es sich dann erfüllt und Momente die Beglückung findent, die wiederum Begrifflichkeit verlangt und daher fälschlich so was Liebe nennt..
 
Und doch betrügt die Wortwahl sich! Denn Liebe zähmt nicht. Liebe gibt! Nicht herrschen will sie, sondern sein. Nicht einer Macht Gehorsam leisten. Sich vielmehr frei verschenken und dabei still das Glück von Augenblicken fangen, die später als Erinnerung noch funkeln. 
 
Doch dies erfordert Stille. Ein Insichgehen, das der Dankbarkeit im Kern weit näher steht, als Lust.
 
Wie sollte eine Zähmung also Liebe sein? Denn Liebe gibt und nimmt und reift im Stillen erst vollkommen. Wer also meint, die Liebe werde ihn schon zähmen, irrt. Ihr ist zu Lautes fremd, weil es den Augenblick belastet. 
 
Wer Liebe sucht, das wussste auch Pilander, braucht erst mal Verständnis für den falschen Augenblick, den Leidenschaft und Gier sich oftmals schon als Liebe deuten - und nachher zwar gesättigt sind, doch innerlich noch unbefriedigt, weil vieles sich dadurch zerstörte.
 
Pilander hatte viel gesehen. So etwa, wie sich Unerfahrenheit missbrauchte und dennoch der Verstand sich nicht verweigern konnte. 
 
Er kannte also die Gefahren und wusste, Klippen zu umschiffen. War dadurch einfach wachsam. Auch dort, wo Wirklichkeit dies nicht so brauchte und hielt sich dadurch für erfahren. Wie Leben eben mit den Wesen spielt, wenn Langeweile es beschäftigt. 



 

Pilander 5

Es sind immer die Augen, die den Schmerz verraten. Meinte Pilander.

Und sah in solche Augen! Nur ihr Mund belog sich weiter selbst, als sie ihn in Herzlichkeit begrüßte. Wie gut es ihm doch gehe, meinte sie.

Das war auch so. Nur hätte sie das so nicht sagen sollen. Sie wollte schließlich von sich selber sprechen! Nicht Komplimente in die Welt verteilen! Denn nur Reden bringt den Seelen die Erleichterung. Nicht Fragen, wie es einem andern geht.

Pilander wusste aber um den Sinn von solchen Ritualen und dankte daher höflich. Wie das seine Art.

Doch wie an diese Schmerzen kommen, ohne dass sie sich verstummen würde und dies womöglich selbst gewahrte und Scham sie danach noch mehr hemmte? Sind das doch Augenblicke, die ausweglos das Rechte wollen und schließlich sinnlos warten, dass sich so was alleine löst.

Sie würde reden. Weil sie muste! Er überbrückte daher diese Zeit für sie. Warf Worte durch die Luft und fing sie selber wieder für sie auf. Wie Bälle, die dem Kind im Spiel die Ängste nehmen sollen. Vertrauen schaffen! In einen, den ihr Leben nun mal kannte und den sie sich als Ansprechpartner wollte.

Nur sagen konnte sie dies nicht. Es würde sich daher ergeben müssen! Wie manchmal eben die Gespräche so beginnen, indem zunächst noch scheinbar keiner etwas will und doch die Luft schon fest ist vor Problemen, die sich so um ein Leben legten, dass diesem es das Atmen nimmt.

Pilander kannte das. Auch ihm war das schon so ergangen. Er wusste nachher selbst nicht, wie sich das trotzdem hatte lösen können. Doch alles hatte sich gefunden. Und wenn er so darüber dachte, so war doch jeweils nur geschehen, wie es musste!

Meist ist es das Gespräch an sich, das hilft, die Klammer einer Einsamkeit zu lösen. Und selten sind gleich Lösungen zur Hand. Es gilt vielmehr, sich wieder selber Mut zu machen und selten sind die Worte eines Anderen dabei das, was eine Seele wirklich braucht. Sie dürstet vielmehr nach Gefühl, vom Andern ehrlich angehört zu werden. Nicht immer auch verstanden! - Angehört! Zu dem, was einem jetzt, gerade wirklich wichtig! Wird Solches dann nicht ausgeteilt, bleibt die Erfülltheit aus und wendet sich die Seele vielleicht sogar ab vom Selbst. Wirft ihren Leib vielleicht in einen Abgrund, nur weil sie nicht mehr weiß, wohin!

Pilander hatte sol Momente auch erlebt - und wusste doch die Antwort nicht, was ihm darauf, warum, geschehen war. Nur eines hatte er begriffen: Dass niemals Mitleid ihm geholfen hatte. Obwohl er sich gerade das doch insgeheim ersehnt!

Doch Mitleid ist nur jene Make, die einer sich kurz überstülpt, der eigentlich nicht weiß, was jetzt, in diesem Augenblick, gerade wirklich helfen könnte. Der letztlich ratlos sich im Leid des Klagenden gleich mit versteckt und dadurch hofft, Verzeihung dafür auch von jenem zu erlangen, dem er jetzt nicht helfen kann!

Wie nämlich auch Pilander wusste, ist es das Mitgefühl, das erst den Kopf befreit aus seinen Ängsten und dem Verstand das Leid aus dem Gefühl entlässt. Auf dass sich dieser ordne, was sich dann wieder fassen lässt.

Das, jeweils, muss dann nicht die Lösung sein. Es geht im Augenblick nur um ein Tun! Zuwendung zu dem Schmerz des Nächsten. Die Hand des Mitgefühls, die eine Seele zu dem Nächsten streckt, als wolle sie ihn schützen, ihn berühren. Und dadurch Stütze wird für seine Zeit, die dieser braucht, sich wieder selbst zu finden in der Ödnis seiner Gegenwart.

Zeit hat in diese Spanne daher keine Dauer. Nein! Sie ist. Geschenkt von Mächten, die meist leider fremd - doch wem vergönnt, so Kräfte über eine Seele auszugießen, dem wird dadurch Unendliches zuteil, das er sich selbst bescheren durfte.

Es sind denn auch die ewig Ängstlichen, die hilflos nur daneben stehen und nie bereit sind, viel vom Ich zu geben. Aus Furcht, es könne falsch sein, was sie tun! Da regen sie sich lieber nicht! Mag doch ein Dritter tun, was eigentlich von ihnen kommen sollte.

Pilander hatte so was schon erlebt. Und irgendwann begriffen, dass auch er nur immer dumm daneben stand und wie gebannt das Elend einer Seele stumm beäugte, und froh war, dass Gleiches jetzt nicht ihn getroffen hatte und nun nicht er nach Hilfe schrie!

Dies als Versagen zu erkennen, ist zwar der Augenblick, wo der Verstand vielleicht die Seele dafür rügt, das er sich dem Gefühl verweigert, doch meist schiebt sich die Neugier wie ein Schutzschild zwischen beide. Will glauben machen, dass jetzt nur Wissen helfe - um dadurch dem Verstand die Brücken bauen für ein Tun. Der wird dann schon das Rechte tun! Und sei es nur, zum Schluss zu kommen, lieber wegzugehen, weil Vorsicht dies als Weisheit rät. Denn wer will schon in was hineingezogen werden? Zumal - genau genommen – es doch den anderen betrifft und nicht das Eigene.

Bei diesem Wissen mag das Ich erschauern! Doch wird in Dankbarkeit es später noch begreifen, dass es von gleicher Not gewiss nicht ohne Grund verschont geblieben.

War doch vom Schicksal mitentschieden, dass eben der erwählt und nicht ein Anderer.

Wie das so geht, in einem Leben!

Pilander wusste das. Er war nicht anders, als die anderen!

Doch manchmal ließ er Schmerz doch an sich kommen. Aus Neugier? Früher: Ja! War ihm der Schmerz des Fremden dann zu groß gewesen, so hatte er sich einfach abgewendet. Doch irgendwann betraf es ihn dann selbst. Augenblicke, die er nie vergass. Weil sie ihn hilflos machten! Gefühl, das dem Verstand nicht mehr den Ausweg weiß und wie gelähmt sich dem Geschehen unterwirft.

Und da begriff er! Er, Pilander! Dass es nur um Mitgefühl zu gehen schien: Für ihn! Und niemand Mitleid mit ihm hatte. Weil dies nur den Verstand verkeilt, der aus Erstarrung dann ein Tun verweigert.

Damals hatte er das so erfahren.

Und seither sah er auch den Schmerz von anderen. Nicht, weil er wirklich Hilfe leisten konnte. Das taten wirkungsvoller oftmals Dritte. Doch meist hilft Mitgefühl der Seele zu der Zeit , bis sich dann alles wieder für sie fügt.

Auch das verraten meist die Augen! 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.06.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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