Marlene Remen

Die Nr. 2 Geschichte 2. Kapitel

Am nächsten Tag war er etwas früher am Kindergarten und auch Kessi war schon da.
Und dann erzählte sie ihm ihre Geschichte  :
Der Tag, an dem ich zu meiner Menschenfamilie kam, begann wie jeder Tag vorher.
Nach einem leckeren Schälchen Milch machte ich mich wie immer auf, um auch die anderen Tiere
auf dem Bauernhof zu besuchen. Mama rief mir noch hinterher : "Bleib nicht zu lange weg,
heute ist ein wichtiger Tag !"  Ein wichtiger Tag, fragte ich mich und warum war unsere Mama
so nervös ? Doch das vergaß ich schnell wieder. Zuerst besuchte ich die Hühner, um sie ein wenig zu 
ärgern. Sie waren schon aus ihrem Schlafhaus heraus gekommen, pickten ihr Futter auf und
scharrten mit ihrem Füßen nach Würmern. Der große Hahn stolzierte um sie herum und machte
ständig : "Kikeriki, Kikeriki, "  Ich beschloß, die Hühner ein wenig hin und her zu jagen. Um ihr
Freigehege war ein Maschendrahtzaun und ich sprang mal hier, mal da gegen ihn. So scheuchte
ich sie von einer Seite zu anderen und sie wurden immer ängstlicher. Beinahe hätten sie den Hahn,
den ich nicht mochte, umgerannt. Er wurde immer wütender und ärgerte sich sehr. Das war ein
Spaß, aber irgendwann wurde es mir zu langweilig, immer dasselbe.
Mir fiel ein, ich wollte doch heute die Schweine besuchen, es würden nämlich bald kleine Ferkel
zur Welt kommen. Vor dem Schweinestall konnte ich ein Gequiecke hören. Sie waren schon da,
es mußte in der Nacht passiert sein. Und tatsächlich, eine Sau hatte ihre Kleinen bekommen und war 
gerade dabei, sie zu säugen. Sie rief mir zu :  "Sieh mal, Nr, 2, meine Babys, sind sie nicht hübsch ?"
Ja, das waren sie wirklich, ganz rosig, mit kleinen Ringelschwänzchen und sie saugten eifrig an
den Milchzitzen ihrer Mama. Es waren 8 rosa Schweinchen und ein neuntes mit ein paar schwarzen
Flecken auf dem Rücken.  "Sie sind wunderschön " sagte ich und die Muttersau grunzte vor Stolz.
Nachdem ich ihnen eine Weile zugeschaut hatte, verließ ich den Schweinestall und ging hinüber zu den
Kühen. Sie waren schon auf die Weide gebracht worden und der Bauer war gerade dabei, den Stall
zu reinigen und frisches Stroh auszulegen. Es machte mir grossen Spaß, in die Strohhaufen zu
springen, die Halme piecksten und knackten so schön. Der Bauer sah mir zu und lachte, er war mir
nicht böse. Ich ließ mich ein wenig von ihm streicheln und lief wieder aus dem Kuhstall hinaus. Auf dem
Weg zu Beppo, dem großen Hofhund, kam ich an der kleinen Ziegenweide vorbei. Den Ziegen kam ich
lieber nicht zu nah, sie mochten mich nicht, sie waren sehr hochnäsig und frech.
" Hallo, Beppo " rief ich, wie geht es dir heute?"  "Oh, wau-wau, hallo Nr. 2, es geht ein wenig besser mit
meinen alten Knochen. Die Bäuerin hat mir eine weiche Decke in meine Hundehütte gelegt, damit ich es 
etwas bequemer habe."  "Das ist aber lieb von ihr, du bist ja nicht mehr der Jüngste, nicht und hast es die
auf deine alten Tage auch verdient", sagte ich. Aber sag mal, Beppo, weißt du, warum heute ein wichtiger
Tag ist ?"  "Wau, hat deine Mama das gesagt und war sie etwas nervös ?"  "Ja, das stimmt und ich weiß
nicht, warum " antwortete ich. Beppos Augen wurden ganz traurig und er sagte zu mir : "Heute ist ein
wichtiger Tag für dich, denn du wirst zu deiner neuen Familie kommen, zu deiner Menschenfamilie.
Du wirst sehr viel Neues erleben und dein Leben hier auf dem Bauernhof bald vergessen, auch mich !"
"Oh, nein, Beppo, rief ich, das werde ich ganz bestimmt nicht, du bist doch mein Freund !"
Wir kuschelten und spielten ein wenig zusammen, bis Beppos Augen wieder lachten.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.06.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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