Irene Beddies

Gedanken zum Briefeschreiben



Ein Kasten mit Schloss, sorgsam gehütet, steht vor mir.
Im Innern Briefe, umwunden mit rotem Seidenband.
Erinnerungen an den Anfang einer Liebe, nachzuerleben das junge Glück.
 
Beim gemeinsamen Lesen entsteht Entzücken.
Die Großmutter errötet, die Tochter guckt verwundert, die Enkelin ist erstaunt darüber, wie in früheren Zeiten Gefühle mitgeteilt wurden in langen, handgeschriebenen Briefen.
 
Die Tochter hat vielleicht auch  Liebesbriefe geschrieben, die sie aufgehoben hat, vor ihrer Tochter noch versteckt.
 
Die Enkelin?
Kommt sie dahin, Liebesgeständnisse auf Papier und handschriftlich zu verfassen und aufzubewahren?
Das Internet ist doch viel schneller als die Post, eine SMS noch unmittelbarer  im Moment.
 
Was aber bleibt erhalten von den empfangenen e-mails, von den Kurznachrichten auf facebook und twitter?
Werden die Bekundungen der gegenseitigen Faszination ausgedruckt und aufgehoben zum mehrmaligen Lesen und als spätere Zeugnisse?
 
Wohl nicht. Sie bleiben Momentnachrichten. So können die Enkel der Enkel das Gefühlsleben der Eltern und Großeltern nicht nachvollziehen später, denn nichts kann über Jahrzehnte gespeichert werden auf immer größeren Datenbanken.
 
Die Systeme ändern sich  schnell, und noch schneller veralten sie. Bald fehlen die Geräte und Programme, sie wieder zum Leben zu wecken. Heute schon sind z. B. Plattenspieler und Kassentenrecorder nicht mehr in jedem Haushalt zu finden. Computer, die Disketten abspielen können, gibt es kaum noch.
Bald auch werden CDs verblasst, gespeicherte Computerdaten mit den immer schneller weiterentwickelten Programmen nicht mehr abrufbar und für immer verloren sein.
 
Ein Kästchen mit handgeschriebenen Briefen überdauert die Zeiten lange, legt Zeugnis ab noch über Generationen - unabhängig von Datenströmen und Gerätschaften.


© I. Beddies

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Die Autorin:

Buch von Irene Beddies:

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In Krollebolles Reich: Märchen von Irene Beddies



Irene Beddies hat in diesem Band ihre Märchen für Jugendliche und Erwachsene zusammengestellt.
Vom Drachen Alka lesen wir, von Feen, Prinzen und Prinzessinnen, von kleinen Wesen, aber auch von Dummlingen und ganz gewöhnlichen Menschen, denen ein wunderlicher Umstand zustößt.
In fernen Ländern begegnen dem Leser Paschas und Maharadschas. Ein Rabe wird sogar zum Rockstar.
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