Norbert Wittke

Ungarische Zähne Rhapsodie



Zähne sind nötig im Leben. Mit viel Geschrei zahnt man als Baby oder Kleinkind, um schon bald die sogenannten Milchzähne zu verlieren. Dabei meistens auch wieder Geschrei.

Dann kommen die zweiten Zähne nach. Je nachdem verrichten sie ihren Auftrag gut, oder fangen im wahrsten Sinne an zu nerven. Ihre Nervenwurzeln können den Menschen zu tiefst peinigen. Besonders mit den Weiheitszähnen haben viele Probleme. Wozu sie den Mundraum verengen mussten weiß keiner. Von ihrem Nutzen war ich nie  überzeugt. Nach und nach verließen sie mich mit zahnärztlicher Hilfe, wodurch meiner Mundweisheit ein Ende gesetzt wurde..

Die anderen Zähne wurden nach und nach plombiert, entfernt, Brücken gebaut bis sie einsturzgefährdet waren. Nun, waren sie endgültig baufällig im  Oberkieferbereich. Froh erzählte mir das mein Zahnarzt. Gleichzeitig klagte er, dass  ihm Privatpatienten nichts mehr einbringen würden. Nach der Gebührenreform im Frühjahr 2013 wären die Kassenpatienten nunmehr im klaren Vorteil.
Sie wären jetzt eher seine Zielpersonen. Ich wollte ihn als Privatpatient nicht ins Unglück stürzen, wo ich doch gehört habe wie viele Zahnärzte doch schon verarmt gestorbensind. Ein Kostenvoranschlag (Behandlungsplan) entsprach nicht meiner Leistungswilligkeit (6.079 €).

Nun  rückte unsere nach Ungarn gebuchte Kurreise immer näher. Nach meinen Informationen soll es ja einige sehr gute Zahnärzte dort geben. Aber wir fuhren mit dem Bus nach Hajduszobboslo. Da war ich abhängig vom Ort. Nach 2 Tagen Fahrt mit einer Zwischenübernachtung in Wels/Österreich kamen wir dort an. Ich erkundigte mich im Hotel nach einem guten Zahnarzt. Die Gästebetreuerin nannte mir eine sehr gute Zahnärztin, deren Nachname auch noch dem italienischen Gut entsprach. Ein Termin wurde gemacht.

Sie sprach kaum Deutsch, ich kein Ungarisch. Eine perfekte Verbindung um keinen Streit zu bekommen. Ich konnte ihr klar machen mit Händen und Füßen, ob sie mir innnerhalb 18 Tagen eine neue Gesamtbrücke im Oberkiefer konstruieren konnte. Sie bejahte, sah den Oberkiefer an. Dann auf Deutsch , nach dem sie die rechte Brücke angetippt hatte mit ihren Mordinstrumenten: " Muuss iich ziiehenn" Dann Brücke links: Muus iich ziiehenn." Ich überlegte und dachte dann: Liebe Dr. Iona B. dann walte deines Amtes. Für den nächsten Tag wurde ein neuer Termin gemacht.

Nach Sprietzen von Mittel für Betäubung wurde die rechte Brücke entfernt. Ihr Sprietzen wirkte, dicke Botox Lippen, aber kaum Gefühl. Am nächsten Tag wieder: "Muuss ich sprietzen. Selbe Prozedur. Fort war sie die linke Brücke. Es blieben nur die Schneidezähne vorne. Am kommenden Tag sollte ein Provisorium her. Aber abends dann tippte sie die Schneidezähne an: "Nicht gutt muuss iich ziehenn." Wieder Sprietze und sie waren auch weg. Morgen Provisorium. Aber es kam noch keines. Es folgten dann am nächsten Tag wieder Sprietzen und Wurzelziehen, was ich im Mathematikunterricht schon nicht verstanden habe.

Durch die Leere im Mundraum konnte ich im Hotel nur breiig essen. Ich war wieder Kleinkind. Bisher hatte sie mir keine Antwort gegeben, wie viele Penunsen die ganze Behandlung kosten sollte. Dann doch. Sie meinte :Nur Forint und davon 950.000 cash (etwa 3.250 €) Sie machte mehre Abdrücke. Die Tage vergingen. Die Abfahrt rückte näher. Dann am Freitag sollte der große Tag sein. Froh gelaunt wollte ich meine Porzellanbrücke eingesetzt bekommen. Stolz hielt sie mir die neue Brücke entgegen und passte sie an. Sie war mit  ihrem Produkt zufrieden. Ich merkte aber, dass die Brücke seitenverkehrt gearbeitet war. Sie passte ohne zu drücken, aber rechts, wo unten zwei Backenzähne fehlten, war sie durchgängig bis zum Ende des Kiefers. Links dagegen, wo unten keine Backenzähne fehlten, hörte sie vier Zähne zu früh auf. Die Backenzähne hatten links und rechts keinen Widerstand zum Kauen.

Ich zeigte ihr einen kleinen Vogel an und machte das Zeichen zum Durchschneiden ihrer Kehle. Nachdem sie mich  14 Tage gepeinigt hatte, kein Ergebnis zu meiner Zufriedenheit. Ich zeigt ihr wütend an, dass sie sich dieses Brücke irgendwo hinstecken könne. Ich ließ mir das Provisorium wieder einsetzen und fuhr am Samstag wieder nach Hause, aber ein Teil von mir ist in Ungarn geblieben. Nun muss die Behandlung hier fortgesetzt werden, damit ich endlich meine neue Brücke bekaomme, damit ich eines Tages frohen Mutes ins Gras beißen kann.

22. 07.2013                                      Norbert Wittke
 

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