Christian Scheffel

Airfighter: Dramatis Katástrophè

 

 

 

 

 

Vorwort:

 

Diese Geschichte folgt auf Stumble and fall. Der Handlungsstrang um Manuels Gang und deren Ziele wird in dieser Geschichte zu einem dramatischen Ende geführt. Hierbei wird auch gelüftet, in welcher Beziehung Manuel und Juan zueinander stehen und welche gemeinsame Vergangenheit sie haben. Indem sich die Ereignisse um Green-Stone-Town dramatisch zuspitzen, kommt es am Ende zu einem brutalen Großeinsatz der Polizei, in dessen Verlauf sich auf sehr tragische Weise zeigt, wo die einzelnen Charaktere am Ende ihrer Entwicklung jetzt stehen, welche Entscheidungen sie hierher geführt haben und dass manchmal jede erforderliche Handlung, an der kein Weg vorbeiführt, letztendlich doch nur in den Abgrund führt...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dramatis Katástrophè

  • 1 –

  •  

Unter dem sternklaren Nachthimmel erstreckt sich der nächtliche Green-Stone-Forest.

Zwischen den dunklen Bäumen kommen die Hovercraft-Buggies von Manuels Gang heran gefahren. Die Jungs haben inzwischen ihre Helmvisiere wieder geöffnet.

Julian, über Funk: „Unsere Bestandsaufnahme ist vollständig, Manuel.”

Manuel antwortet dem Funkspruch: „Perfekt.”

Raffael, neben Manuel: „Und außerdem haben wir jetzt das Ablenkungsmanöver, das wir noch für den zweiten Teil unserer Operation brauchen!”

Manuel verzieht einen Mundwinkel zu einem zufriedenen, selbstsicheren Grinsen.

Die Hovercraft-Buggies sind mittlerweile am Rande von Northern-G.S.T. angekommen, unmittelbar hinter den am Wald liegenden Grundstücken.

 

Im mehrstöckigen Rathaus brennt in einem der höheren Stockwerke hinter dem Fenster noch Licht.

In seinem Büro sitzt Bürgermeister Dirk Grey über einigen Akten, die auf seinem Schreibtisch liegen. Gerade blickt er auf und reibt sich die Augen.

„Das war's für heute — Schluss!”

Er schlägt die oben liegende Akte zu und steht auf. Indem er seinen Mantel und seine Tasche ergreift, blickt er sich noch einmal um. Dann schaltet er das Licht aus und schließt die Tür wieder hinter sich. Durch den Flur gelangt er zum Aufzug, der am anderen Ende um die Ecke liegt. Indem Dirk auf den Aufzug wartet, scheint ihm noch einmal die Arbeit durch den Kopf zu gehen. Da öffnen sich die Aufzugtüren, und Dirk wird aus seinen ihn quälenden Überlegungen gerissen. In der Kabine drückt Dirk auf den untersten Knopf, als sich die Türen schon wieder hinter ihm schließen. Während der Aufzug nach unten fährt, blickt Dirk unentwegt geradeaus: offensichtlich sehnt er sich nach seinem Schlaf. Als sich die Aufzugtüren erneut öffnen, bietet sich Dirk der Anblick der relativ finsteren Tiefgarage unter dem Rathaus. Dirk geht mit müdem Blick zielstrebig quer über das Parkdeck in Richtung seines Autos, das als einziges noch hier unten geparkt steht. Im Hintergrund schließen sich wieder die Aufzugtüren Auf seinem Weg blickt Dirk auf einmal auf: da war ein Geräusch irgendwo im Halbdunkel! Dirks angestrengt zusammengekniffene Augen sind im Vollbild zu sehen. Da erhellt plötzlich etwas die weiter entfernt liegende Betonwand der Tiefgarage. Augenblicklich dreht sich Dirk in die entgegengesetzte Richtung: dort leuchten ihm zwei Scheinwerfer entgegen. Dirk reißt seine Augen erschrocken auf, indem er, wie vom Schlag getroffen, stehen bleibt. Da leuchten hinter ihm zwei weitere Scheinwerfer auf. Sofort ist das Starten von Motoren zu hören, und mit einem merkwürdigen Geräusch kommen die Scheinwerfer näher. Dirk rennt zum Aufzug zurück, indem die Ansicht durch die Tiefgarage gleitet: jetzt ist zu erkennen, dass die Scheinwerfer zu zweien der Hovercraft-Buggies gehören. Mit den heruntergelassenen Helmvisieren können die Fahrer nicht identifiziert werden: in ihren Visieren spiegeln sich die Deckenlampen wider, die die Tiefgarage spärlich erleuchten. Dirk rennt durch die Tiefgarage und lässt dabei seine Aktentasche mitsamt den unter seinem Arm getragenen Unterlagen fallen: alles wird auf dem Boden verstreut. Indem die Aufzugtür aus Dirks Sicht hastig wackelnd näher kommt, spürt er seinen pochenden Herzschlag überall im Körper. Von vorn kommt das eine Hovercraft immer näher und überblendet zunehmend die Sicht, während aus der Sicht des von hinten heran schwebenden Hovercrafts zu sehen ist, wie Dirk in seiner hastigen Flucht durch die Tiefgarage gejagt wird. Mit der Kraft der Verzweiflung hat Dirk den Aufzug erreicht und drückt ununterbrochen auf den Knopf. Unweit hinter ihm schwebt das eine der Hovercrafts über die auf dem Boden liegenden Akten und wirbelt diese so auf, dass sie durch die gesamte Tiefgarage aufgewirbelt werden und überall langsam wieder zu Boden schweben. Da öffnen sich die Aufzugtüren und Dirk springt mit einem quietschenden Paniklaut hinein. In seinen Augen spiegeln sich die ihn grell blendenden Scheinwerfer des Hovercrafts wider, das ihn jede Sekunde erreicht. Da schließen sich die Türen, und in der Kabine wird es wieder dunkler. Indem die Kabine nach oben fährt, sinkt Dirk zusammen: in der ganzen Kabine ist nur noch sein quietschendes Atmen zu hören, das keine Pause mehr macht. Als sich oben die Aufzugtüren wieder öffnen, schreckt Dirk auf. Einen Moment lang blickt er wie gelähmt in den halbdunklen Korridor, dann hastet er erneut los. Gleich um die Ecke befindet sich der Schreibtisch seiner Sekretärin Ms. Sutton. Dirk kommt um die Ecke zum Schreibtisch gestürzt, jedoch steht hier vor dem Schreibtischstuhl eine weitere Person im dunklen Anzug und mit geschlossenem Helmvisier vor ihm. Der nicht Erkennbare ist gut einen Kopf kleiner als Dirk und scheint nicht allzu kräftig, obwohl er in diesem Outfit einschüchternd wirkt. Dirk bleibt auf der Stelle stehen, indem ein Blick in sein Gesicht blankes Entsetzen zeigt. Reaktionsschnell streckt die dunkle Gestalt Dirk mit einem gezielten harten Faustschlag mitten ins Gesicht zu Boden, wobei Dirk mit dem Hinterkopf gegen die Wand schlägt: bewusstlos fällt Dirk auf den Teppich des Flures. Indem die dunkle Gestalt um die Ecke tritt, öffnen sich erneut die Aufzugtüren, und zwei weitere Personen mit heruntergelassenem Helmvisier treten heraus.

Die beiden bekommen von der anderen Person die Anweisung: „Er ist versandfertig.”

An seiner Stimme ist die Gestalt als Manuel zu identifizieren.

Die anderen beiden nicken, indem sie den Bewusstlosen stützen.

 

  • 2 –

  •  

Im Lichtkegel seines Flugscheinwerfers erleuchtet Airfighter beim Verlangsamen das gesamte ursprünglich eingezäunte Gelände um Militärstation K-4 im nächtlichen Green-Stone-Forest.

Auf die Cockpitscheibe wird das Gesicht des Stationskommandanten projiziert:

„Sie haben den Elektrozaun an einer Stelle durchbrochen und sofort unseren Hauptgenerator lahmgelegt — sie waren mit einer Art Hovercrafts unterwegs!”

Ned, über Funk: „Wir checken sofort die Umgebung!”

Chris: „Dann landen wir bei Ihnen, Colonel Stroud, und verschaffen uns einen Überblick vor Ort.”

Der Colonel nickt, als seine Projektion schon wieder von der Cockpitscheibe verschwindet.

Indem Airfighter auf dem Gelände zur Landung ansetzt, schwärmt die Airforce-Staffel um Ned aus und verschwindet wieder über den dunklen Baumwipfeln.

Direkt als Airfighter aufgesetzt hat, sehen Bill und Chris durch die sich öffnende Cockpitscheibe, wie Colonel Stroud zusammen bereits mit zwei weiteren Offizieren in Militäruniform auf sie zu kommt.

Colonel Stroud: „Folgen Sie mir, ich bringe sie zur Einbruchstelle!”

Chris: „In Ordnung.”

Chris wechselt einen knappen Blick mit Bill, der sich zurück zu Airfighter dreht:

„Fertige eine detaillierte Scanauswertung vom Gelände an, Airfighter!”

Airfighters Scan-Kontrollen werden automatisch aktiviert.

Airfighter: „Scan wird initiiert.”

 

  • 3 –

  •  

Der Blick über eines der nächtlichen Grundstücke von Northern-G.S.T. hinweg zeigt einige Lichter, die bereits im dunklen Wald verschwinden.

Hier fegen die Hovercraft-Buggies über das Unterholz hinweg und kommen gerade wieder auf den Kontrollweg, der direkt am Hauptquartier der Gang vorbeiführt. Da ist eine Person zu sehen, die in der Dunkelheit am unteren Ende des Steilhanges steht, der zu der hinter den Baumwipfeln verborgenen Blechsiedlung hinaufführt.

In Raffaels Helmvisier ist das Spiegelbild der Person zu sehen, die beim Näherkommen als Juan zu erkennen ist.

Raffael: „Was will der denn jetzt hier?”

Manuel, der neben Raffael im Buggy sitzt, öffnet sein Helmvisier: „Es ist gut, dass er jetzt hier ist.”

Auch Raffael öffnet jetzt sein Helmvisier, indem die beiden langsamer fahren.

Raffael: „Aber wie wird er reagieren, wenn er Grey sieht?”

Manuel kneift seine funkelnden Augen etwas zusammen: „Wir werden nichts überstürzen.”

Indem ein weiterer Buggy vorbeifährt, ist Manuels Funkmitteilung zu hören:

„Bringt ihr den Bürgermeister ins Hauptquartier!”

Julian, der den vorbeifahrenden Buggy steuert, antwortet über Funk: „In Ordnung, Manuel.”

Manuel und Raffael bleiben mit ihrem Hovercraft-Buggy bei Juan stehen, während die übrigen Buggys vorbei fahren und in dem getarnten Höhleneingang verschwinden.

Manuel blickt seitlich aus dem Buggy heraus Juan entgegen, der auf ihn und Raffael zu tritt.

Juan blickt Manuel genau in die Augen.

Als Juan am Buggy angelangt ist, fragt ihn Manuel mit eindringlichem Blick:

„Du hast dich entschieden?”

Juan, seinen festen Blick beibehaltend: „Ja, das habe ich.”

Manuel beginnt, freudig zu lächeln, indem es in seinen Augen verführerisch aufblitzt.

Manuel steigt aus dem Buggy aus und zieht sich seinen Helm ab. Indem Raffael mit dem Buggy ebenfalls in die getarnte Höhle fährt, umarmt Manuel Juan.

Manuel, der Juan fest in die Augen blickt:

„Ich bin froh, dass du dich endlich entschieden hast — willkommen zu Hause, Juan!”

 

  • 4 –

  •  

Bill und Chris werden von Colonel Stroud über das nächtliche Gelände geführt.

Colonel Stroud: „Die Eindringlinge sind dort über den Schutzwall hinweg gesprungen mitten durch den Elektrozaun. Sie waren mit Granatwerfern bestückt und haben uns damit vom eigentlichen Überfall auf Waffenreservoir_2 abgelenkt.”

Bill: „Also können wir davon ausgehen, dass dies ihr primäres Ziel gewesen ist.”

Colonel Stroud: „So sieht es aus, Lieutenant Brown.”

Bill blickt zu Chris.

Chris: „Zusammen mit dem Überfall von letzter Nacht auf die Lagerhalle...”

Bill ergänzt: „… und der dort entwendeten Hovercraft-Technologie...”

Chris hebt die Augenbrauen: „… zeichnet sich da allmählich doch eine deutliche Spur ab!”

Colonel Stroud, hörbar besorgt: „Wenn dem so ist, dann rüsten die Angreifer auf!”

Bill: „Die Frage ist nur wofür?”

Chris hebt seinen Arm mit dem Watchcomm: „Wie ist die Bestandsaufnahme, Airfighter?”

Airfighter, über Watchcomm:

„Die Scan-Abtastung ist komplett, Chris — ich führe zur Zeit die Computerauswertung durch.”

Chris dreht seinen Kopf wieder zu Colonel Stroud und Bill.

Chris: „Dann sehen wir uns das erst mal an — Commander Burtons Airforce-Staffel sichert die Umgebung weiterhin ab, so dass sie gegen einen weiteren Überfall abgeschirmt sind, Colonel.”

Bill und Chris eilen über das verwüstete und stellenweise noch rauchende Gelände zurück zu Airfighter.

 

  • 5 –

  •  

Von der zentralen Metallplattform aus sind Manuel und Juan über einen der verzweigten Metallstege zu der am Ende gelegenen Blechhütte gelangt. Im Innern stehen zwei Betten, von denen eines ungenutzt scheint. Juan bleibt in der geöffneten Blechtür stehen, während Manuel das andere Bett ansteuert.

Manuel: „Mach´s dir bequem, Alter!”

Juan: „Ich wohne mit dir zusammen?”

Manuel schmeißt sich auf das angestrebte Bett:

„Na, klar — wir beiden führen jetzt die Gang, Juan. Darauf habe ich immer gewartet. Und ich wollte niemand sonst lieber an meiner Seite haben, Alter!”

Juan lächelt, indem er sich auf das zweite Bett setzt: „Danke.”

Manuel streift sich an der Bettkante die Schuhe aus.

Juan scheint nachdenklich.

Manuel, legt sich die Hände unter den Hinterkopf: „Alles okay, Juan?”

Juan nickt knapp: „Ja, schon.”

Manuel blickt Juan, entspannt auf seinem Bett liegend, erwartungsvoll an.

Juan: „Ich muss mich noch einleben.”

Manuel: „Bist du dir nicht sicher, ob du dicht richtig entschieden hast?”

Juan, entschlossen: „Doch, ich bin mir sicher, was meine Entscheidung betrifft.”

Manuel, mit funkelndem Lächeln: „Das ist die Hauptsache, Alter — der Rest wird schon!”

Juan nickt, indem er sich ebenfalls die Schuhe auszieht: „Ja.”

Mit seinem zufriedenen Lächeln schließt Manuel jetzt die Augen, und auch Juan legt sich hin.

 

  • 6 –

  •  

Im Dunkel der Nacht setzt Airfighter unterhalb der Airfighter-Basis wieder zur Landung an und verschwindet in der Landehöhle.

Durch die automatische Schleuse betreten Bill und Chris die Computerzentrale und öffnen erneut den Funkkanal zu Police-Airbase_002: Captain Towers´ Gesicht erscheint auf einem der Monitore in der großen Kontrollwand.

Chris: „Airfighter wertet zur Zeit die Scan-Abtastung von Militärstation K-4 aus. Sobald wir das Ergebnis haben, leiten wir es an Sie weiter, Captain.”

Captain Towers nickt: „Danke. Werden Sie zu uns rauf kommen?”

Bill: „Ja, aber wohl nicht vor morgen früh.”

Captain Towers: „Dann wünsche ich Ihnen eine gute Nacht — bis morgen dann!”

Chris: „Danke gleichfalls.”

Indem der Monitor wieder erlischt, dreht sich Chris mit müdem Blick zu Bill.

Computer: „Die komplette Auswertung wird noch ein paar Stunden brauchen.”

Bill: „Ich glaube, wir denken gerade dasselbe.”

Chris: „Zwei Nächte hintereinander durchmachen, das kriegen wir irgendwie nicht mehr so richtig hin!”

Die beiden verlassen die Computerzentrale, in der die Computer automatisch weiter arbeiten.

 

  • 7 –

  •  

Durch die allmählich feuchter werdende Nachtluft schleppen zwei der Jugendlichen aus Manuels Gang den immer noch bewusstlosen Dirk Grey über den Trampelpfad und über die Leiter in die Blechsiedlung hinauf: Dirk sind die Augen mit einem Tuch verbunden worden. Von der Metallplattform im Zentrum der Siedlung aus nehmen sie eine Abzweigung des rechten Metallstegs, der sie zu einer Blechhütte führt, die sich direkt am Felshang befindet: Nach hinten und zu den beiden Seiten ist sie vom Gestein umschlossen, und nur nach vorn besteht sie aus stabilen Metallplatten; die Tür ist von außen mit einem stabilen Riegel versehen. Jetzt sind die beiden Jungs als Raffael und Julian zu erkennen, während sie Dirk in der Blechhütte auf einen Stuhl setzen und ihn dort mit einem dicken Seil festbinden: Seine Hände binden sie hinter der Rückenlehne nochmals zusammen und auch seine Füße binden sie an die Stuhlbeine; seine Augen sind nach wie vor verbunden.

 

Um Jessicas Haus zieht die feuchte Morgenluft über die große Wiese auf Jessicas Grundstück: auf ihrer Veranda schlägt Jessica gerade langsam die Augen auf. Sie ist mit einer Wolldecke zugedeckt, und neben ihr auf dem Tisch steht noch die leere Tasse. Jessica reibt sich die Augen, wobei ihr Blick einmal über ihr Grundstück schweift: aus dem umliegenden Green-Stone-Forest ziehen feuchte Nebelschwaden. Dann steht Jessica auf und nimmt ihre Tasse mit ins Haus hinein.

 

Ebenfalls umgeben vom feuchten Morgennebel, geht Manuel mit zielstrebigen Schritten über einen der Metallstegs und umrundet dabei die halbe Blechsiedlung auf gut überschaubarer Höhe. Von einem anderen Steg aus tritt Julian zu ihm.

Julian: „Morgen, Manuel.”

Manuel: „Morgen. Habt ihr Grey gut untergebracht?”

Julian grinst knapp: „Alles, wie abgesprochen.”

Manuel: „Gut”

Beide gehen weiter über den Steg in Richtung Felshang.

Julian: „Was macht Juan?”

Manuel: „Er schläft noch.”

Manuels unbeschwerter Tonfall zeigt, dass er den Unterton in Julians Frage ignoriert hat.

Am Felshang angekommen, stößt auch Raffael zu den beiden, indem sie sich zu der verriegelten Blechhütte begeben, in der Dirk gefangen gehalten wird.

Raffael schiebt den Riegel beiseite und öffnet die Blechtür.

Als der schwache Lichtschein auf Dirk fällt, blickt dieser auf: zwar hat er die Augen nach wie vor verbunden, jedoch scheint er den Lichtschein bemerkt zu haben.

Manuel und Julian treten direkt auf Dirk zu, während Raffael in der geöffneten Tür stehenbleibt: Dirks Atmen wird lautet.

Manuel: „Guten Morgen, Mister Grey. Herzlich willkommen!”

Dirk: „Was wollen Sie von mir?!”

Manuel: „Eigentlich, Mister Grey, haben wir schon alles von Ihnen bekommen, was wir wollen — denn Sie sind ja hier.”

Manuel grinst mit funkelndem Blick.

Dirk, mit Inbrunst: „Ich werde in keinster Weise mit Ihnen kooperieren!”

Manuels Grinsen verbreitert sich: „Das brauchen Sie auch gar nicht mehr — Ihre bloße Anwesenheit bei uns reicht schon aus, Mister Grey.”

Indem Manuel zusammen mit dem in der Tür stehenden Raffael die Blechhütte wieder verlässt, bleibt Julian mit verschränkten Armen und mit entschlossenem Blick bei Dirk stehen.

Draußen gehen Manuel und Raffael über den Metallsteg zurück zur zentral gelegenen Plattform.

Manuel: „Ist die Webcam bereit?”

Raffael: „Ja, es ist alles vorbereitet.”

Manuel grinst: „Sehr schön.”

 

Von den ersten schwachen Sonnenstrahlen, die durch sein Fenster scheinen, wird Chris in seinem Bett aufgeweckt: müde streckt er sich noch einmal, bevor er dann endgültig seine Augen aufschlägt.

Ein paar Minuten später betritt Chris die Küche, wo ihm bereits wohltuender Kaffeegeruch entgegenkommt.

Bill steht neben der Kaffeemaschine: „Guten Morgen, Chris.”

Chris: „Guten Morgen, Bill. Wie hast du's denn geschafft, so schnell schon wieder auf den Beinen zu sein?”

Bill, grinsend: „Tja, ich bin vielleicht im Dienst!”

Chris: „Ach, ja — sehr von Nachteil!”

Bill: „Musstest du bei der Airforce nicht auch sehr früh aufstehen, Chris?!”

Chris, indem er sich einen Kaffee einschüttet:

„Gelegentlich — das Schlimmste war die Grundausbildung.”

Bill: „Wie hast du die nur überstanden?”

 

Kurz darauf gehen beide mit zielstrebigen Schritten über die große Wiese des Grundstücks in Richtung der unterirdischen Computerzentrale. Durch den aus dem umliegenden Wald ziehenden Nebel ist Green-Stone-Town unten im Tal noch nicht zu erkennen.

In dem Moment, als Bill und Chris die Computerzentrale betreten, wird diese automatisch erhellt. Die beiden treten zu der großen metallenen Kontrollwand.

Chris: „Wie ist der Status, Computer?”

Computer: „Die Scanauswertung ist abgeschlossen, Chris.”

Bill: „Dann lass mal sehen!”

Auf einem der Bildschirme erscheinen die ausgewerteten Daten.

Computer: „In der Tat sind nirgendwo Reifenspuren oder ähnliches zu finden, was die Angaben bestätigt, dass es sich um Fahrzeuge mit Hovercraft-Antrieb gehandelt hat.”

Bill: „Dann gehen wir mal davon aus, dass es sich um die gestohlene Hovercraft-Technologie aus der Lagerhalle handelt.”

Computer: „Die Rekonstruktion der Angriffsspuren bestätigt die Aussagen Colonel Strouds: die Angreifer sind durch den Elektrozaun gebrochen und haben den Generator zerschmettert. Außerdem sind sie in das besagte Waffenreservoir eingebrochen, während die übrigen Angreifer auf dem gesamten Gelände Granaten abgefeuert haben müssen. Über die Anzahl der Fahrzeuge lässt sich nichts Genaues sagen.”

Chris: „Was ist mit den Granaten?”

Computer: „Ein paar der Geschosse waren im Scan noch zu identifizieren. Sie verfügen allerdings über keinen registrierten Formtyp, der Aufschluss darüber zuließe, ob es sich um Militärgeschosse oder Spezialanfertigungen handelt.”

Bill, eher laut denkend: „Kein registrierter Formtyp...”

Chris bringt Bills Gedanken zu Ende: „… Schwarzmarktware!”

Bill und Chris blicken einander an.

Bill: „Ein terroristischer Anschlag?”

Chris: „Ich denke weniger: das ergibt irgendwie keinen Sinn.”

Bill: „Es sei denn, die bereiten ihren eigentlichen Anschlag erst noch vor.”

Chris erwidert Bills Blick noch einen Moment lang, dann dreht er sich wieder zur Kontrollwand.

Chris: „Computer, versuch noch mal, Jessica zu erreichen.”

 

Jessica verlässt gerade ihr Badezimmer, als ihr Watchcomm piept.

Jessica: „Guten, Morgen, Jungs.”

 

Chris: „Guten Morgen, Jessica. Na, bist du schon wach?”

 

Jessica verlässt gerade ihr Haus: „Nicht nur das: ich bin sogar schon auf dem Weg zu euch!”

 

Chris: „Hey, super — dann erübrigt sich mein Anruf eigentlich!”

 

Jessica öffnet das Tor zu ihrem Grundstück und geht dann zum Auto zurück:

„Ist Juan auch schon bei euch?”

Chris, über Funk:

„Ich habe ihn bisher noch nicht wieder erreicht, ich versuch´s aber gleich noch mal.”

Jessica blickt beim Einsteigen in ihr Auto auf: „Ja, okay — bis gleich dann!”

 

Chris: „Ja — bis gleich, Jessie!”

Chris blickt wieder zu Bill.

Chris: „Computer, ist Juan mittlerweile wieder erreichbar?”

Computer: „Negativ, Chris — offenbar hat er seinen Watchcomm deaktiviert.”

Bill kneift seine Augen etwas zusammen.

Chris: „Dann machen wir's anders: Computer, scanne ganz G.S.T. nach Juans Biosignatur ab, und gib mir Bescheid, sobald du ihn geortet hast!”

Computer: „Aye, Chris.”

Auf einem weiteren der zahlreichen Monitore in der Kontrollwand erscheint eine schematische Übersicht von ganz Green-Stone-Town, in der die einzelnen Flächen nacheinander rot aufleuchten, indem sie von der Airfighter-Basis aus gescannt werden.

Bill hat die deutlich herauszuhörende Verärgerung in Chris´ Stimme nickend zur Kenntnis genommen.

Bill: „Ich teile Captain Carter unseren momentanen Kenntnisstand mit.”

Chris: „Ich fahre noch mal zur Turnhalle. Vielleicht hat sich Juan doch noch mal auf seine Aufgaben besonnen!”

Chris hat bei seinen letzten Worten — wohl eher unwillkürlich — leicht gegen die Metallwand geschlagen.

Bill, mit eindringlichem, aber ruhigem Tonfall:

„Das musst du unbedingt mit ihm klären: so geht das nicht!”

Chris bleibt noch einmal vor der Öffnung zum Ein-Etagenaufzug stehen:

„Worauf du dich verlassen kannst, Bill!”

 

Chris fährt in seinem Auto den Berg nach Green-Stone-Town hinunter: allmählich lichtet sich der morgendliche Nebel, und der strahlend blaue Himmel wird zunehmend sichtbar.

Vor der Turnhalle sind einige der Mitglieder aus Juans Jugendgruppe gerade dabei aufzuräumen. Als Chris vorgefahren kommt, blicken die Jungs direkt auf.

Chris kommt schnellen Schrittes auf sie zu.

Jonathan: „Hey, Chris — guten Morgen.”

Chris: „Guten Morgen zusammen.”

Jonathan: „Was hat's denn mit dem Alarmsignal letzte Nacht gegeben?”

Chris: „Eine Militärstation ist überfallen worden.”

Der Junge bei Jonathan verzieht sein Gesicht: „Das klingt aber nicht gut!”

Chris: „Nicht wirklich. Aber sag, hat sich Juan inzwischen noch gemeldet?”

Jonathan: „Nein. Allmählich wäre das schon noch mal erforderlich!”

Chris: „Du sagst es.”

Chris´ Tonfall lässt auch Jonathan seine Wut erkennen.

Jonathan: „Ich denke, du musst mal dringend mit ihm reden, Chris.”

Chris blickt Jonathan entschlossen an: „Das habe ich auch vor!”

Der Junge neben Jonathan wirft ein: „Wenn sich der Bürgermeister das nächste Mal nach unserer Gruppe erkundigt, stehen wir nämlich ganz schön dumm da!”

Chris: „Nicht ihr, sondern Juan!”

Chris nickt den beiden zu, dann eilt er wieder zu seinem Auto zurück. Als Chris gerade eingestiegen ist, erhält er über Watchcomm die Nachricht: „Juans Biosignaturen lokalisiert.”

Sofort blickt Chris auf das kleine Display, wo der Bereich um die Auffahrt aus G.S.T.-City auf den Highway angezeigt wird.

Jonathan und der andere Junge blicken erneut auf, als Chris plötzlich mit quietschenden Reifen davon rast.

 

  • 8 –

  •  

Am Fuße des Steilhangs zur Blechsiedlung tritt Raffael gerade in Shorts in den rauschenden Bach, um sich darin zu waschen. Da kommt Chris´ Auto unter der Autobahnauffahrt hindurch gerast und bleibt mit einer Staub aufwirbelnden Vollbremsung genau unterhalb des Steilhanges stehen. Sofort steigt Chris aus und geht, dem Scan-Bild auf dem Display seines Watchcomms folgend, den Trampelpfad entlang den Hang hinauf. Raffael blickt, nichts Gutes ahnend, hinter Chris her. Als Chris oberhalb der Baumkronen angelangt ist, ist seinem Gesichtsausdruck die Überraschung anzusehen, als er hier die Blechsiedlung im Felshang erblickt. Von der ersten Blechhütte am oberen Ende der Leiter aus haben ihn sofort die beiden Jungs entdeckt, die Wache halten.

„Hol sofort Manuel her!”

„Schon unterwegs, Alter!”

Chris ist bereits am unteren Ende der Leiter angelangt.

Der Junge ruft ihm von oben zu: „Okay, Mann — das ist weit genug!”

Chris blickt ihn wortlos mit wütendem Gesichtsausdruck an, indem er die Leiter hochklettert.

Der Junge ergreift den Baseballschläger neben sich: „Hey, Mann — ich sagte, das reicht!”

Als Chris gerade die letzte Sprosse ergreift, holt der Junge aus und schlägt mit dem Baseballschläger zu — doch Chris lässt in demselben Moment die Sprosse wieder los und schlägt dem Jungen mit seinem Arm die Beine mit einem kräftigen Schlag weg. Mit einem lauten Schrei stürzt der Junge die paar Meter nach unten und purzelt anschließend den Hang hinunter. Chris, der hiervon gar keine Notiz genommen hat, geht jetzt durch die erste Blechhütte hindurch. Auf der anderen Seite, wo der verzweigte Metallsteg beginnt, kommen zwei weitere der Gangmitglieder auf Chris zu gestürzt, um ihn niederzuschlagen. Reaktionsschnell versetzt Chris dem einen von beiden einen harten Kinnhaken, der diesen noch mit dem Kopf gegen die Wand einer der Blechhütten schlagen lässt, während Chris fast zeitgleich den anderen mit einem Highkick vom Metallsteg hinunter wirft. Chris geht weiter über den Metallsteg auf die zentrale Plattform zu: vom linken Steg aus eilen Manuel und Juan auf die Plattform, während vom rechten Steg Julian und ein paar weitere der Gangmitglieder dazustoßen.

Indem Chris auf Manuel zu kommt, zeigt Manuel einen reglosen Gesichtsausdruck:

„Ich würd´ sagen, das ist jetzt weit genug, Chris.”

Da stößt Chris Manuel schon zur Seite und packt den direkt dahinter stehenden Juan am Kragen und rammt diesen mit dem Rücken gegen das metallene Geländer.

Juan, sichtlich verärgert: „Lass mich sofort los!”

Chris, vor Wut kochend:

„Willst du vielleicht auch mal wieder zur Vernunft kommen oder was?!”

Von hinten packt Julian Chris hart an der Schulter, um ihn wegzureißen: „Hey, du Arsch...”

Blitzschnell schlägt Chris Julian seinen Ellenbogen mitten ins Gesicht, so dass Julian nach hinten geworfen wird und mit dem Kopf gegen das Metallgeländer schlägt.

Juan versucht, sich gegen Chris zu wehren: „Lass mich gefälligst los!”

Chris brüllt ihn an:

„Hast du wenigstens mal an deine Kids gedacht? Ich komme gerade von Jonathan!”

Juan sagt für den Moment nichts mehr und versucht nur weiterhin, sich gegen Chris zu wehren.

Chris rüttelt Juan jetzt zusätzlich: „Junge, wann wirst du denn mal wieder klar in der Birne?!”

Jetzt hat Juan Chris ein Stück zurückgestoßen, so dass er nicht mehr gegen das Geländer gedrückt wird.

Juan brüllt ebenfalls: „Lass mich doch einfach mal in Ruhe! Du hast mir gar nichts mehr zu sagen! Spiel dich gefälligst nicht so auf!”

Im nächsten Moment verpasst Chris Juan einen Kinnhaken, der diesen erneut gegen das Geländer schlagen lässt.

Chris: „Es reicht, Juan!”

Sofort stürmt Juan auf Chris zu und holt selbst zum Schlag aus.

Juan: „Halt doch einfach mal dein Maul!”

Doch Chris fängt Juans Schlag ab, dreht ihm den Arm auf den Rücken und nimmt ihn in den Würgegriff.

Chris brüllt: „Du hast eine Verantwortung, Juan — du kannst nicht einfach so abhauen!”

Juan, im Würgegriff keuchend: „Lass mich auf der Stelle los, Chris!”

Da hört Chris hinter sich, wie Abzüge gespannt werden. Als Chris aufblickt, sieht er, wie Manuel und der aus der Nase blutende Julian Automatikpistolen auf ihn gerichtet halten. Vor Wut schnaubend, lässt Chris Juan los. Dieser holt erst einmal wieder Luft.

Manuel, in unheimlich ruhigem Tonfall: „Verpiss dich, auf der Stelle!”

Julian zielt mit eiskaltem Blick genau auf Chris´ Kopf: in seinen Augen glüht es vor Wut. Aus den Augenwinkeln sieht Chris, dass auch die anderen um ihn herumstehenden Gangmitglieder Waffen bereithalten. Wieder treffen sich Chris´ und Manuels fest entschlossener Blick. Hinter Chris hat sich Juan wieder aufgerappelt und tritt näher an Chris heran. Chris blickt nur leicht über die Schulter nach hinten, da hält Juan schon wieder inne.

Juan, immer noch etwas keuchend:

„Jetzt hau endlich ab, Chris! Misch dich nie wieder in mein Leben ein!”

Chris zischt Juan mit funkelndem Blick an:

„Hol deine Sachen ab und verschwinde ein für allemal!”

Chris´ eisiger Blick trifft wieder auf Manuels festen Blick. Mit regungsloser Miene und wütend funkelndem Blick geht Chris an Manuel und Julian vorbei über den Metallsteg zurück zum Ausgang der Blechsiedlung. Die Gangmitglieder blicken stumm hinter Chris her und halten immer noch ihre Waffen bereit. Chris kommt den Hang herunter und steigt mit unveränderter Miene in sein Auto ein. Mit Vollgas brettert er davon, indem Raffael wieder aus dem Bach steigt: er ergreift den Stapel seiner getragenen Wäsche und geht barfuß den Hang hinauf. Auf der Seite liegt immer noch der Junge im Gras, den Chris nach unten geworfen hat.

Oben auf der Metallplattform blickt Juan wortlos über das Geländer nach unten. Manuel legt ihm von hinten die Hand auf die Schulter: „Du hast das Richtige getan, Juan. Gut gemacht!”

Währenddessen schmiert sich Julian mit der Hand das Blut aus dem Gesicht.

 

  • 9 –

  •  

Ein Auto kommt die Einfahrt in die Tiefgarage unter dem Rathaus heruntergefahren. Es ist an diesem Morgen das erste Auto, das hier eintrifft: am Steuer sitzt Ms. Sutton. Sie parkt auf einem der Frauenparkplätze direkt beim Aufzug ein. Als Ms. Sutton aussteigt, bemerkt sie beim Blick über das Autodach hinweg die inmitten der Tiergarage auf dem Betonboden verstreuten Unterlagen im Lichte der Parkdeckbeleuchtung. Die Stirn runzelnd, geht Ms. Sutton zu den Unterlagen und sammelt diese auf.

„Aber die gehören doch Mister Grey!”

Hastig steht Ms. Sutton wieder auf und blickt einmal über das gesamte Parkdeck hinweg: sie sieht Dirks Auto auf dem Parkplatz am anderen Ende der Tiefgarage stehen. Schnellen Schrittes eilt Ms. Sutton zurück zum Aufzug und fährt nach oben. Als sich hier die Türen erneut öffnen, eilt sie um die Ecke den Korridor entlang und klopft am anderen Ende an die Tür, hinter der sich Dirks Büro befindet. Als sie keine Antwort erhält, versucht Ms. Sutton nach kurzem Überlegen, die Tür zu öffnen: doch sie ist abgeschlossen.

Ms. Sutton: „Mister Grey?!”

Ms. Sutton klopft noch einmal etwas lauter an die Tür: „Mister Grey, sind sie schon hier?”

Mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck geht Ms. Sutton den Korridor zurück zu ihrem Schreibtisch. Als sie an der Stelle angelangt ist, wo Dirk in der letzten Nacht von Manuel niedergeschlagen worden ist, bleibt sie abrupt stehen und zeigt jetzt einen erschrockenen Blick.

 

In der Airfighter-Computerzentrale, wo Jessica inzwischen eingetroffen und von Bill über das Geschehene unterrichtet worden ist, geht gerade ein Funkspruch Captain Carters vom Main Policedepartment ein: „Miss Ricks, Bill, wir haben gerade einen Anruf aus dem Rathaus erhalten, dass Bürgermeister Grey möglicherweise gekidnappt worden sei!”

Jessica blickt Bill erschrocken an.

Bill: „Verstanden, Captain. Sollen wir auch zum Rathaus kommen?”

Carter: „Ich habe vor wenigen Minuten eine Staffel losgeschickt. Aber es wäre gut, wenn wir Airfighter dabei hätten!”

Bill: „In Ordnung, Captain. Wir brechen sofort auf!”

Jessica: „Von oben können wir uns einen besseren Überblick verschaffen!”

Captain Carter nickt beiden zu, indem sein Bild wieder vom Bildschirm verschwindet.

Sofort betätigt Bill seinen Watchcomm: „Chris?”

 

In seinem Auto biegt Chris gerade schon wieder auf die Straße, die den Berg zur Airfighter-Basis hinauf führt.

Chris, knapp: „Ja, Bill?”

 

Bill: „Captain Carter hat uns gerade informiert, dass er eine Polizeistaffel zum Rathaus geschickt hat. Möglicherweise ist Bürgermeister Grey gekidnappt worden!”

 

Hinter dem Steuer blickt Chris auf: „Ich bin in wenigen Minuten wieder bei euch, Bill!”

 

Bill: „Okay, Chris — wir machen Airfighter startklar!”

 

Chris. „Verstanden, Ende.”

Chris´ Blick ist starr, und seine Stimme klingt emotionslos.

 

Mit Blaulicht und heulenden Sirenen rast eine Polizeistaffel durch G.S.T.

 

Chris tritt zu Bill und Jessica in die Computerzentrale.

Auf die fragenden Blicke hin reagiert Chris mit der eigenen knappen Frage:

„Dirk Grey ist möglicherweise gekidnappt worden?”

Jessica kommt Bill mit ihrer sie am meisten beschäftigenden Frage zuvor:

„Hast du Juan Bescheid gegeben?”

Chris beißt vor Wut kurz seine Zähne zusammen: „Den können wir abschreiben!”

Bill blickt erschrocken auf, aber wieder kommt Jessica ihm zuvor:

„Was?! Warum das denn? Wie meinst du das denn?!”

Chris schlägt gegen die Metallwand:

„So, wie ich's gesagt habe, Jessie: den Idioten können wir vergessen!”

Jessica blickt entsetzt, aber diesmal kann Bill schneller etwas sagen:

„Hey, ganz ruhig, Chris. Komm mal wieder runter!”

Noch zweimal schlägt Chris gegen die Metallwand, dann stützt er sich dort ab.

Bill klopft Chris auf die Schulter, während Jessica vor Entsetzen wie erstarrt daneben steht.

Bill: „Es lief nicht so gut mit Juan?”

Chris blickt Bill zur Seite hin an: „Ich hatte gerade erst damit begonnen, ihn mir vorzuknöpfen, aber Manuel und noch ein paar andere aus seiner Gang haben mich von Weiterem abgehalten.”

Noch immer klingt Chris wütend, aber nach den Schlägen gegen die Wand scheint er sich schon hörbar abreagiert zu haben.

Jessica: „Was soll das denn jetzt heißen?”

Bill liest zunächst noch in Chris´ Gesicht, dann dreht er sich zu Jessica:

„Jessie, Juan hat wohl vor, zu Manuel in seine alte Gang zurückzukehren.”

Jessica: „Dann müssen wir ihn davon abhalten!”

Chris, schnaubend: „Was meinst du, was ich gerade versucht habe?! Ich würde Juan am liebsten das Fell über die Ohren ziehen!”

Bill klopft Chris erneut auf die Schulter: „Beruhige dich.”

Bill blickt wieder zu Jessica: „Juan muss seine eigenen Entscheidungen treffen.”

Jessica: „Dann rede ich mit ihm — das kann doch wohl nicht sein Ernst sein!”

Bill schüttelt mit ruhigem Blick den Kopf.

Chris schlägt im Hintergrund noch einmal gegen die Wand:

„Okay, Leute — kommt schon: wir haben gerade Wichtigeres zu tun!”

Bill nickt zustimmend, während Jessicas Blick immer noch ihre Aufgewühltheit zeigt.

 

  • 10 –

  •  

Indem Raffael barfuß wieder den Pfad in die Blechsiedlung heraufkommt, steht Manuel mit verschränkten Armen auf dem erhöhten Anfang des Metallstegs, von wo aus er den ganzen Hang überblicken kann. Raffael klettert die Leiter zu Manuel hoch.

Raffael: „Chris macht Ärger?!”

Manuel, dessen Blick immer noch den Hang entlang gleitet:

„Das stellt kein wirkliches Problem dar.”

Jetzt blickt Manuel Raffael an: „Wir sind hier in G.S.T. fast fertig. Sobald wir das Video gedreht haben, bringen wir Grey zum Zweitlager. Dann kann uns egal sein, ob Chris hier Ärger macht.”

Raffael nickt, indem er jetzt Manuel durch das erste Blechhaus zurück auf den großen Metallsteg folgt. Über eine der Verzweigungen gehen die beiden zielstrebig wieder zu der Blechhütte, in der Dirk Grey gefangen gehalten wird. Unterwegs kommen sie an einer weiteren Blechhütte vorbei, aus der ihnen Julian zwei der dunklen Anzüge mit den dazugehörigen Helmen anreicht. Zu dritt betreten sie die Hütte mit Dirk und ziehen sich hier um. Raffael legt seinen Wäschestapel, den er nach der Flussdusche immer noch mit sich getragen hat, am Eingang der Hütte ab und stellt hier jetzt eine Webcam auf, die auf den auf dem Stuhl gefesselten Dirk gerichtet ist.

Dirk, nach wie vor mit verbundenen Augen:

„Ich sage es noch einmal: ich werde nicht kooperieren!”

Manuel, indem er sich gerade seinen Helm aufzieht:

„Hey, ganz locker, Chef: das haben wir doch alles schon durch!”

In diesem Moment tritt Julian mit einer Rolle Klebeband von der Seite an Dirk heran. Mit einem entschlossenen Blick zieht Julian einen Streifen vom Klebeband ab und klebt diesen Dirk über den Mund — Dirk kann nur noch einen kurzen, unverständlichen Laut von sich geben.

Manuel tritt jetzt genau vor Dirk und grinst zufrieden: „Sie haben jetzt nur noch einen Fernsehtermin, und das war's auch schon, Mister Grey!”

Manuel dreht sich nach hinten zu Raffael an der Webcam, dieser nickt Manuel zu: „Okay!”

Während Julian sich mit verschränkten Armen hinter Dirk positioniert, stellt sich Manuel rechts vor Dirk; Raffael stellt sich direkt neben den Gefesselten: alle drei schieben jetzt ihre Helmvisiere herunter, so dass sie nicht mehr zu erkennen sind.

Raffael dreht sich zu Dirk: „Drehen Sie Ihren Kopf geradeaus!”

Doch Dirk reagiert nicht: er blickt mit den verbundenen Augen absichtlich zur Seite weg.

Kurz entschlossen, greift Raffael in seinen Wäschestapel, den er neben der Webcam abgelegt hat, und drückt Dirk seine getragenen Socken von der Seite genau vor die Nase. Abrupt dreht Dirk seinen Kopf nach vorn. Raffael lacht amüsiert unter seinem Helm hervor.

Manuel dreht sich wieder zur Webcam: „Fangen wir an!”

 

In der Webcam-Aufnahme ist jetzt der gefesselte und geknebelte Dirk Grey zu sehen, wie er von drei Personen in dunklen Anzügen mit undurchsichtigen Helmen umgeben ist.

Manuel, allerdings mit elektronisch verzerrter Stimme: „Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, fällt es Ihnen jetzt auf, dass wir Bürgermeister Grey gekidnappt haben. Wir verlangen vom Town-Department of G.S.T. den zusammen mit dieser Nachricht ins Netz gestellten Betrag in Bar. Ort und Zeit der Übergabe werden wir in Kürze bekannt geben.”

Das Video ist soeben auf dem Hauptschirm in der Einsatzzentrale von Police-Airbase_002 abgespielt worden ist.

Der Blick in Captain Towers´ Gesicht zeigt seine böse Überraschung.

 

In der Airfighter-Computerzentrale meldet der Computer Chris, Bill und Jessica gerade eine eingehende Transmission von Police-Airbase_002.

Chris: „Okay, stell die Nachricht durch!”

Auf einem der Monitore erscheint wieder das Gesicht Captain Towers´: „Wir haben soeben die Bestätigung dafür erhalten, dass Mister Grey gekidnappt worden ist!”

Hinter Chris blicken Bill und Jessica abrupt auf, im Vordergrund kneift Chris seine Augen leicht zusammen.

Captain Towers fährt fort:

„Die Kidnapper haben ein Beweisvideo mitsamt ihrer Forderung ins Internet gestellt!”

Chris, Bill und Jessica blicken Captain Towers mit gebannten Blicken entgegen.

 

  • 11 –

  •  

Manuel, Raffael und Julian haben gerade wieder den Riegel vor die Blechhütte geschoben und ihre Helme abgenommen.

Manuel blickt die beiden an: „Für die Übergabe brauchen wir noch einmal unser volles Aufgebot, danach bringen wir die Buggys nach und nach zum Zweitlager.”

Julian: „Bei der Übergabe wird es wohl hoch hergehen!”

Manuel: „Darauf sind wir vorbereitet.”

Raffael, mit sicherem Grinsen: „Wir haben jetzt alles, was wir brauchen, um uns einen deutlichen Vorteil ´rauszuholen!”

Manuel verzieht einen Mundwinkel zu einem halben Grinsen: „Du sagst es, Alter!”

 

  • 12 –

  •  

Das Rathaus in Green-Stone-Town-City:

Mehrere Streifenwagen mit Blaulicht stehen auf der ganzen Straße verteilt, und überall im Inneren sind die im Einsatz befindlichen Polizeibeamten zu sehen. Oben am blauen Morgenhimmel donnert Airfighter in dieser Sekunde heran und bezieht genau über dem Rathaus Stellung.

Im Cockpit sitzen Bill und Chris an den Steuerkontrollen, und auf die Cockpitscheibe ist gerade das Gesicht Captain John Carters projiziert.

Carter: „Unsere Leute haben das Rathaus bereits gesichert. Sie sind von 002 sofort über die bestätigte Entführung informiert worden.”

Als das Gesicht Captain Carters wieder von der Cockpitscheibe verschwunden ist, wird dahinter die Luftansicht auf das Rathaus frei.

Chris blickt auf Bildschirm_1, wo Jessica zu sehen ist.

Jessica: „Airfighter übersendet mir die von euch aufgenommenen Daten, und ich gebe sie sofort in den Computer ein.”

Chris nickt ihr zu: „Nach der Bestandsaufnahme hier fliegen wir hoch zu 002.”

Jessica: „Ich komme dann später mit der Airfighter-Basis hinterher.”

Bill: „Airfighter, initiiere einen Intensiv-Scan des gesamten Rathauses und seiner Umgebung!”

Airfighter: „Scan wird initiiert, Bill.”

Langsam senkt sich Airfighter auf das Dach des großen Rathauses hinab.

Chris: „Wir schalten unsere Watchcomms auf Intensiv-Scan, Bill.”

Bill nickt: „Alles klar, Chris.”

Als Airfighter auf dem Dach aufgesetzt hat, öffnet sich die Cockpitscheibe, und sogleich treten Bill und Chris ein paar Police-Officers entgegen, die die beiden mit ins Innere nehmen und dabei instruieren. Durch eine Dachluke und über eine Metallleiter gelangen sie in die oberste Etage des Rathauses.

Der Officer an der Spitze weist ihnen den Weg:

„Der Aufzug befindet sich am anderen Ende des Korridors.”

Bill: „Haben Sie bereits Greys letzte Schritte vor seiner Entführung rekonstruieren können, Officer?”

Gerade öffnen sich die Aufzugtüren

Officer: „Sehr wahrscheinlich, Sir.”

Sie fahren mit dem Aufzug nach unten.

Officer: „Ich bringe Sie zuerst in die Etage, in der sich Mister Greys Büro befindet. Dort nehmen wir zur Zeit auch die Aussage von Ms. Sutton auf, Greys Sekretärin.”

 

Am Ende des Korridors mit Dirk Greys Büro stehen zwei weitere Officers bei Ms. Sutton, die hinter ihrem Schreibtisch Platz genommen hat. Hier öffnen sich die Aufzugtüren erneut, und Bill und Chris werden in die Etage geleitet.

Der Officer bei Chris und Bill weist auf Ms. Sutton:

„Ms. Suttons Aussage wird gerade zu Protokoll genommen.”

Ms. Sutton blickt kurz zu Bill und Chris.

Chris nickt ihr zu.

Bill: „Guten Morgen.”

Der Officer führt Bill und Chris weiter durch den Korridor bis zu Dirk Greys Büro: Die Tür steht offen, und auch im Büro sind zwei Officers dabei, nach Spuren zu suchen.

Officer: „Es deutet alles daraufhin, dass Grey sein Büro ohne Hast verlassen hat. Die Entführer müssen ihn also erst später verschleppt haben.”

Bill: „Wohin ging's von hier aus weiter?”

Officer: „In die Tiefgarage, wo auch immer noch sein Auto parkt.”

Chris nickt bestätigend, und sie gehen zurück zum Aufzug.

 

In der Tiefgarage verlassen Bill und Chris zusammen mit dem Officer den Aufzug zum zweiten Mal, und gehen bis in die Mitte des Parkdecks.

Der Officer weist auf Dirks Auto:

„Dort hinten steht Mister Greys Auto. Wir haben es bereits überprüft — keine Spuren.”

Chris: „Demnach muss Mister Grey seinen Entführern in die Hände gefallen sein, nachdem er sein Büro verlassen hat, aber noch bevor er sein Auto erreichen konnte.”

Der Officer nickt: „Das ist unser Ermittlungsstandpunkt zur Zeit, Commander.”

Bills Blick gleitet über die auf dem Boden verstreuten Unterlagen.

Bill: „Was ist das?”

Officer: „Ms. Sutton hat sie als Mister Greys Unterlagen identifiziert.”

Bill: „Also ist dies hier wohl der Tatort.”

Bill und Chris blicken einander an.

Officer: „Die Spurensicherung überprüft zur Zeit die gesamte Tiefgarage — bisher jedoch sind noch keine Reifenspuren gefunden worden, die auf ein schnelles Fahrmanöver oder eine Vollbremsung schließen ließen.”

Chris´ und Bills Blicke schweifen misstrauisch über das dunkle Parkdeck.

 

  • 13 –

  •  

Hoch über Green-Stone-Town dockt Airfighter vor dem Hintergrund des blauen Himmels an der großen Police-Airbase_002 an.

Hinter der Panzerglasscheibe sitzen Chris und Bill im Einsatzbesprechungsraum zusammen mit Captain Towers und zwei Sicherheitsoffizieren am großen Konferenztisch, während der Wandschirm im Hintergrund die Luftaufnahme des Rathauses zeigt.

Captain Towers: „Die Entführer haben uns sofort die Pistole auf die Brust gesetzt. Wir kennen ihre Bedingungen und erhalten unsere Anweisungen.”

Bill: „Da bleibt kein Spielraum mehr.”

Einer der Sicherheitsoffiziere fährt fort: „Was wohl genau deren Absicht ist: sie haben klare Forderungen gestellt, und nur wenn wir denen nachkommen, werden sie den Bürgermeister wieder freigeben.”

Der zweite Sicherheitsoffizier ergänzt: „Wir gehen also davon aus, dass wir es nicht mit blutigen Anfängern zu tun haben. Somit wird auch ihre Lösegeldforderung wohl kaum aus Gier gestellt worden sein.”

Chris, nachdenklich: „In dem Falle wissen sie genau, wozu sie das Geld benötigen...”

Captain Towers: „Davon gehen wir aus.”

Bill: „Und falls dem nicht so ist, würde das die Sache für uns ja nur erleichtern.”

Chris: „Was halten Sie davon, dass in der Tiefgarage keinerlei Reifenspuren aufzufinden sind?”

Chris und der eine Sicherheitsoffizier blicken einander in die Augen: beide scheinen dasselbe zu denken.

Der andere Sicherheitsoffizier bestätigt nickend: „Ja, es liegt durchaus nahe, dass es sich auch hier um diese unbekannte Hovercraft-Truppe handelt.”

Chris dreht seinen Kopf zu Bill, der seinen Blick erwidert.

 

  • 14 –

  •  

Am anderen Ende der großen Metallplattform, die im Zentrum der Blechsiedlung liegt, stehen Juan und Manuel im Innern des etwas höher gelegenen Hauses: die Blicke der beiden streifen gerade über die Blechsiedlung hinweg.

Juan, ohne sich zu Manuel zu drehen: „Wie genau sieht nun euer Plan aus, Manuel?”

Manuel blickt ebenfalls unentwegt geradeaus über die Siedlung hinweg:

„Unsere Ziele haben sich seit damals nicht geändert, Juan. Und dafür kämpfen wir weiterhin.”

Juan grinst halb: „Aber um unsere Ziele zu realisieren, benötigen wir schon etwas mehr als eine intakte Hovercraft-Armee.”

Manuels Gesichtsausdruck bleibt weiterhin ernst:

„Das ist völlig richtig. Und genau das ist jetzt aber in greifbare Nähe gerückt.”

Juan dreht sich jetzt, sichtlich überrascht, zu Manuel.

Manuel dreht sich auch zu Juan und blickt ihn mit seinem verführerischen Gesichtsausdruck wortlos an.

Juan, seine Augen zusammenkneifend: „Wir brauchen vor allem Geld dazu!”

Manuel nickt mit seinem stummen, funkelnden Blick.

Juan: „Woher wollen wir das bekommen?”

Manuel blickt Juan fest in die Augen.

Juan kneift seine Augen erneut unwillkürlich zusammen.

Manuel: „Wir werden die von uns benötigten finanziellen Mittel von Green-Stone-Town bekommen — die Übergabe haben wir bereits geplant.”

Juan: „Warum zur Hölle sollte Green-Stone-Town uns Geld zur Verfügung stellen?”

Manuel, weiterhin in ruhigem Tonfall und Juan fest in die Augen sehend: „Wir haben Bürgermeister Grey gekidnappt und der Stadt bereits unsere Forderungen per Video zukommen lassen.”

Juan: „Ihr habt was getan?!”

Manuel fährt unbeirrt in seinem ruhigen Tonfall fort: „Grey wird selbstverständlich nichts passieren. Und du weißt, Juan, dass wir nur so unser Ziel erreichen können, für das wir kämpfen.”

Juan, Luft holend: „Aber das wird jetzt ´ne Nummer zu heftig!”

Manuel schüttelt ruhig den Kopf: „Im Gegenteil, Juan. Wir arrangieren die Übergabe zu unseren Gunsten, und niemandem wird etwas passieren. Danach verschwinden wir wieder aus G.S.T. und kehren in unser Zweitlager zurück.”

Juan: „Wo ist Mister Grey jetzt?”

Manuel: „Schon auf dem Weg nach Metro-City. Direkt nach der Aufnahme unseres Videos für die Stadt haben wir ihn zusammen mit ein paar der nicht mehr benötigten Hovercraft-Buggies zum Zweitlager bringen lassen.”

Juan schluckt. Scheinbar findet er momentan keine Worte mehr.

Manuel: „Ich weiß, dass ich erneut viel von dir verlange, Juan. Aber ich versichere dir, würde ich dir nicht absolut vertrauen, hätte ich dir das gerade niemals gesagt.”

Juans entsetzter Blick lässt nach.

Manuel: „Ich brauche dich hier an meiner Seite, Juan. Wenn ich dir nicht vertrauen kann, wem dann?”

Juan: „Ich weiß — das weiß ich doch, Manuel.”

Manuel: „Zusammen erreichen wir unser Ziel, wie wir es schon damals vorhatten.”

Juan nickt Manuel mit festem Blick zu und dreht sich dann zu der Metalltreppe, die auf die Plattform hinunter führt. In diesem Moment betreten Julian und Raffael das Blechhaus von den beiden Abzweigungen des Metallstegs aus, die seitlich in das Blechhaus führen.

Juan dreht sich zurück zu Manuel, so dass er auch Julian und Raffael ansieht, die jetzt links und rechts unweit hinter Manuel stehen.

Juan: „Lass mich mein Leben im Airfighter-Team gerade endgültig abschließen — wenn ich danach zurückkomme, bleibe ich bei euch.”

Manuel blickt Juan mit seinem funkelnden Blick wortlos genau in die Augen.

Julian: „Wenn du jetzt zurück zu Chris gehst, kannst du ihm alles brühwarm erzählen!”

Juan dreht seinen Kopf abrupt ein wenig. Manuels Blick bleibt absolut unverändert. Raffael scheint sich unschlüssig.

Juan: „Vertraut ihr mir?”

Manuel antwortet unverzüglich, ohne seinen eindringlichen Blick zu ändern: „Absolut.”

Raffael tritt von hinten zu Manuel: „Ja, ich vertraue dir auch. Denn Manuel weiß genau, wem er vertrauen kann und wem nicht.”

Julian tritt ebenfalls näher heran: „Ich vertraue Manuel absolut, Juan.”

Julian verzieht seine Mundwinkel jetzt zu einem fraglichen Grinsen.

Juan: „Ich bin in zwei Stunden zurück — für immer.”

Manuels funkelnder Blick ist in Vollansicht zu sehen: „Erst dann sind wir endgültig vereint.”

Juan nickt Manuel zu und verlässt dann das Blechhaus über die Metalltreppe. Indem er die große Metallplattform überquert und über den Metallsteg zum Ausgang der Blechsiedlung geht, zeigt sein entschlossener Blick, dass Juan sein bisheriges Leben nun ein-für-alle-mal abschließen will!

 

  • 15 –

  •  

Unterhalb von Chris´ Grundstück tritt Juan mit dem fest entschlossenen Blick aus dem grünen Wald auf die kleine Straße, die zum Grundstück hinaufführt.

Als in der Computerzentrale der Airfighter-Basis die Annäherungssensoren ansprechen, blickt Jessica sogleich auf den Bildschirm in der Kontrollwand, der sich gerade erhellt: darauf ist Juan zu sehen, der sich dem geschlossenen Tor zum Grundstück nähert. Unwillkürlich öffnet Jessica ihre Augen abrupt etwas weiter: „Computer, öffne das Tor!”

„Tor wird geöffnet.”

Jessica verlässt eilend die Computerzentrale.

In der Einfahrt geht Juan gerade an der marmornen Löwenstatue vorbei, in der sich die Überwachungskamera befindet. Mit seinem entschlossenen Blick will geradewegs zum Haus hinaufgehen. Da kommt Jessica am anderen Ende der Einfahrt um die Hausecke gelaufen: „Juan!”

Juan blickt aus den Augenwinkeln knapp zu Jessica, geht dabei aber zielstrebig weiter.

Jessica holt Juan ein: „Hey, bitte warte!”

Juan geht weiter auf die Haustür zu: „Lass mich in Ruhe.”

Jessica: „Lass uns bitte reden, Juan!”

Mit seinem Schlüssel, den er noch besitzt, öffnet Juan die Haustür. Dabei wird er jetzt von Jessica an der Schulter festgehalten.

Jessica: „Juan, bitte!”

In der geöffneten Haustür bleibt Juan jetzt stehen und dreht seinen Kopf über die Schulter zu Jessica.

Jessica sieht ihm verzweifelt in die Augen: „Juan!”

Juans Miene bleibt absolut regungslos: „Was ist, Jessica?”

Die Kälte in Juans Stimme lässt Jessica schlagartig all ihre Hoffnungen verlieren.

Mit Tränen in den Augen versucht Jessica zu Juan durchzudringen, indem sie nur noch flüstert: „Bitte, komm zu mir zurück!”

Juans Miene ändert sich nicht im Geringsten. Er antwortet nicht einmal, sondern wendet seinen Blick jetzt wieder von Jessica ab und geht zielstrebig in Richtung seines Zimmers.

Jessica ruft weinend hinter Juan her: „Juan!”

Juan antwortet über die Schulter: „Dafür ist es zu spät, Jessica.”

Während Juan in seinem Zimmer seine Sachen zusammenpackt, bricht Jessica im Hintergrund im Flur in Weinen aus und geht wieder zur Haustür hinaus. Juan packt seine Wäsche zusammen, die noch teilweise auf dem Bett, über dem Stuhl oder einfach auf dem Boden verstreut gewesen ist. Die Flasche mit Cola auf dem Tisch packt er auch ein, ebenso wie die Tüte mit Chips neben dem Fernseher. Schließlich ruht sein Blick auf dem Foto auf dem Tisch, auf dem er und Jessica Arm in Arm und sichtlich glücklich zu sehen sind: für einen kurzen Augenblick zeigen seine Augen noch einmal eine Regung, und seine emotionslose Miene zeigt einen Hauch von Bedauern. Doch sofort besinnt sich Juan wieder darauf, wohin er jetzt gehört und wer seine Familie ist. Abrupt ergreift er seinen gepackten Rucksack und eilt aus dem Zimmer, indem er seinen Haustürschlüssel auf das Bett wirft — das Foto bleibt mitsamt Juans Erinnerungen an diese Zeit im jetzt unbewohnten Zimmer zurück.

Indem Juan wieder aus der Haustür herauskommt, tritt Jessica im Hintergrund noch einmal in die Sicht: Jessica scheint sich mittlerweile wieder gefasst zu haben, ihre Augen sind aber verweint.

Jessica ruft mit leiser Stimme: „Juan, ich liebe dich!”

Juan geht unentwegt weiter: „Das spielt jetzt keine Rolle mehr.”

Indem Jessica im Hintergrund erneut zu weinen beginnt, verlässt Juan eiligen Schrittes die Einfahrt mit absolut emotionsloser Miene. Zusammen mit Jessica bleibt das Leben im Airfighter-Team nun ein-für-alle-mal hinter ihm zurück.

 

  • 16 –

  •  

Der Nachmittag verstreicht, und eine weitere sternenklare Nacht bricht an.

Police-Airbase_002 patrouilliert stets einsatzbereit vor dem imponierenden Sternenhimmel.

In der Einsatzzentrale wird Captain Towers von seinem taktischen Offizier informiert:

„Übergabeort in der City ist gesichert.”

 

Es handelt sich um einen großen Parkplatz im nächtlichen G.S.T.-City vor einem Supermarkt, der zur Zeit renoviert wird: Der völlig leere Parkplatz ist von einer großen Glasdecke komplett überdacht, und überall am Rande des Parkplatzes stehen Streifenwagen, die mit ihrem Scheinwerferlicht den gesamten Parkplatz erhellen. Unweit neben dem Parkplatz verläuft hinter einem Streifen aus dicht gepflanzten grünen Büschen ein rauschender Bach in einigen Metern Tiefe.

Einer der Police-Officers betätigt sein Funkgerät am Streifenwagen: „Bisher noch alles ruhig.”

 

Airfighter patrouilliert am sommerlichen Nachthimmel.

Im Cockpit blickt Bill auf die Digitaluhr, deren Anzeige durch die Dunkelheit leuchtet:

„Sie haben noch zwei Minuten bis zur abgesprochenen Übergabe.”

Chris blickt auf die Scan-Abtastung des Parkplatzes und dessen Umgebung: „Aber auch im Umkreis auf den zuführenden Straßen ist noch keinerlei Aktivität zu registrieren.”

Airfighter: „Korrektur, Chris — in Sektor E-5 hat sich etwas getan.”

Chris, Bill und Jessica blicken auf.

Chris: „Projiziere ein vergrößertes Bild auf die Cockpitscheibe!”

Airfighter: „Aye, Chris.”

Vor dem Hintergrund des Nachthimmels leuchtet ein glühender Punkt auf der Cockpitscheibe auf, der sich rasend schnell zu einem pixelartigen Bild vergrößert, das im Nu die gesamte Cockpitscheibe ausfüllt und scharf gestellt wird: es zeigt eine Gruppe von fünf Jugendlichen, die sich gerade, offenbar angetrunken, zum Spaß auf einer Steinbrücke herum schubsen, die über einen Bach in der City führt.

Jessica: „Ist der eine von ihnen nicht Manuel?!”

Chris: „Ja, du hast Recht, Jessie!”

Airfighter: „Meine Sensoren bestätigen dies.”

Bill dreht sich zu Jessica und Chris:

„Was habt ihr vor? Denkt daran, dass wir hier gerade einen Auftrag ausführen!”

Jessica sieht Chris fest in die Augen.

Chris wendet seinen Blick zu Bill:

„Bleibe hier auf dem Posten, Bill. Sobald sich etwas tut, sind wir wieder an Bord!“

Chris sieht wieder Jessica in die Augen:

„Noch ein letztes Mal versuche ich, mit Manuel zu sprechen!”

Jessica: „Ich muss mitkommen, Chris!”

Chris, Jessica immer noch fest in die Augen sehend: „Ich weiß.”

Bill: „Oh, Mann — das gefällt mir ja gar nicht. Aber okay: beim Start des Einsatzes seid ihr sofort wieder an Bord und auch bei der Sache, Leute!”

Chris und Jessica nicken.

 

Unten in der City führt die schöne Steinbrücke über den nächtlichen Bach hinweg: darauf sind aus einiger Ferne die fünf Jugendlichen zu erkennen. Gleichzeitig tut sich unbemerkt unten im Flussbett etwas: an einer dunklen Stelle kommen zwei der Hovercraft-Buggies aus einem unterirdischen Wasserzubringer geschwebt. Das Abwasser strömt hier unter lautem Rauschen aus einem großen Rohr in den Bach. Gegen das Wasserrauschen ist das Motorengeräusch der beiden Hovercrafts nicht zu hören. Am Steuer der Hovercrafts sitzen Julian und Raffael, die in diesem Augenblick ihre Helmvisiere schließen. Bei ihnen sind jeweils noch ein paar weitere der Gangmitglieder auf dem Buggy.

Vor dem Hintergrund der nächtlichen City landet Airfighter am anderen Ende der Steinbrücke, und Chris und Jessica steigen aus. Manuel und die vier Jungs bei ihm blicken sofort auf.

Mit stummem Blick tritt Chris direkt auf Manuel zu, Jessica folgt ihm.

Manuel stellt sich an der Spitze der Jugendlichen Chris und Jessica entgegen.

Manuel: „Hey, Chris — wollen wir reden oder uns prügeln?!”

Chris bleibt direkt vor Manuel stehen.

Chris: „Lass uns reden!”

Manuel zeigt wieder seinen funkelnden Blick: im Lichte der Straßenlampen wirkt seine Mimik noch imponierender. Jessica steht unmittelbar hinter Chris und behält die vier anderen Jungs misstrauisch im Auge.

Manuel: „Okay, Chris. Was willst du noch von Juan?”

Jessica, betonend: „Wir wollen noch etwas von Juan!”

Manuel grinst Jessica an.

Chris: „Wieso hast du Juan zurück in eure Gang geholt?”

Manuel sieht wieder Chris in die Augen: „Er gehört zu uns, Chris. Ihr habt Juan damals wieder eine Aufgabe gegeben, und er fühlte sich wieder gebraucht — das stimmt.”

Chris blickt Manuel immer noch genau in die Augen.

Manuel: „Ich weiß auch, dass gerade du viel für Juan getan hast, Chris. Aber das ändert nichts an der Tatsache, wohin er wirklich gehört. Er ist nun einmal einer von uns, und das wird sich niemals ändern!”

Chris: „Aber ich habe gesehen, wie sich Juan entwickelt hat, Manuel. Als er wieder eine Aufgabe hatte und Verantwortung übernahm, wurde aus ihm ein anderer Mensch!”

Manuel: „Chris, was weißt du denn schon darüber, wer Juan vorher war — oder wer er wirklich ist?”

Chris verstummt.

Manuel: „Juan hat nach Hause gefunden, Chris — nicht mehr und nicht weniger! Und ich weiß, wer er damals war, wer er wirklich ist. Deshalb verstehe ich ihn so, wie du ihn niemals verstehen konntest!”

In Jessicas leicht unterdrücktem Blick spiegelt sich ihr verzweifelter Wunsch wieder, Juan zurückzugewinnen.

 

Unten im mehrere Meter tiefer rauschenden Bach sind die beiden Hovercraft-Buggies stromaufwärts zu einem erneuten Wasserzugang geschwebt. Nach einem kontrollierenden Blick auf die Karte, die Julian bei sich trägt, winkt er Raffael im anderen Buggy zu, und beide Hovercrafts verschwinden in dem dunklen Abwasserrohr. Im Lichtkegel ihrer Scheinwerfer gelangen beide Buggys bis zu einem Kontrollschacht im Wasserkanal, der senkrecht nach oben führt.

Julian: „Laut Karte ist das der Kontrollschacht, durch den wir direkt ins Lager des Supermarktes gelangen.”

Raffael nickt ihm zu: „Wir geben euch Rückendeckung.”

 

Auf dem nächtlichen Parkplatz des Supermarktes blicken die Police-Officers angespannt in die nächtliche City hinaus.

Wieder betätigt einer der Officers sein Funkgerät: „Immer noch nichts zu sehen.”

 

Im nachtdunklen Airfighter-Cockpit kneift Bill misstrauisch seine Augen zusammen, indem die Anzeigen von Airfighters Routine-Scan die City in der Umgebung des Supermarktes im Visier behalten. Durch die Cockpitscheibe hindurch sieht Bill Jessica und Chris bei den fünf Jugendlichen auf der Steinbrücke stehen.

 

Im Innern des dunklen Supermarktes kommt Julians Trupp aus dem Lager gestürmt, und die Jugendlichen postieren sich in ihren dunklen Anzügen und mit geschlossenen Helmvisieren zwischen den leeren Regalen: Durch das große Schaufenster hindurch können sie auf den verlassenen Parkplatz blicken, wo die Streifenwagen mit dem Geld zur Übergabe bereitstehen.

Julian winkt den anderen nach einem Moment der angespannten Stille zu: „Let´s go!”

Mit einem Mal geht die absolute Stille in donnerndes Getöse über, als der maskierte Trupp aus dem Innern des Supermarktes das Automatikfeuer über die Köpfe der Officers hinweg eröffnet und dabei das große Schaufenster restlos zerschmettert. Reaktionsschnell werfen sich die Policeofficers auf den Boden und richten ihre Dienstwaffen aus. Gerade als sie das Feuer auf den Trupp im Supermarkt erwidern wollen, gibt Julian ein weiteres Zeichen: zwischen den Regalen feuert einer der anderen Jugendlichen einen Granatwerfer ab. Mit rasender Geschwindigkeit schießt die Granate frontal auf einen der unbemannten Streifenwagen auf dem Parkplatz des Supermarktes zu und schlägt in diesen ein. Wie in einem kraftvollen Pulsschlag fliegt dieser mit einem brutalen Donnern auseinander. Indem die Officers zur Seite springen und der Parkplatz von einem dunkel rauchenden Glutball erfüllt wird, zerschellt das komplette Glasdach über dem großen Parkplatz in einem einzigen Schlag, so dass die Scherben in alle Richtungen auseinander fliegen, wo sie wie ein Glashagel überall auf den Teerstraßen niederprasseln.

 

Bill startet sofort die Triebwerke und aktiviert sein Funkgerät:

„Verdammt, sie kommen aus dem Supermarkt!”

 

Auf der Steinbrücke blicken Jessica und Chris einander sofort an, als sie Bills Mitteilung über Watchcomm empfangen haben. Reaktionsschnell stößt Manuel Chris gegen die Steinwand der Brücke und will ihm einen harten Schlag verpassen, den Chris jedoch in einer sehr guten Reaktion abblockt. Gleichzeitig geht einer der anderen vier Jungs auf Jessica los, und die drei übrigen ziehen Messer.

 

Bill startet senkrecht in den Nachthimmel, um sich sofort wieder auf die Brücke hinunter zu stürzen.

 

Indem drei der maskierten Jugendlichen im Supermarkt zurückbleiben und weiterhin das Feuer knapp über die Köpfe der Policeofficers hinweg schießen, rennen die übrigen Truppmitglieder mit Julian an der Spitze zu dem zentral geparkten Streifenwagen, in dem sich das Geld für die Übergabe befindet. Überall liegen brennende Trümmer des zerfetzten Streifenwagens herum, und dunkle Rauchschwaden durchziehen die Sicht. Unter dem Feuerschutz der restlichen Truppmitglieder gelangen Julian und seine Begleiter zum Koffer, der für die Übergabe bereitgestanden hat, und laufen durch die Rauchschwaden zurück in den Supermarkt.

Inmitten des Schussgefechtes funkt Julian Raffael an:

„Wir haben die Moneten, Kumpel — lass uns von hier verschwinden!”

 

Im unterirdischen Abwasserkanal antwortet Raffael vom anderen Hovercraft aus:

„Verstanden — halten uns bereit!”

Er dreht sich zu seinen Begleitern:

„Macht euch bereit — gleich müssen wir schleunigst von hier abhauen!”

 

Durch die Cockpitscheibe hindurch sieht Bill, wie er sich aus der Luft auf die Steinbrücke hinab stürzt.

Airfighter: „Die Fünf gehen auf Chris und Jessica los!”

 

Jessica schlägt den sie angreifenden Jungen zu Boden, während Chris Manuel mit einem Ellenbogenschlag gegen den Kopf gegen die Steinmauer auf der anderen Seite der Brücke wirft. Zusammen schicken Jessica und Chris die drei anderen Jugendlichen mit wenigen, gezielten Schlägen zu Boden.

Chris aktiviert seinen Watchcomm: „Wie ist der Stand, Bill?”

 

Bill, der mit Airfighter gerade wieder auf Höhe der Steinbrücke angekommen ist:

„Wir sind ihnen bei der Übergabe auf den Leim gegangen!”

 

In diesem Moment kommt Manuel wieder auf Chris zugestürmt:

„Nicht nur bei der Übergabe, Chris!”

Reaktionsschnell blockt Chris Manuels Angriff erneut ab, wird jedoch von Manuel gewürgt und mit dem Kopf über die Steinmauer gedrückt. Kopfüber sieht Chris nun, wie sich die beiden Hovercrafts auf dem rauschenden Bach wieder der Steinbrücke nähern. Sogleich stellt Chris Manuel ein Bein und schlägt diesem mit seinem Kopf mitten ins Gesicht. Indem Manuel nach hinten stürzt, spricht Chris wieder in seinen Watchcomm:

„Sie fliehen mit Hovercrafts — sie kommen auf die Steinbrücke zu!”

 

Auf dem von Rauchschwaden überzogenen Supermarktparkplatz stürmen die Officers das leere Gebäude.

Der Einsatzleiter gibt gerade über Funk die Lage durch: „Sie haben uns überrascht — sie sind aus dem verlassenen Supermarkt gekommen, offenbar irgendwie von unten!”

 

In der Einsatzzentrale von Police-Airbase_002 hat sich Captain Towers gerade zu dem Offizier an der taktischen Station herunter gebeugt.

Towers: „Das Airfighter-Team hat die Täter offensichtlich aufgespürt: sie sind mit Hovercrafts unterwegs. An alle Einheiten in der City: wir geben Ihnen hier die Koordinaten durch!”

 

Bill fügt dem Funkspruch aus dem Airfighter-Cockpit hinzu:

„Sie passieren gleich Chris und Jessica.”

Airfighter senkt sich gerade zum rauschenden Bach hinunter.

 

Auf der Steinbrücke, wo die Jugendlichen sich allmählich wieder aufrappeln, fasst Chris kurzerhand einen Entschluss, und stützt sich mit einer Hand auf der Steinmauer ab, um über diese hinweg mehrere Meter nach unten in den nächtlichen Bach zu springen. Manuel rennt quer über die Steinbrücke und springt ebenfalls über die Mauer hinweg in den rauschenden Bach. Im nächsten Moment gehen die vier anderen Jugendlichen erneut auf Jessica los.

Unten im Bach steht Chris gerade wieder auf den Beinen und nimmt das erste der beiden auf ihn zu donnernden Hovercrafts mit seinem Schocklaser ins Visier, da stürzt Manuel mit voller Wucht von oben auf Chris, und beide fallen in den Bach.

Im Tiefflug und unter dem gewaltigen Gegenschub seiner Manövrierdüsen feuert Airfighter einen die Nacht glühend erleuchtenden Energieschocklaserstrahl hinter dem zweiten Hovercraft her, der das Wasser im Bach verdampfen lässt. Jedoch muss Bill das Feuer direkt wieder einstellen, da auch das zweite Hovercraft jetzt die Steinbrücke erreicht.

Das erste Hovercraft mit Julians Trupp an Bord donnert über die Wasseroberfläche hinweg, als an dieser Stelle Chris und Manuel gerade wieder auftauchen. Manuel nimmt Chris von hinten in den Würgegriff, indem er regelrecht auf Chris springt. Chris wirft sich mit aller Kraft nach hinten auf den Rücken zurück in den Bach, so dass Manuel unter Wasser gedrückt wird. Chris schlägt mit seinem rechten Ellenbogen noch einmal kräftig ins Wasser, dann steht er wieder auf und sieht das zweite Hovercraft auf sich zu donnern. Indem er sich auf der Stoßstange des Hovercraft-Buggys abstützt, springt Chris hoch und rollt sich über die Motorhaube hinweg ins Innere. Hier gehen sofort zwei der Maskierten aus Raffaels Trupp auf Chris los.

 

Oben auf der Steinbrücke schlägt Jessica dem Jugendlichen hinter ihr ihren Ellenbogen mitten ins Gesicht, und den Jungen vor ihr schickt sie gleichzeitig mit einem kräftigen Kinnhaken zu Boden. Dann springt sie hoch und schmettert die beiden übrigen mit einem Roundkick über die Steinmauer in den Bach hinunter.

 

Während das erste Hovercraft unweit hinter der Steinbrücke schon wieder in dem unterirdischen Wasserzubringer verschwindet, taucht Manuel wieder aus dem Bach auf: aus dem linken Nasenloch wird zusammen mit dem an ihm herunter laufendem Wasser Blut über sein Gesicht gespült.

Er ruft Raffael gegen das Rauschen des Baches zu: „Werft ihn ´runter!”

 

Airfighter schwebt dicht hinter dem Hovercraft über den Bach hinweg.

Bill kann durch die Cockpitscheibe sehen, wie Chris auf dem Hovercraft in einen Nahkampf mit Raffaels Truppmitgliedern verwickelt ist.

Airfighter: „Ein präziser Beschuss ist nicht möglich — ich könnte Chris verletzen!”

Gerade sieht Bill, wie Manuel aus dem Bach seitlich am Hovercraft hoch klettert — der maskierte Raffael reicht ihm die Hand.

 

Als Manuel wieder an Bord ist, springt er von hinten erneut mit voller Wucht auf Chris, der immer noch gegen die anderen Truppmitglieder kämpft. Raffael dreht sich wieder nach vorn, um den Hovercraft-Buggy zum unterirdischen Wasserzubringer zu steuern. Manuel, der sich jetzt regelrecht auf Chris festklammert, wirft Chris mit mehreren Ellenbogenstößen auf den Boden. Doch ruckartig schlägt Chris seinen Kopf nach hinten und trifft damit Manuel erneut mitten im Gesicht. Blitzschnell folgt ein Ellenbogenschlag nach hinten genau in Manuels Seite, und dann wirft Chris Manuel einfach über sich hinweg, so das Manuel sich im Fluge überschlägt und hart auf dem Rücken aufschlägt: beim Aufprall auf dem Boden des Hovercrafts spuckt Manuel kurz Blut. Mit einem Satz springt Chris aus dem Liegen wieder zurück in den Stand, springt hoch und erledigt sämtliche um ihn herum stehende Truppmitglieder blitzschnell hintereinander mit einem Round-Kick. Als er wieder steht und Manuel, der sich noch einmal aufrappelt, ihn aus funkelnden Augen anblitzt, beschleunigt Raffael den Hovercraft-Buggy abrupt, woraufhin Chris Hals über Kopf nach hinten purzelt und unsanft vom Hovercraft hinunter zurück in den Bach geschleudert wird. Manuel blickt ihm mit böse funkelndem Blick nach: mit diesem Blick im Vollbild donnert das Hovercraft davon und verschwindet ebenfalls seitlich in dem unterirdischen Wasserzubringer. Chris taucht wieder aus dem Bach auf, als ihm Bill schon die Hand entgegenstreckt und ihn ins Airfighter-Cockpit zieht.

Bill: „Bist du noch ganz?”

Chris: „Weiß ich noch nicht so richtig.”

Airfighter: „Das zweite Hovercraft ist ebenfalls in den Wasserzubringer gefahren.”

Bill und Chris haben gerade mit Airfighter die Steinbrücke unterquert, auf der sich Jessica hinter ihnen her dreht, und erreichen den Eingang zu dem unterirdischen Zubringer.

Chris: „Das ist zu eng um durchzufliegen!”

Bill: „Und bei der Geschwindigkeit der Hovercrafts können wir es vergessen, sie zu Fuß einzuholen!”

Airfighter: „Ich habe sie zwar noch in der Ortung, jedoch werden die Signale zunehmend schwächer — durch den Erdboden hindurch reichen meine Sensoren nicht weit!”

Auf Bildschirm_1 ist mitzuverfolgen, wie die Peilsignale der beiden Hovercraft-Buggies zunehmend schwächer werden.

Chris kneift seine Augen wütend zusammen: „Ich kann euch genau sagen, wo wir sie wiederfinden werden und wo sie ihr Hauptquartier haben!”

Bill blickt Chris sofort an.

 

Oben auf der Steinbrücke gibt Jessica über Funk an alle Einheiten durch:

„Die Hovercrafts sind durch einen unterirdischen Wasserzubringer entkommen.”

 

Auf dem immer noch von Rauchschwaden überzogenen Supermarktparkplatz schlägt der Einsatzleiter auf das Dach seines Streifenwagens: „Verdammt!”

 

In der Zentrale von Police-Airbase_002 erlöschen gerade die Peilsignale der beiden Hovercraft-Buggies auf der Überwachungsanzeige der taktischen Station.

Captain Towers: „Bestätige, auch wir haben den Ortungskontakt zu den Hovercrafts verloren.”

 

Auf dem Weg durch den dunklen Wasserzubringer funkt Manuel Juan an, indem er sich gerade das Blut aus dem Gesicht wischt: „Okay, Juan — wir sind unterwegs. Chris weiß jetzt Bescheid, so dass wir mit dem Ansturm auf unser Hauptquartier in Kürze rechnen dürfen!”

 

Unter dem sternklaren Nachthimmel steht Juan vor dem Blechhaus, das sich über der großen Metallplattform befindet.

Juan antwortet dem Funkspruch: „Alles klar, Manuel — wir sind bereit.”

Juans Blick zeigt absolute Entschlossenheit: er weiß jetzt genau, zu wem er gehört und wer sein Gegner ist!

 

  • 17 –

 

Jessica ist soeben zu Bill und Chris ins Airfighter-Cockpit gestiegen, als sie schon wieder steil in den Nachthimmel hinauf ziehen, und durch die Cockpitscheibe zu sehen ist, wie die Steinbrücke in der City weit unten zurückbleibt.

Jessica, noch immer ungläubig:

„Dann ist Manuels Gang unser Gegner — sie sind die Kidnapper von Bürgermeister Grey!”

Bill: „So sieht's wohl aus — ich erwarte jeden Moment die Anweisung Captain Carters.”

Chris: „Ich habe die Koordinaten des Hauptquartiers von Manuels Gang an 002 durchgegeben.”

Airfighter: „Und wir fliegen bereits mit Kurs auf diese Koordinaten.”

Jessica: „Eine eingehende Transmission vom Main Policedepartment.”

Bill und Chris blicken gleichzeitig zu Bildschirm_2, wo gerade das Gesicht Captain John Carters erscheint.

Carter: „Sie haben grünes Licht für den Angriff auf das Hauptquartier der Gang. Captain Towers wird sie von 002 aus weiter instruieren.”

 

Captain Carter sitzt im nächtlichen Polizeirevier an seinem Schreibtisch.

Carter: „Unser Dilemma besteht darin, dass es sich zum einen nach Ihrer Beschreibung, Commander Hawk, noch um Jugendliche handelt, dass diese Gang zum anderen aber Bürgermeister Grey gekidnappt hat und damit ihren Standpunkt klar gemacht hat.”

Bill, auf Captain Carters Bildschirm: „Ebenso spricht nun alles dafür, dass die beiden durchgeführten Überfälle auf die Lagerhalle beziehungsweise auf Militärstation K-4 auf ihr Konto gehen.”

Carter nickt knapp: „Daher können wir es uns nicht leisten, eine soft attack auszuführen, sondern werden mit einem effizienten Blitzangriff zuschlagen.”

 

Im Airfighter-Cockpit zeigt Jessicas Blick eine Mischung aus Angst und Betroffenheit. Bill erwidert einen entschlossenen Blick: „Aye, Captain — wir werden also scharf schießen.”

Carter, auf dem Monitor: „Positiv, Lieutenant — außerdem hätte ich sie gern an der Spitze der Helikopter-Staffel.”

Airfighter: „Wir können die Helikopter-Staffel in einer Minute treffen, wenn wir den Kurs entsprechend abändern.”

Chris: „Bestätige Abänderung des Kurses, Airfighter.”

Airfighter: „Positiv.”

Bill: „Ich wechsle in den vordersten Police-Helikopter ´rüber, Captain.”

Captain Carter: „Aye, Lieutenant.”

Chris: „Bestätige Missionsparameter, Captain — erreichen das angepeilte Zielgebiet nach Rendezvous in 15 Sekunden.”

Captain Carter: „Viel Erfolg — und holen Sie Dirk Grey heil da ´raus!”

Jessicas Blick zeigt, dass sie sich wieder auf ihre Aufgabe besinnt.

Chris reaktiviert sein Helmmikro: „Airfighter jetzt im Zielgebiet, Captain Towers.”

 

In der Einsatzzentrale von Police-Airbase_002 sitzt Captain Towers in seinem Kommandosessel — auch er wirkt sichtlich angespannt.

Towers: „Bestätigen, Airfighter — machen Sie´s so!”

 

  • 18 –

Manuel, Julian, Raffael und die übrigen sind gerade wieder mit ihren Hovercrafts am Fuße des Steilhanges eingetroffen und eilen den Pfad und die Metalleiter hinauf in die Blechsiedlung. Indem Manuel, dicht gefolgt von Raffael und Julian, auf die große Metallplattform eilt, kommt Juan am anderen Ende die Metalltreppe aus dem großen Blechhaus herunter. In der Mitte der Plattform treffen alle vier zusammen.

Juan zeigt einen fest entschlossenen Blick.

Manuel nickt ihm mit eindringlichem Blick zu.

Julian und Raffael stehen einsatzbereit hinter Manuel.

Juan kneift seine Augen etwas zusammen, wodurch seine absolute Entschlossenheit endgültig unterstrichen wird.

Manuel: „Es geht los.”

Juan: „Ich bin bereit.”

Manuel eilt von der Metallplattform zurück zum vorderen Blechhaus, während Julian und Raffael die Metalltreppe zu dem großen Blechhaus oberhalb der Plattform hinaufgehen; Juan eilt hinter Manuel her.

Juan: „Manuel, was hast du vor?”

Juans Stimme klingt trotz seiner Abgespanntheit besorgt.

Manuel geht weiter, wenn auch etwas langsamer: „Bereitet euch auf den Ansturm auf unser Hauptquartier vor — ich habe meinen Part zu erledigen, Juan.”

Juan hat Manuel kurz vor dem vorderen Blechhaus eingeholt und hält ihn von hinten an der Schulter fest.

Juan: „Sag mir, was du vorhast!”

Manuel bleibt stehen: vor ihm in dem Blechhaus haben sich bereits einige seiner Jungs mit Raketenwerfern verschanzt.

Manuel dreht sich zu Juan: „Ich tue, was ich tun muss, Juan.”

Bei diesen Worten ändert sich Juans Blick schlagartig, indem ihm eine Erinnerung durch den Kopf schießt:

 

Es bietet sich der Anblick einer schäbigen und sehr heruntergekommenen Wohnung: überall liegen leere oder zum Teil ausgelaufene Bierflaschen herum, der Boden ist übersät von Staub, Schmutz und Flecken, und die Möbel sind klebrig versifft. Manuel stürzt einmal quer durch den Raum und hält Juan in der Tür, die nach draußen führt, an der Schulter fest. Juan wirkt um einige Jahre jünger, und seine Kleidung ähnelt vom Stil her derjenigen, die er damals trug, als Chris ihn kennenlernte und er zusammen mit den anderen jugendlichen Straftätern nach Metro-City überführt wurde. Manuel ist hier deutlich anzusehen, dass er wiederum einige Jahre jünger ist als Juan.

Manuel, der Juan an der Schulter festgehalten hat: „Wohin willst du jetzt gehen?”

Juan, der stehengeblieben ist: „Ich halt's hier nicht länger aus!”

Manuel: „Aber wie soll ich klar kommen, wenn du weg bist, Juan?”

Juan dreht sich um und wendet seinen Blick einer ganz bestimmten Stelle zu: hier liegt ein Mann von schätzungsweise Anfang vierzig Jahren mit langen dunklen, stellenweise angegrauten Haaren und Motorradlederkleidung. In der Hand hält er eine fast leere Bierflasche, während er, halb auf der versifften Couch liegend, vor sich hin schnarcht.

Juan: „Das hier ist eine Sackgasse, Manuel — nichts wie raus aus diesem Loch!”

Manuel, mit Tränen in den Augen: „Wann kommst du wieder?”

Juan mit fest entschlossenem Blick, wobei er noch einmal den schnarchenden Mann ansieht: „Nie wieder!”

Manuel beginnt zu weinen: „Ich hab's hier nur ausgehalten, weil du bei mir warst!”

Juan legt Manuel seine Hand auf die Schulter: „Hey, Kleiner — uns beiden ist doch klar, dass es nur so weitergehen kann. Ich tue jetzt, was ich einfach tun muss. Du wirst das später verstehen. Und irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem du tun wirst, was du tun musst. Nichts wird sich jemals daran ändern, dass wir zusammengehören! Ich lasse nicht dich im Stich, das weißt du doch, Kleiner! Stattdessen lasse ich ihn dagegen jetzt endgültig hängen — ich hab´ die Schnauze beschissen voll! Ich schicke Dir jeden Monat was zu, was er aber niemals erfahren darf, hörst du?! ”

Mit seinen letzten Worten hat Juan wieder zu dem betrunkenen Mann geblickt und ihn eines verabscheuenden und zugleich von Hass erfüllten Blickes gewürdigt.

Manuel blickt Juan mit verweinten Augen fest an.

Juan streicht ihm noch einmal über den Kopf und küsst auf die Stirn: „Ich lasse dich nicht allein, Kleiner — sobald ich alles geregelt habe und du alt genug bist, hole ich dich ebenfalls hier weg. Das schwöre ich!”

Juan hastet durch die heruntergekommenen Straßen in dieser ghettoartigen Gegend davon, während Manuel im Hintergrund in der Haustür stehen bleibt und sich am Türrahmen festklammert, um Stück für Stück weinend zu Boden zu sinken.

 

Vor dem Blechhaus, in dem sich die Jungs mit den Raketenwerfern verschanzt haben, stehen Manuel und Juan einander genau gegenüber und blicken sich fest in die Augen.

Manuel: „Uns beiden ist klar, dass es nur so weitergehen kann. Du hast damals getan, was du tun musstest — das habe ich später verstanden. Und genauso tue ich jetzt, was ich tun muss. Nichts wird sich jemals daran ändern, dass wir zusammengehören!”

Manuels Gesicht zeigt jetzt ein Lächeln. Darin ist keine Spur seines bisher gezeigten Charakters mehr zu sehen, sondern eine aufrichtige Mischung ehrlichen Bedauerns und innigster Freundschaft:

„Ich verlasse mich auf dich, jetzt bist du an der Reihe.”

Juan: „Manuel, wir brauchen dich hier — wir alle!”

Manuel legt Juan seine Hand auf die Schulter: „Du bist doch jetzt hier, du bist endlich zurück. Jetzt stimmt alles wieder, und du machst jetzt weiter, wo ich aufgehört habe.”

Manuel klopft Juan freundschaftlich gegen die Brust:

„Wir haben's geschafft, Großer — wir werden etwas bewegen!”

Indem sich Manuel langsam, aber zielstrebig von Juan löst und nach vorn durch das Blechhaus tritt, bleibt Juan im Hintergrund zurück: ein paar Tränen laufen ihm über das Gesicht.

 

  • 19 –

 

Aus voller Geschwindigkeit bremsen die Streifenwagen abrupt ab, und sogleich stürmen die Officers den Steilhang zur Blechsiedlung hinauf. Am höher gelegenen ersten Haus der Blechsiedlung ist die Metalltreppe, die eigentlich dort hinaufführt, abgesägt worden, und oben in dem Blechhaus haben sich mehrere der Gangmitglieder mit Raketenwerfern verschanzt.

„Wenn Sie näher kommen, werden wir das Feuer eröffnen — es ist Ihre Entscheidung!”

 

Im nachtdunklen Airfighter-Cockpit nickt Captain Towers auf Bildschirm_2 knapp mit fest entschlossenem Blick.

Chris erwidert das Nicken, indem er sich nach hinten zu Jessica dreht.

Jessica aktiviert ihr Helmmikro: „Captain Towers hat den Befehl zum Stürmen gegeben.”

 

Unten eröffnen die den Hang hinauf stürmenden Police Officers in diesem Augenblick das Feuer auf das große Blechhaus.

Im Innern werfen sich die Jungs mit den Raketenwerfern hinter den dicken Blechwänden in Sicherheit.

„Okay, sie haben's nicht anders gewollt — Feuer erwidern, Jungs!”

Sogleich rollen sich die Jungs nach vorn und eröffnen das Feuer aus den Raketenwerfern: Unter ohrenbetäubendem Donnern schlagen die ersten Raketen beinahe synchron in den Hang ein, und sorgen für einen schlagartig auftretenden Erdrutsch, der am Fuße des Hangs die Einsatzwagen erfasst und bis in den Fluss mitreißt.

In diesem Moment erhellt ein starker Scheinwerfer das Szenario von oben, und eine Staffel aus Einsatzhelikoptern der Police of G.S.T. taucht über den nächtlichen Baumwipfeln auf.

Im vordersten Helikopter befindet sich Bill.

Bill: „Verdammt, die machen's uns nicht leicht ´reinzukommen!”

 

Jessica und Chris sitzen im Airfighter-Cockpit, wo es im Vergleich zu dem Donnern der Hubschrauberrotoren fast völlig still ist.

Jessica: „Bestätige, Bill — ein Teil des Steilhanges ist soeben weg gesprengt worden.”

Chris: „Dann gehen wir ´rein und machen von innen die Tür auf!”

Bill, über Funk: „Positiv, Chris — ich versetze unsere Einheit in erneute Bereitschaft.”

Chris: „Alle Kontrollsysteme auf Autopilot!”

Airfighter: „Autopilot ist aktiviert, Chris.”

Chris und Jessica schnallen sich ein Jetpack auf den Rücken, aus dem jeweils ein Kletterhaken herausragt.

Chris: „Die Steuerdüsen reichen im freien Fall nur für einen schwachen Abfangschub aus.”

Jessica: „Okay, dann müssen wir uns ´was Kreatives einfallen lassen!”

 

Jetzt taucht Airfighter am von den Flugscheinwerfern hell erleuchteten Nachthimmel auf und stürzt sich genau auf die Blechsiedlung hinab. Sogleich eröffnen die Jungs das Raketenfeuer. Doch schon zieht Airfighter wieder steil nach oben, und Chris und Jessica springen aus dem Cockpit. Den beiden fliegen im freien Fall die Raketen buchstäblich um die Ohren. Auf gleicher Höhe wie die große Metallplattform der Siedlung feuert Jessica ihren Kletterhaken in den vorderen Metallsteg ab und sorgt mit ihrer Steuerdüse dafür, dass sie jetzt mit gleichbleibender Geschwindigkeit unter dem Steg hindurch gleitet und anschließend durch den in das Metall eingeschlagenen Kletterhaken mit brutaler Wucht hoch gerissen wird. Als sie auf eine Höhe oberhalb der Plattform gerissen worden ist, kappt sie ihr Seil am Jetpack und stürzt jetzt genau auf die Metallplattform zu. Mit einer Flugrolle lenkt sie ihren Schwung aus dem freien Fall so, dass sie sicher auf den Beinen landet. Gleichzeitig hat Chris seinen Kletterhaken in eines der Blechhäuser geschossen und lenkt seinen freien Fall mit der Steuerdüse so um, dass er in voller Geschwindigkeit unter der Metallplattform hindurch saust, frontal auf die große Felswand zu. Doch kurz bevor Chris an ihr zerschmettert worden wäre, fängt ihn sein jetzt straff gespanntes Kletterseil ab und reißt seine Flugbahn brutal in die andere Richtung. In voller Geschwindigkeit läuft Chris jetzt die steile Felswand entlang, bis er dann wieder von dieser weggerissen wird und von oben genau auf die Metallplattform zu fällt. Nach seinem donnernden Aufprall rollt er sich sofort ab und ist schon wieder auf den Beinen. Chris und Jessica schnallen augenblicklich ihre Jetpacks ab, lassen sie auf die Metallplattform prallen und nehmen ihre Waffen heraus; indem sie das Feuer auf die von allen Seiten schießenden Gangmitglieder erwidern, laufen beide in der Mitte der Plattform einmal aneinander vorbei und rennen jetzt von den gegenüberliegenden Seiten der Plattform auf die beiden Metallstege zu, die sie in entgegengesetzter Richtung um die Peripherie der Blechsiedlung herumführen. Chris´ Beschuss hat Julian, der im großen Blechhaus oberhalb der Plattform postiert gewesen ist, zurück ins Innere springen lassen, und Jessicas Beschuss hat die Gangmitglieder, die den Eingang zur Blechsiedlung mit ihren Raketenwerfern verteidigt haben, aus ihrer Deckung springen lassen, so dass die Police Officers von unten das erste Mal Treffer landen können und dabei den vorderen Teil des Blechhauses zerfetzen. Indem Jessica über den Metallsteg rennt, springt ihr plötzlich Raffael aus einem der Blechhäuser genau in die Quere: Jessica setzt in vollem Lauf zu einem Highkick an und schmettert ihn damit auf den Steg. Auf der anderen Seite rennt Chris den Steg entlang, als ihm aus einem der Blechhäuser eine Faust in vollem Lauf mitten ins Gesicht schnellt, so dass Chris brutal nach hinten auf den Steg schlägt: aus dem Haus tritt Juan mit entschlossener Miene.

 

Raffael zieht die Metallstange neben ihm aus der Halterung für das Geländer des Stegs und springt auf, um Jessica mit der Stange anzugreifen. Doch Jessica blockt den Schlag mit ihrem linken Arm ab und verpasst Raffael mit ihrer rechten Faust zwei Schläge unmittelbar nacheinander mitten ins Gesicht, so dass Raffael zurück taumelt.

 

Juan steht mit entschlossenem Blick vor dem auf dem Metallsteg liegenden Chris und ballt seine Fäuste. Chris blickt Juan einen Moment lang regungslos in die Augen, während ihm seitlich etwas Blut aus dem Mund fließt. Dann springt Chris mit einem Satz aus dem Liegen wieder zurück auf seine Beine und schlägt Juan mit der rechten Faust fest in den Bauch. Indem Juan zusammenklappt, verpasst Chris ihm einen Stoß mit der Stirn mitten ins Gesicht, so dass Juan gegen das Geländer des Stegs gestoßen wird. Hier hält sich Juan aber sofort wieder fest und springt, sich auf dem Geländer abstützend, hoch, so dass er Chris mit beiden Füßen direkt nacheinander zwei kräftige Tritte verpasst.

 

Raffael nimmt erneut Anlauf und rennt die paar Meter, die ihn auf dem Steg von ihr trennen, jetzt wütend brüllend auf Jessica zu. Als Raffael Jessica rammt, lässt Jessica sich nach hinten auf den Steg stürzen und nutzt Raffaels Schwung zugleich aus, um diesen über sich hinweg zu schleudern. Hinter Jessica kommt Raffael wieder auf die Beine und will die gerade wieder Aufstehende erneut zu Boden werfen.

 

Juan nimmt Anlauf und setzt zu einem schwungvollen Highkick gegen Chris an. Doch reaktionsschnell hält Chris Juans Bein in der Luft fest und schleudert es zurück nach hinten, wobei er gleichzeitig Juan das andere Bein wegkickt, so dass dieser, sich in der Luft einmal überschlagend, ein paar Meter weiter krachend auf den Metallsteg aufschlägt.

 

Indem sie abrupt wieder aufsteht, tritt Jessica nach hinten und trifft dabei Raffael in vollem Lauf mitten in den Bauch. Raffael taumelt, nach Luft schnappend, auf dem Steg zurück.

 

Juan rollt sich auf dem Steg ab und springt zurück in den Stand. Mit zwei kräftigen Faustschlägen will er Chris niederstrecken, doch Chris blockt beide ab. Als Juan zu noch zwei weiteren Schlägen ansetzt, verpasst ihm Chris nun selbst eine schnelle Folge an gezielten Schlägen immer wieder ins Gesicht und in den Bauch, die Juan Meter um Meter über den Metallsteg zurückdrängen, bis Chris Juan dann mit dem letzten Schlag, zu dem er noch einmal mit voller Wucht ausholt, über das Geländer wirft. Juan kann sich allerdings noch mit letzter Kraft am Geländer festhalten, überschlägt sich einmal, und prallt dann, frei in der Luft hängend, zurück gegen den Steg. Mit regloser Miene und stummem Blick geht Chris den Steg zielstrebig weiter entlang, während Juan im Hintergrund am Geländer des Stegs baumelt.

Während Raffael im Hintergrund auf dem linken Metallsteg liegt und nach Luft schnappt und Juan mit letzter Kraft am rechten Metallsteg baumelt, gehen Jessica und Chris zielstrebig auf den beiden Metallstegen weiter und erwidern in alle Richtungen das Dauerfeuer.

Inmitten des Donnerns teilt Airfighter über Watchcomm mit:

„Da ich keine Vergleichswerte habe, kann ich auch nicht nach den spezifischen Biosignaturen von Dirk Grey scannen.”

Chris hebt inmitten des Schussgefechtes seinen Arm mit dem Watchcomm ein Stück: „Verstanden, Airfighter — wir nehmen uns die Blechsiedlung Stück für Stück vor.”

Vom gegenüberliegenden Metallsteg aus gibt Jessica ein Signal zur Bestätigung.

Gerade tritt Chris die Tür zu einem weiteren Blechhaus aus den Angeln und richtet seine Waffe ins Innere aus, da sieht er, dass die Gangmitglieder, die sich hier verschanzt hatten, unbewaffnet sind und erschrocken auffahren. Reaktionsschnell hebt Chris den Lauf seiner Waffe wieder hoch und hastet wortlos weiter den Steg entlang.

 

In dem großen Blechhaus oberhalb der Metallplattform tritt Julian jetzt ebenfalls mit einem Raketenwerfer in die Tür: „Fahrt zur Hölle, ihr Pisser!”

 

Als Chris an einer weiteren Verzweigung des Stegs angelangt ist, die ihn zwischen den Felsen weiterführen würde, kommt von hinten Juan erneut in vollem Lauf auf Chris zu. Reaktionsschnell schlägt Chris einfach mit der Faust nach hinten und trifft Juan genau im Gesicht, so dass dieser brutal nach hinten auf den Metallsteg aufschlägt.

Chris hebt seinen Arm mit dem Watchcomm: „Lage, Jessie?”

Jessica antwortet von der gegenüberliegenden Seite der Blechsiedlung aus:

„Negativ, Chris — keine Spur von Bürgermeister Grey.”

Abrupt dreht sich Chris um und packt den auf dem Steg liegenden Juan am Hals.

Chris: „Wo haltet ihr Dirk Grey fest?”

Juan, keuchend: „Verpiss dich doch endlich!”

Wütend stemmt Chris Juan hoch und schlägt ihn hart gegen eines der Blechhäuser, indem er ihn immer noch am Hals packt.

Chris brüllt Juan an: „Meinst du eigentlich, das hier wäre nur ein cooles Spiel oder was?! Ich frage nicht noch ein drittes Mal, Junge: wo ist Grey?!”

Juan hustend: „Der ist doch schon lange hier weg, so wie die meisten aus unserer Gang. Wir haben euch hier nur noch beschäftigt, damit unser Arsenal weggebracht werden konnte.”

Chris´ Blick zeigt, dass ihm klar wird, dass sie Manuels Gang auf den Leim gegangen sind — langsam lässt Chris Juan wieder los, und Juan rutscht langsam an der Blechwand des Hauses nach unten.

Chris, wieder ruhiger: „Und wo ist Manuel?”

Juan schnappt immer noch nach Luft.

Sofort packt Chris ihn erneut und rammt ihn mit dem Rücken gegen die Blechwand: „Wo ist Manuel?!”

Juans Blick gleitet unwillkürlich knapp zur Seite. Chris folgt dem Blick und sieht Manuel an einer Stelle unten im nächtlichen Green-Stone-Forest, wo dieser gerade in einem weiteren der Hovercraft-Buggies mit Vollgas durchstartet — Manuel hat alles genau beobachtet und diesen Moment abgepasst um zu entkommen.

Chris schlägt Juan mit seiner Stirn gegen den Kopf, so dass Juan zurück auf den Metallsteg stürzt, und rennt den Steg weiter entlang in die Richtung, wo Manuel unten durch den dunklen Wald rast.

Unterwegs aktiviert Chris seinen Watchcomm: „Grey ist gar nicht mehr hier, und Manuel entkommt gerade in einem der Hovercrafts!”

Auf der gegenüberliegenden Seite der Blechsiedlung blickt Jessica auf und sieht Chris in vollem Lauf über das Geländer des Stegs springen. Seinen Sturz nach unten fängt Chris an ein paar Ästen ab, bevor er dann hart auf den Waldboden aufschlägt.

Im Hovercraft-Buggy hat Manuel Chris´ waghalsigen Sprung beobachtet und rast jetzt genau auf den Aufgeschlagenen zu. Noch bevor Chris seine Waffe nach dem harten Aufprall wieder ausrichten kann, hat Manuel ihn schon erreicht. Noch soeben kann Chris aus der Fahrbahn springen, als das Hovercraft an dieser Stelle alles Laub und Unterholz aufwirbelt. Nachdem er zum zweiten Mal hart aufgekommen ist, richtet Chris stöhnend seine Waffe hinter dem Buggy her und feuert — doch vergebens.

Da kommt Airfighter im Tiefflug zu Chris herunter, so das Chris an Bord klettern kann.

Airfighter: „Ich habe das fliehende Hovercraft in der Ortung — Manuel nimmt den alten Kontrollweg, der von hier weg führt.”

Chris: „Dann nehmen wir Jessie an Bord und verfolgen ihn.”

Airfighter: „Aye, Sir.”

Indem er mit Airfighter hochzieht, funkt Chris Bill an: „Bill, Feuerbefehl auf die Blechsiedlung ist von uns aus freigegeben, sowie wir Jessie an Bord haben!”

Bill, im Polizeihelikopter: „Verstanden, Chris.”

Jessica wirft sich auf den Metallsteg, als eine von Julian abgefeuerte Rakete knapp über sie hinweg fliegt und in einem donnernden Inferno in einen Baumwipfel einschlägt. Sofort rollt sich Jessica ab und erwidert das Feuer auf Julian, woraufhin dieser im Blechhaus wieder in Deckung gehen muss. Da kommt schon Airfighter im Tiefflug vorbei, und Chris zieht Jessica an Bord. Indem Airfighter hochzieht, erteilt Bill im Polizeihelikopter über Headset den Feuerbefehl auf die Blechsiedlung.

In dem großen Blechhaus am oberen Ende der Metalltreppe, die von der Plattform aus hinauf führt, steht Julian in der geöffneten Tür und blickt mit weit aufgerissenen Augen nach oben genau in die Ansicht.

Er brüllt aus vollem Halse: „Verdammte Scheiße!!”

Dabei sieht er, wie Bill aus einem Polizei-Helikopter vor dem Hintergrund des sternübersäten Nachthimmels eine Granate abfeuert. Die Granate schlägt unmittelbar unter Julian in die große Metallplattform ein. Mit einem krachenden Donnern wird ein großes Loch in die Mitte der Plattform gesprengt, und durch den gewaltigen Schlag wird die komplette Plattform losgerissen und senkrecht nach oben katapultiert. Gleichzeitig wird die verbindende Metalltreppe von der Plattform mitgerissen und schlägt dabei umgeknickt nach oben Julian, der am Eingang des Blechhauses steht, frontal gegen die Stirn, so dass Julian in das Blechhaus hinein geschmettert wird und sogar noch die Rückwand durchschlägt, woraufhin er in die dahinter gelegene Felswand stürzt. Zusammen mit der davon katapultierten Plattform wird der große Metallsteg, der um die gesamte Peripherie der Blechsiedlung führt, an vielen Stellen aus seiner Verankerung gerissen: Überall fliegen Schrauben und brechen Metallklammern; an einer Stelle wird Juan, der auf dem Steg gestanden hat, durch den gewaltigen Ruck weggefegt und auf der gegenüberliegenden Seite ebenso Raffael; die Blechhäuser werden durch den brutalen Stoß auseinandergerissen.

Im Lichtkegel seines starken Scheinwerfers überfliegt Airfighter das Szenario und passiert den Polizeihelikopter, aus dem Bill herüber springt.

Im Airfighter-Cockpit ist der schematische Kurs von Manuels Hovercraft-Buggy auf Bildschirm_2 projiziert.

Airfighter: „Er hat den Kontrollweg gerade über einen kleinen Waldweg verlassen, der ihn direkt auf einen der Rastplätze des Highways führt.”

Jessica: „Laut Anzeige ist es auf dem Green-Stone-Highway heute Nacht ziemlich ruhig.”

Bill: „Aber dennoch habe ich genügend Fahrzeuge in der Ortung, mit denen Manuel eine Kollision herbeiführen könnte.”

Chris: „Wir bleiben an ihm dran!”

 

  • 20 –

  •  

Auf einem der Autobahnrastplätze kommt Manuels Hovercraft-Buggy donnernd aus dem nächtlichen Wald geschossen und rast einmal über den gesamten Rastplatz. In voller Geschwindigkeit fährt Manuel auf den Green-Stone-Highway auf, wo die wenigen Fahrer, die gerade vorbeikommen, ungläubig hinter der imposanten Mischung aus Gelände-Buggy und Hovercraft her sehen. Mit knappen, aber zugleich gekonnten Überholmanövern bahnt sich Manuel seinen Weg über den Highway: hinter ihm entbrennt ein lautes Hupkonzert, und schon ereignen sich erste Karambolagen. Da kommt Airfighter von oben herabgestürzt und fliegt dicht über dem Highway weiter. Sein Flugscheinwerfer erhellt die Unfallstelle.

Airfighter: „Es gibt keine Verletzten.”

Bill: „Kein Fahrzeug in der Ortung, das Gefahr liefe, in die Unfallstelle zu krachen.”

Chris: „Dann bleiben wir an ihm dran!”

Jessica: „Er kommt über den Highway jetzt wieder nach Green-Stone-Town zurück.”

 

Hinter dem Steuer des Hovercrafts sieht Manuel das Hinweisschild für die Highway-Ausfahrt Green-Stone-Town auf sich zu schießen und reißt das Steuer herum, wobei er erneut drei Autos riskant ausbremst beziehungsweise auf die andere Spur abdrängt.

 

Nach seinem Sturz vom zerfetzten Metallsteg zieht sich Juan mit aller Kraft zurück in die Felsen, wobei er sich die Hand an einer scharfen Felskante aufschneidet. Mit der blutenden Hand klettert er in die Felswand hinter den rauchenden und brennenden Trümmern der zerfetzten Blechsiedlung hoch. Als von der Brücke, über die die Auffahrt auf den G.S.T.-Highway führt, ein lautes Motorendonnern zu hören ist, hebt Juan sofort seinen Blick: seine Pupillen verkleinern sich, indem ein starker Lichtschein hineinfällt.

Über die Brücke rast einer der Hovercraft-Buggies, der gerade in voller Fahrt vom Highway abgefahren ist. Keine zwei Sekunden später taucht Airfighter über den Baumwipfeln auf und stürzt sich unter lautem Aufheulen seiner Triebwerke auf die Brücke hinab, indem sein Flugscheinwerfer den über die Brücke rasenden Hovercraft-Buggy vor dem Hintergrund der dunklen Nacht blendend erhellt. Dabei ist jetzt Manuel hinter dem Steuer des Hovercraft-Buggys zu erkennen: Juan reißt seine Augen weit auf.

 

Manuel klammert sich krampfhaft hinter dem Steuer fest, indem er unentwegt Vollgas gibt. Der Schweiß läuft ihm von der Stirn, und sein Blick zeigt absolute Entschlossenheit und tiefste Überzeugung: „Let´s go egoracing!”

 

Im nächtlichen Airfighter-Cockpit bestätigt Jessica inmitten des Sturzfluges:

„Er wird mit voller Geschwindigkeit auf die Mainstreet rasen!”

Bill: „Obwohl es Nacht ist, ist die Mainstreet noch gut befahren!”

Airfighter: „Nach meinen Berechnungen wird er bei unverminderter Geschwindigkeit mit einer vorbeifahrenden Wagenkolonne kollidieren!”

 

Auf der nächtlichen Mainstreet sind gerade mehrere Jugendliche in ihren Autos unterwegs, die anscheinend einen schönen Abend verbracht haben: in bester Stimmung fahren sie ausgelassen die Hauptstraße entlang. Unweit vor ihnen ist bereits das Hinweisschild für die Auffahrt zum G.S.-Highway im Licht der Straßenlampen zu sehen.

 

Im Airfighter-Cockpit dreht sich Jessica zu Chris: „Wir haben keine Wahl!”

Chris wendet seinen Blick kurz zu Bill, der fest entschlossen nickt:

„Waffensysteme bereit, Commander.”

Airfighter: „Ziel erfasst.”

Chris, mit festem und emotionslosem Blick: „Feuer.”

 

Indem Juan, in der Felswand festgeklammert, sieht, wie der auf die Brücke herabstürzende Airfighter eine das Dunkel der Nacht gleißend erhellende Rakete abfeuert, schreit er verzweifelt auf: „Nein!!!”

Dabei verliert Juan seinen Halt im Fels und stürzt die gesamte Felswand nach unten, wobei er immer wieder an den Steinen entlang streift. Inmitten seines lebensgefährlichen Sturzes schießt Juan eine weitere Erinnerung durch den Kopf:

 

In der versifften Wohnung kommt der Betrunkene auf dem Sofa in der Lederkleidung gerade wieder zu sich: verärgert wirft er die in seiner Hand ausgelaufene Bierflasche gegen die Wand.

Mit sichtlich verkatertem Blick brüllt er, ohne sich umzusehen:

Juan, hast du Bier gekauft?! Juan?!!”

Er streicht sich mit einer Hand durch sein Gesicht, indem er vor sich hin schimpft:

Wo steckt der Junge nur schon wieder?”

Da kommt Manuel ins Zimmer: Er sieht immer noch verweint aus, aber zugleich lässt sein Blick blanke Wut erkennen.

Manuel schreit: „Juan ist weg, Dad. Juan ist abgehauen und kommt nie wieder zurück zu dir!”

Manuels Vater blickt kurz auf, unterbricht den Blickkontakt zu Manuel jedoch sofort wieder, als ihn ein heftiger Schluckauf durchschüttelt.

Manuel: „Hast du mich verstanden, Dad?!”

Manuels Vater blickt erneut auf und kneift dabei aber, sichtlich gegen seinen Brummschädel ankämpfend, die Augen zusammen:

Manuel, dann geh du Bier kaufen — meine Fresse, hab ich 'nen Kater!”

Manuels Kopf läuft rot an, indem er aus vollem Halse brüllt: „Ich hasse dich!!!”

Bei diesen Worten laufen Manuel die Tränen in Strömen aus den Augen.

 

Irgendwo in einer dunklen Gasse des ghettoartigen Viertels liegt Juan am Abend in einem Müllhaufen. Er öffnet sein Portemonnaie und blickt auf das kleine zusammengefaltete Foto von Manuel, auf dem dieser noch ein kleiner Junge ist.

Juan streicht über das Foto: „Ich liebe dich.”

 

Nach seinem Sturz den gesamten Felshang hinunter, wobei er mehrfach gegen die Felsen geprallt ist, rappelt sich Juan sichtlich angeschlagen auf dem Waldboden wieder auf und blickt durch die dunkle Nacht auf die Brücke der Highway-Auffahrt hoch, wo er jetzt wie in Zeitlupe die von Airfighter abgefeuerte Rakete genau auf Manuels Hovercraft-Buggy zu rasen sieht.

Juan, keuchend: „Ich liebe dich, Kleiner.”

 

Hinter dem Steuer des Hovercraft-Buggys zeigt Manuels Blick in seiner letzten Sekunde nur noch emotionslose Leere, während seine Hände krampfhaft das Steuer festhalten: vor dem Buggy ist bereits das Ende der Brücke zu sehen, und wie die Wagenkolonne der feiernden Jugendlichen auf der Mainstreet genau in die Fahrbahn steuert, während in Manuels Rückspiegel die von Airfighter abgefeuerte Rakete heran schießt, die in Sekundenbruchteilen, die wie Ewigkeiten verstreichen, einschlagen muss.

Hier im Hovercraft-Buggy und zugleich damals, als er seinen betrunkenen Vater anbrüllte, erinnert sich Manuel:

 

Manuels Vater steht mit einer leeren Flasche Bier in dem versifften Zimmer und brüllt aus vollem Halse: „Hey ihr beiden, wo treibt ihr euch schon wieder ´rum?! Ihr solltet heute Bier kaufen, und jetzt sitze ich auf dem Trockenen! Wie lang soll ich denn noch warten?!“

Draußen vor der Haustür stehen Manuel und Juan im Dunkel der Nacht.

Manuel weint, sein Gesicht zeigt Panik:

Ich habe Angst, Juan — ich hasse es, wenn Dad so ist.”

Juan umarmt den kleinen Manuel, und Manuel hält sich an Juan fest, als ob er dadurch einen sicheren Halt bekommt.

Juan streicht Manuel über den Kopf, indem er ihn ganz fest hält:

Keine Angst, Kleiner — ich bin doch bei dir und passe auf dich auf.”

Juan spürt, wie Manuel sich allmählich wieder beruhigt, indem sich Manuel immer mehr in Juans Arme fallen lässt.

Juan drückt Manuel fest an sich: „Du brauchst keine Angst zu haben, kleiner Bruder.”

 

Hinter dem Steuer des Buggys laufen Manuel die Schweißtropfen von der Stirn. Manuel schließt die Augen, als er zum letzten Mal vor sich die Autos der ausgelassenen Jugendlichen und im Rückspiegel die jetzt einschlagende Rakete sieht.

Manuel, mit absolut ruhiger Stimme: „Kannst du mich nicht einfach wieder festhalten, Juan? Ich hab gerade ´ne Scheiß-Angst, großer Bruder!”

 

Juan bricht gerade mit tränenüberströmten Augen am Fuße der Felswand unter der zertrümmerten Blechsiedlung zusammen:

„Keine Angst, Kleiner — ich bin doch bei dir und passe auf dich auf.”

 

Im Hovercraft schlägt Manuel im Moment des Raketeneinschlages abrupt seine Augen auf, da donnern schon die Autos der entsetzten Jugendlichen auf ihn zu.

 

Juan, das Bewusstsein verlierend:

„Ich liebe dich, kleiner Bruder — du brauchst keine Angst zu haben.”

Indem Juan vor dem Hintergrund der brennenden und nun endgültig in sich zusammenstürzenden Blechsiedlung bewusstlos auf den Waldboden sinkt und hoch über ihm vor dem Hintergrund des sternklaren Nachthimmels die Einsatzhelikopter der Polizei patrouillieren, detoniert die soeben in Manuels Hovercraft eingeschlagene Rakete in einem donnernden Glutball und zerschmettert den gesamten Buggy innerhalb von Sekundenbruchteilen, so dass nur noch brennende Trümmerbrocken auseinander fliegen und die Nacht wie ein gewaltiges Feuerwerk erhellen. Die Brocken fliegen über die Autos der Jugendlichen hinweg, die sofort eine Vollbremsung gemacht haben. Chris, Jessica und Bill ziehen mit Airfighter noch knapp hoch, bevor sie auf der Brücke aufgeschlagen wären.

Über dem apokalyptischen Inferno der totalen Zerstörung glänzt der prächtige Sternenhimmel.

 

Manchmal erkennen wir erst im gleißenden Lichte des Infernos, wer wir wirklich sind. –

 

 

Story by Christian Scheffel –

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.08.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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