Thomas Müller

Der kleine Drache und der Mähnenhirsch


Auf der Insel Komodo und vier weiteren Inseln in Indonesien leben echte Drachen, die Komodo Warane. Einer von ihnen ist erst vor kurzem aus dem Ei geschlüpft und noch sehr klein.

 

Eines Morgens ging der kleine Drache zu einem Wasserloch, um zu trinken. Er wollte gerade aus seinem Versteck herauskommen, als er einen Mähnenhirsch am Wasser stehen sah. Schnell versteckte er sich wieder, doch der Mähnenhirsch hatte ihn gesehen.

„He, kleiner Drache, komm heraus, ich hab‘ dich gesehen“, rief der Mähnenhirsch. „Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, Mähnenhirsche fressen keine kleinen Drachen. Mähnenhirsche fressen nur Blätter und Gras.“

Da kam der kleine Drache aus seinem Versteck.

„He, kleiner Drache, soll ich dir mal was über die großen Drachen erzählen? Ich glaube, über die großen Drachen hast du noch nicht viel gehört.“

„Was weißt du denn über die großen Drachen, du bist doch gar kein großer Drache“, erwiderte der kleine Drache.

„Wir sind doch das Lieblingsessen der großen Drachen. Deswegen müssen wir immer aufpassen, dass sie uns nicht fressen. Mein Vater hat mir gesagt, dass ich immer durch die Nase atmen soll. Dann kann ich immer riechen, ob ein großer Drache in der Nähe ist. Und ich soll auf hohes Gras achten, denn große Drachen verstecken sich immer in hohem Gras. Einmal wäre ich an diesem Wasserloch beinah von einem großen Drachen gefressen worden. Ich bin am Morgen hierher gegangen und habe durch die Nase geatmet. Da habe ich einen großen Drachen gerochen und vor mir hohes Gras gesehen. Sofort habe ich umgedreht und bin ganz schnell weggelaufen. Als ich dann am Abend wiedergekommen bin, habe ich gesehen, dass an der Stelle, wo das hohe Gras ist, ein anderer Mähnenhirsch von einem großen Drachen gefressen worden ist. Seit diesem Tag achte ich immer darauf, durch die Nase zu atmen und ich achte immer auf hohes Gras. Du musst wissen, dass auch kleine Drachen von großen Drachen gefressen werden. Deswegen musst du dir angewöhnen, immer durch die Nase zu atmen und auf hohes Gras zu achten, damit du schnell weglaufen kannst, wenn ein großer Drache in der Nähe ist.“

„Danke, dass du mir das gesagt hast,“ sagte der kleine Drache. „Zum Dank verspreche ich dir, dass ich dich nie fressen werde, auch wenn ich später ein großer Drache bin. Auch deine Kinder werde ich nie fressen.“

„Danke,“ sagte der Mähnenhirsch. „Du bist der erste Drache, der mit mir Freundschaft geschlossen hat.“

„Und du bist mein erster Freund geworden,“ sagte der kleine Drache.

„Machs gut, kleiner Drache, wir werden uns bestimmt wiedersehen“, sagte der Mähnenhirsch und verschwand im Wald.

Der kleine Drache ging nun ans Wasserloch um zu trinken. Er war glücklich, dass er einen Freund gefunden hatte und wollte sich immer daran erinnern, durch die Nase zu atmen und auf hohes Gras zu achten.

© Thomas Müller, Juli 2012

 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Thomas Müller).
Der Beitrag wurde von Thomas Müller auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.09.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • me.muelleryahoo.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Thomas Müller als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Gedichte der Liebe. Drum laß mich weinen von Barbara Priolo



Von Liebe und Verletzlichkeit sprechen die Gedichte Barbara Priolos in immer neuen,überraschenden Variationen. Sie benennen die Süße erwachender Zuneigung, die Inbrunst fraulichen Verlangens nach Zärtlichkeit, und sie wissen zugleich von herber Enttäuschung, von Trennung und Leid des Abgewiesenwerdens. Deswegen aufhören zu lieben wäre wie aufhören zu leben. ** Das Schönste ist,was man liebt **, bekennt die griechische Lyrikerin Sappho auf Lesbos. Diese Einsicht-aus beselingender und schmerzlicher Erfahrung wachsend-ist Ausgangspunkt der sapphischen Dichtungen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Kinder- und Jugendliteratur" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Thomas Müller

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Spiderman und der grüne Kobold, Teil 1 von Thomas Müller (Kinder- und Jugendliteratur)
Abschied unterm Regenbogen von Michael Reißig (Kinder- und Jugendliteratur)
Förderverein der Profiteure (FDP) von Norbert Wittke (Satire)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen