Birgit Kleinfeld

Hingabe - Leonardo von Leuwenstein-Ostenbuck


Leonardo von Leuwenstein-Ostenbruck litt seit Tagen schon unter Katzenjammer. Nichts Besonderes an sich denn schließlich war er ja eine Katze. Ein Kater genauer gesagt. DER Platzhirsch unter den Katern noch genauer gesagt, und sein Katzenjammer rührte daher, dass er das dringende Bedürfnis verspürte seinen, in der Qualität auf jeden Fall dem edlen stolzen Klang seines Namens entsprechenden Samen in eine schöne schlanke willige Katze zu pflanzen. Am besten jetzt sofort. Ja, es verlangte ihm nach Sex, heiß, wild tierisch. Na ja, Letzteres würde ja, eh in der Natur seiner Natur liegen.
Nun war er nicht umsonst der Kater unter den Katern. An Angeboten hatte es ihm noch nie gemangelt. Gerade eben hatte er sich der Aufdringlichkeiten Tillys entledigt, in dem er ihr klar gemacht hatte, was er von gewöhnlichen Katzen, wie ihr, auch wenn sie recht hübsch, aber eben nur recht hübsch war, hielt.
Wie alle- fast alle wollte sie ihn, war hingerissen von seinen ausgeprägten Muskeln, seinem geschmeidigen Gang. Der anmutigen Art, wie er seinen Kopf hielt oder Schönheitspflege mit seiner Zunge betrieb. Es weckte ihre Fantasie, wie sein Gesang es tat, wenn er seinem Leid und seinem Verlangen Ausdruck verlieh, aber … ja aber die von ihm Auserwählte die verschmähte ihn … Sie- das war eine reinrassige Siamkatze. Carolina irgendwas ...Er wusste es nicht, aber wenn es um Katzen - Katzenfrauen ging, was war ihm da ein Name, wenn sie doch nur Augen wie Saphire, einen schlanken, wunderschönen Körper besaß. Einen Körper, der die Aufmerksamkeit aller erregte und den Neid der anderen Katzen wie auch der Kater, denen sie nie gehören würde. Und ein Mitglied dieser erbärmlichen Gruppe von Jammerlappen sein zu müssen, das schmerzte Leonard von Leuwenstein-Ostenbruck noch mehr als der momentane unständig steigende Druck im Innern seiner Kronjuwelen. Er dachte an Tilly und daran, dass sie ... Sollte er vielleicht doch ...? Seine Gedanken und auch seine, durch Schmerz ins Wanken geratene Entschlossenheit, wurden abgelenkt.
Denn da war SIE.
Stolz schritt sie an ihm vorbei, blickte ihn verächtlich an, was sein Begehren steigerte. Sie ließ ihn den Duft den ihr schöner verlockender Hintern verströmte genießen, blieb vor im stehen und verschwand dann in einer Art und Weise, die selbst ihn erkennen ließ: Verfolgen so was war nicht gewünscht.
Sein Gesang, - leidvoll, leidenschaftlich- konnten sie nicht zurückbringen. Aber halt? Vielleicht doch? Sollte er -oh Jubel- ausnahmsweise Signale falsch verstanden haben? Sollte sie, Carolina, endlich gemerkt haben, dass er das Beste war, was ihr passieren konnte ... Denn aus der Richtung, in die sie verschwunden war - so glaubte er wenigstens - erklang Gesang- zärtlichster, verlockender Gesang. Gesang, der das Ersehnte versprach und noch viel mehr ...
Wäre er es nicht eh schon gewesen, so hätte nun freudige Erregung ihn gepackt und ihn auf ihre Fährte gebracht … so war es seine Geilheit und die Siegesgewissheit, die ihn zu ihr trieben.
Der Duft der ihn empfing trieb ihn fast in den Wahnsinn seine Leidenschaft macht ihn rasend und blind ... dennoch wusste er, was er seinem Ruf und seiner Eroberung schuldig war. Katzen standen nun mal auf lange mehr oder minder zärtlich leidenschaftliche Vorspiele ... Diese hier anscheinend besonders. Er hatte sie für wilder gehalten, für fordernder. Aber hier empfing ihn liebevolle unendliche Wolllust oder viel mehr wollüstige, unendliche Liebe. Er wusste es nicht, und es war ihm auch egal ... Noch nie, nie, nie hatte er sich so gefühlt, so voller Kraft und gleichzeitig wundervoll schwach. So gewollt. Erwartet und ersehnt. Er hatte schon viele Katzen gehabt. Immer hatten sie sich ihm hingegeben, halbherzig, genau, wie er es getan hatte. Aber sie - aber Caroline ...
Doch irgendwann war der schöne Rausch vorbei. Das machte nichts, denn er wusste, es würde mehr davon geben. Er würde sich holen was sie zu geben bereit war, und ihr geben was immer sie verlangte, wann immer sie es verlangte.
Wie um dieses Versprechen zu besiegeln, schmiegte er sich an sie, an ihr dichtes schneeweißes Fe-
Halt ... Leonard von Leuwenstein-Ostenbruck stockte, denn die Augen, in die er nun voller Überraschung blickte, das Fell, das er spielerisch in seinen Pfoten hielt. Beides gehörte Tilly ...
T-i-l-l-y.
Benommen machte er sich davon. Blickte sich aber doch noch einmal um. Doch fort war sie und ließ ihn zurück, glücklich befriedigt aber ratlos.
Gab es also doch echt guten Sex ohne Liebe? Oder … ja oder hatte wahre Liebe doch nicht soviel mit Äußerlichkeiten und Aussehen zu tun, wie er immer gedacht hatte - sondern nur mit der Bereitschaft zu geben und zu nehmen? Und zwar sich.
Vorbehalts- und bedingungslos?
Ganz?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.09.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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