Birgit Kleinfeld

Der letzte Akt



Sie hatte immer gedacht es würde mehr schmerzen, das Sterben. Aber jetzt? Jetzt sah sie nur, wie sich ihr Blut mit dem angenehm warmen Badewasser, das ihr bis knapp über  den Nabel reichte, vermischte, es immer mehr rötlich färbte, sah wie das Leben aus ihr herausfloss, sie dem näher brachte, vor dem sie sich von jeher auf erregende Art gefürchtet hatte: dem Tod.
Da war er, erwartungsvoll, wie ein sehnsüchtiger Liebhaber, der sich darauf freute, sie in seine Arme zu schließen- ganz und gar, und sie einzuhüllen darin, um sie zu entführen ins dunkle Nichts des Vergessens und Vergessen Werdens. Für immer. Endgültig. Der erste Stoß, überraschend und heftig hatte geschmerzt - sehr geschmerzt. Doch jetzt berührte er ihr Gesicht mit seiner schönen, schlanken Hand.
Sie war warm, weich- wunderbar sanft. Sie schmiegte ihr Gesicht hinein, fühlte sich geborgen, sicher, geliebt. Ihr Bewusstsein machte einen letzten Versuch alles skurril zu finden: fragte sich was eigentlich passiert war, was sie einen körperlosen Geliebten spüren ihn zu begehren ließ.
„Psst" beruhigte seine Stimme sie, „es ist alles gut, komm zu mir und wehr dich nicht".
Sie gab ihrem Verlangen nach, genoss das heftiger werdende Drängen seiner Hände, und seine Lippen die fordernd und liebkosend ihr ganzes Ich vereinnahmten, Sie gab sich ihm hin, genoss die lustvollen Schmerzen- oder eher die schmerzvolle Lust- des 2. Stoßes und des dritten.
„Hör nicht auf "stöhnte sie, „hör nicht auf bis ich für ewig bei dir bin".
 "Nein, keine Angst. mein Liebling! Niemals!"
Sein zärtlich leises Lachen verwandelte sich plötzlich in hysterisches Gekreische-weibliches Gekreische. Schemenhaft nahm sie neben der Wanne eine Gestalt wahr. Eine Frau, die ein Messer hielt, das voller Blut war. Sie wirkte unwirklich, viel unwirklicher als er, der versuchte sie zu beruhigen mit seinen Küssen, dem Streicheln ihrer Brüste. Es folgten weitere Stöße- kraftvolle. Hasserfüllt von den Worten jener Frau da draußen untermalt. Stöße, die nicht wie seine, genüsslich schmerzten, sondern tief verletzten, und das Wasser der Wanne roter und roter werden ließen.
„Verreck endlich du, Hure", kreischte sie.
 "Hör nicht auf sie", flüsterte er, dem sie gehören wollte, er der sie liebkoste, dessen Augen in ihr brannten, der nicht fassbar war und doch so nah.
Der nächste Stoß brachte noch mehr Wollust und Vergessen. Doch die weibliche Stimme war immer noch da:
 "Jahrelang hat er mich mit dir betrogen, aber nun ist Schluss."
Kurz sah die Sterbende das Gesicht des Mannes vor sich mit dem sie noch vor 2 Stunden das Bett geteilt hatte in diesem Luxushotel, so wie sie es heimlich jeden Dienstag taten, schon seit…  Ihre Gedanken wirbelten wild durcheinander, hörten dann einfach auf.  Endgültig.
Doch er, ihr körperloser Engel,  war noch bei ihr. Er, der ewige einzig letzte Geliebte. Was war ihr da alles andere?
 "Nichts" antwortete des Todes Stimme, "nur ich bin dir alles, jetzt und für ewig."  Sehnsuchtsvoll wölbte sie sich ihm entgegen:
"Ja" schrie es in ihr "Ja".
Alles versank in goldenes Nichts: Die Wanne, die Frau mit dem Messer, das rote Wasser. Es gab nur sie, ihn, und den ewigen Kuss.
Jenseits aller Schmerzen.
(c)BirgitK0305

 


 

Die Idee zu dieser Art, Darstellung, des Tods entsprang
einer schlaflosen Nacht und ist auch dem Musical
"Elisabeth" entliehen, wo der Tod, ein attraktiver
omnipräsenter Mann,,ist.
Birgit Kleinfeld, Anmerkung zur Geschichte

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