Birgit Kleinfeld

Leuchtfeuer, Teil 2



05.05.196..
“Mein Liebster,
ich habe Blumen vor dein Bild gestellt und einen Kuchen gebacken. Ja, ICH, habe ihn gebacken und Theresa nennt ihn köstlich. Sie ist hier, aber ohne Brief von dir, was mich sehr quält, und der Großvater, sie und ich denken deiner. Denn du hast heute Geburtstag. Liebster, ist es für dich ein glücklicher Tag. Wo bist du jetzt auf rauer See oder in einem exotischen Land, das dir soviel neues bietet, dass du mich vergisst, mich und unseren Turm? Es stimmt mich traurig, so traurig, dass ich seit mehr als drei Wochen nicht von dir hörte. Hören - ach, könnte ich doch wie Theresa, auch mal deine Stimme am Telefon hören. Neulich riefst du sie aus irgendeinem fernen Land an. Sie konnte dich kaum verstehen und dennoch. Könnte ich dir doch nur sagen, wie sehr ich mich nach dir sehne, wie sehr ich dich begehre, immer begehren werde. Heute am Abend, zu unserer Stunde, werde ich eine Stück Kuchen und eine Kerze nehmen, mich in das Licht unseres Turmes setzen, noch einmal ganz stark an dich denken, den Kuchen „gemeinsam“ mit dir essen. Damit dein neues Lebensjahr gut und liebevoll beginnt. Ich werde mir dein Gesicht vorstellen, mit deinen glänzenden Augen, die mich immer an alten Cognac erinnern, mit deinen weichen hellen Haaren, deinem Lächeln, das alle Sorgen vertreibt.
Liebster, trägst du auch immer unseren Turm bei dir? Er schützt dich, glaub es mir, denn er trägt meine Liebe zu dir in sich. Er schützt dich und bringt dich sicher zurück. So wie das Leuchtfeuer unseres Turmes die andern Schiffer. Und so Gott will auch bald dich. Auf ewig, L.“


 

Daniel hielt einen Moment inne, er wusste nicht, ob er bewegt, oder wegen der doch ein wenig kitschigen Wortwahl auch peinlich berührt war. Obwohl … Hatte sich in der Liebe, hatte n sich die Worte, mit denen man Liebe ausdrückt, wirklich so geändert seit damals? Können innige Worte der Liebe je wirklich kitschig sein? „Mein Gott“, er musste ein wenig über sich lächeln nun übernimmst du sogar schon ihre Wortwahl ...
 
25.05.196..
„Liebster,
immer noch kein Wort von dir. Was ist geschehen? Hast du mich vergessen? Dann möchte ich lieber sterben. Geht es dir schlecht, bist du erkrankt? Da möchte ich bei dir sein. Theresa kommt nicht mehr, sooft, auch sie ist, verliebt doch das weißt du sicher. Sie wird sich bald wirklich vermählen und in die Stadt ziehen. Dann sind wir alleine. Der Großvater, unser Turm, meine Liebe zu dir und ich. Liebster geht es dir gut. So melde dich doch so bald es geht. L.“                                                                                             

30.06.196…
„Endlich, Liebster, endlich! Theresa kam mit einem Brief von dir. Er hat eine bunte Marke mit fremden Zeichen, Theresa sagte, sie sei aus Asien. Liebster, so bist du am anderen Ende der Welt. Mit Männern, vielen Männern, werde ich dich wieder erkennen, wenn du endlich wieder bei mir bist? Du schreibst, deine Liebe ist unverändert, aber du bräuchtest die Zeit auf See, weil du dich dort fühlst wie ein echter Mann. Ach Liebster, du bist ein echter Mann. Was hat sie dir angetan, die reiche Tochter, die die deine Frau werden sollte und es nicht wert war. Sie hat sich längst getröstet mit einem anderen. Sicher wird ihr Vater nicht mehr lange warten müssen auf einen Enkel. Und ich … ich warte auf dich, denn du bist für mich der Einzige, der schönste, der Mann der zu mir gehört. Warum nur glaubst du, du seiest kein richtiger Mann? Weil du nicht schlägst, sondern streichelst, nicht schreist, sondern dichtest. Mein Liebster, du bist ein Mann- mein Mann. Wenn nicht vor Gott so doch in meinem Herzen. Sehnsuchtsvoll, L.
 

07.07.196…

Bist wie Leuchtfeuer mir mild strahlend auch im Dunkel.
 Von fern wahrnehmbar und stets und ständig da.
 Gibst Schatten mir, wenn mich das Leben blendet,
ich nicht mehr sehe, wohin mein Weg mich führt.
Möchst Halt mir geben, ohne mich zu halten,
möchst, dass  ich mit dir lache, doch  NICHT aus Pflicht.
Beweist mir gern, dass niemals je von mir du mehr verlangst,
als ich dir geben kann und geben will.
Was du mir gibst, das macht Dir NIEMALS Mühe, 
 
Nie mein Liebster, schenkte mir jemand etwas Schöneres, als dieses Gedicht aus deinem letzten Brief. Seit ich es bekam, ist es mein Mantra, das ich aufsage, wenn ich das Leuchtfeuer entzünde. Nur dass ich es einwenig ändere, denn all das, was ich für dich bin, bist du für mich. Wirst es ewig sein. Wir gehören zusammen und wir werden es schaffen, gegen alle Widrigkeiten, das wird mir klarer je länger ich dich missen muss. Auch der Großvater glaubt an uns, doch es geht ihm schlecht. Schon seit Wochen ist es meine Aufgabe, wenn ich aus der Stadt heimkomme, das Leuchtfeuer zu entfachen. Er schafft die 122 Stufen einfach nicht mehr. Ich tue es gern, für ihn und für dich für uns. So kann ich jeden Tag 244-mal deinen Namen sagen, ohne dass es jemand hört. So wie ich für fremde Matrosen die Feuer entfache damit sie irgendwann heimkehren können zu ihren Liebsten so schützt in der Ferne ein anderer Leuchtturm sicher dich. Und eines Tages, ja hoffentlich in nicht zu weiter Ferne, ist es mein Leuchtfeuer, das dich zurück dahin bringt, wo du gehörst: zu mir. Doch bis dahin muss ich hoffen, dass meine Briefe dich erreichen, die Theresa immer weiterleitet. Sie kommt gleich und holt diesen, drum schließ ich ihn mit 1000 Küssen, L.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.10.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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