Sieglinde Jörg

Ein ungleiches Paar oder Realistischer Idealismus

Eine Idealistin und ein Realist ließen sich aufeinander ein. Die große Liebe war es nicht, aber sie mochten sich. Der Realist sagte: „Ich möchte mit dir eine Beziehung aufbauen.“ Die Idealistin dachte bei sich: „Immerhin meint er es ernst, es müssen also doch so etwas wie Gefühle vorhanden sein.“ Sie verbrachten viel Zeit miteinander. Sie saßen im Garten und sahen den Fischen im Teich zu, sie tranken Kaffee, kochten feines Gemüse aus dem Garten und speisten bei Kerzenlicht. Die Idealistin sehnte sich nach Herzlichkeit, doch diese konnte ihr der Realist nicht bieten. Er hatte sich schließlich aus praktischen Gründen für sie entschieden – sie war unkompliziert, ohne Allüren, was wesentlich angenehmer war als eine Schönheit mit Ansprüchen. Den Realisten nervten ihre Gedankensprünge und ihre so wenig rationale Sicht auf die Welt. Die Idealistin schaute sich gerne dramatische oder tragische Filme an. Sie liebte Gesprächsrunden mit Politikern, Schauspielern und Intellektuellen oder solchen, die glaubten, welche zu sein. Sie liebte die geistige Anregung und das Gedankenspiel. Er hingegen zog diesen zur Unterhaltung Science Fiction und Action vor. Auch beruhigten ihn wissenschaftliche Sendungen über die Erde. Seiner Ansicht nach lohnte es sich nicht, über Dinge zu diskutieren, die sich nicht ändern ließen. Wenn er zärtlich sein wollte, stupste er sie, was sie als unangenehm empfand. Er konnte keine Wärme geben. Sie nahm es hin. Er erwartete mehr Zuwendung von ihr, die sie wiederum aufgrund seiner distanzierten Art nicht zu geben vermochte. Er hätte gern eine Frau, die die Initiative ergreift, was bei seiner unterkühlten Art jedoch etwas schwierig war. Sie glaubte daran, dass irgendwo tief in seinem Inneren Liebe vorhanden sein musste. Das Karussell drehte sich weiter. Es rauschte an schönen, nahen Momenten und Momenten tiefster Trennung vorbei. Mit jeder Umdrehung empfanden sie mehr füreinander und entfernten sich gleichzeitig weiter voneinander. Die Angst vor dem Alleine sein und eine innige Vertrautheit hielten sie letztlich zusammen. Wirklich glücklich wurden sie nie, da jeder unerfüllte Sehnsüchte in sich trug, die er aufgegeben hatte, zu äußern.

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.10.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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