Christian Scheffel

Airfighter: Konfrontation

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorwort:

 

Diese Geschichte spielt unmittelbar nach den Geschehnissen aus Wendepunkt und führt den Handlungsstrang um Juans und Raffaels Gang zu einem vorläufigen Ende: Beim angekündigten Treffen mit den Politikern aus Metro-City kommt es zu einem brutalen Anschlag der Commodores, der in ein Massaker münden soll. Als das Airfighter-Team eingreift, stehen sich schließlich Chris und Juan wieder gegenüber: brutale Gewalt, Schmerz und Zorn treffen bei dieser Konfrontation aufeinander – sowie schließlich eine bekennende Selbstoffenbarung, die beide verbindet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Konfrontation

 

  • 1 –

  •  

Ein großer Busbahnhof in Metro-City: aus einer angrenzenden Einkaufspassage kommen gerade drei Jungs aus einem Schnellimbiss heraus; alle drei haben einen Döner in der Hand. Die drei gehen die Passage weiter entlang, indem sie sich zum Spaß immer wieder gegenseitig anrempeln. Auch gelten ihre Blicke immer wieder den ihnen entgegenkommenden Mädchen und jungen Frauen, die mit eher abwertenden Blicken antworten. Am Ende der Einkaufspassage, die einen kleinen Bogen nach rechts gemacht hat, kommt ein anscheinend größerer Platz zum Vorschein, der mit schickem, rotem Pflaster ausgelegt ist. Den Anfang des Platzes markiert ein kleiner Spielplatz, wo sich einer der drei Jungs direkt auf eine Art von Schaukelpferd stürzt, von dem er aber sofort wieder von einem der anderen beiden heruntergerissen wird — sehr zum Unwillen der Mütter, die hier ihre Kinder während des Einkaufes beschäftigen. In diesem Moment schimmert ein immer wieder auftretendes blaues Leuchten von den Wänden der Häuser wider, und als die Jungs zusammen mit den übrigen Passanten in die andere Richtung sehen, ist auf der Hauptstraße, die auf der anderen Seite der Einkaufspassage den großen Platz abgrenzt, kommt eine Staffel von Polizeiwagen herbei gefahren und parkt am Rande des Platzes.

Die Jungs blicken entgeistert auf: „Voll krass!”

„Du sagst es, Alter!”

„Wir haben doch nichts angestellt, oder?”

Die Polizisten beginnen sogleich damit, den großen Platz zu evakuieren und nach allen Seiten hin mit ihren Streifenwagen abzusperren. Auch die Geschäfte, die direkt am Platz liegen, müssen vorübergehend geschlossen werden — was auf Seiten der Verkäufer empörten Protest hervorruft.

Der Platz wird allmählich frei, und viele der Passanten bleiben neugierig hinter der Polizeiabsperrung stehen, darunter auch die Besitzer der anliegenden Kaufhäuser sowie die drei Jungs mit ihren Dönern. In der Richtung, von wo die Einkaufspassage auf den großen Platz führt, ist dieser durch die Fassaden der zahlreichen Kaufhäuser abgegrenzt, auf der gegenüberliegenden Seite markiert ein dichter Grünstreifen den Übergang zur Hauptstraße, die hier nun ebenfalls abgesperrt worden ist — im Hintergrund erklingt seit einigen Minuten ein fortlaufendes Hupkonzert; in die dritte Richtung bildet eine rot geziegelte Mauer mit einem schicken Metallgeländer darauf die Begrenzung des großen Platzes. Hinter der Mauer ist ein imponierender Wasserfall — allerdings mit nur geringem, aber dafür langgezogenem Gefälle — zu sehen, an dessen einem Ende der Flusslauf, unterirdisch verlaufend, unter der Hauptstraße hervorkommt und an dessen anderem Ende der Flusslauf um einige Meter tiefer in einem modern errichteten Kanal weiter verläuft, indem er in einer leichten Rechtskurve irgendwo unterhalb der Rückseite der Kaufhäuser aus dem Blickfeld verschwindet.

 

  • 2 –

  •  

Hoch über Metro-City kommt gerade die große Airfighter-Basis zum Stillstand, die imponierend vor dem Hintergrund des blauen Sommerhimmels schwebt. Aus der sich öffnenden Luftschleuse kommt Airfighter heraus geflogen und setzt zum steilen Landeanflug auf Metro-City an — aus dieser Höhe hat man einen wunderbaren Panoramablick über die gesamte City.

Im Airfighter-Cockpit sitzen Chris, Jessica und Bill in ihren Pilotensitzen mit geschlossenen Helmvisieren, in denen sich die zunehmend größer werdende Silhouette Metro-Citys widerspiegelt, indem die drei mit Airfighter auf dem großen Parkplatz vor dem Main Policedepartment of Metro-City landen.

Unmittelbar nach der Landung steigen Chris, Jessica und Bill in ihren Uniformen aus dem Cockpit aus und eilen auf den Haupteingang des Polizeireviers zu.

 

In Captain Millers Büro befinden sich Chris, Jessica, Bill, Captain Miller selbst, Jake und ein weiterer Mann, der einen schicken, dunklen Anzug mit Krawatte und weißem Hemd darunter trägt, schwarzes Haar hat und schätzungsweise Anfang bis Mitte 50 Jahre alt ist: auf Captain Millers Schreibtisch, um den die Anwesenden herumstehen, ist auf dem Computerbildschirm ein Standbild des von Ms. Parson aufgenommenen Interviews mit Juan und Raffael zu sehen.

Captain Miller: „Die ursprüngliche Entführung Bürgermeister Greys hat damit eine überraschende Wendung genommen.”

Jake: „Und jetzt sieht sich Metro-City mit einer politischen Problematik konfrontiert.”

Captain Miller wendet seinen Blick dem Mann in dem schicken Anzug zu:

„Bürgermeister Kilpatrick?”

Der Bürgermeister fährt auf die Aufforderung Captain Millers hin fort:

„Auch wenn diese Gruppe mit der Freilassung Dirk Greys ein deutliches Vertrauenssignal ihrerseits gesetzt hat, zieht Metro-City es nicht ernsthaft in Erwägung, mit denen über ein politisches Mitrecht zu verhandeln.”

Chris: „Die Gruppe hat allerdings auf ihr inzwischen zusammengestelltes Arsenal verwiesen.”

Kilpatrick: „Das ist richtig — allerdings für den Fall, dass sie in einen Hinterhalt gelockt würden.”

Bill: „Und wie stellen Sie sich das Zusammentreffen auf dem Central Square um 18 Uhr genau vor?”

Kilpatrick: „Natürlich wollen wir der Gruppe die eingeforderte Möglichkeit bieten, ihren Standpunkt darzulegen. Auch sind wir sehr an ihren Vorstellungen betreffs unserer stadtinternen Politik interessiert.”

Captain Miller: „Wir haben den gesamten Central Square von unseren Leuten absperren lassen und werden auch das Zusammentreffen aus nächster Nähe überwachen — immerhin kann niemand ausschließen, dass diese Gang Grey nur freigelassen hat, um jetzt gleich eine ganze Hand voll Politiker verschleppen zu können.”

Kilpatrick: „Jedenfalls sind wir uns nicht sicher, was wir davon halten sollen. Deshalb werden wir auf jeden Fall das Treffen wahrnehmen.”

Bürgermeister Kilpatrick sieht kurz durch die Runde:

„Und nun entschuldigen Sie mich bitte — ich muss vorher noch zu unserer Besprechung.”

Als der Bürgermeister Captain Millers Büro verlassen hat, treffen sich die Blicke von Chris und Captain Miller wie von allein: beide wissen nur zu gut, dass es noch etwas zu klären gibt.

Captain Miller: „Das ist Juan Gutierrez, den wir hier auf der Aufnahme sehen, nicht wahr?”

Chris nickt.

Captain Miller: „Natürlich bin ich durch Ihren letzten Statusbericht informiert über die derzeitige Lage im Airfighter-Team, Commander. Und es ist völlig korrekt, dass Sie allein die Entscheidungen bezüglich der Mitglieder Ihres Teams zu treffen haben. Allerdings stehen Sie auch allein dafür gerade.”

Jessicas und Bills Blick treffen sich: beide sehen einander fest in die Augen, während Jake seinen Blick auf Captain Miller und Chris gerichtet hält.

Chris: „Absolut richtig, Captain. Ich allein treffe die Entscheidungen.”

Captain Miller: „Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, Commander, ich mache mir Sorgen um Sie. Juan Gutierrez zu rekrutieren, war ein gewagter Entschluss von Ihnen, aber ich unterstreiche Ihre Beurteilung in jeder Hinsicht: Juan Gutierrez hatte seinen Dienst als Mitglied des Airfighter-Teams zuverlässig und professionell — und nicht zuletzt gewissenhaft — ausgeübt.”

Captain Miller wartet einen Moment ab, in dem er und Chris einander nach wie vor genau in die Augen sehen: Chris´ Blick zeigt, dass er verstanden hat, dass Captain Miller ihm nur bei seiner anstehenden Entscheidung helfen will.

Captain Miller ergänzt schließlich: „Bis jetzt.”

Chris atmet einmal durch und setzt dann zu einem erneuten Nicken an.

Bill schaltet sich ein: „Dass es so weit kommen würde, war nicht abzusehen, Captain. Nach der Stürmung des ursprünglichen Hauptquartiers der Kidnapper von Bürgermeister Grey in G.S.T. durch die Polizei und die Eliminierung von Manuel Gutierrez hatten sich jegliche Spuren der Gang verloren.”

Jessica, die sich ebenfalls einschaltet: „Dass die Gang nicht untätig bleiben würde und weiterhin alles auf die Befreiung Mister Greys gesetzt werden musste, war klar — doch hatte für uns der Anschlag auf den Präsidenten in Washington höchste Priorität gehabt.”

Jakes Gesichtsausdruck zeigt, dass er offensichtlich froh ist, dass nicht er die anstehenden Entscheidungen treffen muss.

Captain Miller: „Natürlich — ich verstehe voll und ganz, wie sich das Dilemma entwickelt hat. Aber Fakt ist jetzt, dass wir uns hiermit konfrontiert sehen.”

Miller zeigt auf Juan, der auf dem Standbild auf dem Computerbildschirm zu sehen ist.

Chris, mit festem Blick: „Da die Police of Metro-City das Treffen um 18 Uhr beobachten wird, wird auch das Airfighter-Team nicht abwesend sein.”

Chris´ Blick schweift durch den Raum und trifft sich dabei nacheinander mit Jessicas und Bills Blick.

Chris fährt fort: „Juan Gutierrez untersteht meinem Kommando, und ich werde an dieser Stelle die notwendigen Entscheidungen treffen und umsetzen.”

Jessicas Blick zeigt ihre ohnmächtige Verzweiflung, Bill blickt ihr verständnisvoll in die Augen. Jakes Gesichtsausdruck zeigt seine Anteilnahme an dem Dilemma, in dem sich Chris, Bill und Jessica jetzt befinden.

Chris sieht wieder Captain Miller in die Augen: „Ich werde tun, was ich zu tun habe, Captain — heute Abend wird die Angelegenheit, was Juan Gutierrez betrifft, endgültig geklärt werden.”

Captain Miller, mit leiser Stimme: „Ich weiß, dass ich mich auf Sie verlassen kann, Commander.”

 

  • 3 –

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In der Tiefgarage, wo die schwarzen Limousinen der Commodores geparkt stehen, hält der Indianer gerade ein Funktelefon in seiner Hand, während im Hintergrund die schwer bewaffneten Commodores in die Limousinen einsteigen; direkt neben dem Indianer steht der Asiate, der einen eiskalten Blick zeigt.

Der Indianer spricht ins Funktelefon: „Alles klar, Boss — dann werden wir uns darauf einstellen.”

 

Eine Hand liegt auf einem nicht unbekannten, schicken Schreibtisch auf:

„Verstehen Sie das richtig: es bleibt bei meinem Auftrag — die Police of Metro-City wird es Ihnen erschweren, darf Sie aber nicht aufhalten!”

 

In der Tiefgarage antwortet der Indianer mit festem, loyalem Blick:

„Sie können sich wie immer auf uns verlassen, Boss: wir werden diese Gang heute Abend endgültig platt machen — und wenn die Police of M.C. dazwischen funkt, dann wird dies für die Stadt zwar tragisch sein, aber jeder, der den Commodores heute Abend in die Quere kommt, wird ebenfalls unter die Räder kommen.”

In den Augen des Asiaten neben dem Indianer blitzt es bei diesen Worten eiskalt auf.

Der Indianer deaktiviert das Funktelefon und blickt dem Asiaten in die Augen.

Der Asiate setzt zu einem böse funkelnden und zugleich begeisterten Lächeln an:

„Ich bin beeindruckt, dass Ihr Boss an seinem Auftrag festhält.”

Der Indianer antwortet knapp: „Niemand kann es sich leisten, sich dem Boss in den Weg zu stellen — Sie kennen ihn jetzt ja ebenfalls.”

Der Asiate nickt wie in einer Geste der Loyalität: „Allerdings — und ich würde ihm auch lieber nicht im Wege stehen wollen — denn der Boss zeigt Charakter mit dieser Entscheidung!”

Die beiden begeben sich ebenfalls zu einer der schwarzen Limousinen, die bereits ihre Motoren angelassen haben.

 

  • 4 –

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Airfighter ist wieder an Bord der hoch über Metro-City positionierten Airfighter-Basis gelandet.

Im gemütlichen Wohnzimmer sitzen Chris und Jessica zusammen auf der Couch: der Blick durch die Fensterscheiben im Hintergrund zeigt den dicken Metallpanzer, der zur Zeit das gesamte Grundstück überdacht und auf diese Weise in eine künstliche Nacht einhüllt.

Jessica: „Was bedeutet, dass du tun wirst, was du tun musst, Chris?”

Chris blickt starr vor sich hin auf den Boden:

„Als ich Juan zu einem Mitglied des Airfighter-Teams gemacht hatte, wusste er, dass er von dem Zeitpunkt an eine Verantwortung gegenüber den Sicherheitskräften unseres Landes trug.”

Jessica: „Und darüber hinaus ist er zum Airfighter-Copiloten ausgebildet.”

Chris sieht jetzt Jessica in die Augen:

„Genau. Und vor allem das ist unser Problem. Wir wissen nicht, ob die Gang die Wahrheit gesagt hat, was ihre Absichten betrifft. Und solange, wie die Gang eine potentielle Gefahr darstellt, können wir es unmöglich zulassen, dass ein ehemaliges Mitglied des Airfighter-Teams dazugehört.”

Chris hat die letzten Worte mit voller Überzeugung gesprochen — allerdings hat Jessica erkannt, dass Chris jetzt als Airforce-Offizier spricht und nicht mehr als derjenige, der Juan damals rekrutiert hat, um dem Jungen eine neue Chance zu geben.

Jessica, die Chris ebenfalls fest in die Augen sieht:

„Meinst du, Juan hat Manuels Tod inzwischen verkraftet?”

Chris, ohne jegliche weitere Regung: „Das ist nebensächlich, Jessie — wir haben einen Auftrag zu erfüllen, und mir kommt es zu, die potentielle Bedrohung, die durch Juan ausgeht, beziehungsweise diesen Missstand zu beseitigen. Diesen Auftrag werde ich ausführen.”

Jessica: „Sagst du das auch als der Mann, der Juan damals in unser Team geholt hat und der alles daran gesetzt hat, dass Juan nicht wieder unter die Räder kommt?”

Obwohl Jessica die Antwort eigentlich ja kennt, musste sie Chris diese Frage stellen.

Chris atmet kurz ein und aus, indem er seinen Blick für einen Moment durch das abgedunkelte Wohnzimmer schweifen lässt. Dann blickt er Jessica wieder in die Augen:

„Ich wünschte wirklich, es gäbe eine andere Möglichkeit, Jessie. Juan hat mir in all den Jahren sehr viel bedeutet und auch seine Zugehörigkeit zu unserem Team — ich dachte immer, wir hätten ihm endlich eine richtige Familie gegeben.”

Jessica: „Das weiß ich doch, Chris. Und wir waren für Juan wirklich die Familie, die er niemals gehabt hatte — das hat er mir gesagt. Und er war dir immer dankbar, dass du ihm diese Chance gegeben hast. Was ich eigentlich nur sagen will, Chris, ist, dass ich dich verstehe.”

Chris: „Wenn Juan in der Gang seines Bruders seinen endgültigen Platz gefunden hat, dann ist das seine Entscheidung. Dass ich Manuel getötet habe, ohne zu wissen, dass er Juans Bruder war, schmerzt mich zutiefst. Allerdings mussten wir unseren Auftrag erfüllen, und genau das müssen wir jetzt auch.”

Jessica, mehr überlegend als redend:

„Als ich Juan in dem aufgezeichneten Interview sah, habe ich ihn fast nicht wieder erkannt, Chris — er hat sich so verändert. Ich glaube nicht, dass er noch der Juan ist, den wir gekannt haben.”

Chris, der auch wieder Emotionen in seinem Blick zeigt:

„Ich weiß, Jessie — mir ging's genau so. Wir haben keine Ahnung, was Juan inzwischen in der Gang erlebt hat und was er alles durchgemacht hat — aber er steht jetzt ganz oben in Manuels Gang, und diese Position wird er nicht geschenkt bekommen haben.”

Jessica: „Ist er noch der Mann, den ich geliebt habe, Chris?”

Ihr läuft eine Träne aus einem Auge, die sie aber sofort wegwischt.

Chris: „Ich weiß es ehrlich nicht, Jessie.”

Jessica: „Ich habe so vieles an ihm geliebt, so viele bewundernswerte Eigenschaften.”

Chris: „Menschen verändern sich Jessie — und wir haben auch niemals gewusst, was Juan eigentlich in seinem Leben alles durchgemacht hat. Wir haben keine Ahnung, was er in seiner Kindheit erlebt hat. Dass er in Manuels Gang letztendlich seine Familie gefunden hat, war wohl nur eine Frage der Zeit.”

Jetzt ist es Jessica, die ihre Gefühle beiseite schiebt und sich auf ihre Pflicht besinnt:

„Aber das ist alles irrelevant: Juan ist vertraut mit der Airfighter-Technologie und ist zu einem potentiellen Feind übergelaufen — wir müssen unsere Pflicht erfüllen.”

Auch aus Chris´ Mimik verschwindet sofort wieder jegliche Regung:

„So ist es. Und oberste Priorität hat für uns die Neutralisation des enormen Sicherheitsrisikos, das von Juan Gutierrez ausgeht.”

In dieser Sekunde meldet sich Bill über Watchcomm: „Chris, Jessica...”

 

Bill sitzt in der Airfighter-Computerzentrale vor einem Bildschirm, der einen taktischen Plan für das bevorstehende Treffen auf dem Central Square aufzeigt, gemäß dem die Polizisten im Falle eines Eingreifens vorgehen werden.

Bill: „… Es ist in wenigen Minuten soweit.”

 

In Chris´ Wohnzimmer blicken Chris und Jessica sofort auf, indem Chris in seinen Watchcomm antwortet: „Verstanden, Bill — wir kommen.”

 

  • 5 –

  •  

Von der durch die Polizei abgesperrten Hauptstraße aus wird die kleine Gruppe aus Politikern, die die Interessen von Metro-City vertreten sollen, über den Grünstreifen auf den Central Square geführt: unter den Politikern befindet sich auch Bürgermeister Kilpatrick. In der Mitte des schicken Central Square bleibt die Gruppe dann stehen — rings herum blicken die Schaulustigen hinter der Absperrung jetzt noch neugieriger.

Einer der Politiker sieht auf seine Armbanduhr: diese zeigt 17:59 an.

„Allmählich könnten unsere Verhandlungspartner ruhig mal auftauchen!”

Ein anderer aus der Gruppe blickt einmal um sich:

„Wer weiß, ob die´s wirklich ernst gemeint haben?!”

In genau der Sekunde, als die Armbanduhr des ersten Mannes 18:00 anzeigt, ist ein lauter werdendes Motorengeräusch zu hören, das etwas verzerrt erscheint — so, als ob es in einem Tunnel widerhallen würde. Dann kommen unmittelbar nacheinander drei der Hovercraft-Buggies aus der dunklen Flussunterführung heraus gefahren, die inmitten des nur mäßig steilen Wasserfalles anlegen. Die Politiker drehen sich, überrascht und offenkundig beeindruckt zugleich, in Richtung des Flusses. Vom ersten Hovercraft steigen Juan und Raffael herab, gehen den Rest über den stilvoll angelegten Wasserfall und springen, sich mit einer Hand abstützend, über die rot geziegelte Mauer mit dem Metallgeländer darauf auf den Central Square. Jerome und ein paar weitere Jungs folgen Juan und Raffael und bleiben hinter den beiden auf dem Central Square stehen.

Raffael: „Schön, dass wir uns hier treffen können!”

Kilpatrick: „Das sehen wir genauso.”

Die Polizisten rings um den Central Square herum erhöhen ihre Aufmerksamkeit und behalten die Gangmitglieder auf den angelegten Hovercraft-Buggies genau im Auge.

Kilpatrick: „Was also können wir für Sie tun, meine Herren?”

Juan: „Wir fordern für uns ein Mitbestimmungsrecht ein, was die Politik dieser Stadt betrifft!”

Einer der Politiker tritt neben Bürgermeister Kilpatrick:

„Aber wer genau sind Sie? Wie sollen wir Sie einordnen?”

Raffael: „Wir stellen eine autonome und stabile Fraktion dar, wir können uns vollkommen aufeinander verlassen, und wir ziehen alle am selben Strang.”

Im Hintergrund verschränkt Jerome die Arme, um Raffaels Worten Nachdruck zu verleihen.

Der Politiker hakt weiter nach:

„Aber was genau sind denn Ihre Ziele, was gedenken Sie zu erreichen?”

Juan: „Wir haben uns zusammengeschlossen und organisiert, um eben nicht einfach als Gang abgetan zu werden.”

Raffael: „Wir sind weitaus mehr als das.”

Kilpatrick: „Das haben Sie uns bereits in Ihrem Interview zu verstehen gegeben: Sie bezeichnen sich selbst als eine Art von Organisation.”

Der Politiker neben Kilpatrick fährt fort:

„Doch es muss für Sie ersichtlich sein, dass wir Ihnen so nur wenig Kooperation entgegenbringen können — irgendeiner Organisation, über die wir überhaupt nichts Näheres wissen!”

Kilpatrick ergänzt: „… außer, dass Sie über ein nicht unerhebliches Arsenal an modernsten Waffen und Technologie verfügen!”

Juan: „Dies sichert unseren Status.”

Raffael: „Wir hatten drüben in G.S.T. damit begonnen, unsere ursprüngliche Gang zu organisieren, uns zu diesem Zwecke ein befestigtes Lager einzurichten und unser Arsenal aufzustocken.”

Juan: „Wir haben ganz konkrete Vorstellungen und unsere eigenen Werte, die wir in die Politik mit einbringen wollen — das ist unser Ziel!”

Politiker: „Das hätten Sie auch tun können, ohne Militärtechnologie und -waffenarsenal zu entwenden!”

Kilpatrick: „… und ohne Bürgermeister Grey zu entführen!”

Raffael: „Wir alle haben eine Vergangenheit, die uns die Chance verbaut hat, auf konventionelle Weise jemals wieder Gehör zu erlangen!”

Juan: „Also ist dieser Weg der einzige gewesen, um an unser Ziel zu gelangen: hierher!”

Der Politiker muss sich ein absurdes Lachen verkneifen: „Aber wie stellen Sie sich das denn vor? So, wie Sie Ihre Vergangenheit gerade beschrieben haben, ist Ihr ganzer Plan doch sehr illusorisch!”

Kilpatrick unterbricht mit einer Geste:

„Wir haben uns doch vorgenommen, die Herren nicht von vornherein abzuweisen!”

Er blickt wieder zu Juan und Raffael: „Wir sind gewillt, uns Ihre Vorschläge — oder Vorstellungen und Werte, wie Sie sie genannt haben, — anzuhören, meine Herren.”

Raffael: „Das haben wir uns erhofft.”

Juan: „Und es ist uns sehr wichtig.”

In dieser Sekunde schlägt eine Panzerfaust in einem brutalen Donnerschlag in einen der Streifenwagen ein, die auf der Hauptstraße die Polizeiabsperrung bilden: Der auseinander fliegende Wagen wird gegen den nächsten Polizeiwagen geschmettert, der wiederum aufgebockt und in die Luft katapultiert wird. Sich Flammen speiend in der Luft einmal überschlagend, kracht der Wagen als Feuerball zurück nach unten und landet auf dem dritten Polizeiwagen, der krachend explodiert! Juan, Raffael und die Politiker auf dem Central Square blicken entsetzt in Richtung Hauptstraße, während Jerome im Hintergrund ein Zeichen gibt, woraufhin die übrigen Gangmitglieder ihre Waffen ziehen beziehungsweise auf den Hovercraft-Buggies die Bordgeschütze in Richtung Hauptstraße ausrichten. Der Einsatzleiter der Polizisten brüllt gegen den ohrenbetäubenden Lärm an, und die Officers gehen mit rasendem Puls in Schusspositionen. Jetzt kommen einige – für Juans und Raffaels Gang nicht unbekannte – schwarze Limousinen die Hauptstraße entlang gefahren, aus denen, umgeben von dem lodernden und dunkel rauchenden Flammenmeer, der Indianer mit dem Narbengesicht sowie der ebenfalls nicht unbekannte Asiate aussteigen: Der Indianer zeigt ein eiskaltes, abgrundtief böses Grinsen, während der Asiate einen versteinerten Blick zeigt, indem seine langen Haare in der Hitze der Flammen wehen!

 

  • 6 –

  •  

In der Einsatzzentrale der Airfighter-Basis ertönt sogleich der Einsatzalarm. Chris, Bill und Jessica stürzen zur automatischen Schleuse, durch die sie die Startbahn für Airfighter betreten. Der Blick auf den Hauptschirm zeigt eine schematische Luftübersicht des Central Square.

 

Keine halbe Minute später stürzen sich Bill, Jessica und Chris mit Airfighter kopfüber auf Metro-City hinab, und erst inmitten des Sturzfluges dreht sich Airfighter wieder um 180° mit dem Cockpit zurück nach oben.

Airfighter: „Die Limousinen waren durch meinen Scan zuvor nicht als potentielle Gefahr erkannt worden.”

Bill: „Der Polizei ebensowenig, Airfighter.”

Jessica: „Gehören sie denn zu Manuels Gang?”

Chris: „Falls nicht, dann sind die Polizisten, die Politiker und die Mitglieder aus Manuels Gang da unten jetzt genau in deren Visier!”

 

Von der Mitte des Central Square aus sehen Juan und Raffael, wie inmitten des Flammeninfernos auf der Hauptstraße die Limousine der Commodores mit der Panzerfaust herangefahren kommt — auf der Hauptstraße ist ein tödliches Schussgefecht zwischen den Polizisten und den heranrückenden Commodores ausgebrochen.

Raffael: „Wir müssen die Leute in Sicherheit bringen!”

Juan: „Weg von hier kommen wir nicht mehr!”

Er blickt zu Jerome weiter nach hinten in Richtung der Mauer, die zum Wasserfall führt.

Jerome brüllt gegen den Lärm an: „Hier ´rüber — wir geben euch Feuerschutz!”

In Richtung der Einkaufspassage und des kleinen, von der Polizei abgesperrten Spielplatzes auf dem Central Square rennen die Schaulustigen in Todespanik wild durcheinander.

Raffael und Juan drängen die kleine Gruppe von Politikern, mit ihnen zu kommen.

Raffael: „Kommen Sie mit — hier fliegt uns gleich alles um die Ohren!”

„Um alles in der Welt — was ist denn nur passiert?!”

Juan: „Das ist ein Hinterhalt — die Commodores wollen uns alle ausschalten!”

Auf dem vorderen der drei Hovercraft-Buggies richtet einer der Jungs aus der Gang den Elektroemitter aus und feuert auf die rot geziegelte Mauer, die den Wasserfall zum Central Square hin abgrenzt: Inmitten einer in die Ohren einschlagenden Explosion und unter grellen Hochspannungsblitzen wird ein Teil der Mauer zerschmettert, und Wasser strömt auf den Central Square. Indem ihnen Jerome mit ein paar weiteren Jungs Feuerschutz gibt, hasten Juan und Raffael mit den Politikern durch das Loch in der Mauer hindurch und gehen auf der Rückseite der Mauer in Deckung, wo sie sich jetzt im flach abfallenden Wasserfall befinden. Da wird von der schwarzen Limousine die Panzerfaust erneut abgefeuert und schlägt mitten in den Central Square ein: inmitten einer gewaltigen Druckwelle werden sämtliche Fensterscheiben der Geschäfte zum Central Square hin zerfetzt. Die dahinter postierten Polizisten sind jetzt ein leichtes Ziel für die anrückenden Commodores und werden sogleich unter Beschuss genommen.

Vom Hovercraft aus feuert der Junge weitere Hochspannungsladungen aus dem Emitter genau in die Limousinen der Commodores ab: Die Limousinen leiten die elektrischen Ströme wie Faraday´sche Käfige weiter, so dass die Ladung gleich vier Limousinen hintereinander durchflutet, wobei die inneren Armaturen explodieren und die Limousinen Feuer fangen — die daneben stehenden Killer gehen in den Hochspannungsblitzen ebenfalls in Flammen auf.

Indem sie weiterhin ununterbrochen auf die Commodores feuern, ziehen sich Jerome und seine Jungs Schritt für Schritt vom Central Square zurück durch das Loch in der Mauer zu Juan, Raffael und den Politikern.

Während die Commodores im Schussgefecht mit der Polizei den Central Square stürmen, kommt Airfighter im Tiefflug heran gestürzt und feuert mit einer gezielten Automatiksalve eine ganze Reihe der Commodores aus dem Weg. Da feuern diese zwei Raketen aus einer weiteren Limousine genau auf Airfighter ab.

Bill: „Verdammt — woher haben die so eine Ausrüstung?!”

Jessica: „Die Abtastung zeigt, dass die Raketen mit automatischer Zielerfassung versehen sind, Chris!”

Chris: „Airfighter, sofort hochziehen und weg von hier — Scheiße: wenn die Raketen hier einschlagen!”

 

Im Tiefflug donnert Airfighter dicht über die Köpfe von Juan und Raffael hinweg, als Jerome mit seinen Jungs inmitten des Feuergefechtes jetzt auch bei den beiden und den Politikern angekommen ist.

 

Nur unweit über den Hausdächern fliegt Airfighter einen so engen Loop, dass beide Raketen ihn aus entgegengesetzten Richtungen knapp verfehlen und ineinander einschlagen: ihre brennenden Trümmer fliegen in Form von parabelförmigen Bögen nach unten und landen auf einem Fabrikgelände, wo sie wie kleine Brandbomben einschlagen.

 

Airfighter: „Das Gelände war geräumt — niemand ist zu Schaden gekommen.”

Chris atmet auf: „Aber das dürfen wir nicht noch einmal riskieren — verdammt!”

 

Der Junge auf dem Hovercraft feuert mit dem Elektroemitter eine weitere Hochspannungsladung ab, die weitere Limousinen der Commodores auflädt und entflammt.

In der Mitte des Central Square, gleich neben dem Einschlagskrater der Panzerfaust, befinden sich der Indianer und der Asiate an der Spitze der durch das Feuergefecht stürmenden Commodores. Der Asiate zieht ein Wurfmesser, indem er seinen eiskalten Blick auf den Jungen an dem Elektroemitter gerichtet hält.

Juan sieht noch knapp, wie dem Jungen an dem Elektroemitter das Messer des Asiaten mit einer kleinen Blutfontäne genau in den Hals fliegt und wie der Junge dann in den Wasserfall stürzt.

Juan, Jerome und Raffael brüllen gegen den Schusslärm an.

 

Im hoch über dem Kampfszenario kreisenden Airfighter ist eine Luftaufnahme des Geschehens auf dem Central Square auf die Cockpitscheibe projiziert: Zu sehen ist, wie die Commodores, angeführt von dem Indianer und dem Asiaten, immer weiter in Richtung der roten Mauer vorstoßen, hinter der sich Juan und Raffael mit den Politikern sowie Jerome und dessen Jungs in Sicherheit gebracht haben.

Jessica: „Wer auch immer die sind, die haben's anscheinend auf die Politiker abgesehen!”

Bill ergänzt: „… oder auf die Anführer der Gang — und sie lässt ein Massaker mit der Polizei völlig kalt!”

Chris: „Seitdem die Angreifer den Schützen am Elektroemitter eliminiert haben, rücken sie deutlich schneller vor.”

Bill, Chris´ Gedanken lesend: „Du willst die Position am Emitter übernehmen?!”

Jessica: „Du willst dich auf die Seite von Manuels Gang stellen?”

Chris: „Sie sind die einzigen, die im Moment die Politiker noch retten können — die Polizisten haben keine Chance mehr durchzukommen!”

Airfighter: „Allerdings werden wir wohl erneut beschossen, wenn wir wieder ´runtergehen!”

Chris blickt angespannt auf das auf die Cockpitscheibe projizierte Kampfgeschehen.

 

Mit dem Indianer und dem Asiaten an ihrer Spitze feuern sich die Commodores auf brutale Weise immer weiter über den Central Square auf die Mauer zu: Von der Hauptstraße her ist gerade ein weiterer Trupp der Commodores aus den Limousinen nachgerückt, der mit einer donnernden Automatiksalve eine ganze Reihe an Polizisten, die oben in den Fenstern der Kaufhäuser postiert gewesen sind, erschießt, so dass diese die Fassade herunterstürzen — der Killer an der Spitze des Trupps grinst diabolisch.

Raffael, außer sich: „Die legen gezielt Cops um!”

Kilpatrick, neben Raffael den Kopf einziehend: „Das ist Wahnsinn!”

Juan brüllt gegen den Schusslärm an: „Das alles war genau geplant — und die Commodores werden sich nicht aufhalten lassen: die haben es auf uns und die Politiker abgesehen!”

Die Blicke der Politiker zeigen schiere Todesangst.

Jerome: „Ohne den Elektroemitter können wir die Commodores nicht in Schach halten!”

In diesem Augenblick kommt Airfighter ein weiteres Mal rasendschnell und dann abrupt gegensteuernd von hoch oben bis dicht über den Central Square herabgestürzt und startet sofort wieder durch: Indem im Hintergrund aus der schwarzen Limousine erneut eine Rakete auf die Flugmaschine abgefeuert wird, springt Chris im dunklen Kampfanzug in den Fluss ab, schlägt in voller Geschwindigkeit gegen die Betonwand, die den Fluss hier im künstlichen Flussbett hält, und wird zurück in den Wasserfall geschmettert. Airfighter donnert dicht über die Köpfe aller hinweg wieder steil nach oben, während ihm die Rakete folgt, und feuert selbst eine Rakete ab, die in die Limousine mit dem Raketenwerfer einschlägt, woraufhin diese krachend senkrecht nach oben katapultiert wird und im Verlaufe der Explosion in alle Richtungen ihre brennenden Trümmer speit. Der angeschlagene Chris klettert aus dem Wasserfall auf den vorderen Hovercraft-Buggy, wobei er durch die Commodores unter vollen Beschuss genommen wird.

Juan ruft Jerome zu, und dieser eröffnet mit seinen Jungs erneut das Feuer auf die Commodores.

Juan und Raffael blicken zum Wasserfall zurück und sehen, wie Chris den Emitter herumdreht und auf den rechten Killertrupp der Commodores ausrichtet, der gerade weitere Polizisten mit gezielten Automatikschüssen niedergemetzelt hat. Gerade noch hat der Anführer des Trupps auf sadistische Weise gegrinst, da verzieht sich sein Gesicht zu einer hässlichen Visage, die seine böse Überraschung ausdrückt, als Chris den Elektroemitter genau auf ihn und seinen Trupp ausrichtet. Chris drückt ab, noch ehe der Killertrupp ihn unter Beschuss nehmen kann. Die ultrahochgeladene elektrische Entladung rast genau auf den Anführer und seinen Killertrupp zu: der brüllende Anführer, dem hierbei die Spucke aus dem Mund spritzt, wird von der Hochspannungsladung sofort durchschlagen und seine Augäpfel explodieren, als er schon inmitten einer grellen Stichflamme verschwindet. Ebenso wird der gesamte Killertrupp inmitten der gleißenden elektrischen Entladung im gigantischen Flammenmeer geröstet.

Der Indianer und der Asiate in der Mitte des Central Square kochen sichtlich vor Wut, indem sie sich weiterhin an der Spitze ihres Trupps im Schussgefecht gegen die Polizei und die Gang weiter vorkämpfen.

Jerome winkt seinen Jungs wieder zu: „Los, Jungs — das ist unsere Chance!”

Sie springen über die Mauer zurück auf den Central Square und erwidern das tödliche Feuer der Commodores.

Auf dem Hovercraft richtet Chris den Elektroemitter in Richtung Hauptstraße und fegt mit der nächsten Hochspannungsentladung gleich eine ganze Reihe der schwarzen Limousinen unter gleißenden elektrischen Entladungen von der Straße.

 

Rasendschnell ziehen Bill und Jessica mit Airfighter beinahe senkrecht nach oben, dicht gefolgt von der Rakete der Commodores. Da taucht die kuppelartige Airfighter-Basis genau in Airfighters Flugbahn auf: knapp ziehen Jessica und Bill mit Airfighter zur Seite weg, als die Rakete schon in das energetische Störfeld um die Basis einschlägt: vor dem Hintergrund des blauen Sommerhimmels versperrt ein lodernder Explosionsball vorübergehend jegliche Sicht.

 

Gerade hat Chris den Elektroemitter auf den Asiaten und den Indianer ausgerichtet und will in die eiskalten Blicke der beiden feuern, da verliert der Emitter seine Energieversorgung.

Der Junge neben Chris, der von einem der anderen beiden Hovercraft-Buggies herüber gesprungen ist, antwortet Chris´ Blick: „Die Energiereserven sind aufgebraucht.”

Chris blickt sofort wieder zur Mitte des Central Square.

Hier grinst ihm der Asiate mit funkelndem Blick entgegen, während der Indianer ebenfalls ein Wurfmesser zieht.

Jerome und seine Jungs feuern sich den Weg zur Mitte des Central Square frei.

Der Indianer streckt seinen linken Arm aus, um Jerome ins Visier zu nehmen, und schleudert dann sein Wurfmesser: Das Messer trifft genau in Jeromes Hand mit der Schusswaffe, so dass die Schusswaffe weg geschleudert wird und Jeromes Hand mit dem darin steckenden Messer in eine Betonfuge der rot geziegelten Mauer genagelt wird.

Juan brüllt gegen den Schusslärm hinter der Mauer hervor: „Jerome!!”

Jerome hängt keuchend mit seiner festgenagelten Hand, aus der das Blut strömt, an der Mauer.

Der Indianer setzt, diabolisch grinsend, mit seiner Schusswaffe an, indem Juan auf der anderen Seite der Mauer brüllt: „Nein!!”

Juan breit entgegen grinsend, feuert der Indianer eine schnelle Folge von fünf unmittelbar aufeinanderfolgenden Schüssen ab, die Jerome nacheinander in beide Arme, in beide Beine und mitten in den Bauch treffen: Indem Blut aus seinem Mund läuft, sinkt Jerome mit erloschenem Blick zusammen, wobei sich das Messer langsam durch seine Hand schneidet, da diese an der Mauer entlang nach unten rutscht.

Juan brüllt mit Tränen in den Augen: „Nein!!!”

Jetzt zeigt der Indianer abrupt einen eiskalten Blick und feuert einen letzten Schuss ab, der Jerome genau in den Kopf trifft: indem hinter Jerome eine Blutfontäne spritzt, baumelt sein Kopf mit leblosem Blick nach vorn, und Jerome reißt endgültig wieder von der Mauer ab.

Vor Wut schnaubend, stützt sich Juan mit einer Hand auf der Mauer ab und springt über diese zurück auf den Central Square.

Raffael bleibt bei den Politikern hinter der Mauer: „Bleiben Sie in Deckung!”

Der Asiate zieht auch wieder ein Wurfmesser und blitzt Chris hinter dem Elektroemitter eiskalt entgegen. Chris fixiert mit seinem Blick die Hand des Asiaten mit dem Messer darin. Dann wirft der Asiate das Messer genau auf Chris, und dieser dreht reaktionsschnell den Elektroemitter an seinem Stativ einmal um 180°, so dass dieser das Messer abgefangen und in den Wasserfall abgelenkt hat. Chris hebt seinen Blick.

Der Asiate legt seine Waffe nieder und tritt vom Central Square aus herausfordernd auf Chris zu — Chris fackelt nicht lange und springt seinem Kontrahenten vom Hovercraft aus über die Mauer entgegen, und beide prallen gegeneinander.

Juan stürmt von der Mauer aus über den Central Square und feuert dabei um sich herum die Commodores über den Haufen, während der Indianer sich auf den offenkundig ersehnten Nahkampf mit Juan einstellt: die Augen des Indianers zeigen ein Lodern, das den Kampf kaum noch abwarten kann. Dann springt der Indianer Juan mit einem Highkick entgegen, und beide stürzen zu Boden. Sofort wieder in den Stand zurück springend, prügeln Juan und der Indianer sich gegenseitig mit brutalen Schlägen und Highkicks durch das in die Mauer gerissene Loch bis zum Wasserfall, in den sie hineinstürzen.

Chris und der Asiate liefern sich ebenfalls einen brutalen Nahkampf und stürzen auch über die Mauer in den Wasserfall hinunter.

Der Indianer zischt Juan eiskalt an: „Willst du deinen Freund rächen? Hat richtig Spaß gemacht, ihn so hinzurichten!”

Juan kann vor Wut nur einen unverständlichen Laut von sich geben, indem er sich inmitten der leichten Schräge des Wasserfalls wieder auf den Indianer stürzt, der aber standhaft bleibt.

Der Asiate setzt zu einer schnellen Folge von gezielten Karateschlägen an, die Chris jedoch reaktionsschnell pariert. Dann holt der Asiate zum Highkick aus und schmettert Chris mit einem Tritt gegen die Betonwand des Flusslaufes.

Der Indianer holt aus und schmettert Juan mit dem Kopf ebenfalls brutal gegen die Betonwand der Flussführung. Dann zieht der Indianer Juan am Kopf zurück und drückt diesen unter Wasser, indem er sadistisch grinst: „Bei deiner Hinrichtung gebe ich mir jetzt noch mehr Mühe, Arschloch!”

Der Asiate holt zu einem brutalen Schlag aus, mit dem er Chris mitten in den Bauch schlägt — Chris schnappt mit rotem Kopf nach Luft. Der Asiate zieht Chris an den Haaren hoch und rammt ihn erneut gegen die Betonwand. Der Asiate holt sofort zum zweiten Mal aus und schlägt brutal mit voller Wucht zu. Doch Chris weicht knapp aus, so dass der Asiate seine rechte Faust mit voller Kraft gegen die Betonwand schlägt: Der Asiate schreit auf, indem seine Hand beim Schlag gegen die Wand an mehreren Stellen aufplatzt, so dass Blut spritzt. Chris dreht sich reaktionsschnell um, fasst den Asiaten von hinten im Genick und rammt ihn mit dem Gesicht voran mit voller Wucht gegen die Betonwand.

Der Indianer zieht Juans Kopf wieder aus dem Wasser heraus und nimmt ihn in den brutalen Würgegriff, bereit dazu, Juan das Genick zu brechen: „Ihr Weicheier könnt es niemals mit den Commodores aufnehmen.”

Plötzlich schlägt Juan abrupt mit seinem Kopf zurück dem Indianer genau ins Gesicht. Mit einem gewaltigen Sprung überschlägt sich Juan rückwärts, so dass er jetzt hinter dem Indianer steht: Die ihn würgenden Hände des Indianers hat Juan diesem dabei auf den Rücken gedreht und reißt beide Arme jetzt auf so brutale Weise herum, dass beide mit einem beinahe synchronen Knacken brechen. Sogleich fasst Juan den Indianer im Genick und schleift ihn mit dem Gesicht an der Betonwand entlang, wo eine Blutspur zurückbleibt, und schleudert den Indianer mit dem Kopf voran in den Wasserfall.

Mit blutendem Kopf rast der Asiate wie ein tollwütiger Stier auf Chris zu und wirft diesen so rückwärts ins Wasser. Rasend vor Wut schlägt der Asiate ununterbrochen mit brutalen Karateschlägen auf Chris ein, bis dieser den Asiaten mitten ins Gesicht tritt und sofort aus dem Liegen wieder in den Stand zurück springt. Sofort springt Chris hoch, dreht sich in der Luft einmal um sich selbst und verpasst dem Asiaten einen kraftvollen Highkick mitten ins Gesicht, der diesen, Blut spuckend, sich einmal nach hinten überschlagen lässt.

Inmitten des leichten Gefälles des Wasserfalles vor Juan im Flussbett kniend, blickt der Indianer zu Juan auf, indem ihm zusammen mit dem Wasser aus seinen Haaren das Blut über das Gesicht strömt. Juan blickt den Indianer mit eiskaltem Blicke genau in die Augen.

Der Indianer verzieht seine blutüberströmte Visage zu einem letzten überheblichen Grinsen:

„Na, hast du den Mumm, einen Kampf bis zur Hinrichtung durchzuziehen, du Weichei?”

In Juan bebt die blanke Wut.

Der Indianer hustet Blut, indem er herabwürdigend zu lachen versucht: „Deinen Freund hinzurichten, war eine meiner leichtesten Übungen — es hat mir überhaupt nichts bedeutet!”

Jetzt holt Juan zu einem gewaltigen Kick aus: mit brutaler Wucht katapultiert Juan den Indianer aus dem Flussbett senkrecht nach oben in die Luft, wo sich der Indianer einmal überschlägt und dann mit dem Rücken nach unten ins Flussbett zurück fällt. Der Schrei des Indianers wird von dem wütenden Brüllen Juans übertönt, mit dem Juan zu einem letzten Kick ausholt: Dann fällt der Indianer mit dem Rücken genau auf Juans empor gehobenes Schienbein, wobei das Rückgrat des Indianers mit einem lauten und kaum mitanzuhörenden Knacken durchgebrochen wird. Abrupt verstummend, stürzt der Indianer in den Wasserfall, wobei er mit dem Gesicht nach unten fällt. Unter Wasser schwimmt die blutige Visage des Indianers mit dem erloschenen Blick in den Augen vorbei, während über der Wasseroberfläche Juans Gesicht mit dem eiskalten Blick eines Killers leicht verschwimmt.

Chris will sich gerade von seiner Position weiter oben im Wasserfall zu Juan drehen, da kommt von hinten noch einmal der Asiate auf ihn zu gestürmt: Chris fasst ihn kurzerhand am Kopf, lenkt den Schwung des Asiaten um und wirft diesen durch die Luft, mit dem Kopf voran, in eine der Verzierungsschlaufen des Metallgeländers auf der rot geziegelten Mauer hinein, in der der Asiate nun mit seinem Kopf stecken bleibt. Chris blickt zu Juan hinab, der gerade seinen Blick zu Chris emporhebt: beide starren sich gegenseitig fest in die Augen, beide sind noch völlig außer Atem. Da sieht Chris aus den Augenwinkeln, dass der Asiate seine Schusswaffe vom rot gepflasterten Boden des Central Squares auf der anderen Seite der Mauer ergreift und den Arm nach hinten auf Chris richtet. Mit voller Wucht tritt Chris gegen die Metallschlaufe, in der der Asiate feststeckt, so dass diese mit einem Ruck aus dem Metallgeländer gerissen wird und sich mitsamt dem Asiaten einmal in der Luft überschlägt, wobei der Asiate seinen Hals unsanft verrenkt und dann reglos mit der Metallschlaufe um seinen blutenden Kopf in den Wasserfall stürzt.

Indem der Asiate an Juan vorbei gespült wird, fixiert Juan Chris nach wie vor mit einem eiskalten Killerblick: es juckt ihm sichtlich in den Fingern. Chris dreht sich, sichtlich mitgenommen, weiter oben im Wasserfall wieder zu Juan, und als sich beider Blicke erneut treffen, springt Juan in einem gewaltigen Highkick und laut brüllend Chris entgegen. Juan versetzt Chris eine schnelle Folge von harten Schlägen, mit der er Chris Stück für Stück in den unterirdischen Verlauf des Flusses unter der Hauptstraße drängt.

 

7 –

Vor dem Hintergrund des blauen Himmels ist der allmählich wieder erlöschende Explosionsball hoch über Metro-City zu sehen, während im Vordergrund Jessica und Bill mit Airfighter wieder senkrecht nach unten stürzen.

Jessica: „Automatische Zielerfassung ist aktiviert.”

Bill: „Wollen wir hoffen, dass die nicht noch mehr Raketenwerfer haben!”

Mit aktivierten Manövrierdüsen donnert Airfighter, sich unter enormem Gegenschub aus dem Sturzflug abfangend, bis dicht über den Central Square hinunter und nimmt die Commodores, die sich nach wie vor im tödlichen Schussgefecht mit der Polizei befinden, mit der automatischen Zielerfassung präzise unter Automatikbeschuss.

Hinter der Mauer winkt Raffael in Richtung Airfighter, ohne genau erkennen zu können, wer sich eigentlich im Cockpit befindet.

Raffael ergreift die ihm von einem der Jungs angereichte Schusswaffe, indem er sich an die Politiker neben ihm wendet:

„Folgen Sie mir — wir müssen auf die andere Seite des Central Square gelangen!”

 

  • 8 –

  •  

Juan prügelt Chris Meter für Meter rückwärts durch den unterirdischen Flusslauf, bis er dann zu einem kraftvollen Highkick ansetzt. Diesen jedoch fängt Chris ab, geht in die Hocke und wirft Juan durch dessen eigenen Schwung im hohen Bogen über sich hinweg: Juan landet kopfüber in einem großen Wasserbecken, das sich in der Mitte der Hauptstraße in einem kreisrunden Lichtschacht befindet, der sich meterweit bis nach oben zur Hauptstraße erstreckt, wo er in ein ummauertes und durch ein Metallgeländer abgesichertes Brunnenäquivalent zwischen den beiden Fahrspuren in einem schön verzierten Grünstreifen übergeht. Juan taucht inmitten des Wasserbeckens wieder auf und blitzt Chris aus funkelnden Augen entgegen. Chris tritt gerade aus der Flussunterführung ebenfalls in den großen Wasserschacht. Sofort rennt Juan durch das Wasserbecken auf Chris zu und springt hoch, um Chris mit voller Wucht einen Highkick zu verpassen. Chris weicht dem Kick aus und fasst Juan an beiden Schultern. In voller Geschwindigkeit zieht Chris den auf ihn zuspringenden Juan herum, so das dieser ein Stück an der Wand entlang läuft, und wirft Juan, indem sich dieser unkontrolliert in der Luft überschlägt, zurück ins Wasserbecken.

Chris sieht Juan mit eindringlichem Blick genau in die Augen: „Lass uns das klären, Juan!”

Auf dem Rücken im Wasser liegend, blickt Juan Chris ebenfalls fest in die Augen:

„Worauf du dich verlassen kannst, Chris!”

Mit einem Satz springt Juan aus dem Liegen zurück in den Stand und kickt ein Stück Metallrohr aus dessen angerosteter Befestigung. Das Rohr in seiner Hand bedrohlich rotierend, wendet sich Juan wieder zu Chris: in Juans Augen funkelt blanke Wut.

Chris: „Bist du jetzt völlig bescheuert, oder was?!”

Wiederholt schlägt Juan mit brutaler Wucht mit dem Metallstück auf Chris ein, der immer wieder knapp ausweichen kann, bis er dann den letzten Schlag nur noch mit dem Arm abblocken kann, der dabei aber mit voller Wucht getroffen wird: Chris schreit auf. Dann geht Chris, jetzt selbst vor Wut schnaubend, auf Juan los: Indem Juan zum nächsten Schlag ansetzt, kickt ihm Chris das Metallteil gezielt aus der Hand. Einen zweiten Kick verpasst Chris Juan unmittelbar darauf genau unter das Kinn, so dass Juan in der Luft eine Rolle rückwärts schlägt. Indem Juan zurück nach unten fällt, verpasst ihm Chris mit voller Wucht einen gewaltigen Kinnhaken, der Juan bis gegen die gegenüberliegende Mauer des Wasserschachtes schmettert. Juan rappelt sich wieder auf.

Indem er aus Mund und Nase blutet, brüllt er Chris an: „Du hast meinen Bruder getötet, Chris!!”

Chris will gerade antworten, da stürzt sich Juan erneut, innerlich vor Wut explodierend, auf Chris: er wirft Chris einfach um und schlägt diesen mit dem Kopf gegen die harte Wand des Wasserschachtes.

Indem Juan Chris zu würgen beginnt, keucht Chris: „Es tut mir leid, Juan.”

Abrupt schlägt Chris mit seinem Kopf nach vorn und trifft mit seiner Stirn Juan genau ins Gesicht, wodurch Juan wieder nach hinten ins Wasserbecken geworfen wird.

Sich hinsetzend, wiederholt Chris aufrichtig: „Es tut mir leid, Juan.”

Erneut stürzt sich Juan, wie von der Tarantel gestochen, mit all seiner Wut auf Chris und streckt diesen mit einer schnellen Folge brutaler Schläge nieder: „Halt dein Maul, ich will das nicht hören — ich will das von dir nicht hören!!”

Chris sinkt vor Juan zusammen, indem Juan weiter brüllt: „Manuel hat mir alles bedeutet. Er war zurückgekehrt, und endlich waren wir wieder eine Familie — Chris, ich hatte ihm versprochen, dass ich auf ihn aufpasse!!”

Juan verpasst Chris eine weitere schnelle Folge brutaler Schläge, so dass Chris jetzt förmlich unter Juan im Wasser liegt.

Juan brüllt weiter, indem Tränen in seine Augen schießen: „Ich hatte Manuel schon damals allein gelassen, Chris — und diesmal wollte ich mein Versprechen an ihn erfüllen! Aber du hast mich ja nicht gelassen, Chris!!”

Sich sichtlich mit aller Kraft anspannend, sammelt Chris erneut seine Kräfte und holt, bevor Juan ein weiteres Mal zuschlagen kann, zu einem derart brutalen Kinnhaken aus, dass Juan hochkatapultiert wird, sich in der Luft rückwärts überschlägt, wobei aus seiner Nase und seinem Mund eine Blutfontäne radial einmal quer durch den Wasserschacht gespritzt wird, und dann ins Wasserbecken einschlägt und mit dem Kopf noch bis auf den steinernen Boden kracht. Indem Juan sich wütend wieder aufrappelt, kommt Chris hinter ihm mit einem Satz in den Stand zurückgesprungen, fängt Juans sofortigen Gegenangriff ab und prügelt jetzt Juan von der einen Seite einmal quer durch den gesamten Wasserschacht bis zur anderen Seite, wobei immer wieder Blutfontänen ins Wasser und gegen die Mauer spritzen. Auf der anderen Seite angekommen, verpasst Chris Juan einen abschließenden Dreifach-Kinnhaken, tritt Juan mit voller Wucht brutal in den Bauch, schlägt dem Zusammensackenden ins Genick und nimmt den nach vorn Umkippenden in einen brutalen Würgegriff, mit dem man in der Nahkampfausbildung beim Militär gelernt hat, dem Feind das Genick zu brechen. Nur noch quietschend und Blut spuckend, kann Juan in Chris´ festem Würgegriff seinen letzten Atemzug tun: seine Augen zeigen einen starren, unnachgiebigen Blick. Hinter Juans rot anlaufendem Kopf ist Chris´ Gesicht zu sehen, das bis gerade noch den festentschlossenen Blick einer ausgebildeten Kampfmaschine gezeigt hat: jetzt jedoch regt sich wieder etwas in Chris´ Mimik, und in seinem Blick ist eine Art von Verzweiflung zu erkennen. Plötzlich lässt Chris Juan los, und dieser fällt, laut nach Luft schnappend, nach vorn ins Wasserbecken — im Hintergrund sinkt Chris zusammen und setzt sich auf den steinernen Rand des Wasserbeckens.

Juan taucht langsam mit dem Kopf wieder aus dem Wasser auf, bleibt aber dicht über der Wasseroberfläche, weiterhin nach Luft schnappend:

„Warum hast du's nicht zu Ende gebracht, Chris?”

Chris, unter sich sehend: „Ich kann's nicht Juan, ich kann dich doch nicht töten.”

Indem sich weiter vorn Juans Blick drastisch ändert, blickt im Hintergrund Chris wieder auf:

„Das könnte ich niemals tun, Juan!”

Im Vordergrund schluckt Juan, indem er unentwegt geradeaus sieht:

„Du hättest es tun müssen, Chris.”

Im Hintergrund blickt Chris Juan weiterhin von hinten an: „Nein, Juan. Und weißt du, warum nicht: weil ich dich kenne — ich habe dir immer vertraut, und du hast mich bis heute nicht enttäuscht, Junge!”

Im Vordergrund laufen erneut Tränen in Juans Augen — diesmal zeigt sein Blick aber Verzweiflung: „Du hast ja keine Ahnung, was ich getan habe, Chris! Ich bin nicht mehr der, der ich vorher war — der, den du kanntest!”

Juan dreht sich abrupt zu Chris um, der ihm von hinten jetzt genau in die Augen sieht.

Juan: „Nach dem, was ich getan habe, Chris, kann ich dir nicht mehr in die Augen sehen — ich bin es nicht mehr wert, im Airfighter-Team zu dienen!”

Chris sieht Juan fest in die Augen, indem er ruhig seinen Kopf schüttelt.

Juan, verzweifelt: „Chris, ich habe Typen mit bloßen Händen umgebracht — ich habe dasselbe verdient!!”

Chris´ Blick zeigt absolute Selbstoffenbarung, indem er Juan weiterhin fest in die Augen sieht: „Juan, du hast nichts getan, was ich nicht auch getan habe. Nichts, was du getan hast, kann dich schlechter machen als mich — das sind unsere Taten, mit denen wir leben müssen.”

Juan läuft eine Träne aus dem Auge: „Aber ich hatte eben wirklich geglaubt, so ginge es zu Ende. Ich war gelähmt vor Schmerz und rasend vor Zorn über Manuels Tod. Alles, was ich danach tat, erlebte ich, als stünde ich neben mir: Schmerz, Zorn, Hass und Leere. Ich habe das alles noch gar nicht erfasst, Chris. Und als ich dich vorhin sah, dachte ich wieder an Manuel. Meine Wut und mein Schmerz waren sofort wieder aufgelodert. Ich wusste gar nicht mehr, was ich tat und welche Menschen ich verletzen würde. Und schließlich glaubte ich, dass du mich nun töten würdest, weil ich dir keine Wahl mehr gelassen hatte – sogar das konnte ich nicht mehr wirklich realisieren.”

Chris und Juan sitzen einander gegenüber und sehen einander fest in die Augen: Um sie herum rauscht der Fluss durch seine Führung, die als breites Wasserbecken mitten durch den Wasserschacht verläuft — das Schweigen der beiden scheint mehr zu sagen als alle Worte, die sie jetzt noch hätten hinzufügen können.

Schließlich steht Chris auf und tritt auf Juan zu, der Chris, nach wie vor im Wasserbecken sitzend, von unten herauf anblickt. Chris sieht Juan unentwegt genau in die Augen.

Chris bleibt genau vor Juan im Wasserbecken stehen: „Ich habe dir immer vertraut, und du hast mich bis heute niemals enttäuscht,” Chris streckt Juan seine rechte Hand entgegen, „Partner.”

Mit einem offenen Blick, der eine Mischung aus Dankbarkeit und größtem Respekt erkennen lässt, nimmt Juan Chris´ Hand entgegen, und lässt sich von Chris aufhelfen. Beide stehen jetzt nebeneinander in der Mitte des Wasserbeckens und sehen einander nach wie vor fest in die Augen.

Chris: „Ich brauche dich jetzt mehr denn je in unserem Team, Juan!”

Juan: „Du kannst dich fest auf mich verlassen, Chris — ich werde dich nicht enttäuschen!”

Chris schlägt Juan auf die Schulter: „Das habe ich doch gerade erst wieder gesehen, als ihr die Politiker gerettet habt – gut gemacht!“

Juan blickt Chris tief in die Augen: „Danke dir.“

 

  • 9 –

  •  

Oben auf dem Central Square drängt Raffael zusammen mit den Jungs bei ihm die Politiker zur Eile: „In der Passage haben wir Deckung!”

Da sieht er, wie ein weiterer der Commodores die Politiker bereits ins Visier genommen hat.

Raffael brüllt: „Köpfe ´runter!”

Die Jungs gehen mit den Politikern auf den Boden, indem Raffael nach hinten weg springt und inmitten seines Sturzes in der Luft die Waffe ausrichtet und dem Killer der Commodores genau in den Kopf schießt. Raffael prallt auf den gepflasterten Boden auf und dreht seinen Kopf zur Seite, wo die Jungs mit den Politikern die Köpfe eingezogen hatten.

Bürgermeister Kilpatrick nickt Raffael anerkennend zu.

Der Politiker neben Kilpatrick blickt Raffael dankbar an:

„Mein Junge, Sie haben uns das Leben gerettet — vielen, vielen Dank!”

Raffael steht sofort wieder auf, ebenso wie die Jungs mit den Politikern, und zusammen rennen sie die letzten Schritte bis zur endlich erreichten Einkaufspassage hin, wo diese in Sicherheit sind.

„Schnell, kommen Sie!”

 

Jessica und Bill landen mit Airfighter mitten auf dem Central Square, als die Überlebenden der Commodores abgezogen sind — in Anbetracht des gewaltigen Kollateralschadens hat niemand die Entflohenen weiter verfolgt.

Bill: „Etwas von Chris zu sehen?”

Jessica strengt ihren Blick an.

Airfighter: „Auf dem Central Square negativ.”

Indem Bill und Jessica aus dem Cockpit aussteigen, blicken sie sich um. Die überlebenden Polizisten und die Mitglieder aus Manuels Gang kommen allmählich bei Airfighter zusammen. Auch Raffael und die Jungs bei ihm kommen jetzt mit den Politikern von der Einkaufspassage herüber. Da treten Juan und Chris aus der Flussunterführung heraus und gelangen durch das in die Mauer gesprengte Loch zurück auf den Central Square: beide sehen deutlich mitgenommen aus, aber sie stehen einträchtig mit entschlossenen Blicken nebeneinander. Raffael, Bill und Jessica blicken den langsam auf sie zu kommenden Juan und Chris überrascht entgegen. Bill ist schließlich der erste, dem ein Lächeln gelingt. Jessica und Juan sehen einander stumm an, indem Juan Schritt für Schritt näher auf sie zu kommt. Dann kann sich Jessica nicht mehr halten und läuft Juan einfach entgegen — sogleich umarmen sich die beiden und halten einander fest, ohne auch nur ein Wort zu sagen.

Chris nickt Raffael zu, der immer noch bei den Politikern steht: „Gut gemacht.”

Raffael nickt zurück: „Danke.”

Indem Chris zu Bill blickt, drückt der Politiker neben Raffael diesem fest die Hand: „Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken kann, mein Junge — Sie haben uns allen das Leben gerettet!”

Bürgermeister Kilpatrick nickt demonstrativ zur Bestätigung.

 

  • Epilog –

  •  

Langsamen Schrittes betritt Juan zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit wieder sein Zimmer in Chris´ Haus.

Juan dreht ich zu Chris, der ihn begleitet hat, und sieht ihm in die Augen:

„Du hattest Unrecht, Chris, als du sagtest, ich hätte dich niemals enttäuscht!”

Chris sieht Juan einfach nur schweigend mit offenem Blick an.

Juan: „Ich habe Julian Kent getötet, den ich damals im Auftrage des Justizvollzuges in meine Jugendgruppe integrieren sollte.“

Juan hat Tränen in den Augen: „Ich habe ihn eigenhändig getötet, Chris.“

Chris blickt Juan genau in die Augen und zeigt dabei selbst einen völlig offenen Blick, indem er behutsam nachfragt: „Wieso hast du das getan, Juan?“

­Juan: „Er hatte mir die Schuld an Manuels Tod gegeben, daran, dass Manuel sich geopfert hatte, damit die Gang mit Bürgermeister Grey aus G.S.T. entkommen konnte. Deshalb hat er mich gefoltert. Er wollte mich eigentlich umbringen, doch als Raffael mitbekam, was geschah, hielt er Julian davon ab und ließ uns die Sache untereinander klären.“

Juan laufen jetzt die Tränen aus den Augen:

„Ich habe ihn zusammengeschlagen und dann mit einer Stichsäge aufgeschlitzt, Chris. Dann habe ich ihm das Genick gebrochen und ihn einfach im Wasser treiben lassen.“

Wie in einem Geistesblitz schießt vor Juans innerem Auge das Bild des im Wasserhof treibenden Julian vorbei, dessen Blut nach und nach das Wasser rot färbt.

Chris, der Juan unentwegt in die Augen sieht, kann Juans unsagbaren Schmerz förmlich spüren.

Gerade als Juan seinen Blick senken will, weil er Chris nicht mehr in die Augen sehen kann, fasst Chris Juan am Arm, so dass dieser abrupt wieder aufsieht.

Chris zeigt jetzt selbst einen Blick der Selbstoffenbarung, indem er in leisem, aber Juan tief treffenden Tonfall bekennt: „Vor ein paar Jahren hatte ein ehemaliger Klassenkamerad zwei meiner Freunde ermordet, weil er noch eine persönliche Rechnung mit uns offen hatte. Ich habe ihn, nachdem er versucht hatte, auch mich umzubringen, ihn im Nahkampf mit bloßen Händen getötet. Ich wünschte, ich könnte sagen, es sei Notwehr gewesen, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich ihn bereits kampfunfähig gemacht. Aber ich war so voller Wut und Trauer. Und dann habe ich ihm im Würgegriff einfach das Genick gebrochen.“

Juan liest in Chris´ Blick und erkennt genau, was dieser ihm sagt: Chris geht es bei dieser Erinnerung genauso wie ihm selbst bei der Erinnerung an Julian.

Juan: „Das wusste ich nicht, Chris.“

Chris: „Ich würde es am liebsten ein-für-alle-mal vergessen, aber Tatsache ist, dass es mich definiert: Ich will diesen dunklen Moment niemals vergessen, weil er für mich eine Warnung davor ist, was aus mir werden kann, wenn der Schmerz und die Wut zu groß werden.“

Juan nickt langsam: „Vielleicht kann auch ich auf diese Weise lernen, mit der Erinnerung zu leben.“

Chris: „Wir können es niemals ungeschehen machen, aber wir können dazu stehen – dazu, wer wir wirklich sind.“

Juan: „Wir dürfen das auch niemals vergessen – denn dann vergessen wir genau das: wer wir wirklich sind.“

Chris, eindringlich: „Du hast mich niemals enttäuscht, Juan!“

Juan: „Ich danke dir hierfür, Chris!“

Beide umarmen sich.

 

  • Nicht unsere Heldentaten oder unsere guten Vorsätze sind es, die uns menschlich machen – sondern allein unsere Sünden, und wie wir lernen, damit umzugehen. –

  •  

 

Story by Christian Scheffel

Hallo zusammen!

Ein Anmerk zum Epilog der Geschichte:
Hier erwähnt Chris Juan gegenüber einen Vorfall, der eine wichtige Brücke zwischen Juan und Chris wiederaufbaut. Dieses Ereignis wird in einer meiner früheren Airfighter-Stories dargestellt, die ich noch nicht online gestellt habe. Für die Intention dieser Erzählung innerhalb der aktuellen Geschichte genügt auch die Kurzfassung, die Chris Juan hier erzählt.
Außerdem hatte ich ursprünglich eine komplette Geschichte dazu geschrieben, wie Juan und Chris jetzt wieder zueinander finden und was in ihnen vorgeht. Ich finde sie aber eigentlich zu langweilig, um sie online zu stellen, und habe daher den kurzen Epilog an diese Story angehängt. Ich werde im Vorwort der nächsten Story noch auf ein/zwei Punkte eingehen...

Lieben Gruß,
Christian Scheffel
Christian Scheffel, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.10.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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