Sieglinde Jörg

Der höfliche Herbert

Vor einigen Jahren trug sich eine Geschichte zu, über die die einen herzlich lachen, während andere Herberts Verhalten als durchaus normal betrachten.

Zu Besuch war ein Freund meines Sohnes, Herbert soll er hier heißen. Er wähnte sich aus gutem Hause, er hatte noch Manieren, weiß sich im Übrigen bis heute zu benehmen, wenn man von den Alkoholexzessen und den daraus resultierenden Verhaltensabnormitäten einmal absieht. Natürlich wahrte er stets die Contenance, wenn er unsere Zweizimmerwohnung betrat, nun ja zunächst diesen Flur, eher ein Schlauch, grau in grau. Die Jungs amüsierten sich beim Computerspiel; ich sah dies nicht gern, aber das half nicht viel. Die Jugend von heute hält nichts vom Wandeln im Grünen. Statt mit dem Hund im Herbstlaub zu spielen werden virtuelle Gegner abgeschlachtet, begleitet von, wie ich meine, sehr unschönen Äußerungen.

Ich saß am Schreibtisch und korrigierte, als die Jungs vor der nicht vorhandenen Türe auftauchten. Der Hund, muss man wissen, wegen dem der hohe Besuch stets ein Antiallergikum zu sich nehmen musste, stand mitten im Weg. Das ist eine Eigenheit dieses nicht gerade mit Schönheit gesegneten Wesens mit Eckzähnen gleich jenen eines Vampirs. Mein Sohn war längst im Zimmer, aber Herbert stand noch da, mit Blick auf den Hund, dessen Eckzähne eben in diesem Moment besonders deutlich und leicht gelblich hervorstanden. Da schaute nun Herbert zu dem Hund herab. Alleine dieses Bild bleibt mir unvergesslich. Herbert erwartete ein Mitdenken des Hundes. Der wiederum bemerkte nicht, was hier vor sich ging – er starrte woanders hin, wie auf Standby geschaltet. Mein Sohn sagte: „Worauf wartest du denn, komm doch endlich herein.“ „Aber der Hund steht doch da“, entgegnete Herbert verhalten. Einige Sekunden Stille, dann dieser eine Satz, über den sogar Herberts Oma heute noch lacht; ein Lachen, im Übrigen, das ungemein ansteckend und herzlich ist. Herbert wackelte mit dem Kopf und sprach zu dem Hund: „Würdest du bitte zur Seite gehen“ und dies in jenem Ton, den wir von alten Aristokraten zu kennen glauben, sehr höflich-distanziert und dennoch bestimmt, mit einem leichten Anflug von Hoffnung, der Hund möge vernünftig reagieren. Wir lachten, wir konnten nicht anders, lauthals los und Herbert blickte verdutzt. Er rechtfertigte sich schließlich: Was solle man in einem solchen Moment denn auch sagen? Man müsse dem Hund doch zu verstehen geben, dass er im Wege stehe. Ohne Worte. Der Hund rührte sich im Übrigen nicht, er legte sich nieder, eben da, wo er zuvor gestanden hatte.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.10.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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