Es war vor sehr langer Zeit geschehen,
in der Grafschaft von Nottinghamshire,
den mordenden Killer noch nicht gesehen,
trotzdem sprach man vom blutrünstigen Untier.
Denn man fand Männerleichen blutleer,
tote Hüllen mit knochigen Hautfetzen,
die Hälse zerlöchert, wie von einem Speer,
ihr Fund war schauderhaftes Entsetzen.
Irgendwas hatte diese Burschen angefallen,
hier in den Wäldern, um das schöne Southwell,
viele glaubten an ein Tier mit scharfen Krallen,
doch es gab keine Reste von tierischem Fell.
Meist waren es junge heiratswillige Grafen,
die im Lande, um holde Gräfinnen, warben,
jene fanden aber nur ihren Todeshafen,
in dem sie schrecklich-massakriert starben.
Eine Schöne, hieß Gertrud, die seltsame Gräfin,
die Hübsche war am Tag niemals zu sehen,
erst als die Sonne vor ihrem Schloss unterging,
sah man sie manchmal verhüllt ausgehen.
Oder sie ritt mit lang-wehendem Gewand,
durch die Nacht, begleitet von Hunden,
es wurde schon getuschelt im Land,
was die Gräfin treibt zu Tagesstunden.
Als niemand die tierische Kreatur fand,
die so etwas Mörderisches vollbrachte,
suchte die Obrigkeit nach Leuten im Land,
Verdächtige, welche man gleich überwachte.
Jack galt als hartnäckiger Geheiminspektor,
wurde, für den mysteriösen Fall, eingesetzt,
er nahm sich manch dunkle Gestalt vor
und kam auf das Grafenschloss zuletzt.
Abgelegen stand es auf einem kleinen Berg,
hier lebt also diese schöne Gräfin Gertrud,
staunend besah er das alte Bauwerk,
an dem Wildrosen rankten, so rot wie Blut.
Merkwürdige Stille umgab es zur Zeit,
außer dem Windrauschen vom Hang,
zum Eingangstor schien es nicht mehr weit,
bis auf einmal lärmendes Gebell begann.
Zwei große Wolfshunde hingen an Ketten,
sein Glück, weil sie Jack entgegen sprangen,
vor Schreck stolperte er über Grabstätten,
mit Bildern von Monsterspinnen und Schlangen.
Eine bizarre Frau aus Stein entdeckte er dann,
lasziv dargestellt, ohne sich zu zieren,
sie war ein Augenschmaus für jeden Mann,
kroch, nackt-räkelnd, auf allen Vieren.
Irgendwas Geheimnisvolles ging hier vor,
noch lief Jack verdeckt hinter Hecken,
Raben-Schwärme krächzten im Chor,
aber die Gräfin konnte er nicht entdecken.
Nicht mal Bedienstete waren zu sehen,
halten die etwa Nachmittags-Ruh,
nun wollte er durch eine Hintertür gehen,
doch auch diese schien wie alle Fenster zu.
Als auf sein Klopfen keiner reagierte,
holte Jack den Spezialschlüssel heraus,
da er diesen erfolgreich probierte,
betrat der Inspektor ein Lagerhaus.
Hier hingen lauter Männerkleider,
unzählige Waffen, Säbel und Pistolen,
Jack dachte an blanke Totenleiber,
denn alle Ermordeten wurden bestohlen.
Dann gelangte er zu einem Saal,
in dem ein groß-bemalter Sarg stand,
mit diabolisch-düsteren Teufelsmal
und der Steinfrau, die sich räkelnd wand.
Ein riesig-pulsierendes Ding lag daneben,
dieses wogte, als würde es vibrieren,
Jack erahnte waberndes Leben
und sah den Schlauch ins Innere führen.
So was hatte er noch nie gesehen,
inzwischen dämmerte es draußen schon,
nun wollte Jack schnell wieder hinausgehen,
da ertönte, auf einmal, ein höllischer Gong.
Fledermäuse schwirrten durch den Raum,
kreischend-knarzend ging der Deckel auf,
etwas Großes mit behaartem Flaum,
kroch auf das schleimige Etwas drauf.
Jack sah eine Frau mit Vampirzähnen,
die in der schleimigen Masse mutierte,
auf acht Beinen begann sie sich zu dehnen,
eine Vampir-Vogelspinne, die zu ihm stierte.
Entsetzt rannte er, kam aber nicht weit,
benommen schien Jack zu schweben,
ein stinkendes Netz, sein Spinnenkleid,
das Monster begann ihn einzuweben.
Er fluchte laut, schier hilflos gefangen,
diese Gertrud war eine Teufelskreatur,
wäre er bloß nicht allein hergegangen,
doch zu sehr lockte ihn diese Spur.
Jack versuchte das Messer hochzureißen,
um die dicken Fäden durchzutrennen,
aber ihre Zähne waren schon am Beißen,
sein Hals tat vor Schmerzen brennen.
Genüsslich schlürfte die Spinne Jacks Blut,
flüsterte was von Unsterblichkeit,
er schrie lähmend nach Gräfin Gertrud
und erwachte im gleißenden Licht der Ewigkeit.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.11.2013.
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Der Sehnsucht fliehend Licht: Gedichte
von Bernd Herrde
In seinem sechsten Gedichtband zeigt sich Bernd Herrde wieder als Meister der Poesie. Wunderschöne, lebenskluge und herzenswarme Gedichte reihen sich wie Perlen auf einer Kette und ziehen den Leser in ihren Bann.
Bernd Herrde, geboren 1946 in Dresden. Erlernter Beruf Binnenschiffer bei der Fahrgastschifffahrt Dresden, später Studium von Kultur- und Kunstwissenschaft an der Universität Leipzig und von 1980 bis 2011 Konservator im Museum für Sächsische Volkskunst.
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