Peter Biastoch

Man nehme...

Man nehme…
 
ein wenig Zeit. Einen strahlendblauen Himmel, von dem golden die Herbstsonne scheint. Ein Tal dessen Seitenwände recht steil aus dem Boden wachen und in dem sich ein kleiner Bach durch den steinigen Grund schlängelt. Vorbei an großen und kleinen Felsstücken, die seinen Weg begrenzen, einengen und somit bestimmen. Auch viele Bäume runden das Bild dieses scheinbar eingeschränkten Blickes ab. Einige wenige dieser Bäume sind umgekippt, gefällt vom Zahn der Zeit, oder auch von einem starken Wind, überbrücken einzelne von ihnen den Wasserlauf.
Das dämmrige Licht vom Schatten des noch recht dichten Blätterdaches wird dennoch häufig durchbrochen von den Strahlen der Sonne, die keine Lücke ungenutzt lässt, um den Weg zu erleuchten, der sich mit dem Bachlauf nicht einig zu werden scheint, wer denn nun auf der rechten und wer auf der linken Seite ins Tal führt. Aus diesem Streit heraus überspannen grob zugehauene Holzbrücken das Gewässer und lassen unseren Pfad mal auf dieser, mal auf jener Seite weiter führen.
Auf der bachabgewandten Seite des Weges türmen sich Felsabstürze zu gewaltigen Steinansammlungen. Diese liegen wohl schon seit Jahrzehnten unverändert, denn auf der Oberseite der einzelnen Felsbrocken hat sich bereits die dicke Moosschicht vieler Jahrzehnte gebildet.
Gelegentlich trudeln weitere gelbe und rötlich gefärbte Blätter aus den Kronen der Bäume herab und öffnen damit ein weiteres Fensterchen für einen blendenden Sonnenstrahl. Alles strahlt eine wunderbare Ruhe aus. Und so muss man einfach stehen bleiben und auf das leise Gurgeln und Plätschern des Baches lauschen, wenn er sich so zwischen den Steinen seinen Weg sucht und dabei auf jedem Meter mit einer schier endlosen Menge von Hindernissen zu kämpfen hat.
Das Wasser stößt gegen große Steine, die in Fließrichtung liegen und den Weg versperren. Es umfließt diese Hindernisse, nur um gleich darauf am nächsten „jungen Felsen“ aufgestaut zu werden. Diesen Stein überspringend stürzt es sich, einen kleinen Wasserfall bildend auf die weiter unten liegenden Steine, um aufspritzend und Strudel bildend gegen das nächste Hindernis anzurennen. Trotz all dieser Mühen folgt es unbeirrt der Schwerkraft und erreicht letzten Endes doch die Mulde, mit deren ruhiger dahingleitenden Wassern es sich vereinigt.
Es erscheint einem zwar, wenn man sich nur auf den Weg des Wassers konzentriert, alles recht hecktisch und chaotisch, aber dennoch strahlt diese ganze Landschaft eine wunderbare Ruhe und Harmonie aus. Eine Ruhe, die man förmlich aufsaugt, in sich eindringen lässt, damit sie ein Teil von einem selbst werden kann. Ja, man selbst wird davon ruhiger, gelassener, ausgeglichener!
Ach, wie weit sind wir doch dem wahren Leben entrückt? Wie vieles trennt uns von dem Einklang mit der Natur, der uns so sehr viel besser täte, als die scheinbaren Zwänge, durch die wir uns Tag für Tag durch diese Welt treiben lassen?
Nur ein kurzes Stück einer schönen Wanderung. Nur eine kurze Zeit in einer, als relativ unberührt empfundenen, Natur – und dennoch ein echtes Aufleben dadurch!
Brausetal 09.10.2010


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