Sieglinde Jörg

Gelüste á la Bieder-Konservativ

Er ist hier der Boss, blonde Pracht mit Bart. Bauch, Po und die Schenkel sind alles andere als zart. Wenn er spricht, so möchte man meinen, haucht ein Anflug von Arroganz seine Worte ins Leben. Da werden ernste Gespräche geführt, der einzelne zu Aufgaben zitiert. Er spricht so von oben, weiß alles genau. Ein Leben, so scheint es, ganz spießig und höchst konservativ – und doch wählt er grün, das ist repräsentativ. Ein Häuschen im Grünen, darinnen sitzen die Lieben. Nach außen so ganz artig und brav, der lieb-sorgend treue Ehegatte und Paps. Zu Weihnachten gibt’s Perlen und für die Kinder den Hund zu dem Hasen. Doch Daddy hat andere Hasen im Sinn, denkt im Geheimen an nackte Körper an seinem. Termine werden besprochen während er sein weibliches Gegenüber so scannt. Nicht auffällig, doch schaust du genau, bemerkst du das Wandern der Augen und ein Zucken der Lider, vorwiegend zwischen Hals und den Hüften auf und nieder. Auf dem Weg in die Kantine, Kolleginnen, vorwiegend hübsch, nur leider nicht nackt. Von vorne der Blick zu den Brüsten, aber zuerst ein fröhliches „Mahlzeit“ voraus. Blicke nicht zurück, gute Frau, weißt du, er scannt dein Gesäß so ziemlich genau. Mitleidig der Blick, wenn sie in Arbeit ertrinkt, der Lohn nicht reicht vorne und hinten. Er hat alles im Griff, ist tiefenentspannt und hat schon gespart. Er kommt mit dem Rad, ihm ist jeder Tropfen Sprit einfach zu schad'. Durch eisige Kälte strampelt er sich, er ist fit, er ist ein Mann, der stundenlang kann, nur leider nicht darf. Dabei ist er so zärtlich und malt sich schön aus, er ist die Domina und zieht sie sich aus. „Natürlich, das können wir gerne besprechen. Die Zeit ist knapp, das musst du bemessen. Für dich, meine Liebe, da tu ich doch alles. Was immer du wünschst, du weißt, ich geb' alles.“ Ambig und für die Rivalen verborgen, sät er fleißig die Körner der Lust und labt sich daran. Fein kariert ist sein Hemd und artig gebügelt. Er wirkt salopp und er findet, nicht spießig. Er macht seinen Job, nach außen perfekt, im Kopf läuft ein Film, pervers und erschreckend. Verborgen so meint er, sind seine Gelüste, aber er wurde entlarvt. Die Bombe platzt, nicht heute, aber irgendwann zieht eine der Frauen die Zündung ganz zart. Die Idylle dürfte dann platzen, die Frau ihn verlassen. Der Schreibtisch sein einziger Freund. Doch den muss er räumen – bleibt ihm dann nur noch das Träumen oder zu baumeln im Wipfel des Baumes da draußen. Die Aussicht soll fantastisch sein...

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.11.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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