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An der Brühlschen Terrasse versucht die Stadt mit Beleuchtung Licht in meinen Tunnelblick zu bringen. Der Taxifahrer verneint meine Frage ob er für 79,88 € nach Paris fahren kann. Aber immerhin kreiselt er für die Summe großflächig quer durch di Stadt und zweimal an meiner Straße vorbei. Auf Grund einer Umleitung muss ich auf die finale Anfahrt verzichten und unter Absingen zotiger Lieder erreiche ich nach einer knappen Stunde die Tür in der mein Schlüssel sich verkantet.
Noch immer ist der Aufzug defekt. Beschließe mit einem Sit-In und Anketten die Reparatur des Selben zu erzwingen. Werde unsanft und frierend vom Nachbarn geweckt:“ Kannste mal aus Kevins Fahrradanhänger rauskommen“?
Breitgezogene Milchzahn- und Breilucke und Wasser rauspressende gerötete Kinderaugen rotzen mich an. Hab Probleme die Knoten zu lösen. Schneide die Gurte durch und ignoriere die verbalen Ausfälle des Erzeugers und das Gekreische des Wadenbeißers. Stelle fest, dass es im Haus viele Knöpfe aber keinen Aufzug gibt und sehr viel unausgeglichene Mitbewohner. Ziehe mich am Geländer nach Oben. Falle in die Couch und einen unruhigen Schlaf. Werde Mittags wach. Stehe auf und beschließe ins Bett zu gehen. Träume von Graubrot, gesalzener Butter und Kaffeebohnen. Es gibt Schlimmeres.
Der Tom, 21.11.2013
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.11.2013.
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Schmunzeln und Nachdenken erlaubt
von Ernst Dr. Woll
Erlebte Kuriositäten sind häufig reparierbare Missgeschicke und wir können darüber schmunzeln. Wir sollten deshalb diese Geschichten nicht für uns behalten. Die Tiere unsere Mitgeschöpfe können uns in diesem Zusammenhang viel Freude bereiten und viele Erlebnisse mit ihnen bereichern unser Leben. In Gedichten und Kurzgeschichten wird darüber erzählt, wie wir außergewöhnliche Situationen mit Schmunzeln meistern können und ernsthaft über vieles nachdenken sollten. Wenn z. B. unser Hund eine Zahnprothese verschlingt und wir sie wieder finden, dann darf sie durchaus wieder an die richtige Stelle.
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