Simone Conradi

Mareike

Eigentlich war alles so wie immer... Mareike sass still in ihrem zimmer und dachte an vergangene sachen... nur wurde sie dann immer Traurig, denn das einzigste an was sie sich erinnern konnte, war einsamkeit. Sie kannte das Gefühl allein zu sein, aber was sie nicht kannte war lieben und geliebt werden. Mittlerweile machte sie der gedanke aber mehr wütend als traurig, denn sie begann an sich selbst zu zweifeln. Sie dachte drüber nach, ob sie überhaupt geliebt werden konnte und wer dies dann sein sollte, wie ihre zukunft aussehen sollte... Sie war erst 16 doch machte sie sich schon gedanken über manche fragen, fragen die ihr keiner beantworten konnte, die sie aber dennoch gestellt haben wollte, auch wenn nur für sich selbst: Sollte sie sich alleine durchs Leben kämpfen? Nie mit einem Mann an ihrer seite? Immer nur anderen glücklichen Paaren neidisch nachsehen? Das wollte sie nicht... Sie wollte ihr eigenes Glück, wenigstens einmal, es musste ja nicht für immer sein... aber einmal dieses Gefühl erleben, würde ihr reichen. Also begann sie wieder zu hoffen. Sie legte sich zurück, zog die decke über den Kopf und schlief ein...

Mareike wachte mitten in der Nacht auf, als ihr handy fast unaufhörlich, so schien es ihr, piepte. Sie tastete sich vor, bis zum schrank, rieb sich die augen und konzentrierte sich, um die sms lesen zu können... "Ich habe heute einen Anruf aus dem himmel bekommen, dort wird ein Engel vermisst... aber keine angst, ich hab dich nicht verraten" stand dort, doch die nummer kannte sie nicht. Ihre Freunde schrieben ihr oft solche sms um sie zu necken, also legte sie ihr handy wieder zur seite und schlief weiter. Dies wollte ihr allerdings nicht gelingen, denn die sms ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Fast wie in Trance griff sie wieder zu ihrem handy und antworte dem unbekannten mit den worten "Danke, so kann ich weiter in deiner Nähe über dich wachen..." Mit einem schmunzeln im Gesicht drehte sie sich rum und schlief ein....

Am nächsten tag schaute sie als erstes auf ihr handy und sah das sie bereits 2 sms hatte. Irgendwie hatte sie das Gefühl, das diesmal nicht ihre Freunde ihre finger mit im Spiel hatten. Aber ihr war das im moment eigentlich egal. Sie setzte sich ans Bettende und begann zu lesen:"Was kann mir auch schon passieren, wenn der süsseste Schutzengel auf erden, über mich wacht?" Sie schmunzelte heimlich vor sich hin und wusste eigentlich gar nicht so recht was sie schreiben sollte... Dann las sie die zweite: "Können Schutzengel ihre schützenden eigentlich auch verlassen?" So ganz verstand sie nicht worauf die Frage hinauslaufen sollte... Also schrieb sie das, was ihr als erstes einfiel, was allerdings nicht besonders aufregend war:"Nur wenn die zu schützenden es wollen"... Dann legte sie ihr handy weg und machte sich fertig für den Tag. Dieser lief eigentlich ab wie immer, jedesmal der gleiche Ablauf und nie passierte was neues. Sie ging zur schule, dort betrachtete sie neidisch die Paare, die an ihr vorbei schlenderten und sich verliebte blicke zuwarfen nebenbei brachte sie noch ihre 8 stunden hinter sich und lief mehr träumend nach hause als wachend. Sie dachte darüber nach, wieso diese unbekannte Person ausgerechnet ihr schrieb und wie er wohl war... war es überhaupt eine männliche person? Fragen über Fragen, auf die sie wohl noch lange keine antwort bekam...
Zuhause angekommen, lief sie in die Küche, schnappte sich was zu essen, holte sich was zum trinken aus dem kühlschrank und stolperte nach oben, wo sie sich gierig auf ihr Handy stürzte. "1 neue kurzmitteilung" schrie es ihr fast entgegen und mit breitem grinsen begann sie zu lesen..."ich wäre zufrieden mit meinem Schutzengel wenn er mir endlich seinen namen verraten würde"... '...seinen namen verraten würde'? Er schien sie also gar nicht zu kennen, woher hatte er dann ihre nummer? Und wieso schrieb er ihr? Sie nahm sich vor, das alles noch herauszubekommen, doch vorher schrieb sie ihm erst ihren namen und mit der bitte auch seinen Namen zu nennen... Dann kümmerte sie sich weiter um ihre Hausaufgaben und bekam gar nicht mit das eine sms ankam. Gegen abend setzte sie sich vor den Fernseher und machte sich eigentlich keine grossen Gedanken darum, ob er schon geantwortet hatte oder nicht, doch mit der Zeit wurde ihre Neugier immer stärker bis sie es kaum aushielt und nach ihrem Handy schnappte, wie eine Schlange nach ihrer Beute... "Ich hoffe du bist genauso schön, wie dein Name klingt... Ein hingerissener Micha!" Wie immer schaute sie durchs Zimmer mit einem breiten grinsen, das gar nicht mehr verfliegen wollte und immer stärker wurde der drang, ihn besser kennen zulernen, ihn zu sehen. Aber wenigstens hatte der unbekannte jetzt einen Namen: Micha! Alles andere würde wohl mit der Zeit kommen, so hoffte sie zumindest. Aber was schrieb sie ihm nun? Sollte sie ihn einfach ihre Fragen stellen? Oder war das noch ein wenig zu früh? Sie wollte es drauf ankommen lassen, schliesslich kann nichts schlimmeres passieren, als keine antwort drauf zu bekommen. Sie schrieb ihm alle Fragen die ihr auf der Seele brannten und die sie in eine sms bekam, legte sich zurück und hoffte darauf antwort zu bekommen.

Sie schreckte hoch und stiess einen erstickten schrei heraus als sie mitten in der Nacht von dem piepen ihres Handys geweckt wurde. Sie schaute auf die Uhr, 2:30Uhr, sie war eingeschlafen... Ein paar minuten brauchte sie um sich zu orientieren, dann griff sie zum Handy. Er hatte ihr als ihre fragen beantworten, somit wusste sie schonmal das er 19 war und ganz aus ihrer nähe kam. Woher er die nummer hatte, wollte er ihr aber nicht verraten. Er schrieb ihr aber, das er sie schon lange im Blickfeld hatte und sich schon lange wünschte, mit ihr in Kontakt zu treten. Sie fühlte sich geschmeichelt, doch ihr wurde zugleich unwohl... Was meinte er mit "im Blickfeld"? Beobachtete er sie heimlich? Und wenn ja, in welchen situationen? Starrte er in ihr zimmer, abends, wenn sie allein war? Schaute er durchs Bad-fenster, wenn sie drin war? Konnte er sie da überhaupt sehen? Ihr blick ging wie automatisch zum fenster.... Nein, er konnte sie nicht sehen, es sei denn er würde im Haus gegenüber wohnen, aber das war fast unmöglich. Dort wohnte nur ein altes Ehepaar, an die 80 und ohne Kinder, zumindest wohnten die nicht mit in dem Haus. Schon komisch das zwei Menschen im alter von 80 Jahren alleine in so einem grossen Haus wohnten. Wer weiss was die dort machen? Verbotene sachen, vielleicht werden sie ja sogar von der Polizei gesucht, oder haben leichen im keller.... Mareike schauderte und strich den Gedanken davon, schliesslich ging es sie ja nichts an, was andere Menschen in ihren Häusern machten, selbst wenn sich dort die Leichen im Wohnzimmer stapeln würden. Also überlegte sie weiter... Dort war noch ein Haus schräg gegenüber auf der anderen Strassenseite, von dort aus konnte man mit einem Fernglas in ihr zimmer schaun, wenn sie das licht anhatte... dort waren doch vor ein paar wochen neue eingezogen. Ein Ehepaar mit drei kleineren Kindern, aber ein 19-jähriger war ihr dort nicht aufgefallen, oder doch? Ja, natürlich bei den Möbelpackern ist ihr doch einer aufgefallen... Aber wohnte er auch da? Sie dachte, das wäre einer der üblichen Möbelpackern gewesen so wie er aussah... In Gedanken strich sie ihm durch seine blonden Haare... schaute in seine hellblauen augen, sie waren fast durchsichtig, soweit sie sich erinnern konnte. Er war braungebrannt und seine starken arme riefen nur so danach sie umarmen zu können... Mit einem tiefen seufzer warf sie sich aufs bett und träumte davon, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn sie in seinen Armen liegt und langsam schlief sie wieder ein...
Als sie am nächsten Morgen aufwachte, hielt sie noch immer ihr handy in der Hand, sie hatte ihm gar nicht zurück geschrieben, fiel ihr ein. Das wollte sie aber später nachholen. Zuerst hüpfte sie aber unter die Dusche und machte sich fertig für den Tag. Heute achtete sie besonders auf ihr aussehen, Micha könnte ja an irgendeiner ecke lauern und sie beobachten... Bei dem Gedanken fing sie an zu schmunzeln.
Als sie in ihr Zimmer zurück kam, schaute sie auf ihr handy und sah, das er bereits wieder geschrieben hatte... Er wollte wissen, wieso sie sich nicht meldet, ob er was falsches geschrieben hatte oder ob sie einfach nur zu beschäftigt sei... Sie antworte ihm darauf, das sie einfach nur nicht wusste, was sie schreiben sollte und es deshalb solang dauerte, bis sie wieder schrieb, sie versprach aber, das sie sich mehr mühe geben wird.

Sie kannte Micha jetzt schon drei wochen. Naja von kennen kann eigentlich nicht die rede sein, sie schrieben sich fast täglich aber sie wusste immernoch nicht genau wer er war. Aber das sollte sie nicht weiter stören.
Sie flog förmlich durch den Tag, ihr ging es gut, sie hatte gute laune und auch die Paare störten sie heute nicht. Sie freute sich mit ihnen, wenn sie glücklich waren. Ihr glück hielt allerdings nicht lange an, denn schon in der ersten Stunde bekam sie ihre Mathearbeit wieder, eine 6, sie grummelte den rest des tages nur noch so vor sich hin und freute sich drauf bald wieder zuhause zu sein. Sie nahm sich vor, sich dort in ihr zimmer zu vergraben und so schnell nicht mehr rauszukommen. Nach der letzten Stunde stürmte sie in gedanken versunken in den Flur wo schon alle ins Wochenende flüchteten. Plötzlich bemerkte sie einen schlag von der seite und sie schmiess ihre Bücher quer über den Flur. Sie schrie den Typen an, ob er keine augen im Kopf hätte, aber der rief ihr nur ein "sorry" entgegen und war auch schon verschwunden. Sie murmelte sich irgendwelche beleidigungen in den Bart und knallte ihre bücher auf einen haufen, dann stampfte sie zum ausgang. Sie schimpfte eigentlich mehr darüber das der Typ nicht stehen geblieben ist, denn er sah gar nichtmal so schlecht aus... aber er war unfreundlich, stellte sie sofort fest und dachte auch nicht weiter an ihn...

Zuhause angekommen lief sie sofort nach oben, sie brauchte etwas positives, sie brauchte eine sms von Micha... Sie griff voller vorfreude zu ihrem handy, doch als sie drauf schaute, sah sie nur das Nokia-logo... sie legte das handy mit traurigem Blick wieder auf seinen Platz zurück. Den ganzen tag wartete sie vergeblich darauf das ihr Handy piepte, doch es blieb stumm... So ging es länger als eine Woche und sie hat schon gar nicht mehr damit gerechnet das er nochmal schreiben wird, bis sie abends vor ihrem fernseher sass und ein leises piepen unter ihrem kopfkissen vernahm. Sie wusste zuerst nicht ob sie die sms lesen sollte oder nicht... entschied sich dann aber doch dafür... Es war Micha der sich entschuldigte weil er sich so lange nicht gemeldet hatte und das es nicht mehr vorkommen wird, das er sie so lang warten lässt. Erst überlegte sie, dann schrieb sie ihm aber, das sie ihm nicht böse ist und sie sich ja auch hätte melden können. Somit war der Kontakt also wieder da. Doch die nächste sms liess sie aus allen Wolken fallen, er wollte sich mit ihr treffen, sein "geheimnis" lüften, ihr zeigen, wer er wirklich war... sie wollte schreien, alles rauslassen, so glücklich war sie... allerdings gelang es ihr nur, einen kleinen seufzer von sich zu geben. Er schlug auch gleich die Uhrzeit vor, es sollte schon heute Abend sein, in 3 Stunden... Nervös wie nie, rannte sie durch das haus und wusste gar nicht so recht was sie anziehn sollte, wie sie sich benehmen sollte...sie wusste eigentlich gar nichts. Alles was sie brauchte legte sie vor sich aufs Bett um sich nacher schnell fertig zu machen. Zuerst wollte sie sich allerdings ein wenig drauf vorbereiten.
Die zeit verging viel zu schnell und schon musste sie sich anziehen wenn sie nicht zu spät kommen wollte. Sie zog sich um und verschwand nochmal ins Bad, dann rannte sie die treppen runter und stolperte fast über ihre eigenen Füsse, so das ihre mutter sie am Treppenende auffangen musste. Sie lächelten sich an und Mareike stürmte weiter zur tür hinaus. Sie versuchte langsam zu laufen doch ihre beine wollten anders. Sie rannte zum vereinbarten Punkt und sah das er schon da stand. Mittlerweile fühlte sie ihre nervösität in allen gliedern und schlich somit nur langsam voran... Micha bemerkte sie kommen, drehte sich in ihre richtung und lächelte ihr zu. Auch Mareike wollte lächeln, doch sie brachte nur ein zucken hervor. Sie standen sich nun also gegenüber. Minutenlang standen sie da und schauten sich in die Augen... Bis er vortrat, sie umarmte und küsste....

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.04.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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