Kai Münch

Advent, Advent, ...


Mitte September tauchten die ersten Lebkuchen in den Lebensmittelläden auf,
ein erster Hinweis auf Weihnachten. Etwas vorfristig wurde dann Mitte November
der Lichterbogen des Schwibbogens von meiner Frau in das Küchenfenster
gestellt. Der Schwibbogen wies früher den Bergleuten des Erzgebirges den Weg
zurück nach Hause. Heute leuchtet mir damit meine Frau den Weg nach Hause.
Natürlich war unser Schwibbogen auch in diesem Jahr der erste in der Siedlung,
wobei ich das Gefühl habe, dass wir ihn jedes Jahr früher aufstellen. Meine Frau
verfährt hier offenbar nach dem Motto, sicher ist sicher.
 
Mit dem Schwibbogen war jetzt "offiziell" die Vorweihnachtszeit eröffnet.
Es  erfolgte nunmehr ab sofort die Bevorratung mit Lebkuchen und die ersten
Plätzchen wurden gebacken, sowie nach und nach verschönerte Weihnachts-
dekoration, nachfolgend nur noch "Deko" genannt, unser Heim. Da wären zu
nennen hölzerne Weihnachtsbäume, Miniaturrentiere, diverse Engel und natürlich
Sterne jeglicher Art. Hervorzuheben sind unter Letzteren zwei größere Sterne,
einmal als Stehleuchte und einmal als Deckenleuchte. Es folgten Kerzen auf den
Tischen und auf anderen Stellmöglichkeiten. Einen bevorzugten Platz bekam eine
Weihnachtspyramide, auf der ab sofort Engel in hohem Tempo die Runde drehten,
auch ein Hinweis darauf, in welchem Tempo Weihnachten näher kommt. Die beiden
Räuchermännchen finden seit einigen Jahren allerdings nur noch einen Platz auf
dem Balkon, wo sie jetzt ohne Beschränkungen rauchen können. Da der
innerhäusige Bereich jetzt hinreichend dekoriert war, wobei "hinreichend" ein dehnbarer
Begriff ist, irgendetwas geht immer noch, wurden nunmehr die Bemühungen auf den
Balkon und den Hausflur erweitert. Beides sehr heikle Bereiche, quasi öffentliche
Bereiche, weil hier ein direkter Vergleich mit der Deko der Nachbarn möglich ist.
 
Wir stellten fest, die Nachbarn waren uns zuvor gekommen und hatten bereits einen
Tannenzweig mit Christbaumkugeln in den Hausflur gestellt. Hierzu ist anzumerken,
dass es vor einem Jahr zu einem Zwischenfall gekommen ist, als unser Tannenzweig
mit Christbaumkugeln versehentlich, „versehentlich“, von den Nachbarn umgestoßen
worden war, was einigen Christbaumkugeln den Garaus machte. Dieses Jahr waren die
Nachbarn jedenfalls schneller als wir gewesen. Meine Frau kaufte jetzt eine einen
halben Meter hohe Laterne und stellte diese mit LED Licht in den Flur. Dieses toppte
natürlich den Tannenzweig der Nachbarn. Es vergingen zwei Tage und da hatten die
Nachbarn einen Weihnachtskranz mit leuchtenden Weihnachtskugeln an der
Wohnungstür hängen. Meine Frau kaufte einen solchen mit blinkenden Lichtern,
ebenfalls für vor die Wohnungstür. Mittlerweile war auch schon Nikolaus gewesen und
zwei Nikolausmänner kletterten mit großen Säcken auf Strickleitern die Hausfassade
hinauf. In der Nachbarschaft findet sich ansonsten auch ein Nikolaus mit Strick um den
Hals, offensichtlich Nachbarn mit einem merkwürdigen Sinn für Humor.
 
Die nächste Eskalation ist zwischenzeitlich absehbar. Meine Frau nahm ein großes
Paket für die Nachbarn vom Postboten entgegen. Das Paket ist wirklich sehr, sehr groß.
Es steht eilige Weihnachtspost darauf, weiterhin befindet sich ein Bildchen mit einem
Weihnachtsmann mit Renntierschlitten auf ihm. Wir vermuten, dass es eine Weihnachts-
dekoration für das Dach sein könnte, etwa ein Weihnachtsmann mit Schlitten oder
dergleichen. Das zu toppen wird schwer. Vielleicht käme eine Lasershow in Betracht,
ähnlich derer die gelegentlich in Diskotheken Verwendung finden. Es gibt da auch solche,
mit denen Bildprojektionen auf die Wolken am Himmel erfolgen können. Vorstellbar wäre
hier das Bild eines Weihnachtsmannes in schneller Fahrt auf einem Rentierschlitten.
Die Zeit wird knapp, wir müssen uns praktisch heute entscheiden und bestellen, wenn die
Lasershow noch vor Weihnachten zum Einsatz kommen soll. Gott sei Dank, ist das infolge
des Internets kein Problem. Aber eine solche Lasershow würde natürlich einiges kosten.
 
Wir könnten auch auf einen Aussiedlerhof vor die Stadt ziehen, dann wäre für uns der
Sternenhimmel ausreichende Deko für Weihnachten und  noch dazu eine Deko, die niemand
toppen könnte.
 
Aber Letzteres kommt natürlich erst in Betracht, wenn wir es den Nachbarn Dank einer
Lasershow einmal so richtig gezeigt haben.
 
Da ich mich wohl die nächste Zeit intensiv mit dem Thema Lasertechnik befassen muss,
wünsche ich schon einmal
 
ein schönes Weihnachtsfest.



 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.12.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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