Michael Reißig

Lauras große Weihnachtsüberraschung

Ein Weihnachtsmärchen, geeignet für Kinder ab ca.
7 Jahren

„Ist das nicht wunderschön! Das ist doch wie in
einem Traum! Ich möchte immer auf dieser Wolke
bleiben, schwärmt das siebenjährige Mädchen
Laura.
„Du kannst aber nicht hier oben bleiben!“,
unterbricht der hübsche Engel Arella, der das
Mädchen dank seiner großen Flügel auf diese hell
leuchtende Wolke, die lediglich so lang und breit
wie ein Teppich ist, trägt.

Doch was hat Laura in die endlosen Weiten des
Himmels getrieben, die bisher nur in der Welt
ihrer Träume existierten?
Mama und Papa hatten den gütigen Engel um Hilfe
gebeten. Sie hatte es in der ersten Klasse ihrer
Grundschule einfach nicht mehr ausgehalten. Ihr
fiel es verdammt schwer, Zahlen im Kopf zu
behalten, diese zu addieren und auch wieder zu
subtrahieren. Das Schreiben lernte Laura dagegen
fließend. Ihren Klassenkameraden schien es
allerdings schnurzegal gewesen zu sein, dass es
ihr sehr oft gelang, starke Worte so schnell über
ihre Lippen springen zu lassen wie andere ihre
hämischen Lachsalven. Und einen Spitznamen hatte
sie so nebenbei auch noch abbekommen. Alle nannten
sie nur noch Lauross. Zum einen, wegen ihrer
dicklichen Figur, deren Bauch sich fast schon zu
einem Fettklos wölbte, zum anderen, weil sie von
all ihren Mitschülern, und sogar von ihrem
Mathelehrer für total verrückt und sogar für
strohdumm gehalten wurde. Sie musste sich halt
damit abfinden, dass sie nun mal das „Lauross“
war, in den Augen mancher Schüler sogar das
Riesenross. Mit keinem anderen Kind ihrer Klasse
wollte sie mehr reden, geschweige denn spielen,
zumal die anderen immer ärgere Streiche mit ihr
trieben. Laufend suchte sie nach ihrem
orangefarbenen Schulranzen, der jedes Mal in einem
anderen Versteck sich wiederfand. Und wenn dieser
mal nicht versteckt in irgendeiner Ecke ruhte,
mussten ihr Matheheft oder manchmal sogar ihre
gesamte Federtasche daran glauben.
„Ich muss fort von diesem bösen Ort, in dem mich
keiner mag!“, flehte sie zu ihren Eltern und
weinte rührend...


„Wir müssen hinunter in diese herrliche Welt!. Da
lauern auf uns die schönsten Früchte, die
saubersten Lüfte. Vor allem aber diese wundersame
Ruhe, die nur vom Schnattern der Papageien,
Wellensittiche und vieler anderer bunter Vögel
unterbrochen wird.“
„Ich mag Vögel sehr!“, jubelt Laura, die so
wunderschön wie eine bezaubernde Fee über ihr
ganzes Gesicht strahlt.
Merklich sinkt dieser wunderschöne Wolkenteppich,
auf dem Laura am liebsten bis zum Ende dieser Welt
schweben würde. Palmen, Zypressen, Algaven, und
ein Mangrovenwäldchen, werden größer und größer.
Beide landen butterweich im Sande, unmittelbar
neben dem üppig gewachsenen Mangrovenwäldchen,
das sich in die schmale Bucht eines goldigen
Strandes bettet.
Und plötzlich verwandelt sich die Wolke zu einem
richtigen Teppich.
Laura kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„Na, wie gefällt es dir hier in diesem
Sonnenland?“, fragt Arella mit blauen Augen, die
genauso leuchten wie das vor ihren Füßen liegende
Meer.
„Es ist so schön wie auf der Wolke. Ist das nicht
herrlich, dieser Himmel, dieses glitzernde
Meeresblau und dazu noch dieser goldige Strand!“,
schwärmt das hellauf begeisterte Mädchen.
Arella nimmt seinen schwarzen Zylinderhut vom
Kopf, den er während der gesamten Reise getragen
hat, um sich vor der intensiven Sonne zu schützen.
Er schaut ihr tief in die Augen und redet in den
Hut hinein: „Simsalabim!“
Heraus schwebt ein kleines, merkwürdiges weißes
Geschöpf, das sich in Blitzeseile in einen großen
Karton verwandelt.
„Sesam öffne dich!“ fährt Arella gedankenschnell
fort.
Aus dem Karton schwebt ein Brett mit einem
Plastikbeutel, in dem zahllose kleine, bunt
gefärbte Pappstückchen sich gegenseitig kitzeln.
Eines davon fleht wütend:
„Befreit uns endlich aus dieser Tüte und führt uns
zusammen! Dann hört dieses alberne Gekitzel
endlich auf!“
„Was hat das zu bedeuten?“, fragt Laura, der ein
mächtiger Schreck in die Glieder gefahren ist,
verstört nach.
„Du musst davor keine Angst haben. Dieses ist nur
ein Puzzle. Schau dir doch mal dieses wunderschöne
Bild auf dem Karton an! Wenn man alle diese
Teilchen zueinander fügt, ergibt sich dieses
herrliche Bild, das uns derzeit vor unseren Füßen
liegt. Diese Teilchen gehören zusammen wie Mama
und Papa zusammengehören. Nur passen die meisten
dieser Teilchen nicht so gut zueinander wie deine
Mama und dein Papa“, entschlüpft es geduldig aus
Engels Munde.
„Das ist ja der Ort, an dem wir gerade sind!“,
staunt Laura, die vor heller Aufregung das Bild
auf dem Kartondeckel gar nicht bemerkt hat, nicht
schlecht.
„Da fange ich gleich mal an!“, sagt Laura wild
entschlossen. Überaus hastig fängt das Mädchen an
die vielen kleinen Bildchen zu sortieren. Bilder
von Pflanzen und Bäumen stapelt sie zu einem
Häufchen, wie auch die anderen Bildchen von Meer,
Sand und Tieren. Einige Stückchen sehen fast
gleich aus, sodass sie das Gefühl hat, diese
gehören zusammen. Tun sie aber nicht.
Die Schüchterne ist der totalen Verzweiflung nahe.
So nahe, dass sie alle Teile am liebsten anpacken,
ins Meer werfen und den Fischen überlassen würde.
Ein merkwürdiges Schnarren und Krächzen von
nebenan hört sie zwar, nimmt dies aber nicht
wirklich ernst.
„Ich hab' keine Lust mehr!“, fleht Laura und
überhört dabei sogar einen kurzen Pfiff, den
Arella noch im selben Augenblick ausgestoßen hat.
Plötzlich erschrickt Laura so massiv, als hätte
ein Blitz im benachbarten Ozean eingeschlagen. In
Wirklichkeit hat doch nur ein bildschöner,
goldiger Papagei, der vermutlich auf Nahrungssuche
ist, der sie trotz allem über den gesamten
Zeitraum hinweg beobachtet hat, auf dem Schoß des
Mädchens sich niedergelassen.
„Ich bin Korax, der Papagei. Du brauchst vor mir
keine Angst haben. Ich will dir doch nur helfen!“,
schnarrt der Vogel in seiner unnachahmlichen Art.
„Du kannst mir doch gar nicht helfen.“
„Natürlich kann ich dir helfen.“
Das kluge Tier pickt sich ein Teil nach dem
anderen. Geduldig sucht er nach den passenden
Stückchen. Allerdings muss auch er sich lange in
Geduld üben. Schließlich und endlich wird er das
erste Mal fündig. Der Knoten scheint geplatzt.
Doch immer wieder versuchen die geschickten
Krallen die falschen Ausschnitte aneinander zu
reihen. Laura entgeht nicht, dass Korax mit einer
beeindruckenden Engelsgeduld zu Werke geht. Und
siehe da – auch ihr gelingt es erstmals passende
Teile aneinanderzureihen! Sogar vier an einem
Stück!
„Du kannst es doch“, ist Korax des Lobes voll.
Nun ist der Bann endgültig gebrochen. Getrieben
vom gemeinsamen Wille, aus den vielen bunten
Bildchen ein einziges phantastisches Bild zu
machen, setzen die beiden ihre Arbeit fort und
gewinnen Vertrauen zueinander. Als das Werk
erledigt ist, nimmt der Vogel liebevoll Abschied
von ihrer Spielgefährtin und verspricht ihr
heiligst, bereits am nächsten Morgen - kurz nach
Sonnenaufgang - wiederzukommen.
Und so geschieht es auch. Die dicken Freunde
können und wollen auch nicht mehr voneinander
weichen. Jeden Tag gehen die Drei miteinander
spazieren, essen sich gemeinsam an den
genüsslichen Früchten satt, planschen lachend in
den Meereswellen und haben göttlichen Spaß dabei.
Doch es ist wie sooft im Leben. Selbst die
schönsten Tage gehen einmal zu Ende.
„Weihnachten naht und Mama und Papa sehnen sich
schon nach dir“, gibt Arella ihr zu bedenken.
Ich sehne mich schon nach Mama und Papa, doch wie
soll ich nur ohne Korax leben. Ich habe ihn doch
so in mein Herz geschlossen. Der gefiederte Freund
erhört ihre Worte und versucht sie zu trösten. Du
findest schon wieder einen Freund, der immer
liebevoll zu dir ist. Du musst halt nur daran
glauben. Vor allem musst du aber viel Geduld
aufbringen. Dass du geduldig sein kannst, hast du
doch beim Puzzle so eindrucksvoll bewiesen. Du
musst nur fest an dich glauben, dann schaffst du
es schon.“
In der unwiderruflich letzten Nacht hat Laura
nicht ein einziges Mal ein Auge zugedrückt. An
Schlaf ist ohnehin nicht zu denken gewesen. Zu
tief sitzt der Schmerz des Abschieds in ihrem
weichen Herzen.
Ein Meer von Tränen kullert aus den schmal
gewordenen Schlitzen ihrer zarten Augen, die
früher fast immer müde, manchmal sogar leblos
starrten, die aber der Engel und ihr hübscher,
lustiger Spielkamerad im göttlichen Zauber dieser
wunderschönen Natur aus ihrem Dornröschenschlaf
erweckt haben. Letztmalig krault das Mädchen den
weichen Kopf des traurigen Gelbbrustaras, bis er
seinen geduckten Kopf schließlich nach oben zieht
und „Leb' Wohl, meine liebe Laura!“, sagt.
Kurz nachdem Arella seinen Zauberspruch
„Simsalabim“ abgelassen hat, wandelt sich der
Teppich wieder zu einer echten Wolke, damit die
beiden durch die unendlichen Weiten des Himmels
segeln können, um, wie versprochen, kurz vor dem
Fest im Weihnachtsland bei Mama und Papa zu sein.
Über eine Woche gleiten die beiden sanft durch
diese traumhaft schöne Welt, die weder Anfang und
Ende kennt.
Unmittelbar vor der anstehenden Landung im
Weihnachtsland ist es bitterkalt geworden. An
einem hübschen Häuschen, von deren Wänden schmucke
Lebkuchenherzen prangen, landet die Wolke auf
einer dicken, im Schein der vielen
Weihnachtslichter wunderschön glitzernden,
Schneedecke. Diesmal allerdings verwandelt sich
die Wolke in keinen Teppich, wie zuvor im
Sonnenland geschehen. Der klirrende Frost zehrt
diese Wolke augenblicklich auf. Ganz sanft gleitet
ein mit Päckchen vollbeladener Pferdeschlitten an
Laura und Arella. Freudig winkt sie den
Wichtelmännern zu. Laura ist jetzt schon so
aufgeregt wie lange nicht mehr. Das wilde
Herzklopfen in ihrer Brust wird noch stärker, je
näher ihre zittrige Hand sich dem hell
erleuchteten, talergroßen Klingelknopf nähert.
Aber als sie Mut gefasst, und den Knopf gedrückt
hat, ertönt zu ihrer Erleichterung lieblich helles
Glockengeläut. Sogleich öffnet sich die schmale,
gläserne Tür um einen breiten Spalt.
Zuallererst fällt Mama ihrem Töchterchen um den
Hals.
„Wie schön, dass ihr zur rechten Zeit angekommen
seid, in unserem wunderschönen Weihnachtsland,
erfreut sich Mama, deren große Augen mindestens
genauso hell erleuchten wie der sagenumwobene
Stern von Bethlehem.
„Sei willkommen in unserem weihnachtlichen
Gemach!“, sagt Papa, deren aufrechte Freude über
die Rückkehr seines Lieblings sich auch im
Leuchten seiner Augen widerspiegelt. Und auch
Arella ist außer sich vor Freude...

In der Nacht vor dem Weihnachtsabend kann Laura
wiedermal nicht die Augen schließen. Zahllose
Gedankenblitze durchzucken den Kopf des Mädchens,
deren glänzendes, naturblondes Haar zu einem
hübsch geknoteten Zopf sich windet. Aber ihre
Gedanken kreisen derzeit nicht nur um das Fest und
um die langersehnten Geschenke. In ihrem Inneren
wächst nämlich auch die bange Frage, was nach dem
Fest in der Schule mit ihr geschehen würde.
Am Morgen des Heiligabend, kurz nach
Sonnenaufgang, schmückt Laura im Beisein ihrer
Eltern den Weihnachtsbaum. Mit viel Liebe und
Geduld fädelt sie goldige und silbrige Sterne,
einige davon hat sie sogar selbst gebastelt,
zwischen den Nadeln dieser herrlich duftenden
Äste. Ihre Eltern sparen dabei nicht mit
Lobesworten.
Nach dem gemeinsamen Besuch der feierlichen
Christvesper, in der sich die treuherzigen
Kindesaugen aufmerksam dem Krippenspiel widmen,
ist es nun endlich soweit!
Das aufgeregte Sternchen zuckt mächtig zusammen,
als die Rute des Weihnachtsmannes gewaltig gegen
die Stubentür zischt.
Flink öffnet dieser die Tür und sagt wie es sich
gehört:
„Ich bin der Weihnachtsmann! Bist du die kleine
Laura!“
„Ja, die bin ich!“ Der ängstlichen Blick des
Mädchens gleitet argwöhnisch nach dem gut
gefüllten Sack mit den Geschenken, den er ein
wenig plump von der Schulter wirft. Die Stiefel
des Weißbärtigen kommen ihr aber irgendwie bekannt
vor. So ist es kein Wunder, dass in ihr plötzlich
der Gedanke, „das ist doch hoffentlich nicht
Papa!“ in den Sinn gekommen ist, zumal sie auch
noch glaubt, in der rauen Stimme des Mannes vom
Waldes, die echte, warmherzige Stimme von Papa
erkannt zu haben.
„Mir ist zu Gehör gekommen, dass dir mein Engel
sehr geholfen hat!“
„Arella hat mir auch sehr geholfen.“
„Ich habe viel Gutes von dir gehört. Zur Belohnung
bekommst du von mir auch tolle Geschenke“, sagt
der Weihnachtsmann, der etwas stockend das erste
Päckchen aus dem Sack holt. Mama hilft ihr ein
wenig nach beim Öffnen der kunstvoll gezierten
Bändchen.
„Eine Dampflokomotive für meine
Spielzeugeisenbahn!“
Laura hüpft vor Freude fast bis an die Decke.
Weitere Päckchen holt der bärtige Geselle aus dem
Sack. Sie packt einen hübsch anzuschauenden
Lichterengel aus. Anschließend folgen
Schokoladenweihnachtsmänner, Schokoladenkugeln und
viele andere Naschereien.
„Und jetzt kommt noch das Wichtigste!“, spannt
der Weihnachtsmann die Kleine letztmalig auf die
Folter.
Der Weißbärtige fischt das größte und zugleich
letzte Geschenk aus dem Sack.
Laura traut ihren Augen nicht.
„Ein Puzzle!“
„Weißt du auch, was das für Menschen sind, die auf
diesem Bild zu sehen sind?“
Das ist Jesus, kurz nach seiner Geburt im Stall
von Bethlehem. Und die anderen Menschen sind Maria
und Josef – seine Mama und sein Papa!“
„Das hast du gut gesagt, mein Kind!“ Hör jetzt
mal genau zu! Wenn du es bis zum zweiten
Weihnachtstag schaffst, aus diesen kleinen bunten
Teilchen dieses prachtvolle Bild zu formen, wartet
auf dich noch eine riesige Überraschung. Aber was,
das verrate ich dir jetzt noch nicht. Solltest du
es allerdings bis dahin nicht schaffen, musst du
leider vorerst auf diese tolle Gabe verzichten.
Natürlich ist Laura ein wenig traurig gestimmt,
als der Weihnachtsmann ihr „Auf Wiedersehen!“
sagt, aber aufgrund einer möglichen Überraschung
schwingt auch ein bisschen Zuversicht in ihrem
Herzen...
Laura müht sich redlich. In zahllosen Versuchen
muss sie erfahren, wie verdammt schwer es ist,
sich zu konzentrieren und sich immer wieder auf's
Neue zu motivieren – erst recht, wenn die Teilchen
einfach nicht zueinander wollen. Da ist sie der
der puren Verzweiflung, vor allem aber den Tränen
schrecklich nahe gewesen. Aufgeben, das will Laura
aber auf gar keinen Fall. Und ihre Mühen zahlen
sich aus. So freut sie sich diebisch, als am Abend
des zweiten Weihnachtstages ihr Daumen den letzten
Zacken in dieses fabelhafte Gebilde drückt.
Allmählich öffnet sich die Stubentür. Arella
kommt aber nicht herein, er bleibt zwischen Tür
und Angel stehen. Das Mädchen hört seltsame Laute,
die sie zwar nicht deuten kann, die ihr aber
irgendwie vertraut erscheinen.
„Kennst du diese Geräusche?“ , erkundigt sich
Arella frohen Mutes.
Der Engel öffnet die Tür fast bis zum Anschlag.
„Das klingt aber nicht nach der Stimme des
Weihnachtsmannes.“
Das göttliche Wesen schweigt einen klitzekleinen
Moment, streckt ihr gestikulierend den Zeigefinger
entgegen, wirft diesen sogleich aber wieder
zurück.
Lächelnd sagt er zu ihr:
„Folge mir einfach! Da kannst du aus eigenen
Augen sehen, dass der Weihnachtsmann nicht im
Hause ist!“
Als sie Arella folgt, die hölzerne Wendeltreppe
hinunter stiefelt, dringt ein eigenartiges
Schnarren in ihr Ohr.
„Komm doch zu mir, Laura! Komm her zu mir!“
„Arella, Arella!“, krächzt die unbekannte Gestalt
weiter.
„Das gibt’s doch gar nicht! Das kann doch nur
Korax sein!“
Schnellen Schrittes dringen die beiden durch die
schmale Kellertür, die Papa in diesem Augenblick
um einen breiten Spalt geöffnet hat.
„Das ist die Überraschung für dich, weil du so
fleißig und so lieb gewesen bist und weil du nicht
nicht gleich aufgegeben hast, als es mit dem
Puzzle nicht auf Anhieb klappte!“
Im Stile eines Zirkusakrobaten wandert die Kralle
des Papagei hoch zu seinem Kopf, der von
blaugelbem Gefieder durchzogen ist, an deren
großem, spitzen Schnabel auf weißem Grund in
tiefem Schwarz gewellte Linien prangen. Mit
Engelsgeduld krault Korax sein stolzes Haupt.
„Kraule mich, bitte kraule mich!“ gebärdet sich
der Stolze wie ein Bettelmann. Behutsam öffnet
Papa die Käfigtür.
Ganz sacht gleitet Lauras rechte Hand an die
erwünschte Stelle. Minutenlang lässt der Papagei
ihre wärmende Hand gewähren, bis der Vogel
schließlich liebevoll ihr sagt:
„Uns beide kann nun niemand mehr voneinander
trennen.“
Laura strahlt wie ein Honigkuchenpferd.
Und Papa flüstert ihr von ganzem Herzen zu:
„Das hast du dir auch verdient. Der Weihnachtsmann
hat es dir doch versprochen. Aber ich habe dir
noch etwas zu sagen.
„Zum Jahresbeginn wechselst du in die neu erbaute
Waldschule. Da dürfen nur jene Kinder hin, die
folgsam sind, die schwächere Kinder achten, die
ihnen auch dann helfen, wenn sie mal nicht
weiterwissen.

Die Überglückliche reckt beide Arme in die Luft.
Am liebsten würde sie Gott und die ganze Welt
umarmen. In der schönsten Stunde ihres noch so
jungen Lebens vergisst Laura prompt Papa zu
fragen, ob er etwa am Weihnachtsabend der Herr vom
Walde war. Aber das scheint Laura wurscht zu
sein. Korax und die neue Schule, dies sind zwei
überwältigende Geschenke, die ihr beim Weg in ein
wahres, glückliches Leben helfen werden.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.12.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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