Klaus-D. Heid

Hassen Sie Milton...?

„Ich frage Sie noch einmal, John! Warum hassen sie Milton?“

„Und ich sage es Ihnen noch einmal, Inspektor. Ich kenne keinen Milton und ich hasse auch keinen Milton!“

„Sie lügen, John! Sie wissen es und ich weiß es. Was hat Milton Ihnen getan, dass sie ihn so hassen?“

„Nichts, Inspektor. Er hat mir nichts getan. Wie sollte er auch? Er kennt mich nicht!“

„Aber Sie kennen ihn, oder?“

„Nur vom Hörensagen, Herr Inspektor. Seit genau einer halben Stunde.“

„Machen Sie sich nicht lustig über mich, John. Die Situation ist ernster, als Sie denken!“

„Welche Situation, bitte?“

„Die Situation, dass Sie Milton hassen. Es muss dafür Gründe geben, John! Was sind das für Gründe?“

„Warum glauben Sie mir nur nicht? Ich kenne Milton nicht! Er kennt mich auch nicht. Wie kennen uns nicht!“

„Aber ich kenne Sie, John! Und ich sage Ihnen, dass Sie lügen! Und? Was ist nun mit Milton?“

„Was soll mit ihm sein, Inspektor? Macht er Urlaub? Hat er im Lotto gewonnen? Was weiß denn ich...!“

„Sie wissen ganz genau, was ich meine! Sie hassen Milton! Ich will endlich wissen, warum, John!“

„Weil er ein Arsch ist, Inspektor! Deswegen hasse ich Milton!“

„Sieh an, sieh an! Mit einem Mal kennen Sie ihn also doch?“

„Unsinn! Ich hasse ihn, weil ich ständig seinen Namen von Ihnen höre.“

„Und weswegen noch? Warum hassen Sie Milton noch, John?“

„Weil er ein Perverser ist, der auf Friedhöfen onaniert, Inspektor!“

„Tatsächlich? Das wusste ich noch gar nicht! Sonst noch Gründe, John?“

„...weil er einen Pferdefuß hat und auf den Namen ‚Bello’ hört, wenn man ihn ruft!“

„Sie verscheißern mich, John. Das ist nicht gut für Sie! Das ist sogar gar nicht gut für Sie!“

„Nein? Was ist denn gut für mich, Inspektor?“

„Wenn Sie mir endlich den Grund nennen, weswegen sie Milton hassen!“

„Milton? Welcher Milton? Kenne ich nicht, Inspektor. Können wir nicht ein anderes Spiel spielen?“

„Kein Spiel, John. Bitterer Ernst! Entweder Sie sagen mir nun, weswegen sie Milton hassen, oder...“

„Oder?“

„...oder ich werde Sie so lange fragen, bis Ihnen der Name Milton aus den Ohren läuft, John!“

„Tut er jetzt schon, Inspektor. Sehen Sie nicht, wie mir kleine Miltons aus dem Ohr laufen?“

„Sie haben es noch nicht begriffen, John. Sie sind hier bei der Polizei – und nicht im Zirkus!“

„Dann bitte ich um Entschuldigung, Inspektor. Ist das hier nicht der ‚Milton-Zirkus’?“

„Das Lachen wird Ihnen schon noch vergehen, John! Warum hassen Sie Milton? Antworten Sie!“

„Wer ist Milton?“

„Der Mann, den Sie hassen, John. Ich will wissen, weshalb!“

„Wen hasse ich?“

„Milton“

„Ich? Ich hasse Milton? Obwohl ich keinen Milton kenne? Haben Sie eine Erklärung dafür, Inspektor?“

„Haben Sie denn keine, John?“

„Nein, Inspektor!“

„Lüge! Sie lügen, John. Sie lügen mir dreist ins Gesicht!“

„Wie kann ich denn lügen, wenn ich die Wahrheit sage? Ich kenne nun mal keinen Milton!“

„Sie müssen ihn aber kennen. Schließlich hassen Sie ihn ja auch!“

„Ist das etwa Ihre Logik, Inspektor?“

„Es ist logisch und es ist auch bewiesen, John!“

„Bewiesen? Es ist bewiesen, dass ich Milton hasse?“

„So gut, wie.“

„Aber noch nicht richtig, ja?“

„Mir reicht mein Instinkt! Und mein Instinkt sagt mir, dass Sie Milton hassen, John! Geben sie’s zu!“

„Ihr Instinkt? Das ist alles? Deswegen quälen sie mich mit diesem beschissenen Milton, Inspektor?“

„Sie mögen ihn nicht? Sie nennen ihn einen ‚beschissenen Milton’? Werden Sie endlich weich, John?“

„Nicht weich, Inspektor. Sauer! Ich werde langsam richtig sauer wegen Ihrem Milton!“

„Spätestens morgen singen sie, John. Dann singen Sie, wie ein Vögelchen...!“

„Unsinn! Sie haben nichts in der Hand. Sie müssen mich gehen lassen, Inspektor!“

„Obwohl Sie Milton hassen? Eher bringe ich Sie um, John!“

„Was sagen Sie da, Inspektor?“

„Ich sage, dass ich Sie eher umbringe, bevor ich Sie laufen lasse!“

„Interessant! Und so etwas sagt ein Inspektor zu mir? Darf das denn auch der Oberinspektor hören?“

„Milton?“

„Heißt er so? Heißt der Oberinspektor ‚Milton’, Sir?“

„Jawohl, John. Er heißt ‚Milton’! Dieser ekelhafte Karrierist heißt ‚Milton’.“

„Und Sie hassen ihn?“

„Ich hasse ihn! Eigentlich müsste ich hier der Oberinspektor sein, John. Verstehen sie das?“

„Sehr gut, Inspektor. Wer wird schon gerne übergangen?“

„Danke, John! Das ist nett von Ihnen, dass Sie mich verstehen!“

„Nicht der Rede wert, Inspektor! Im Vertrauen: ich mag Milton auch nicht!“

„So? Hat er Sie auch übervorteilt, John?“

„Er hat mich vor zwei Jahren verhaftet. So etwas vergesse ich nicht, Inspektor!“

„So ein Schwein! Widerliches Dreckschwein...!“

„Hurensohn! Verfluchter stinkender Hurensohn!“

„...wenn er nur tot wäre, John...!“

„Warten Sie’s nur ab, Sir! Alles eine Frage der Zeit!“

„Ich glaube nicht, dass ich noch lange warten werde, John! Es muss einfach sein!“

„Stimmt, Inspektor! Es muss sein! Sie ahnen ja nicht, wie ich Milton hasse!“

„Oh doch, John. Ich ahne es! Ich verstehe Sie wirklich sehr, sehr gut!“

„Nächsten Mittwoch ist es soweit, Inspektor!“

„Mittwoch? Wollen Sie’s endlich zuende bringen, John?“

„Entgültig! In dem Moment, wo er aus seinem Wagen steigt!“

„Erschießen Sie ihn? Herrlich, John! Wie schön, zu hören...!“

„Kopfschüsse! Nur Kopfschüsse! Das ganze Magazin schieße ich leer!“

„Haben Sie eine gute Waffe, John? Möchten Sie lieber meine Pistole haben?“

„Sehr freundlich, aber ich bleibe lieber bei meiner!“

„Darf ich mal sehen, John? Nur so? Ich interessiere mich nämlich für Waffen, müssen Sie wissen.“

„Klar doch, Inspektor. Schließlich sind wir ja irgendwie Seelenverwandte, oder?“

„Ja, irgendwie, John. Geben sie mir nun die Waffe, John?“

„Gerne. Hier. Bitte!“

„Danke, John. Habe ich Ihnen eigentlich schon meinen Vorgesetzten vorgestellt?“

„Vorgesetzten? Ich dachte, dass wäre dieser Milton?“

„Er ist es auch, John. Höchstpersönlich! Und Sie glauben gar nicht, wie er Sie hasst, John...!“

„Ich verstehe nicht ganz...?“

„Natürlich nicht, John. Ich werde nun die Bandaufzeichnung beenden. Das letzte Teil Ihres Geständnisses löschen wir selbstverständlich. Man soll schließlich denken, dass Sie die Waffe bis zuletzt bei sich hatten. Wenn man später den Tathergang rekonstruiert, wird man die Waffe in Ihrer Hand finden. Oberinspektor Milton konnte zum Glück besser treffen, als Sie. Sie werden tödlich getroffen, John. Meine Aufgabe ist es, die Notwehr des Herrn Oberinspektors zu bezeugen. Das Tonband bestätigt, dass Sie vorhatten, den Oberinspektor zu ermorden. Sie sehen also, dass alles in bester Ordnung ist, John. Jedenfalls für mich und Milton...!“

„Verdammt! Ich hasse Milton...!“

„Er sie auch, John! Er Sie auch...!“

Nachtrag an meine freundlichen Kritiker, der mich mit einer satten 6 gestraft hat:

wer denn meint, mein Stil sei stets der Gleiche, möge doch mindestens mehrere Erzählungen von mir lesen! Es ist sonst schwierig, Kritik auch begründen zu können... KDH
Klaus-D. Heid, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.10.2001. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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