Thomas Kleinrensing

Raucher leben länger, manchmal (es geschah im Aschenbecher)

Kent blinzelte langsam unter seinen Blei schweren Augenliedern hervor. Pochend stieg ein Gefühl im Kopf hoch, als wenn ein Elephant hinter seiner Stirn begonnen hatte zu steppen. „Oh Mann“, entfuhr es ihm langsam sich auf den Rücken drehend. Schemenhaft erinnerte er sich an den gestrigen Abend im Lennox. Viel Pink Wodka, viel Musik, Spaß und Eve. Auf dem Zimmer noch gemeinsam einige Burton und wie immer ein wilder Lucky Strike Ritt, bis zum finalen Montecristo. Er kannte Eve schon länger und wusste, dass sie zwar eine Dove war, aber umwerfend gut aussah und wie eine F6 abging.

Kent tastete mit seinem Roth-Händle neben sich das Laken ab. Eve war anscheinend schon weg. Er hob vorsichtig den wummernden Kopf und spähte durch das helle Sonnen geflutete Zimmer. Die Bad Tür stand weit offen. Von ihren High Heels, Seidenstrümpfe und vom Sexy kurzen Schwarzen, das von ihm gekaufte sündhaft teure Einzelstück vom Modeatelier Parisienne aus Boston, war nichts zu sehen. Genauso wenig, wie wahrscheinlich von seinen Dollar aus seiner Brieftasche. Sie lag offen neben einer leeren Whiskyflaschen und seinen verstreuten Klamotten auf dem Parkettboden im Cabinett.

Kent sank zurück ins Kissen und versuchte zuerst mal seine Balance zu finden. Er fiel  in einen leichten Dämmerschlaf und träumte irgendetwas Verworrenes vom Nil und Route 66. Entfernt nahm er durch das geöffnete Fenster mit der schon aufgeheizten Tagesluft, die eindringenden Geräusche des American Spirit der Menschen auf der Straße und den stampfenden B & H Sounds aus den Promenaden Cafes und Bars am Stuyvesant von Chesterfield wahr.

Er schreckte verschwitzt hoch. Ein klapperndes Geräusch hatte ihn aus dem Dämmerschlaf geholt. Sein Handy tanzte aufgeregt vibrierend auf der Glasplatte der Ablage rechts neben ihm. „Kent hier“, raunte er mit belegter Stimme.
„Hey, Du altes RiesenAfriloch“, dröhnte es aus dem I-Phone. „Kent Du Sack - bist Du da?“ Kent wälzte sich mühsam aus den Laken, hielt sich das Handy weit weg vom Ohr und wankte schwerfällig in Richtung Bad. „Kent“, schrie es wieder aus dem Handy.

„Was gibt’s Fred“, brummte er. "Hör mir zu Du Starlight unter den Bekloppten“, schnauzte Fred los. „Der King sucht Dich. Der ist total Van Nelle. Er weiß, dass Du den Deal im Club auf eigene Rechnung durchgezogen hast. Das ist die mieseste Mary Long Scheiße die Du jeh gemacht hast. – Kent! Der ist Power Red geladen. Der will Deinen knackigen Marlboro Gold Arsch“! Kent betrachtete sein unrasiertes Graugesicht im Spiegel und nuschelte ins Phone: „Reg Dich ab, immer Samson. Ruf in der Next halben Stunde an. Geh jetzt erst duschen. Und hör auf rumzukläffen wie ein Stafford Terrier.“ Er drückte das Gespräch weg und stellte die Dusche an.

Zwanzig Minuten später stand Kent, durch kaltes Wasser und ein Elixyr aus Wodka, Eigelb und Menthol gegen den Stepper im Kopf einigermaßen wiederhergestellt, vor dem Hoteleingang des Golden American. Hinter seiner verspiegelten Ray Ban Sonnenbrille mit extra starkem Lux Filter, schützte er seine noch geröteten und lichtempfindlichen Augen. Es war Mitte Juno. Und wie immer in der begonnenen Sommerzeit, trieb der Westwind von Attika schwül warme Luft herüber, die sich an den Gebirgsrücken der Dunhills aufstaute. In seinem Slim sitzenden Karo Jackett, den edlen Camel Activate Jeans, dem über der Hose hängendem violetten P&S Seidenhemd und den Gouloises Mokassins, schlufte Kent zu seinem Feuer Rouge lackierten Philip Morris, der auf der gegenüber liegenden Straßenseite parkte. Er stellte seine Reno Reisetasche hinten auf die Notsitze und bedauerte etwas, nicht den Mercedes genommen zu haben, wegen der Klimaanlage. 

Während er schwitzend versuchte sich mit seinem Cabriolette ohne Schrammen aus der Parklücke, eingeklemmt zwischen einem Smart und rasanten R1, in den Verkehr  einzufädeln, ertönte sein Black Devil Phone. Es war Fred.
Kent ließ seinen Morris Duett wieder zurück an den Eckstein rollen und stellte den Turbo ab. „Was willst Du, Fred“, fragte er gelangweilt, während er versuchte das mobile JPS in der Armaturenbretthalterung zu befestigen. „Du kannst wirklich Overstolz auf Dich sein, Kent. Ich hatte immer gedacht, dass nur Davi doff ist. Aber Du verdienst wirklich die Krone, Kent. Hör genau zu, Du erbärmliches  mieses Stück …“, schnauzte es aus dem Phone.

Kent nutzte die entstandene Pause: „Du Idiot von einem Gitanes. Hör auf zu schreien. Ich hab alles unter Kontrolle“. „Alles unter Kontrolle“, äffte Fred ihn nach. „Du hast gar nichts unter Kontrolle. Du bist das größte Camel was rumläuft. Du bist der Krumme Hund überhaupt, du Al Capone für Arme. Der King ist so was von sauer. Der hat Jiin Ling aus Goldfield auf Dich angesetzt. Hau ab, verschwinde gleich am besten aus American. Hau ab nach St Pauli, Deutschland, tauch bei den Benson & Hedges unter oder sonst wo, aber hau ab!“ Dann verstummte Fred. „Bist Du jetzt fertig“, fragte Kent und sonorte dann nachdrücklich: „Hör genau zu Du Flippi. Der kleine Prince macht sich jetzt von Danne mann. Und ansonsten Fred – könnt Ihr mich mal, LM.“ Bevor er das Handy ganz abschaltete hörte er seinen alten Kumpel Fred wie Rockets toben.

Kent zog umständlich sein Jackett aus und lümmelte sich im beigen Sportledersitz zurück. Er dachte über seine Situation nach, öffnete eine Tüte M`s & M`s und schob sich einen Drop nach dem anderen in den Mund. Ausgelassen schwappte das Beach Life zu ihm herüber. Kent wusste, dass mit King nicht zu spaßen war, speziell dann nicht, wenn jemand die Ernte 23 auf eigene Rechnung verschoben hatte. King tobte bestimmt in seiner Villa wie ein wilder Bison, da war Schluss mit lustig.

 Aber 15 Millionen waren halt fünfzehn Millionen, in gebrauchten Scheinen und in Worten. Er beschloss nach Miami zu fahren, aus seiner Sparta auf dem Hemingway die nötigsten Sachen zu holen, noch zwei von den weltbesten Griffins Puritos bei Cecil einzuwerfen und dann auf nimmer Wiedersehen auf einer dieser Guantanamera Mini Inseln zu verschwinden.

Jemand klopfte Kent auf die Schulter und riss ihn aus seinen Gedanken. Als er den Kopf drehte, schaute er direkt in den Lauf einer silbernen Winston mit Templeton Schalldämpfer. „Hi Kent“, zischte Jiin Ling und tippte mit dem kalten Lauf an Kents pochende Stirn. „King läss Dich glüßn. HB Auftlag das was ihm gehört jetzt abzuholn und die Velpackung zu beseitign“, Kent schielte auf den Lauf: „Was hälst Du von einem Handelsgold. Eine Mio oder so? Denke das ist ein Fairwindiger Deal“. Ling presste die Waffe kräftiger an Kents Stirn und blitzte ihn aus noch schmaleren Augen an: „Kent, oh Kent – kein Style das, bin nich in die Moods su verhandelen“. „Hey Jiin, Du bist nicht mein Reval. Kim – nimm meinetwegen die Hälfte und geh zurück nach Tawanesien, Pall Mall oder?“  Jiin Ling schüttelte langsam den Kopf und beugte sich zu ihm herunter: „Du bist ein Shis ha“? Und das war das Letzte was Kent höre. 

Jiin Ling lebt angeblich jetzt, nach einer Gesichts Umgestaltung, unentdeckt irgendwo auf Montico Island und schaut sich abends den Moon über Jakordia von der Terrasse seiner Finca El Sitio bei einem Burton an. Nichtraucher leben meistens länger.

16. Januar 2014
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