Fritz Lenders

Messer nicht ablecken...

... es ist Weihnachten.. 2013 ! 
... und wieder mal, ich mag es gar nicht sagen.., bin ich alleine  zu Hause. Ohhhhh es soll nicht der Eindruck entstehen,ich wäre einsam.
Nein, das nicht
. Gott sei dank lebe ich in einer harmonischen Beziehung und habe das Glück, mich frei entfalten zu können.
Keine Zwänge, keine ( oder zumindest nur wenige ??? ) Vorschriften.
Meine Frau ist ziemlich tolerant und das ist beim einem Leben mit mir auch bitter notwendig.
Naja.., Frizzo ( wie meine bessere Hälfte mich oft nennt ) ist halt von Zeit zu Zeit ziemlich umtriebig. Und dies.. gewürzt mit einer gewissen Tolpatschigkeit.. führt eben nicht selten... zu meinem wohlbekanntem  CHAOS !

Also, Heiligabend war ich nicht alleine, Meine Frau kam etwa gegen 20.00 Uhr vom Dienst nach Hause.
Ich hatte das Essen vorbereitet und vor lauter Vorfreude lief mir schon der Sabber übers Kinn.
Aber da meine Angetraute.. im Krankenhaus arbeitet, hätte es mir klar sein können, daß dort  zu Heiligabend doch schon die eine oder andere Süßigkeit die Runde machte.
Kurzum,.. meine Frau brachte nicht viel Appettit mit heim.
Gut.
Ich allerdings fühlte mich wie eine ausgehungerte Kreatur der Wildnis.
Hat schon mal Jemand einen Putenrollbraten so zubereitet, daß er wie Schweinefleisch schmeckt ?
Köstlich.
Ich habe den Braten mit dünnen rohen Schinkenstreifen umwickelt und bei 180-200 Grad ganz langsam garen lassen.
Die Soße dazu, wie immer mit Herzblut angerührt und wie eine Offenbarung des Küchengottes.. serviert. Hätten die Tempelritter jemals bei mir gegessen,,, sie hätten sich die Suche nach dem heiligen Gral ersparen können.
O.K. etwas übertrieben. In Wirklichkeit kann ich nicht sehr gut kochen und obwohl ich es immer versuche.. meine Frau übertrifft mich immer. Komisch eigentlich. Vielleicht sind Männer wirklich nicht der beste Freund der Küche. Obwohl ja eigentlich fast alle " Sterneköche " Männer sind.
Nun gut. ich gehöre eindeutig nicht dazu.
Und genau deswegen ist es für mich auch immer eine Offenbarung, wenn ein Menü gut gelingt.
Und ebenso selbstverständlich.. lobe ich mich dann auch selber. Und zwar ausgiebig.
Und wer mich kennt.. weiß, daß mit ausgiebieg.. auch wirklich ausgiebig gemeint ist.

Meine Frau hatte also nicht so sehr viel Hunger.
Wir waren nur zu zweit und daher war die einzige " verfressene " Person am Tisch... FRIZZO. ( also ich. )
Na klar. 
Ein göttliches Essen erfreut sich immer , wenn die Gäste richtig zulangen.
Also war ich eben der " ZULANGENDE "
Kurzum habe ich mich voller selbstgefälliger Gier, quer über die Tischplatte genagt, wie eine verhungernde Ratte.
Zwischen Braten, Blaukraut, besonderen ( teuren ) Kartoffeln und  " GRALVERDÄCHTIGER" Soße murmelte ich noch schnell ein Dankesgebet.. bevor ich überfressen zurücksackte.
Verständlicherweise verlief der restliche Abend zwar harmonisch aber dennoch ziemlich ruhig
da ein prall gefüllter Bauch ( bis zum bersten vollgestopft ! ) , nicht gerne Samba auf dem Tische tanzt.
O.K.
Am nächsten Tag hatte meine Frau Tagdienst, was natürlich beiinnhaltet, daß ich wieder alleine war.
Toll, Weihnachtstag und ich stehe da, in der Küche und eine Arrmada von in Wasser aufgeweichten, in den Wellen herumtreibenden, bedrohlich aussehenden Kochtöpfen.. Und am Ufer des Abspülmeeres.. in Kriegsstellung gegangene Teller und Gefäße.
Toll.. , nein besser noch.. zum kotzen.
Ich würde wieder eine Ewigkeit brauchen, bis die Küche clean war.
Ich könnte auch wirklich mal versuchen, beim kochen etwas weniger Saustall zu machen. Schießlich stand die Bestrafung ja immer stets parat.. bei Fuß.
Und während ich also so voller Selbstmitleid das Chaos betrachtete.. verfing sich mein trauriger, voller Selbstmitleid getränkter Blick.. in die Reste des Putenrollbratens.
Mir wurde sofort klar.. daß dies ein Versöhnungsangebot der Küche an mich darstellen sollte.
Obwohl ich noch immer eine ganz schöne Kugel von Bauch, vom Vorabend mit mir herumschleppte..
lief mir schon wieder da Wasser im Munde zusammen.
Was sollte ich mich denn abhetzen.
Meine Göttergattin kam ja ohnehin erst gegen Abend nach Hause.
Also los.
Der Küchenofen glühte vor Freude und innerhalb kürzester zeit durchzog ein paradiesiescher Geruch sämmtliche Räume von Oben bis Unten und wieder zurück.
Kurz darauf bog sich die Tischplatte im Wohnzimmer vor Köstlichkeiten.
Und wohlgemerkt.. es ist mir strengstens verboten, auf dem Wohnzimmertisch meine Orgien abzuhalten.
Wir haben einen tollen und nicht gerade kleinen.. Esstisch.
Ha..ha..ha.-- Frizzo braucht Luxus..
Zwischen Fernsehgeplärre und schmatzenden Lauten des Wohlgefühles meinerseits.. kämpfte ich mich wie ein Frett`chen von einer Seite des Tisches zur anderen durch.
Zwischendrinn ( während meiner Fressorgie.. ) überlegte ich mir mal kurz, wie es sich wohl anfühlen könnte.. einfach zu explodieren.
Naja.. Männer sind ein bisserl wie Hunde. Man kann erst aufhören, wenn der Würgreflex den nahenden Tod ankündigt.
Es war scheinbar nicht mehr unumgänglich, mein Festmahl zu beenden.
Und phantastischerweise.. hatte sich mein Geschirrberg nun fast verdoppelt.
Verfluchte Gier.
Ein Joghurt hätte eigentlich auch gereicht.
Oder besser wäre ein kleiner Lauf an der frischen Luft gewesen.
Aber gut.
Ich hatte noch viele Stunden Zeit vor mir, alles zu bereinigen.Vielleicht erst mal ein kleines Mittagsschläf`chen.
Aber erst mußte das Chaos in die Küche transportiert werden.
Ich bin nicht gerade für meine Geduld bekannt.
Also versuchte ich meine Gänge in die Küche auf das MINIMUM zu reduzieren.
Wer jemals den Tisch abgeräumt hat, ( Ich meine Männer ! ), der weiß wie oft man hin und her laufen muß. Furchtbar.
Noch furchtbarer.. mit vollem Magen.
Daher versuchte ich das Kunststück.. alles auf einmal in meinen Armen zu transportieren.
Nicht leicht.. Absolut nicht leicht..
ganz und gar nicht,
Während ich also meinen Haufen, bestehend aus Tellern, Besteck und halbgefüllten Töpfen auf den Armen balanzierte.... und dabei Das Wohnzimmer in Richtung Küche durchquerte.., den Esstisch linker Hand.., demonstrativ !! Nicht beachtete!!  ...
sah ich aus meinem aufgetürmten Berg von Chaosteilen.. Geschirr!!.. ein Messer herausragen, das noch voller Blaukraut und Soße vollgeklebt war.
Und man will es fast nicht glauben. 
Ich hatte eh keine Hand frei und war vollgestopft wie eine Weihnachtsgans..
Trotzdem lief mir sofort wieder das Wasser im Mund zusammen.
Ich versuchte, während ich also das Geschirr balanzierte.. meine Hand so zu verdrehen, daß ich mit zwei Fingern.. vorsichtig das Messer herausziehen konnte.. Unterm  Gehen.. wohlgemerkt..
Und als ich kurz davor  war, mir vor Gier die Hand zu brechen, erreichte das Messer meine Lippen.
Seit meiner Kindheit hatte ich immer die Stimme meines Vaters im Hinterkopf.
"Fritzi.. nie das Messer ablecken, denn Du könntest stolpern und dir dabei in die Zunge schneiden "
hört sich eigentlich völlig logisch an. Oder nicht ?
Die Worte also im Hinterkopf.. versuchte ich die Lippen über das Messer zu stülpen und vorsichtig das Blaukraut mit Soße vermischt.. abzustreifen.
Und in diesem Augeblick des Erfolges der unsagbaren Gier..., mit dem Messer im Mund., das Geschirr gefährlich wackelnd auf den Armen..
überfiel mich ein Nießanfall.
Bei mir geht das immer sehr schnell und ganz bestimmt nicht so unauffällig wie bei manchen anderen Menschen.
Das Nießen riß meinen Kopf mit einer Explosion nach unten. 
Was für ein Drama.
Ich versuchte voller Panik, meinen Geschirrberg zu halten und spürte einen scharfen Stich in der Lippe.
Voller Entsetzen schrie ich auf und spuckte Blut auf den Boden vor mir. 
Herrlicher Parkettboden.
Der verzeit mir das nie...
Und dadurch so in Panik geraten, fiel mir ein Teller mit Soße und Essgemisch.. aus der Hand und knallte gegen die Küchentüre.
Voller Angst um meine Lippe.. versuchte ich das Debakel zu übersehen, sprang zum Waschbecken und warf das Zeug hinein.
Meine Lippe blutete und mein Unterbewustsein verspottete mich auf Übelste..
Wie blöd konnte man nur sein.
Na klar.. ich war wieder mal alleine zuHause und zum X-ten male kroch ich auf dem Küchenboden dahin, den Lumpen in der Hand.. und versuchte Spuren zu verwischen.
Ist ja wohl mittlerweile nichts Neues mehr für mich.
Vielleicht sollte sich meine Gattin mal um einen Babysitter kümmern

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.01.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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