Christa Astl

Ist Schreiben wichtig?



 

 
Ist das Schreiben heutzutage noch wichtig?
Klar, würden hier alle sagen, sonst gäbe es unsere Gedichte und Geschichten nicht!
Was meint man eigentlich mit Schreiben?
Ist es die Kunst, Buchstaben zu malen, sie sinnvoll zu Wörtern zusammen zu setzen, aus Wörtern Texte entstehen zu lassen, Gedanken zu verschriftlichen, aufzuzeichnen…?
Schreiben war früher Handarbeit, Handfertigkeit, gesteigert bis zur Kunstfertigkeit. Es gab – und gibt es noch im fernen Osten – Schreiber, die in gestochen schöner Schrift Dokumente aufsetzen und Bücher niederschrieben, abschrieben, oder aufschrieben, was ihnen von einem Dichter diktiert wurde.
Schöne Handschrift war auch in meiner Schulzeit noch gefordert, Es gab sogar ein eigenes Fach: Schönschreiben. Mit der Schrift er Kinder war ich nicht immer zufrieden, die Lehrerin aber anscheinend schon. Heute scheint eine schöne Handschrift nicht mehr wichtig zu sein.
Im Zeitalter des Computers wird nicht mehr mit der Hand geschrieben. Kinder lernen wohl im ersten Schuljahr noch die Buchstaben, schreiben ihre Sätze, die Geschichten ergeben. Wie diese Geschichten aufs Papier umgesetzt werden, ist nur mehr zweitrangig. Der Inhalt zählt.
Das Wie ist aber in erster Linie die Form. Wichtig ist, ob man das Geschriebene überhaupt noch lesen kann. Das zweite Wichtige ist erst die Schreibweise, die Rechtschreibung.
Dazu gibt es ja das Rechtschreibprogramm, werden sich viele denken, vielleicht auch manche Lehrer, die die Hausarbeiten auf dem Rechner machen lassen. Doch das Rechtschreibprogramm ist sehr unflexibel. Wenn die Satzstellung einmal vom Gewöhnlichen abweicht, funkt es dazwischen und macht, jedenfalls mir, die Fehler hinein, besonders in der Grammatik!
Aber auch manche Rechtschreibfehler übersieht es. Vielleicht, weil doch noch angenommen wird, dass gewisse Rechtschreibregeln in der Grundschule so gründlich geübt worden sind, dass sie bereits in Fleisch und Blut übergegangen sein müssten?
Zum Beispiel, dass Verben und Adjektive für gewöhnlich klein geschrieben werden, ist für manche Neuland. Von hauptwörtlich gebrauchten Zeit- und Eigenschaftswörtern will ich hier gar nicht reden. Manche gehen scheinbar davon aus, dass wichtige Wörter groß und ihnen nicht so wichtige klein geschrieben werden. So nach dem Motto einer in unserer Mundart gern erzählten Anekdote: Ein Kind muss im Satz „Die Katz sitzt hintern (Mundart!) Ofen“ die groß zu schreibenden Hauptwörter bestimmen. Es erklärt: Was man angreifen kann, schreibt man groß. Bei der Katz weiß ich’s nicht, ob ich sie angreifen darf, den „Hintern“ schreibt man groß, weil den kann man angreifen, und den Ofen schreibt man im Sommer groß und im Winter klein.
Ein anderes Kapitel ist das Wörtchen „das“ im Gegensatz zum „dass“. Anscheinend haben da wir der Mundart Fähigen wieder einen Vorteil: denn „das“ heißt im Dialekt „des“. Wenn nun der Satz lautet: „Er will nicht, dass sie fortgeht“, passt ein „des“ nicht, und infolgedessen schreibt man hier „ss“, denn das scharfe ß ist an dieser Stelle ja der Rechtschreibreform zum Opfer gefallen. Ein anderes Beispiel: Das Buch, das ich geschenkt bekommen habe, das habe ich schon gelesen. Hier kann man jedes Mal „des“ oder „welches“ oder „dieses“ einsetzen.
Es wagen Leute zu behaupten, „ss“ schreibe man nach nur nach einem Beistrich! Aber siehe oberes zweites Beispiel! „Dass“ kann aber auch am Satzanfang stehen.
 
Ach ja, die deutsche Sprache ist wirklich schwierig, schwer zum Sprechen und noch schwerer zum Schreiben! – unsere armen kinder! (wäre es so schöner? Mein Rechtschreibprogramm wehrt sich allerdings dagegen, dass das Hauptwort „Kinder“ klein geschrieben wird!)
 
 
ChA 14.01.14

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.01.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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